Mittwoch, 17. Mai 2006

16. Das Kind in mir

Die nächste Etappe gehe ich rückwärts. Durch einen bunten Wald wandere ich und lande irgendwann bei einem riesigen Baum. In dessen Krone thront ein Baumhaus, zusammengenagelt aus alten Brettern.
Über eine wacklige Strickleiter quäle ich mich hoch, denn dort oben wohnt das Kind in mir. Ich möchte es gerne besuchen.

Es nimmt mich nicht wahr, als ich – gebückt, damit ich mir den Kopf nicht anstoße – eintrete. Ich schaue mich um. An den windschiefen Wänden Poster von Ronaldinho und Thierry Henry, auf dem Boden das Kind. Versonnen sitzt es auf den Brettern, die seine Welt bedeuten und betrachtet kleine Fotos. Wahrscheinlich von den verstorbenen Großeltern. Ich bin gerührt.

„Was machst du hier?“
„Ich sammle Panini-Bilder.“
„Bilder von Panini? Dem indischen Sanskrit-Grammatiker?“ Schön finde ich das, wie gebildet die Jugend heutzutage ist.
Das Kind schaut mich mit großen Augen an und schüttelt den Kopf: „Indien spielt bei der WM nicht mit.“
„Warum denn das? Dürfen die nicht?“
„Sie haben in der Qualifikation gegen Oman und Japan hoch verloren. Wahrscheinlich können sie mit ihren Turbanen nicht gut köpfeln.“
„Darf ich wenigstens mitspielen, wenn die Inder schon nicht dürfen?“

Ich darf. Unter einer Bedingung: Ich muss Oliver Kahn hergeben und das Stadion von Gelsenkirchen.
Die Regeln habe ich schnell durchschaut und hocke mich auf den Boden. „Was krieg ich dafür?“, beginne ich mit den Verhandlungen.
„Egal. Zwei Neger“, sagt das Kind.
Ich räuspere mich. „Zwei Schwarze“, korrigiere ich und rücke Kahn und das Stadion raus. Den Tausch finde ich fair, denn ich kann Kahn sowieso nicht leiden.
Das Kind reicht mir ein Bild.
„Und wo ist der zweite?“
„Auch da drauf. Bei den Negern sind immer mehrere auf einem Bild“, erklärt es mir. „Die sind nicht so viel wert.“
Ethische Diskussionen haben jetzt keinen Sinn. Das Sammelfieber hat mich gepackt. Ich pokere hoch. Nach stundenlangen Verhandlungen ist das Kind mit dem Einkleben fertig und müde. Und ich, ich habe die vollständige Mannschaft von Togo. Und das Wappen von Usbekistan.

Glücklich klappe ich das Album zu. Breite den Schlafsack neben dem Kind aus, lege meinen wertvollen Schatz unter meinen Kopf und träume. Einen wunderschönen Traum träume ich.

Togo ist Weltmeister. Und Indien Zweiter. Trotz der Turbane.

Wenn jemand Quorig Alphose von Vanuatu braucht, bitte bei mir melden. Ich hab ihn doppelt. Gute Nacht.

Weise Worte, wahr

"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Selbstgeschrieben


Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
Jakob und der gewisse Herr Stinki


Barbara A. Lehner (Text) Eleonore Petzel (Musik)
Von Herzen und Seelen - CD

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