Mittwoch, 1. November 2006

Regierungs-mania - Österreich sucht den Bundeskanzler

Arabella grinst in die Kamera.
„So, wir kommen jetzt zur Entscheidung des heutigen Abends. Sie kennen ja die Regeln: Fünf Kandidaten haben es in die Endrunde geschafft, nur Martin ist schon im Casting ausgeschieden. Er hat gesagt, der ORF ist Schuld.
Also, jede Woche muss jemand die Show verlassen. Wer das sein wird, das entscheiden Sie zu Hause vor den Bildschirmen. Die beiden Kandidaten mit den wenigsten Anrufen werden hinausgewählt, die anderen haben jedoch die Möglichkeit, einen von ihnen mittels Friendship-Ticket wieder ins Boot zu holen. Der Sieger, der in vier Wochen feststehen wird, bekommt den Schlüssel vom Bundeskanzleramt. Bis zur nächsten Staffel. Dann muss er ihn wieder hergeben.“ Arabella wirft Wolfgang einen bösen Blick zu. „Gell, Wolfi. Immer schön an die Spielregeln halten.“
Wolfi stampft zornig auf und sagt: „Aber wenn das Publikum die falsche Nummer gewählt hat!“

"Für alle, die sich noch nicht entscheiden konnten, hier noch einmal eine Zusammenfassung."

Startnummer 1, Peter Westenthaler. Wolfgang findet das als eine Provokation. Westi singt: Wer hat mir mein Orange zerstört?“ Er kann keine Töne halten und singt grottenfalsch. Seine Bewegungen auf der Bühne sind ungelenk.
Hannes Eder, um eine Expertenmeinung gebeten: „Hätte ich ein Karaokelokal, ich würde dir Lokalverbot erteilen.“
Westenthaler hetzt seine Schläger auf Hannes Eder. Dieser verzeiht ihm, schließlich ist dessen Reaktion milieu- und alkoholbedingt.
Arabella legt tröstend ihren Arm um Westenthaler: „Sag einmal, Peter, was meinen denn deine Freunde zu deinem Auftritt und zu deiner Frisur.“
Peter antwortet mit einer Gegenfrage und wiederholt diese drei Mal, das hat er im NLP-Training so gelernt. „Welche Freunde? Welche Freunde? Welche Freunde?“

Startnummer 2, Alfred Gusenbauer, er hat aus dem reichhaltigen Musikpool aus der Sparte „Internationales“ Die Internationale gewählt. Eine solide Leistung, die Phrasings vielleicht ein bisschen zu hoch, aber die Bridge war sehr schön. Einen Rat gibt der Experte Eder Gusenbauer mit auf den Weg. "Es würde nicht schaden, noch ein bisschen an deinem Outfit zu arbeiten." Alfred nickt und schenkt Wolfi nach seinem Auftritt eine rote Nelke, als Zeichen der Bereitschaft zur Zusammenarbeit. "Vielleicht können wir ja mal was gemeinsam singen?", bietet er an.

Wolfi empfindet das als Provokation.

Schüssel trägt voller Inbrunst einen Oldie aus der Kategorie Heimatlieder vor: Es gibt nur einen Gott, es gibt nur einen Herrn. Strickliesl und Mitzi sind seine Backgrund-Sängerinnen. Hannes Eders Fachkommentar: „Wolfi, man spürt überhaupt keine Gottgläubigkeit oder positive Emotion hinter deinem Auftritt. Vielleicht solltest du es auch mit Stricken versuchen. Schon vorige Woche war dein Song A trauriga Bua eine Zumutung.“ Er appelliert ans Publikum, gerecht zu sein und Schüssel rauszuwählen. Wolfi fühlt sich provoziert. Er verschränkt die Arme vor dem Körper und trotzt. „Das Publikum kann das überhaupt nicht entscheiden. Ich bin der Beste.“

Sascha van der Bellen inhaliert noch einmal und singt mit rauchiger Stimme: Green green grass of home. Er erhält das höchste Saalvoting des Abends. Wolfi fühlt sich provoziert und faselt etwas von Haschtrafiken, die das Land überschwemmen werden, wenn Sascha gewinnt.

H.C. Strache, Startnummer 5, verkündet stolz: Ich singe etwas Teutsches, steckt sich eine blaue Kornblume ins Knopfloch und trägt das Horst Wessel –Lied vor.
Westi ballt zornig seine Faust, summt aber leise mit.

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Arabella zieht einen Zettel aus dem Glasröhrchen und verkündet pathetisch: „Den Kandidaten, dessen Namen ich jetzt gleich vorlesen werde, sehen wir auch nächste Woche wieder.“ Sie wirft einen Blick auf das Blatt Papier in ihrer Hand und rollt es wieder zusammen. "In der nächsten Runde ist ..."
Stimmung und Blicke gespannt. Trommelwirbel. Die Kandidaten halten sich an den Händen, nur Alfred und Sascha wollen H.C. partout nicht die Hand reichen.

