Dienstag, 26. Mai 2015

Kurkolumne, die Vierte

Das Kurkonzert der vergangenen Woche geht mir nicht aus dem Kurkopf. Zum einen frage ich mich, warum man offensichtlich der Meinung ist, dass ein Kurgast an der Rezeption neben dem Reisepass auch das Gehirn abgibt. („Passen Sie gut darauf auf, ich brauch es nach drei Wochen wieder“) Morgen hat Herr Direktor Schnösel Sprechstunde, vielleicht frag ich das dann nicht mich, sondern ihn. „Ich weiß ja, Herr Direktor“, werde ich sagen, „dass wir hier keine schwere Kost serviert bekommen dürfen, wegen der Krankenkasse und wegen des Bewegungsapparates.“ (Ein richtig romantisches Wort ist das übrigens für unseren Körper. Vielleicht kann ich das in meinen erotischen Roman einbauen: Sie stand am Fenster, durch welches die untergehende Sonne ihre letzten Strahlen schickte und ihr Kleid glitt an ihr herab. Nackt wie die Evolution und die Esterhazyschnitte sie geschaffen hatten, stand sie vor ihm. „Gefalle ich dir?“, hauchte sie. „Und wie!“, stöhnte er, „dein Stütz- und Bewegungsapparat ist wunderschön! Und deine langen unteren Extremitäten extrem sexy!“)
Der Herr Direktor wird nicken und ich werde fortfahren: „Aber muss es ausgerechnet Birne Helene Fischer sein?“

Ich werde ihm vorschlagen, statt Gerry eine Autorin oder noch besser drei Autorinnen zu engagieren, die das Publikum mit einer Mischung aus klugen, witzigen und berührenden Geschichten, die zum Teil in einer Kuranstalt spielen, unterhalten. Sind halt bestimmt nicht so billig wie Gerry aus Kärnten, Qualität hat eben ihren Preis. Dann aber erinnere ich mich an die entrückten Gesichtsausdrücke in Gerrys Publikum und denk, dass das vielleicht doch keine so gute Idee ist. Außerdem müsste ich meine Texte unbedingt vorher selbst zensieren, weil Herr Direktor Schnösel wahrscheinlich keinen Hang zur Selbstironie hat und daher vermutlich keinen großen Wert darauf legt, als Direktor Schnösel in die Geschichte(n) einzugehen.

Die Terzen und Reime sind aber nicht der einzige Grund, warum mich das Kurkonzert noch immer beschäftigt. Es ist auch der Text.
„Ich schließe meine Augen, lösche jedes Tabu“ lautet eine Zeile aus Atemlos, die noch seltsamer klingt, wenn man sie nicht gesungen, sondern gesprochen hört – ohne unter Einfluss von Buttermilch zu stehen.
Man lasse sich das auf der Zunge zergehen wie den Kaiserschmarrn, den es heute zu Mittag gibt (570 Kalorien, A, C, G, kohlehydratlastig). Ich schließe meine Augen, lösche jedes Tabu.
Und so lieg ich Nacht für Nacht im Kurbett (ein Niederflurbett für Pflegebedürftige, das zum Glück – noch - keine Seitenteile hat), schließe meine Augen und überlege, wie das geht. Wie ich alle Tabus löschen kann, indem ich die Augen schließe. Es klappt nicht. Ich finde die Delete-Taste für Tabus nicht.
Früher hat man Tabus gebrochen und nicht gelöscht, aber heute will sich ja keiner mehr die Finger schmutzig machen.

Heute hab ich mich fürs Nordic Walken uE und oE Gr. angemeldet und kurz überlegt, ob ich das Kreuz bei Anfänger oder Fortgeschrittene machen soll. Nachdem ich aber bereits seit mehr als 50 Jahren gehe (ein vom Aussterben bedrohtes Wort für walken), hab ich mich für die Fortgeschrittenengruppe entschieden. Dabei müsste es richtigerweise wohl Fortschreitende heißen, denke ich, so wie Fahrradfahrende oder zu Fuß Gehende und nicht Fußgänger. Ich bin Gängerin, wie klingt das denn?

Wann entwickelt sich eigentlich Southic Walken zu einer Trendsportart? In Flipflops auf den Berg, bei Touristen schon jetzt sehr beliebt. Und warum heißt Nordic Walking Nordic Walking und nicht Northern Walking? (Ihr seht, so eine Kur wirft einiges an Fragen auf, obwohl man das Gehirn abgegeben hat. Wenn man geistig nicht gefordert wird, fordert man sich eben selbst.) Der Polarstern heißt Northern Star und nicht Nordic Star. Eastern und Eastic? Im Deutschen gibt es auch kein südisch, westisch oder ostisch.
Gestern hab ich im Radio gehört, dass es zwar in allen Sprachen Begriffe für oben und unten, aber nicht für rechts und links gibt. Auf Kuuk Thaayorre zum Beispiel, das man – wie wir wissen – in Pormpuraaw spricht, verwendet man statt rechts und links die Himmelsrichtungen.
„Meiniger, hast du die Walkingsocken gesehen?“
„Ja, die sind in der obersten Lade südsüdwestlich von den Unterhosen.“
Vielleicht würde so etwas Menschen mit Rechts-Links-Schwäche das Leben erleichtern. Ein Freund von mir wohnt übrigens in Ostwestfalen, nicht in Linksrechtsfalen.

Ha! Jetzt weiß ich es. Nordic Walking ist in Wahrheit kroatisch (also das nordic, nicht das Walken), jemand hat nur das Hatschek vergessen und man spricht es nordič (norditsch) aus.

Als ich letztens mit zwei Kurfrauen Norditsch Walken war, ging es die ganze Zeit „Klack – klack – klack – klack.“ Die Geräusche kamen von mir und waren ziemlich nervenaufreibend.
„Wenn du auf dem Asphalt walkst, brauchst du so Gummistöpsel, dann hört man das nicht“, hat Laura gesagt. Also hab ich mir welche gekauft und in die Ohren gesteckt. Laura hatte Recht. Seitdem höre ich nichts mehr.

Ich glaub, nach dem Nordic Walking brauch ich einen Southern Comfort. Oder Southic Comfort? Für Fortgeschrittene.

Weise Worte, wahr

"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Selbstgeschrieben


Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
Jakob und der gewisse Herr Stinki


Barbara A. Lehner (Text) Eleonore Petzel (Musik)
Von Herzen und Seelen - CD

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