Tag 25 - Luxuria & Gula
Vor knapp zwei Wochen hab ich ihnen in meinem Leichtsinn versprochen, sie auf meiner Reise noch zu besuchen. Zwei meiner Todsünden, die mir so ans Herz gewachsen sind. Luxuria, die Wollust und Gula, die Maßlosigkeit.
Sie wohnen unterirdisch, zwischen dem Sumpf- und Vulkangebiet in einer dunklen und feuchten Spelunke. Vor dem Eingang ein massiger Türsteher, der nicht jeden hineinlässt, der rein will. Und hier wollen viele rein, denn die Schlange ist lange.
Ich verwickle den Türsteher in ein Gespräch. Wer muss draußen bleiben?
„Die Anständigen“, grinst er dreckig und legt seine Hand auf meinen Hintern, „also keine Angst. Und die Vertreter der Kirche. Ständig versuchen ein paar von ihnen, hier vorzudringen und die Höhle abzufackeln oder auszuräuchern. Mit Weihrauch und einem riesigen Kreuz. Hier herrsche Gesetzlosigkeit, werfen sie uns vor. Unerlaubtes Glücksspiel. All das halt.“
„Warum haben die so viel Angst vor den Beiden?“, will ich wissen, und ein paar der Angestellten (nein, sie sind nicht hier angestellt im Sinne eines Dienstverhältnisses, sie warten nur auf Einlass) räuspern sich, weil sie es nicht mehr aushalten.
Der Mann vom Sicherheitsdienst fährt sich durch die dichte Glatze. „Es geht um die Kontrolle“, sagt er. „Die meisten Menschen fürchten, sie könnte ihnen entgleiten. Sie glauben, die zwei Mädels sind Schuld daran. Was man so fürchtet, muss man verachten.“
Er öffnet mir die Tür. Ein schmieriger Fettwanst will sich vordrängen, aber der bullige Glatzkopf stellt sich ihm in den Weg. „Sie darf zuerst“, sagt er und bedeutet mir, einzutreten. „Eine Freundin des Hauses.“ Er schubst mich hinein. „Los, sie warten schon auf dich!“
Ich trete ein und schließe die Augen. Man reicht mir einen Becher schweren Weines, der mich trunken machen und Verstand und Gewissen auf der Stelle betäuben wird, das weiß ich aus Erfahrung. Ich könnte ablehnen, natürlich. Doch ich trinke gierig und schließe die Augen. Jetzt nur noch spüren. Hände auf meiner Haut. Lippen. Zungen. Haar. Die Wollust fesselt mich, doch ganz anders als damals die Wut. Zärtlich und fordernd zieht sie mich in die Tiefe der Triebe und macht mich wehrlos.
„Sie will mehr, mehr, mehr!“, flüstert die Maßlosigkeit und schenkt nach. „Wir müssen dringend nachbestellen. Siehst du, sie kann nicht genug kriegen.“
„Ja“, stöhne ich und wälze mich – so gut das gefesselt möglich ist – von einer Seite auf die andere. Von der Wollust zur Maßlosigkeit. Fühle, wie ich fließe, wie alles fließt, aber das wird Heraklit nicht gemeint haben.
Der Wein rinnt mir aus den Mundwinkeln, oder ist es die Lust, die Gier, der Hunger, der endlich gestillt wird? Dabei bin ich alles andere als still.
Verschwitzt und ein kleines bisschen verschämt schleiche ich am Türsteher vorbei. „Wie war’s?“, fragt er anzüglich und die Angestellten begaffen mich neidisch.
„Ach, fickt euch doch selbst!“
Wunderschönen Guten Abend,
Das mit der Wollust ist eine wunderbare Sache. Schade, dass sie eine Sünde ist.
Sie macht nämlich Spaß, sogar wenn man – wie ich – gar nicht stricken kann.
Sie wohnen unterirdisch, zwischen dem Sumpf- und Vulkangebiet in einer dunklen und feuchten Spelunke. Vor dem Eingang ein massiger Türsteher, der nicht jeden hineinlässt, der rein will. Und hier wollen viele rein, denn die Schlange ist lange.
Ich verwickle den Türsteher in ein Gespräch. Wer muss draußen bleiben?
„Die Anständigen“, grinst er dreckig und legt seine Hand auf meinen Hintern, „also keine Angst. Und die Vertreter der Kirche. Ständig versuchen ein paar von ihnen, hier vorzudringen und die Höhle abzufackeln oder auszuräuchern. Mit Weihrauch und einem riesigen Kreuz. Hier herrsche Gesetzlosigkeit, werfen sie uns vor. Unerlaubtes Glücksspiel. All das halt.“
„Warum haben die so viel Angst vor den Beiden?“, will ich wissen, und ein paar der Angestellten (nein, sie sind nicht hier angestellt im Sinne eines Dienstverhältnisses, sie warten nur auf Einlass) räuspern sich, weil sie es nicht mehr aushalten.
Der Mann vom Sicherheitsdienst fährt sich durch die dichte Glatze. „Es geht um die Kontrolle“, sagt er. „Die meisten Menschen fürchten, sie könnte ihnen entgleiten. Sie glauben, die zwei Mädels sind Schuld daran. Was man so fürchtet, muss man verachten.“
Er öffnet mir die Tür. Ein schmieriger Fettwanst will sich vordrängen, aber der bullige Glatzkopf stellt sich ihm in den Weg. „Sie darf zuerst“, sagt er und bedeutet mir, einzutreten. „Eine Freundin des Hauses.“ Er schubst mich hinein. „Los, sie warten schon auf dich!“
Ich trete ein und schließe die Augen. Man reicht mir einen Becher schweren Weines, der mich trunken machen und Verstand und Gewissen auf der Stelle betäuben wird, das weiß ich aus Erfahrung. Ich könnte ablehnen, natürlich. Doch ich trinke gierig und schließe die Augen. Jetzt nur noch spüren. Hände auf meiner Haut. Lippen. Zungen. Haar. Die Wollust fesselt mich, doch ganz anders als damals die Wut. Zärtlich und fordernd zieht sie mich in die Tiefe der Triebe und macht mich wehrlos.
„Sie will mehr, mehr, mehr!“, flüstert die Maßlosigkeit und schenkt nach. „Wir müssen dringend nachbestellen. Siehst du, sie kann nicht genug kriegen.“
„Ja“, stöhne ich und wälze mich – so gut das gefesselt möglich ist – von einer Seite auf die andere. Von der Wollust zur Maßlosigkeit. Fühle, wie ich fließe, wie alles fließt, aber das wird Heraklit nicht gemeint haben.
Der Wein rinnt mir aus den Mundwinkeln, oder ist es die Lust, die Gier, der Hunger, der endlich gestillt wird? Dabei bin ich alles andere als still.
Verschwitzt und ein kleines bisschen verschämt schleiche ich am Türsteher vorbei. „Wie war’s?“, fragt er anzüglich und die Angestellten begaffen mich neidisch.
„Ach, fickt euch doch selbst!“
Wunderschönen Guten Abend,
Das mit der Wollust ist eine wunderbare Sache. Schade, dass sie eine Sünde ist.
Sie macht nämlich Spaß, sogar wenn man – wie ich – gar nicht stricken kann.
testsiegerin - 28. Mai, 23:48

