Samstag, 31. Mai 2014

Freitag am Finanzamt

„Ja?“, fragte die rothaarige Schalterbeamtin.
„Ja“, sagte der Mann, der keine Haare hatte, obwohl er noch keine vierzig war. „Ja, also, ich habe eine Beschwerde.“
„Sie sind hier nicht am Salzamt.“
„Sehr witzig. Schauen Sie sich das mal an.“ Er hielt der Rothaarigen eine aschgraue Pappendeckelschachtel vor die Nase.
„Herzlich gern. Am Montag. Wir sperren in zwei Minuten zu.“
„Zwei Minuten reichen. Bitte.“ Er wedelte mit einem Zwanzig-Euro-Schein vor ihrem Gesicht.
„Ich bin Beamtin, nicht Nutte.“
„Ich verstehe.“ Er steckte den blauen Schein ein und tauschte ihn durch einen grünen aus. „Ich hab’s geahnt“, murmelte er.
„Na ja. Ein Unmensch bin ich nun auch nicht.“ Sie schaute sich um, stellte fest, dass sie die Letzte im Amt war und schnappte sich den Hunderter.
Der Haarlose grinste und verkniff sich die Bemerkung, dass sie wohl doch eine Nutte war. „Nun machen Sie schon auf. Zwei Minuten sind kurz.“
Sie stand auf, öffnete die Glastür und ließ ihn herein. „Nur blasen und nur mit Gummi. Ohne kostet extra. Nur dass das klar ist.“
„Aber ich wollte doch nur...“ Seine Hände umklammerten die Schachtel ein wenig fester.
„War nur Spaß. Setzen Sie sich.“

Er ließ sich in einen billigen 80er-Jahre-Stuhl mit Aluminiumgestell und grüner Plastiksitzschale fallen. „Da bin ich aber froh. Blasen mit Gummi stelle ich mir auch für Sie nicht so schön vor. Außerdem meinte ich nur, dass Sie die Schachtel aufmachen sollen.“
Die Rothaarige zögerte. „Wer sagt mir, dass da keine Bombe drin ist. Es gibt so viele Terroristen und Perverse auf der Welt.“
„Ich sage das. Sie haben übrigens schönes Haar.“
„Sie nicht.“ Vorsichtig löste sie den Spagat von der Schachtel und hob den Deckel hoch. „Woooow!“, entfuhr es ihr. „Der ist wunderschön!“
„Sie auch“, hätte er jetzt sagen können, aber er begnügte sich damit sie zu beobachten. Und er sah, wie ihre Wangen leicht erröteten. Er sah, wie sie lächelte und tiefer und schneller atmete. Er sah, wie ihre Nippel sich unter ihrem Shirt abzeichneten. Er sah, wie ihre Hand in die Schachtel fasste und den purpurroten Stoff herausholte.
„Soll ich den für Sie probieren?“, lächelte sie und ließ den Slip durch ihre Finger gleiten. „Ist es das, was Sie möchten?“ Sie leckte ihre Lippen, deren Farbe genau zum Slip passte. „Sie sind mir ja einer!“
„Nein... schon..., also... er war in der Schachtel.“
„Das sehe ich. Ich hab ihn ja soeben herausgenommen.“
„Aber in der Schachtel sollten meine Belege sein, die das Finanzamt mir hätte zurückschicken müssen.“
„Oh. So was darf natürlich nicht passieren. Sonst denken die Bürger noch, dass hier nur Schlampen arbeiten.“ Sie bewegte sich langsam auf ihn zu und blieb breitbeinig vor ihm stehen. „Sie haben natürlich Anspruch auf Wiedergutmachung.“ Dann fasste sie seine Hand und führte sie zwischen ihre Schenkel. „Darf ich den Slip behalten? Ich hab heute früh vergessen einen anzuziehen.“

Seine Finger wurden feucht. „Natürlich dürfen Sie den behalten“, sagte er zu seiner Frau und fügte sicherheitshalber hinzu „aber die hundert Euro gibst du mir zurück, ja? Die hab ich mir bei unseren Kindern geborgt.“

Weise Worte, wahr

"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Selbstgeschrieben


Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
Jakob und der gewisse Herr Stinki


Barbara A. Lehner (Text) Eleonore Petzel (Musik)
Von Herzen und Seelen - CD

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Wie guckt ihr das nur? Bei mir kommt immer so'n Anmeldeformular...
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Das war ganz großes Kino, liebe Barbara! Dein...
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