Donnerstag, 1. Juni 2006

Der letzte Tag

Ich fühle mich sehr mächtig. Denn es liegt einzig und allein an mir, wie die Reise ausgeht. Ob ich das Taxi zum Flughafen versäume, im Duty free – Shop beim Klauen eines Lippenstiftes erwischt werde oder es zu dem unwahrscheinlichen Fall eines Druckverlustes in der Kabine kommt und ich die Sauerstoffmaske nicht finden kann.
Ich habe es in der Hand, oder besser gesagt, in meinen zehn Fingern, ob am letzten Tag noch etwas Dramatisches passiert, ob ich leidend und vergessen in der Ankunftshalle kauere oder ob es ein Happy End gibt.
Ich. Niemand sonst. Mir kann nichts geschehen, wenn ich das nicht will. Ich beschließe also, das teure Flugzeug nicht abstürzen zu lassen, auch wegen meiner Mitreisenden.

„Willkommen an Bord“, säuselt der blonde Flugbegleiter und überreicht mir einen Strauß warmgelber Sonnenblumen, „ich darf Sie als 1.000.000ste Passagierin unserer Boeing 787 begrüßen. Ich hoffe, es ist in Ihrem Sinn, dass wir Sie kostenlos upgegradet haben. Wenn Sie bitte in der Business Class Platz nehmen?“
Ich habe natürlich nichts gegen eine Aufwertung. Ich bin da durchaus tolerant, obwohl es mir ein bisschen peinlich ist, dass der Rucksack mit all den schlampig hineingestopften Erfahrungen und Abenteuern etwas streng riecht. Trotzdem strecke ich gemütlich die Beine aus, nippe am Champagner und stelle erfreut fest, dass die Paté von spanischen Arbequina Oliven beinahe so cremig schmeckt wie die bei der Botschafterin.
Der Flug vergeht wie in der Zeit.

Sie sind alle da. Meine Familie, meine Kollegen und Kolleginnen, meine Freunde. Ich werde gedrückt und geherzt. Sie haben mich vermisst, beteuern sie und klopfen mir glücklich auf die Schultern. „War es denn schön?“
Ich stottere: „Nun ... tja ... also ... schön ist vielleicht nicht das richtige Wort.“

Ein Mann mit Dreitagesbart steht etwas abseits und beobachtet durch eine edle Hornbrille interessiert die Begrüßungsszene.
„Und wer sind Sie?“ ziehe ich vergnügt die Augenbrauen hoch, wische mit dem Ärmel über die Öffnung der Champagnerflasche, die ich aus dem Flugzeug hab mitgehen lassen, und reiche sie ihm weiter.
„Ich bin Verleger“, antwortet er und nimmt einen kräftigen Schluck. „Ich möchte Ihre Reiseberichte gerne als Buch herausbringen. Hardcover, bunt bebildert, beste Qualität. Ich dachte an eine Erstauflage von 10.000 Stück. Fünfzehn Prozent des Nettoverkaufspreises für Sie. Geht das in Ordnung.“

„Zwanzig“, handle ich und grinse. „Zwanzig und geht das in Ordnung.“

Der vorletzte Tag

So. Der Flug ist bestätigt, die Depression verscheucht wie ein streunender Hund vom Mittagstisch und ich habe meine Siebensachen gepackt. Ähm ... gepackt ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck. Alles hineingepresst halt, die schönen Erinnerungen und abenteuerlichen Erfahrungen. Die schmutzigen Gedanken habe ich in ein Plastiksackerl gestopft, damit nicht alles feucht wird.
Morgen geht es also wieder zurück. Und weil ich will, dass meine Reise ein versöhnliches Ende nimmt, reise ich heute noch in den Teil von mir, den ich am liebsten mag.

In meine Liebesfähigkeit.
Ich schließe die Augen und lasse mich fallen. Die Liebe fängt mich auf und trägt mich. Manchmal tritt sie mich augenzwinkernd in den Arsch und sagt: Los, du musst schon auch etwas tun für mich. Aber sie meint es nicht so. Sie stellt nämlich keine Bedingungen. Sie ist einfach da. Sie will nur, dass ich hin und wieder sehe, was für ein großzügiges Geschenk diese Fähigkeit zu lieben und zu vertrauen ist. Sich selbst, anderen und dem Leben.

Ich halte inne. Irgendwie klingt alles kitschig, was man über die Liebe schreibt. Gänsehautkitschig. Magengeschwürkitschig. Die Liebe ist schuld daran, dass völlig talentfreie Menschen im Hormonrausch zur Feder greifen und Liebe auf Triebe und Herz auf Schmerz reimen. Dabei böte sich auch Kommerz an, oder Sterz, der macht sogar satt.

Keine Sorge, ich werde jetzt kein Gedicht über die Liebe schreiben. Das haben andere vor mir schon besser gemacht.
Ich schweige einfach. (Obwohl das ganz schön schwierig ist) Und genieße den warmen, sonnigen Tag in der schönsten Region meiner Welt.

Weise Worte, wahr

"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Selbstgeschrieben


Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
Jakob und der gewisse Herr Stinki


Barbara A. Lehner (Text) Eleonore Petzel (Musik)
Von Herzen und Seelen - CD

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bonanzaMARGOT - 18. Sep, 06:22
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Danke! Ich bleib hier auch ein bisschen ;-)
testsiegerin - 28. Aug, 22:26
Sehr edle Seite, ...
... die Neue. Macht Spass, dort ein bisschen herumzustöbern....
diefrogg - 28. Aug, 14:51
Da darf Frau schon stolz...
wenn sie so schönen Schmuck macht!
mac38 - 27. Aug, 10:22
I proudly present...
Ich hab da übrigens eine neue Webseite und freu...
testsiegerin - 26. Aug, 20:26

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