Verzicht ist geil!
Lieber Herr Präsident der Industriellenvereinigung,
Sie sind ein witziger Kerl, irgendwie. Wirklich. Die Leute mögen Sie. Ehrlich. Mit Ihrer Idee, die arbeitenden Menschen mögen auf ein Viertel ihres Lohnes verzichten, um ihre Arbeitsplätze nicht zu gefährden, haben Sie viele Freunde gewonnen. Bestimmt.
Nun war ich ja etwas überrascht, weil ich Ihnen gar nicht zugetraut habe, dass Solidarität und Verzicht Ihnen so ein Anliegen ist. (Ehrlich gesagt hab ich mich gewundert, dass Ihnen das Wort überhaupt über die Lippen kommt)
Möglicherweise haben ja die Medien nur einen kleinen Ausschnitt aus Ihrem Forderungskatalog gebracht, aus Gehässigkeit oder weil die Sie verleumden wollen. Oder aber ich war grad zum falschen Zeitpunkt auf dem Klo, denn ich habe ausgerechnet den Teil Ihrer Rede versäumt, in dem Sie verkündet haben, selbst mit gutem Beispiel vorauszugehen und auf drei Viertel Ihres Gehalts zu verzichten, weil das Ihren Lebensstandard nicht weiter beeinträchtigen würden und weil es an der Zeit ist, endlich zu teilen und sich solidarisch zu zeigen mit Menschen, die von Arbeitslosigkeit und Armut bedroht sind. Ich hab auch nicht gehört, wie Sie gefordert haben, dass Manager, Bankdirektoren und Aufsichtsratsmitglieder bereitwillig auf einen Teil Ihrer Gelder verzichten und sich zu Ihrer Mitschuld an der Finanzmisere bekennen.
Schade, dass ich das nicht mitgekriegt hab. Das haben Sie doch gesagt, oder? Oder wenigstens gedacht?
Nun ist es ja so, dass wir Angestellte in Sozialberufen sowieso ein ungerechtfertigt hohes Einkommen beziehen, weil wir ja nichts Sichtbares produzieren oder zur Gewinnmaximierung beitragen, sondern uns nur um Menschen - pardon, um "Humankapital" kümmern. Noch dazu um unproduktives, asoziales, behindertes, altes und für Sie wertloses Humankapital, das nichts zum Funktionieren der Gesellschaft beiträgt und oft nicht einmal Steuern zahlt, geschweige denn Beiträge zur Industriellenvereinigung.
Deshalb werde ich natürlich sofort auf ein Viertel meines ohnehin ausgesprochen großzügigen Gehalts verzichten. Auch das Geschenk des Geschäftsführers (€ 25,- für ein Weihnachtsessen mit dem Team, das als Ausgleich für seine Großzügigkeit aber selbstverständlich in der Freizeit und nicht in der Arbeitszeit stattzufinden hat) würde ich gerne einem Obdach- oder Arbeitslosen spenden, der genug Zeit für ein nettes Weihnachtsessen hat.
Eine (vorweihnachtliche) Bitte hab ich an Sie, Herr Präsident. Könnten Sie vielleicht ein ernstes Wort mit meiner Bank reden? Die wollen nämlich nicht freiwillig auf ein Viertel meiner Kreditraten verzichten. Auch mit der Stromgesellschaft, dem Klavierlehrer meiner Tochter, der Gemeinde, der Tankstelle und der Telekom sollten Sie sprechen. (Die Menschen dort haben im Gegensatz von Ihnen ja keine Ahnung von Solidarität). Aber machen Sie sich keinen Stress, wenn das nicht funktioniert, dreh ich die Heizung einfach am Mittwoch und am Sonntag ab. Und mein Kind könnte auch singen statt Klavier spielen.
Ich geh davon aus, dass Sie mit meinem Supermarkt und meinem Bäcker schon in Verhandlungen getreten sind und mein Kipferl morgen nur noch drei Viertel des üblichen Preises kostet, nicht wahr?
Danke, Herr Präsident, Sie sind wirklich witzig, irgendwie. Ehrlich.
Ich mach jetzt eine Flasche Wein auf und trinke auf Ihre großartigen Ideen. Das ein oder andere Viertel trink ich. Auf das verzicht ich nämlich nicht.
