Donnerstag, 18. Mai 2006

17. Tag - Grenzschutz

Ich stehe an. Es geht nicht weiter. Vor mir ein rot-weiß-rot gestreifter, heruntergelassener Schranken. Ich warte gehorsam, bis ein Zug vorbeikommt. Aber es kommt kein Zug, es gibt nämlich keine Schienen hier.
Weil ich ausgesprochen flexibel bin, beschließe ich, eine andere Strecke zu nehmen. Alle Wege führen zu mir, vielleicht.
Ich drehe mich im Kreis. Alles ist abgesperrt. Kein Durchschlupf. Resigniert muss ich erkennen: Ich bin an meine Grenzen gestoßen.
Erst mal setze ich mich an meinen Rand und packe das Wurstbrot aus.
Was nun? Was tun?
Durchatmen. Abbeißen. Nachdenken. Lächeln.
Wozu sind Grenzen da?
Erstens, zum Schutz, natürlich. Muss ich vor der Fremde in mir geschützt werden oder die Fremde vor mir?
Zweitens, und das ist das Wesentlichere: Grenzen sind dazu da, um überschritten zu werden.

Argwöhnisch blicke ich in alle Richtungen, ob ich beobachtet werde, stecke das Wurstbrot in den Rucksack und hebe vorsichtig das linke Bein über den Schranken.
„Halt!“, schreit ein Soldat, der hektisch aus dem dichten Gebüsch gesprungen ist. „Sie können hier nicht durch.“
„Und warum nicht?“ Eigentlich bin ich mir keiner Schuld bewusst, aber trotzdem schaue ich schuldbewusst. Schon aus Gewohnheit. Vielleicht habe ich wirklich irgendetwas angestellt. Man weiß ja nie.
Der Grenzschutz beginnt zu stottern. „Es ... es ... es ist verboten, etwas Verbotenes zu tun.“
„Seit wann ist es verboten, seine Grenzen zu überschreiten?“, frage ich schnippisch.
„Es ist der erste Schritt, etwas Verbotenes zu tun. Sie gefährden damit die Ordnung im Land. Außerdem, wenn Sie damit anfangen, dann tun das auch andere und hier wäre das reinste Tohuwabohu.“
Ich rolle mit den Augen. Der spinnt wohl. Ich eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit? Ich zeige ihm meinen Reisepass. „Ich weiß, Bester, Sie tun nur Ihre Pflicht, aber schauen Sie, ich bin eine unbescholtene Bürgerin meines Landes. Und jetzt lassen Sie mich bitte durch. Wenn es sein muss, können Sie mich doch überwachen und bespitzeln.“

Er blättert in meinem Ausweis. „Tut mir leid“, lächelt er ein Beamtensiegerlächeln. „Ich kann Sie nicht hinüberlassen. Ihr Visum ist abgelaufen.“
Scheiße. Ich hätte die Reise besser planen sollen. Aber Grenzen überschreitet man spontan, nicht auf dem Reißbrett. „Gut, dann stempeln Sie mir einfach ein neues Visum hinein und machen den Weg frei.“ Meine Geduld hat schließlich Grenzen.
„Das darf ich nicht. Befehl von oben.“
Meine Güte, keine Courage, dieser Bursche. „Na und, du kleiner Wichser“, spucke ich ihn wütend an. „Ich befolge schließlich auch nicht alle Befehle von oben. Um ehrlich zu sein, befolge ich viel lieber die von unten!“
Der Typ versteht keinen Spaß. Die Handschellen schnappen zu.

„Ich möchte auf der Stelle mit der Botschafterin sprechen“, verlange ich. „Das ist mein Recht. Ich kenne meine Rechte, auch als Linke! Und geben Sie mir einen Stift. Nein, ich werde damit weder Sie, noch mich umbringen. Ich muss nur eine Karte nach Hause schreiben. Die machen sich sonst Sorgen.“

Liebe Leute,
Man hat mich verhaftet.
Seit Stunden werde ich verhört und gefoltert. Ich soll sagen, was ich da drüben will. Ich kenne die Antwort nicht.
Man darf nichts in Frage stellen. Die Grenzen nicht. Und sich selbst schon gar nicht.
Eure B., bei Wasser und Brot

Weise Worte, wahr

"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Selbstgeschrieben


Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
Jakob und der gewisse Herr Stinki


Barbara A. Lehner (Text) Eleonore Petzel (Musik)
Von Herzen und Seelen - CD

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