Wann darf die Braut die Braut küssen?

Jede zweite Ehe wird geschieden. Ich dachte ja erst, das hat mit Lieblosigkeit zu tun und mit völlig falschen, romantischen Vorstellungen und Illusionen über ein jahrzehntelanges gemeinesames Leben, oder vielleicht damit, dass zwei Menschen einander einfach nicht mehr lieben oder sich völlig anders entwickelt haben. Das war ein Trugschluss. Ich weiß jetzt, woran Ehen tatsächlich zerbrechen. Nicht an zu wenig, sondern an zu viel Liebe. Weil nämlich immer mehr Schwule heiraten wollen. Ja, ich gebe zu, ich hab mich erst auch gewundert und den Zusammenhang nicht verstanden, aber ich verstehe ja einige globale Zusammenhänge nicht. Schon damals hab ich nicht kapiert, dass die Kinder in Afrika sterben, wenn ich die Suppe nicht aufesse, aber das ist eine andere Geschichte.
Egal. Ein Herr von der ÖVP hat ihn mir erklärt, den Zusammenhang. Er ist gegen die Heirat von Homosexuellen, weil damit die Institution der normalen Ehe gefährdet ist und weil Ehe und Familie besonderen Schutz brauchen.
Und der Egoismus der Homosexuellen, die glauben, die gleichen Fehler machen zu müssen wir wir alle, treibt die Gesellschaft in den Ruin. Erst dachte ich ja, vielleicht sind gewisse Kreise gegen die Gleichberechtigung von Homosexuellen, weil es zu wenig Standesbeeamte gibt, und die Überstunden zu teuer wären, aber das ist es gar nicht. Es geht darum, dass die Institution Ehe durch liebende Schwule in aggressivster und hinterhältigster Weise angegriffen und ausgehöhlt wird, so wie die Köpfe der Politiker, die im Mittelalter steckengeblieben sind. Die Politiker, die Köpfe sind noch da.
Ein paar total fortschrittliche Menschen in der ÖVP, die geistig nicht mehr im fünfzehnten, sondern bereits im sechzehnten Jahrhundert angelangt sind, plädieren als Kompromiss für eingetragene Partnerschaften. Vor dem Notar (ein Hoch auf die Notariatskammer!), nicht vor dem Standesamt, wo kämen die armen Standesbeamten hin, wenn sie jetzt auch lesbische Frauen dazu auffordern müssen, die Braut zu küssen? Das Adoptieren von Kindern soll weiterhin nicht möglich sein, wir alle wissen ja, dass selbst in den kränkesten und kaputtesten und gewalttätigsten heterosexuellen Ehen nur kluge, gesunde, glückliche Kinder aufwachsen, während die Brut von homosexuellen Frauen und Männern aller Wahrscheinlichkeit nach drogensüchtig, kriminell und bestimmt auch schwul wird.


Nein, sagt der Herr, nein, um Gottes Willen (auch wenn ich nicht glaube, dass es sich dabei um Gottes Willen handelt) auch keine eingetragenen Partnerschaften, denn es geht nicht, dass die Schwulen sich die Rosinen herauspicken und nur die Vorteile einer Ehe genießen, die Nachteile aber nicht.
Welche Rosinen hat meine Ehe? Abgesehen von zwei pubertierenden Kindern? Ahja. Auch ohne Testament erbt mein Mann meine Schulden und ich seine. Echt super, boah ey.

Auf jeden Fall ist klar, wir müssen mit aller Kraft verhindern, dass Schwule endlich die gleichen Rechte haben wie Heteros. Wo kämen wir denn da hin? Wo kämen wir hin, wenn endlich einer ginge, zu sehen wohin wir kämen, wenn wir gingen? Nicht nur sämtliche heterosexuelle Ehen würden zerbrechen, sondern das gesamte Land den Bach runtergehen. Wie Spanien, wie Schweden, wie die Niederlande, wie Belgien.
(Natürlich hätte es aber auch Vorteile, wenn niemand irgendwohin gegangen wäre, wo niemand noch nicht war. So wäre uns die Entdeckung Amerikas erspart geblieben, und wir hätten weder etwas von George Bush senior noch junior erfahren.)

