Samstag, 2. Februar 2013

Teilen

„Du kannst nicht schon wieder was vorlesen, Mama“, sagt sie. „ Du warst schon fünfmal da und hast jedesmal etwas vorgelesen. Teil halt einmal etwas anderes. Das, was du schreibst, interessiert die Leute nicht.“ Wahrscheinlich hat meine Tochter Recht, denn während ich zu lesen beginne, beginnen zwei Gäste eine angeregte Unterhaltung.

Es gibt viele hier, die besser schreiben können, witziger, sprachgewandter, pointierter. Aber was soll ich sonst teilen? Ich könnte über den Spaß am Theaterspielen und die Arbeit und das Vergnügen mit den Toll3sten erzählen, aber das wissen die meisten ohnehin. Oder wie sehr ich im Flow versinke, wenn ich Silberschmuck schmiede. Ich könnte etwas Selbstgekochtes mitnehmen, ich kann gut kochen. Aber das ist nichts besonderes, es gibt viele hier, die wesentlich besser kochen.
Was könnte ich teilen? Ich kann mir keinen Trüffel leisten und die vorletzte Flasche Hofer-Champagner hab ich getrunken, als Ernst Strasser verurteilt wurde. Die letzte brauch ich für Grasser, die kann ich nicht hergeben.
Ich reise nicht viel, also kann ich nicht mal mit preiswerten jemenitischen Ziegenaugen aufwarten. Das weiteste, wo ich je war, ist Lanzarote. Einen Lavastein von dort hab ich noch, aber was ist ein simpler Vulkanstein gegen das Sehorgan eines vorderasiatischen, widerkäuenden Paarhufers?
Wofür es sich zu leben lohnt? Na fürs Leben halt. Weil es einfach da ist, und wo es schon einmal da ist, ist es doch besser, es so zu leben, dass es sich lohnt, als ständig darunter zu leiden, oder? O.k., an mir ist keine grandiose Philosophin verloren gegangen.
Für meinen Beruf lohnt es sich zu leben - aber abgebaute, einbeinige Alkoholiker, die ihrer Familie mit dem Umbringen drohen, demente Damen, unter deren versifften Matratzen ich nach Sparbüchern suche oder Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, deren Intelligenz immerhin ausreicht, jede Woche einen neuen Handyvertrag abzuschließen und mir immer einen Schritt voraus sind, sind für andere nur bedingt spannend.
Für meine Kinder lohnt es sich zu leben, aber mit Kindern ist es wie mit Katzen, man mag sie, man hasst sie oder man ist allergisch. Wenn man sie mag, dann hauptsächlich die eigenen.

Plötzlich habe ich das Gefühl, dass alles in meinem Leben entsetzlich banal ist und alle anderen im Gegensatz zu mir ein richtig aufregendes Leben führen. Sie sind Musiker, Filmschaffende, Schriftsteller, Philosophen, Lebemenschen und Lebensmenschen. Oder wenigstens so richtig cool.
Ich arbeite und ernähre meine Familie, gehe dreimal die Woche ins Fitness-Studio, schaue am Wochenende gern Schirennen oder Fußball, je nach Jahreszeit und – ja, ich gestehe - lästere jeden Donnerstag bei Austrias next Topmodel ab. Ich schäme mich dafür, dass ich mich nicht einmal schäme dafür.

Ich habe das Gefühl, überhaupt nichts so richtig gut zu können. Ich weiß, darum geht es nicht, nicht im Leben und schon gar nicht im Salon. Man muss da nichts beweisen, sondern nur etwas teilen. Aber mein Gefühl schert sich einen Dreck darum, ob es darum geht, sondern drängt sich deppert dazwischen und macht sich wichtig. A propos: deppert sein kann ich ziemlich gut, aber sogar dabei werde ich von den meisten hier locker überrundet.
Teilen soll ich und würde ich auch gern, aber ich weiß nicht, was, wo doch die ganze Welt ohnehin alles per Facebook teilt, vor allem Katzen, Kinder und Kochen. Katzen kochen wäre vielleicht noch was. "Die hundert besten Katzenrezepte des Weinviertels" oder "Kinder kochen Katzen".

Zum Glück gibt es Menschen in meinem Leben, eine Handvoll vielleicht oder zwei, mit denen kann ich teilen, wie es sich anfühlt, sich nicht gut genug zu fühlen. Wie es ist, wenn das Leben und die Bank einem manchmal richtig Angst einjagen. Zum Glück gibt es Freundinnen, die ich um drei Uhr früh anrufen kann, weil ich geträumt habe, dass mir die Buchteln verbrannt sind, weil die Bremsen bei meinem Auto versagt haben. Und welche, die verstehen, dass es bei uns reinregnet, weil ich mir letztens in Linz lieber das Kleid gekauft hab als neue Dachziegel. Acht Quadratmeter Dachziegel hätte ich für dieses Kleid gekriegt.
Meine Freude teile ich mit diesen Freunden, meine Gedanken und meine idiotischen Selbstzweifel. Das teile ich auch hier. Weil ich tief drin weiß, dass hier auch andere Menschen mit einem Dachschaden sind. Da riskiere ich sogar, dass jemand sich beim nächsten Mal über weibliche Betroffenheitsliteratur lustig macht.

Weise Worte, wahr

"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Selbstgeschrieben


Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
Jakob und der gewisse Herr Stinki


Barbara A. Lehner (Text) Eleonore Petzel (Musik)
Von Herzen und Seelen - CD

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