Regierungs-mania - Österreich sucht den Bundeskanzler

Arabella grinst in die Kamera.
„So, wir kommen jetzt zur Entscheidung des heutigen Abends. Sie kennen ja die Regeln: Fünf Kandidaten haben es in die Endrunde geschafft, nur Martin ist schon im Casting ausgeschieden. Er hat gesagt, der ORF ist Schuld.
Also, jede Woche muss jemand die Show verlassen. Wer das sein wird, das entscheiden Sie zu Hause vor den Bildschirmen. Die beiden Kandidaten mit den wenigsten Anrufen werden hinausgewählt, die anderen haben jedoch die Möglichkeit, einen von ihnen mittels Friendship-Ticket wieder ins Boot zu holen. Der Sieger, der in vier Wochen feststehen wird, bekommt den Schlüssel vom Bundeskanzleramt. Bis zur nächsten Staffel. Dann muss er ihn wieder hergeben.“ Arabella wirft Wolfgang einen bösen Blick zu. „Gell, Wolfi. Immer schön an die Spielregeln halten.“
Wolfi stampft zornig auf und sagt: „Aber wenn das Publikum die falsche Nummer gewählt hat!“

"Für alle, die sich noch nicht entscheiden konnten, hier noch einmal eine Zusammenfassung."

Startnummer 1, Peter Westenthaler. Wolfgang findet das als eine Provokation. Westi singt: Wer hat mir mein Orange zerstört?“ Er kann keine Töne halten und singt grottenfalsch. Seine Bewegungen auf der Bühne sind ungelenk.
Hannes Eder, um eine Expertenmeinung gebeten: „Hätte ich ein Karaokelokal, ich würde dir Lokalverbot erteilen.“
Westenthaler hetzt seine Schläger auf Hannes Eder. Dieser verzeiht ihm, schließlich ist dessen Reaktion milieu- und alkoholbedingt.
Arabella legt tröstend ihren Arm um Westenthaler: „Sag einmal, Peter, was meinen denn deine Freunde zu deinem Auftritt und zu deiner Frisur.“
Peter antwortet mit einer Gegenfrage und wiederholt diese drei Mal, das hat er im NLP-Training so gelernt. „Welche Freunde? Welche Freunde? Welche Freunde?“

Startnummer 2, Alfred Gusenbauer, er hat aus dem reichhaltigen Musikpool aus der Sparte „Internationales“ Die Internationale gewählt. Eine solide Leistung, die Phrasings vielleicht ein bisschen zu hoch, aber die Bridge war sehr schön. Einen Rat gibt der Experte Eder Gusenbauer mit auf den Weg. "Es würde nicht schaden, noch ein bisschen an deinem Outfit zu arbeiten." Alfred nickt und schenkt Wolfi nach seinem Auftritt eine rote Nelke, als Zeichen der Bereitschaft zur Zusammenarbeit. "Vielleicht können wir ja mal was gemeinsam singen?", bietet er an.

Wolfi empfindet das als Provokation.

Schüssel trägt voller Inbrunst einen Oldie aus der Kategorie Heimatlieder vor: Es gibt nur einen Gott, es gibt nur einen Herrn. Strickliesl und Mitzi sind seine Backgrund-Sängerinnen. Hannes Eders Fachkommentar: „Wolfi, man spürt überhaupt keine Gottgläubigkeit oder positive Emotion hinter deinem Auftritt. Vielleicht solltest du es auch mit Stricken versuchen. Schon vorige Woche war dein Song A trauriga Bua eine Zumutung.“ Er appelliert ans Publikum, gerecht zu sein und Schüssel rauszuwählen. Wolfi fühlt sich provoziert. Er verschränkt die Arme vor dem Körper und trotzt. „Das Publikum kann das überhaupt nicht entscheiden. Ich bin der Beste.“

Sascha van der Bellen inhaliert noch einmal und singt mit rauchiger Stimme: Green green grass of home. Er erhält das höchste Saalvoting des Abends. Wolfi fühlt sich provoziert und faselt etwas von Haschtrafiken, die das Land überschwemmen werden, wenn Sascha gewinnt.

H.C. Strache, Startnummer 5, verkündet stolz: Ich singe etwas Teutsches, steckt sich eine blaue Kornblume ins Knopfloch und trägt das Horst Wessel –Lied vor.
Westi ballt zornig seine Faust, summt aber leise mit.

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Arabella zieht einen Zettel aus dem Glasröhrchen und verkündet pathetisch: „Den Kandidaten, dessen Namen ich jetzt gleich vorlesen werde, sehen wir auch nächste Woche wieder.“ Sie wirft einen Blick auf das Blatt Papier in ihrer Hand und rollt es wieder zusammen. "In der nächsten Runde ist ..."
Stimmung und Blicke gespannt. Trommelwirbel. Die Kandidaten halten sich an den Händen, nur Alfred und Sascha wollen H.C. partout nicht die Hand reichen.

Der Name geht im Applaus unter. Wolfi bricht in Tränen aus und beschimpft das Publikum. Er fühlt sich provoziert.

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"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

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Barbara A. Lehner (Text) Eleonore Petzel (Musik)
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