Dienstag, 17. April 2007

Gute Waffen für gute Menschen

Ich bin ein guter Mensch. Ich gieße meine Blumen, ich zahle meine Steuern und ich füttere mein Huhn. Regelmäßig. Und wie jeder gute Mensch habe ich ein Recht auf eine Waffe. Damit ich mich gegen böse Menschen zur Wehr setzen kann.
Ich finde das durchaus sinnvoll, denn ich habe das Reden ohnehin satt. Der Gebrauch von Verstand und Sprache als Waffe reicht im täglichen Leben manchmal nicht aus und ist ausgesprochen anstrengend. Noch dazu verstehen viele Menschen weder meine Sprache noch meinen Verstand, was die Sache noch mühsamer macht als sie ohnehin ist. Da will man den Menschen Zusammenhänge erklären oder beibringen, wie sie Böse von Gut unterscheiden, da überlegt man sich Argumente, formuliert in ganzen Sätzen und die Leute starren einen mit großen Augen an. Oder hören einem erst gar nicht zu. Wie viel einfacher ist da ein schlichter Schuss. Peng – und sie kapieren, was man von ihnen will. Die Sprache der Waffengewalt, das ist eine, die sie verstehen. Weil es eine urtümliche, archaische Sprache ist, die überall auf der Welt gesprochen wird. Peng. Sogar in Amerika. Diese Argumente greifen.
So lange Schusswaffen nur in guten Händen wie den meinen sind, ist die Welt in Ordnung. Man muss nur – sagt Bush, der Dümmere – man muss darauf achten, dass die guten Waffen nicht in die Hände böser Menschen gelangen.
Heute früh zum Beispiel: Mein Nachbar klopft an meine Tür und beklagt sich darüber, dass die Mülltonne stinkt. Gut, ich hätte mich entschuldigen können, ihn auf einen Kaffee einladen, ihm umständlich erklären, dass Mülltonnen keine überdimensionalen Parfumzerstäuber, sondern eben Mülltonnen sind. Glauben Sie, er hätte mich verstanden?
Und nun stellen Sie sich vor, meine gute Pumpgun wäre in die von der Arbeit zerfurchten bösen Hände des Nachbarn gelangt. Das wäre schlimm ausgegangen. Stellen Sie sich weiter vor, er hätte auch meine Kettensäge in seinen Besitz gebracht. Ich würde jetzt zerstümmelt Rippe an Rippe mit dem Gerichtsvollzieher in der Mülltonne stinken, nicht er. Da sehen Sie, was gute Waffen in den Händen böser Menschen anstellen können.
Sie hätten sein hinterhältiges, falsches Grinsen sehen sollen, schon gestern beim Bäcker, als ich mich über die alte Semmel beklagt habe. Der schaut bestimmt zu Hause Gewaltvideos oder spielt Computerspiele, wo er die Leute abknallt. So einer ist das, der Nachbar.

Ich habe das Recht, mich zu wehren. Jeder Mensch muss dieses Recht haben, das Recht auf Freiheit, auf Hamburger und das Recht, sich und seine Familie mit einer Waffe zu verteidigen. Wir müssen nur darauf achten, dass sie nicht die falschen Hände kommen, die Waffen.

Ich bin ein durch und durch guter Mensch, gewiss. Fragen Sie den Bäcker. Ach nein, das geht ja nicht mehr.
Fragen Sie das Huhn. Das habe ich soeben gefüttert. Und den Rosmarin hab ich auch gegossen. Tun böse Menschen so etwas?

Weise Worte, wahr

"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Selbstgeschrieben


Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
Jakob und der gewisse Herr Stinki


Barbara A. Lehner (Text) Eleonore Petzel (Musik)
Von Herzen und Seelen - CD

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