Und aus.
Sie sind ein witziger Kerl, irgendwie. Wirklich. Die Leute mögen Sie. Ehrlich. Mit Ihrer Idee, die arbeitenden Menschen mögen auf ein Viertel ihres Lohnes verzichten, um ihre Arbeitsplätze nicht zu gefährden, haben Sie viele Freunde gewonnen. Bestimmt.
Nun war ich ja etwas überrascht, weil ich Ihnen gar nicht zugetraut habe, dass Solidarität und Verzicht Ihnen so ein Anliegen ist. (Ehrlich gesagt hab ich mich gewundert, dass Ihnen das Wort überhaupt über die Lippen kommt)
Möglicherweise haben ja die Medien nur einen kleinen Ausschnitt aus Ihrem Forderungskatalog gebracht, aus Gehässigkeit oder weil die Sie verleumden wollen. Oder aber ich war grad zum falschen Zeitpunkt auf dem Klo, denn ich habe ausgerechnet den Teil Ihrer Rede versäumt, in dem Sie verkündet haben, selbst mit gutem Beispiel vorauszugehen und auf drei Viertel Ihres Gehalts zu verzichten, weil das Ihren Lebensstandard nicht weiter beeinträchtigen würden und weil es an der Zeit ist, endlich zu teilen und sich solidarisch zu zeigen mit Menschen, die von Arbeitslosigkeit und Armut bedroht sind. Ich hab auch nicht gehört, wie Sie gefordert haben, dass Manager, Bankdirektoren und Aufsichtsratsmitglieder bereitwillig auf einen Teil Ihrer Gelder verzichten und sich zu Ihrer Mitschuld an der Finanzmisere bekennen.
Schade, dass ich das nicht mitgekriegt hab. Das haben Sie doch gesagt, oder? Oder wenigstens gedacht?
Nun ist es ja so, dass wir Angestellte in Sozialberufen sowieso ein ungerechtfertigt hohes Einkommen beziehen, weil wir ja nichts Sichtbares produzieren oder zur Gewinnmaximierung beitragen, sondern uns nur um Menschen - pardon, um "Humankapital" kümmern. Noch dazu um unproduktives, asoziales, behindertes, altes und für Sie wertloses Humankapital, das nichts zum Funktionieren der Gesellschaft beiträgt und oft nicht einmal Steuern zahlt, geschweige denn Beiträge zur Industriellenvereinigung.
Deshalb werde ich natürlich sofort auf ein Viertel meines ohnehin ausgesprochen großzügigen Gehalts verzichten. Auch das Geschenk des Geschäftsführers (€ 25,- für ein Weihnachtsessen mit dem Team, das als Ausgleich für seine Großzügigkeit aber selbstverständlich in der Freizeit und nicht in der Arbeitszeit stattzufinden hat) würde ich gerne einem Obdach- oder Arbeitslosen spenden, der genug Zeit für ein nettes Weihnachtsessen hat.
Eine (vorweihnachtliche) Bitte hab ich an Sie, Herr Präsident. Könnten Sie vielleicht ein ernstes Wort mit meiner Bank reden? Die wollen nämlich nicht freiwillig auf ein Viertel meiner Kreditraten verzichten. Auch mit der Stromgesellschaft, dem Klavierlehrer meiner Tochter, der Gemeinde, der Tankstelle und der Telekom sollten Sie sprechen. (Die Menschen dort haben im Gegensatz von Ihnen ja keine Ahnung von Solidarität). Aber machen Sie sich keinen Stress, wenn das nicht funktioniert, dreh ich die Heizung einfach am Mittwoch und am Sonntag ab. Und mein Kind könnte auch singen statt Klavier spielen.
Ich geh davon aus, dass Sie mit meinem Supermarkt und meinem Bäcker schon in Verhandlungen getreten sind und mein Kipferl morgen nur noch drei Viertel des üblichen Preises kostet, nicht wahr?
Danke, Herr Präsident, Sie sind wirklich witzig, irgendwie. Ehrlich.
Ich mach jetzt eine Flasche Wein auf und trinke auf Ihre großartigen Ideen. Das ein oder andere Viertel trink ich. Auf das verzicht ich nämlich nicht.
Und aus.
testsiegerin - 21. Nov, 18:15

