Tag 22 - Leicht & Sinn

Mit diesem Gefühl, dass mir nichts passieren kann auf der Welt, weil ich stark und sicher bin, setze ich meine Reise fort.
Ich möchte meinen Mut besuchen, dem oft ein Über, und manchmal ein Hoch vorangeht. Ich würde gern in aller Ruhe mit ihm plauschen, bei einem Häferl Kaffee und einer Topfengolatsche, mich mit ihm über all die Verrücktheiten in meinem Leben austauschen und mich bedanken, weil er mir geholfen hat, meine Angst vor dem Versagen zu besiegen. (Ich gebe zu, hin und wieder kriecht sie immer noch aus ihrem Loch, aber ich überzeuge sie dann davon, dass es hier im Tageslicht viel zu gefährlich ist für sie. Meistens taucht sie dann schreckhaft wieder unter und lässt sich längere Zeit nicht blicken)
Der Mut ist nicht zu Hause, es hätte mich auch gewundert. Er ist ständig in Bewegung, unterwegs zu neuen Abenteuern. Während die Feigheit vor dem warmen Ofen sitzt und Socken strickt, fliegt der Mut im Hängegleiter über Berge und Täler, stürzt sich – am Seil der Sicherheit – in tiefe Schluchten und sucht neue Herausforderungen.

Na gut, dann nicht. Ich treffe ihn bestimmt unterwegs. Zwischen Mut und Leichtsinn verläuft nur ein schmaler Grat, die Dummheit. Gut gesichert strecke meine Arme aus und balanciere behutsam darüber, damit ich nicht falle. Tief in mir spüre ich nämlich: Ich bin gar nicht unverwundbar. Davon zeugen die vielen blauen Flecken auf Körper und Seele. Natürlich weiß ich, dass ich abstürze, wenn alle Stricke reißen. Dass ich mich verbrenne, wenn ich zu nah an der Sonne fliege. Doch wenn die Abenteuerlust mich in ihren Klauen hat, dann hat die Vorsicht Pause, denn die Lust saugt mir das Hirn aus dem Kopf und reicht das Zepter weiter an den Bauch (und bisweilen noch eine Station tiefer).

Mister Leichtsinn führt mich gelegentlich in brenzlige Situationen, vor allem dann, wenn Miss Geschick uns begleitet. Sie begleitet uns gerne, deshalb bin ich immer wieder auf die Nase, den Kopf, den Ellbogen gefallen. Ich habe mich häufig am Leben verletzt. Aber genauso oft, wie ich gefallen bin, bin ich auch wieder aufgestanden. Hab mir den Dreck abgeputzt, die Wunden geleckt und den Kopf hoch getragen. Später stolz meine Narben präsentiert, die spannende Geschichten erzählen.

Ich könnte mir einen Panzer zulegen, der meine dünne Haut und meine Knochen schützt. Ich tue es nicht. Der Panzer kostet zu viel. Meine Freiheit kostet er, und meine Lust aufs Leben.
Außerdem heilen die Wunden an der Luft viel schneller. Deshalb bleibe ich offen und verletzbar. Mutig, leicht und sinnig (und ein bisschen dumm) balanciere ich weiter. Und bin gespannt, wo meine Reise mich noch hinführt.

Meine Lieben,
Ich mag sie, die Strudel des Lebens, die einen hinabziehen und einwickeln. Aus denen man gestärkt wieder auftaucht.
Apfelstrudel, Mohnstrudel, Topfenstrudel.
Die B.

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"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Selbstgeschrieben


Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
Jakob und der gewisse Herr Stinki


Barbara A. Lehner (Text) Eleonore Petzel (Musik)
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