Der Name geht im Applaus unter. Wolfi bricht in Tränen aus und beschimpft das Publikum. Er fühlt sich provoziert.

Augenblicke

Du bist Single? Einsam? Neugierig? Glaubst du an die Liebe auf den zweiten Blick?
Dann komm zur 3. Senior-Eye Gazing Party ins Gasthaus „Zur Post“ in Leitzersdorf. Das Speed-Dating der anderen Art. Schau einem fremden Menschen drei Minuten lang in die Augen und wechsle beim Gongschlag zum nächsten. Wer die Spannung aushält, kann viel über sein Gegenüber lernen.
*


So. Zusammenreißen jetzt und nicht anfangen zu grinsen. Ich hab wirklich Schwein gehabt. Die sieht ja richtig gut aus im Vergleich zu den anderen Schnaken hier. Wie alt ist sie wohl? Ich schätze mal vierundvierzig. So, und nun schön in die Augen schauen.


Na ja. Hätte schlimmer kommen können. Besser aber auch. Der da drüben im schwarzen Rolli, der ist mehr meine Kragenweite. Aber zu dem komm ich eh noch. Egal. Augen auf und durch. Sind ja nur drei Minuten. Hoffentlich krieg ich nicht wieder einen Lachanfall, wie damals im Mai. Also. Konzentration. Schau mir in die Augen, Kleines.


Warum die hier wohl mitmacht? Wie eine Nonne sieht sie ja wirklich nicht aus. Hat einen ziemlich knalligen Lippenstift aufgetragen. Wie soll ich mich da auf die Augen konzentrieren? Jetzt leckt sie sich auch noch über die Unterlippe. Das ist bestimmt Absicht. Puh, vielleicht läuft da noch was.


Ich hab Durst. Aber ich kann jetzt nicht einfach am Wein nippen, während ich starren soll. He, du! Ich kann mich nicht erinnern, „schau mir auf den Busen, Kleines“ gesagt zu haben. Also gesagt hab ich gar nichts, nur gedacht. Sagen darf man ja nichts. Vielleicht auch besser so. Obwohl – vielleicht hat er eine schöne Stimme. Die Farbe seiner Augen, die wird immer intensiver, je tiefer ich hineinschaue. Ein intensives Schlammbraun. Und drumherum hat er Lachfalten, das ist ein gutes Zeichen. Aber er schwitzt. Meine Güte, wie der schwitzt, ist das peinlich. Der Kerl sollte dringend zum Arzt.


Jetzt schiebt sie auch noch den Busen so heraus. Die weiß aber echt, wie man das macht. Bloß nicht hinschauen, sonst denkt sie noch, ich bin so ein Busenglotzer. Dabei seh ich jeden Tag genug von den Dingern. Ob sie ahnt, dass ich Arzt bin? Blödsinn, natürlich ahnt sie das nicht. Sie hält mich vermutlich für einen mickerigen Finanzbeamten.


Das Grübchen am Kinn. Das ist total liebenswert. Stefan hatte auch so ein Grübchen. Also ich geh davon aus, dass er es noch immer hat. Hoffentlich kann seine Neue das wenigstens schätzen. Raus aus meinem Hirn, Stefan. Immerhin, jetzt schaut er mir wieder in die Augen. Streng ist sein Blick, so als ob er mich durchleuchten möchte. Wahrscheinlich ein Polizist. Oder Beamter bei der Strafabteilung der Bezirkshauptmannschaft. Ob er sich wohl auch fragt, was ich beruflich mache? Das ist ihm bestimmt egal.


Beim Finanzamt ist die aber bestimmt nicht. Vermutlich hat sie Soziologie studiert. Das waren überhaupt die schärfsten, diese Soziologiestudentinnen. Hieß es jedenfalls, stimmte aber wahrscheinlich gar nicht. In meinem Wohnheim waren alle Soziologiestudentinnen lesbisch. Ob die hier wohl auch lesbisch ist und die Männer nur ein bisschen verarschen will? Jetzt kratzt es auch noch in meinem Hals. Ich weiß gar nicht, ob Räuspern erlaubt ist. Ich lass es lieber, sonst fang ich noch an zu husten oder krieg Schluckauf.


Was, wenn ich ein Treffen mit ihm vereinbare und dann beim Kaffee draufkomme, dass er blau wählt? Viele Polizisten wählen ja die FPÖ. Ich weiß, man sollte Leute nicht nach ihrer politischen Einstellung beurteilen, aber ich kann nicht anders. Ich könnte niemals einen Rassisten lieben, und wenn er noch so ein interessantes Grübchen hat. Ich hab vergessen, Butter zu kaufen. Blöd. Wo krieg ich an einem Sonntagnachmittag Butter her? Die Tankstelle sperrt um sechs zu. Und ich muss noch drei Männern je drei Minuten in die Augen schauen, verdammt. Dazwischen jeweils drei Minuten Pause. Macht achtzehn Minuten.


