Rosengarten
„Alles läuft wie am Schnürchen.“
Schön liest er sich, dieser Satz. Aber er ist nicht von mir.
„Alles läuft irgendwie so am letzten Drücker und wir kratzen Kurven meist im letzten Moment. Manchmal auch nicht.“
Der Satz ist von mir.
Vorigen Freitag haben wir erfahren, dass das Land aufgrund unseres Antrags die Ausbildung in einer Werkstätte ... Integrative Betriebe und Ausbildungs GmbH bewilligt und unser Sohn am darauffolgenden Montag eine Lehre als Landschaftsgärtner beginnen kann. Vorerst Probezeit, eh klar.
Seit Montag jätet mein Sohn Unkraut und ist glücklich.
Der Mensch mit besonderen Bedürfnissen selbst und die gesetzlich unterhaltspflichtigen Angehörigen haben dem Land zu den Kosten dieser Hilfe einen Beitrag zu leisten. Dieser wird von der örtlichen Bezirskverwaltungsbehörde vorgeschrieben. (Herwig Steiner, wenn du das hier liest, schreibst du mir bitte wieder einmal?)
Umsonst ist in diesem Land nicht einmal der Tod. Wenn jemand nicht tüchtig genug ist für die freie Wirtschaft mit ihren Mechanismen, dann kostet das. Auch schon wurscht. Hauptsache, er hat eine Lehrstelle.
Am Mittwoch habe ich einen Karrieresprung gemacht. Für fünf Wochenstunden ernte ich ab Oktober mehr Ruhm, voraussichtlich aber nicht mehr Geld. Und frage mich, ob ich jetzt Teil des berühmten Peter-Prinzips bin. („In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen“.)
Diesen Freitag – also vor einer Stunde – haben wir erfahren, dass Frau Dr. Blubb am Montag in die 7. Klasse aufsteigen darf. Obwohl sie die Sache mit den Vektoren und Proportionen nicht kapiert hat.
Draußen regnet es. Herbst heißt auf Englisch "Fall", weil alles vom Himmel oder vom Baum fällt. Im Moment Regen und reife Zwetschken. Es gibt Kaiserschmarrn mit Zwetschkenröster. Das Dach ist undicht. Mein Mann dicht. Das Leben kein Rosengarten, wie meine Freundin zu sagen pflegt. Aber ein paar Rosen wachsen trotzdem drin.
Jetzt köpfe ich eine Flasche Sekt. Feiere auf die Erfolge der letzten beiden Freitage. Auf meine großartigen Kinder. Auf meinen 5-Stunden- Karrieresprung. Darauf, dass ich bei E-bay einen preiswerten Kurzurlaub in einem Wellnesshotel ersteigert habe, als Weihnachtsgeschenk für Frau Doktor Blubb. Spiele mit der Frau Doktor und Rosi. Bereite mich später auf die Tagung und die Lesung nächste Woche im Harz vor.
Das Schreiben hab ich leider im Sommer verlernt. Macht nichts. Vielleicht schaut es ja wieder einmal bei mir vorbei.
Schön liest er sich, dieser Satz. Aber er ist nicht von mir.
„Alles läuft irgendwie so am letzten Drücker und wir kratzen Kurven meist im letzten Moment. Manchmal auch nicht.“
Der Satz ist von mir.
Vorigen Freitag haben wir erfahren, dass das Land aufgrund unseres Antrags die Ausbildung in einer Werkstätte ... Integrative Betriebe und Ausbildungs GmbH bewilligt und unser Sohn am darauffolgenden Montag eine Lehre als Landschaftsgärtner beginnen kann. Vorerst Probezeit, eh klar.
Seit Montag jätet mein Sohn Unkraut und ist glücklich.
Der Mensch mit besonderen Bedürfnissen selbst und die gesetzlich unterhaltspflichtigen Angehörigen haben dem Land zu den Kosten dieser Hilfe einen Beitrag zu leisten. Dieser wird von der örtlichen Bezirskverwaltungsbehörde vorgeschrieben. (Herwig Steiner, wenn du das hier liest, schreibst du mir bitte wieder einmal?)
Umsonst ist in diesem Land nicht einmal der Tod. Wenn jemand nicht tüchtig genug ist für die freie Wirtschaft mit ihren Mechanismen, dann kostet das. Auch schon wurscht. Hauptsache, er hat eine Lehrstelle.
Am Mittwoch habe ich einen Karrieresprung gemacht. Für fünf Wochenstunden ernte ich ab Oktober mehr Ruhm, voraussichtlich aber nicht mehr Geld. Und frage mich, ob ich jetzt Teil des berühmten Peter-Prinzips bin. („In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen“.)
Diesen Freitag – also vor einer Stunde – haben wir erfahren, dass Frau Dr. Blubb am Montag in die 7. Klasse aufsteigen darf. Obwohl sie die Sache mit den Vektoren und Proportionen nicht kapiert hat.
Draußen regnet es. Herbst heißt auf Englisch "Fall", weil alles vom Himmel oder vom Baum fällt. Im Moment Regen und reife Zwetschken. Es gibt Kaiserschmarrn mit Zwetschkenröster. Das Dach ist undicht. Mein Mann dicht. Das Leben kein Rosengarten, wie meine Freundin zu sagen pflegt. Aber ein paar Rosen wachsen trotzdem drin.
Jetzt köpfe ich eine Flasche Sekt. Feiere auf die Erfolge der letzten beiden Freitage. Auf meine großartigen Kinder. Auf meinen 5-Stunden- Karrieresprung. Darauf, dass ich bei E-bay einen preiswerten Kurzurlaub in einem Wellnesshotel ersteigert habe, als Weihnachtsgeschenk für Frau Doktor Blubb. Spiele mit der Frau Doktor und Rosi. Bereite mich später auf die Tagung und die Lesung nächste Woche im Harz vor.
Das Schreiben hab ich leider im Sommer verlernt. Macht nichts. Vielleicht schaut es ja wieder einmal bei mir vorbei.
testsiegerin - 4. Sep, 18:00