Also, tun wir uns zusammen und schützen wir die Ehe. Und produzieren wir noch mehr TV-Shows, in denen am Ende Mann und Frau heiraten und sich nach Drehschluss wieder scheiden lassen.

Danke ÖVP, dass euch meine Ehe so wichtig ist. Vergelts Gott.
Leserin (anonym) - 6. Apr, 16:43

Uups, mit der Testsiegerin gehen die politischen Pferde durch*g*

Es gibt viele Arten von Partnerschaft. Das war wir als Ehe bezeichnen ist eben diese eine spezielle zwischen Mann und Frau. Dies muss man nicht so sehen, kann man aber so sehen. Daran ist nichts verwerfliches.

Wenn es nur um eine rechtliche Absicherung geht, tut es ein bindender Vertrag auch. Ob man den Ehe nennt oder nicht ist egal. Der Rest ist Parteipolitik... in jeder Richtung.

testsiegerin - 6. Apr, 17:06

die politik ist schon öfter mit mir durchgegangen. die ist nämlich einfach teil meines lebens. und meine wut auf ungerechtigkeiten auch.
AntiSense (anonym) - 6. Apr, 18:59

Ich finde das die Ehe definitiv entkoppelt ist von einem bloßen Zusammensein von Mann und Frau. Ich denke da gehören ganz andere Werte etc. dazu und die sollten eben auch für gleichgeschlechtliche Partner offen stehen.
testsiegerin - 7. Apr, 12:08

@antisense

ja, das finde ich auch. aber das geht eh aus meinem text hervor, denk ich ;-)
grölemann (anonym) - 13. Apr, 10:27

aber das "boah ey", ey, das haste von mir abgeguckt, ey, oder was, ey? ;-)
datja (anonym) - 6. Apr, 21:19

bravo

super.
danke, barbara.

(genauso sehe ich es auch - eh klar.)
keck, aufrichtig, einfach bravourös.

vicell - 7. Apr, 02:31

Ja.

1oo% ige Zustimmung meinerseits. Und wunderbar geschrieben - Danke dir!

p.s.
im Oktober heiratet einer meiner besten Freunde seine große Liebe. Nach acht Jahren Beziehung, Verlobung, dann Trennung und Wiederzusammenfinden nun also das Standesamt.
Endlich ... ich kanns kaum erwarten. Und ich freu mich für die beiden so sehr.

LG und sonnige Ostertage wünsch ich dir und deiner Familie!
testsiegerin - 7. Apr, 12:09

danke euch. und ich denk, dass es höchste zeit ist, dass die gesetze sich der realität anpassen.
die wahre testi (anonym) - 7. Apr, 20:49

ich seh auch nicht ein ...

... dass die schwulInnen oder sonst wer heiraten dürfen. wenn selbst ich mir keinen willigen finde, warum brauchen dann die anderen so einen wertlosen wisch in der hand? um sich mit staates segen unter der tuchent zu tummeln? monogamie ist monotonie ist ehe ist fad ist 20.jahrhundert ist ÖVP.

Sven Kornie - 10. Apr, 14:24

Ja, Ja,...

Homosexualität ist sehr ansteckend und daher gefährlich. Siehe nur Elton John. Der wurde laut eigenen Angaben als Jugendlicher in der U-Bahn von einem Schwulen angeniest und zack..... war er schon selber schwul. ;)

Weise Worte, wahr

"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Selbstgeschrieben


Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
Jakob und der gewisse Herr Stinki


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datja (anonym) - 2. Jul, 08:46
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testsiegerin - 1. Jul, 11:09
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rauch - 30. Jun, 23:25

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