Im Moment bin ich richtig froh, dass ich nichts sagen muss. Ich könnte nur krächzen. Meine Oma hat immer gesagt, ich soll ein Stück Butter lutschen, wenn es im Hals kratzt. In so einem Kaff wie diesem bekommt man am Sonntag eh nirgends Butter. Wie lange glotzen wir eigentlich schon? Und jetzt erst merke ich, dass die zwei unterschiedliche Augen hat. Das rechte ist grün, aber das linke eher grau.


Ob ich ihn langweile? Ich lächle ihn einfach mal an. Es fällt dir kein Zacken aus der Krone, wenn du hin und wieder lächelst, hat meine Mama immer gesagt. Lächeln ist erlaubt, nur schrill lachen nicht. Wie ist das eigentlich, wenn ich alle durch hab? Warte ich sittsam darauf, dass mich einer anspricht? Das letzte Mal hab ich es ja nicht bis zum Schluss ausgehalten, da haben sie mich disqualifiziert, wegen des Lachanfalls. Er lächelt zurück. Jetzt wirkt er fast ein bisschen schüchtern.


Na also, wer sagt’s denn? Sie lächelt. Oder lacht sie etwa über mich? Vielleicht hab ich Marmelade im Gesicht. Ich lächle mal lieber zurück, selbst wenn mir irgendwo Marmelade klebt - dann denkt sie vielleicht, ich wüsste, dass ich Marmelade im Gesicht habe, und dann glaubt sie, ich hätte Humor. Vorausgesetzt, sie selbst hat welchen. Aber wer hat das schon? Die Chance steht eins zu hundert. Die meisten Leute sind dumm und humorlos. Jetzt sitzt ich also hier, und lächle eine vermutlich dumme und humorlose Frau Mitte Vierzig an. Na, nur noch ein paar Sekunden.


Die haben sich geirrt. Die Uhr geht falsch. Ist bestimmt stehen geblieben. Ich sollte es ihnen sagen. Aber dann disqualifizieren sie mich wieder, weil ich die Spielregeln nicht einhalte. Wir starren uns seit mindestens zehn Minuten an. Verdammt, ich werde rot. Warum erröte ich, wenn mich ein schwitzender, blauer Polizist mit schlammbraunen Augen und Grübchen am Kinn anlächelt? Wir sitzen wahrscheinlich noch morgen hier, wenn niemand diese blöde Uhr repariert.


Gonggggg.
„Die Zeit ist um. Drei Minuten Pause. Die Herren wechseln bitte an den nächsten Tisch auf ihrem Plan.“


Na, los, du sollst wechseln, hat sie gesagt. Deine Chance. Starr doch der nächsten auf den Busen. Deshalb bist du schließlich hier, nicht wahr? Und hör auf, mich so anzulächeln. Ich kann jetzt gar nicht aufstehen. Ich hab weiche Knie. Oh Gott. Dieser Glatzkopf mit dem Bierbauch kommt auf mich zu. Bitte geh nicht weg. Bitte deute den flehenden Blick in meinen Augen jetzt richtig und bleib einfach sitzen. Lächle mich noch weiter an. Wenn es sein muss, bis morgen früh.

Weise Worte, wahr

"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Selbstgeschrieben


Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
Jakob und der gewisse Herr Stinki


Barbara A. Lehner (Text) Eleonore Petzel (Musik)
Von Herzen und Seelen - CD

Neu

@datja
die ist aber unromantisch. ich finde da fehlt was anderes:...
la-mamma - 24. Jul, 18:48
hier ist sie:
die fehlende zeile
datja (anonym) - 24. Jul, 18:40
nein, 'aye' bedeutet...
nein, 'aye' bedeutet anteilnehmendes, weil so gänzlich...
Sun-ray - 24. Jul, 17:18
wunderbar..
das ist die menschliche (weibliche) seele:bevor sie...
lonely rider woman - 24. Jul, 17:03
ad 1) weil meine Selbstzweifel...
ad 1) weil meine Selbstzweifel systemimmanent und wasserresistent...
testsiegerin - 24. Jul, 15:01
Heilsames
Schöne, neue Schuhe. Bachblütentropfen. Harold...
testsiegerin - 24. Jul, 14:52
Warum...
hinterfragst du dich bei solchen Standardbriefen irgendwelcher...
Nehalennia - 24. Jul, 14:19
Ist Aye das selbe wie...
Ist Aye das selbe wie oh je?
testsiegerin - 23. Jul, 23:42

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