Muttertagstequila
Es ist ein Zufall, dass ich diesen Text ausgerechnet kurz vor dem Muttertag schreibe. Obwohl ich schon nicht mehr glaube, dass es ein Zufall ist, dass ich diese Frau in dem Sommer kennengelernt habe, in dem meine Mutter verunglückt ist.
„Wie ist die denn drauf?“, hab ich mich gefragt, als ich sie zum ersten Mal gesehen und gehört hab. Der Gedanke hätte mich warnen sollen, denn „wie ist die denn drauf“ war schon öfter in meinem Leben der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.
Warum ich sie trotzdem ins Herz geschlossen habe? Nun, es sind ja meistens nicht die großen Gesten (dabei ist diese Frau zweifellos eine Frau der großen Gesten, eine Drama Queen par excellance), sondern die kleinen Kuchenstücke, die uns Freude machen.
Am Waldteich hat sie, diese schrullige Frau, (die zu auffällig, zu laut, zu schrill, zu eigenartig war) selbst gebackenen Kuchen verteilt und meinen Kindern versprochen, am nächsten Samstag wieder einen zum Teich mitzubringen. Was verspricht man nicht alles im Leben. Am nächsten Samstag war kein Waldbadwetter, es war frostig und hat in Strömen geregnet.
Als ich die Haustür öffnete, um die Zeitung reinzuholen, stand ein einsames Blech Kuchen vor der Tür. Ohne Frau. Ohne Zettel. Ohne nix. Sie, die damals noch Fremde mit dem Gänsehautlachen hat ihr Versprechen eingelöst.
Unter uns gesagt, der Kuchen war nicht besonders aufregend, aber die Tatsache, dass sie 25 Kilometer hin und wieder 25 Kilometer zurück gefahren ist, hat mein Herz einen großen Spalt breit geöffnet.
„Ist das deine Mutter?“, sind wir mittlerweile etwa dreiundvierzig mal gefragt worden. Nein, ist sie nicht. Einmal hab ich mich dabei ertappt: „Nein, leider“ gesagt zu haben. Der Kuchen meiner Mutter war besser. Und meine Mutter hätte nicht noch eine siebente Runde Tequila bestellt. Meine Mutter hätte auch nach dieser Lesung damals anders reagiert. Als dieser unwahrscheinlich attraktive aufregende Typ an der Bar mich nicht nur ausgezogen, sondern nach allen Regeln der Kunst durchge... hatte. Nur mit seinen Blicken, versteht sich. Angezogen hat er mich danach nicht mehr, typisch Mann. Ja, meine Mutter hätte nicht gesagt: „Geh ruhig mit ihm ins Hotel, ich warte hier auf dich.“ Als er mich dann angesprochen hat, hab ich verführerisch gehaucht: „Ich würde ja gern, aber es geht nicht, das müssen Sie verstehen, ich bin mit meiner Mutter hier.“
Die Frau, die man für meine Mutter hält, ist fast sechzig. (Sie hätte mich also relativ jung gekriegt, aber das soll vorkommen.) Wenn ich mit ihr durch die Natur streife und sie mir Vorträge über Pflanzen und Hundewelpen hält, mit der ganzen Leidenschaft, die das Leben ihr geschenkt hat, lausche und lächle ich. Sie nimmt mir die Angst vor dem Älterwerden. So manche Siebzehnjährige schaut alt aus neben ihr. Und es ist nicht ihr Freund, der gelangweilte mexikanische Bandenchef, der sie so jung hält. Auch nicht der Tequila. Es ist das Leben, dem sie sich täglich stellt und das sie sich mit all seinen Höhen und Tiefen gibt. Unverwässert. Pur. Mit Salz und Zitrone. Intravenös.
Hinter der lebenslustigen, lauten Frau hab ich aber auch eine andere kennengelernt. Eine leise, die leidet. Eine verletzliche. Aber das weiß ich ohnehin längst, dass die Lauten oft nur so laut sind, um ihre Angst zu übertönen. Das weiß ich von mir.
Ich fürchte, wenn ich ihr am Sonntag einen Muttertagsblumenstrauß von der Gärtnerei Sommer schenke, dann knallt sie mir den um die Ohren. Ich glaub, ich werde sie lieber auf einen Tequila einladen.
Wenn du das liest, liebe Freundin (und ich weiß, dass du das liest ;-)) – könntest du wieder mal einen dieser sensationellen, schmackhaften, delikaten, hervorragenden Kuchen nach Rezept des Hauses für uns backen?
„Wie ist die denn drauf?“, hab ich mich gefragt, als ich sie zum ersten Mal gesehen und gehört hab. Der Gedanke hätte mich warnen sollen, denn „wie ist die denn drauf“ war schon öfter in meinem Leben der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.
Warum ich sie trotzdem ins Herz geschlossen habe? Nun, es sind ja meistens nicht die großen Gesten (dabei ist diese Frau zweifellos eine Frau der großen Gesten, eine Drama Queen par excellance), sondern die kleinen Kuchenstücke, die uns Freude machen.
Am Waldteich hat sie, diese schrullige Frau, (die zu auffällig, zu laut, zu schrill, zu eigenartig war) selbst gebackenen Kuchen verteilt und meinen Kindern versprochen, am nächsten Samstag wieder einen zum Teich mitzubringen. Was verspricht man nicht alles im Leben. Am nächsten Samstag war kein Waldbadwetter, es war frostig und hat in Strömen geregnet.
Als ich die Haustür öffnete, um die Zeitung reinzuholen, stand ein einsames Blech Kuchen vor der Tür. Ohne Frau. Ohne Zettel. Ohne nix. Sie, die damals noch Fremde mit dem Gänsehautlachen hat ihr Versprechen eingelöst.
Unter uns gesagt, der Kuchen war nicht besonders aufregend, aber die Tatsache, dass sie 25 Kilometer hin und wieder 25 Kilometer zurück gefahren ist, hat mein Herz einen großen Spalt breit geöffnet.
„Ist das deine Mutter?“, sind wir mittlerweile etwa dreiundvierzig mal gefragt worden. Nein, ist sie nicht. Einmal hab ich mich dabei ertappt: „Nein, leider“ gesagt zu haben. Der Kuchen meiner Mutter war besser. Und meine Mutter hätte nicht noch eine siebente Runde Tequila bestellt. Meine Mutter hätte auch nach dieser Lesung damals anders reagiert. Als dieser unwahrscheinlich attraktive aufregende Typ an der Bar mich nicht nur ausgezogen, sondern nach allen Regeln der Kunst durchge... hatte. Nur mit seinen Blicken, versteht sich. Angezogen hat er mich danach nicht mehr, typisch Mann. Ja, meine Mutter hätte nicht gesagt: „Geh ruhig mit ihm ins Hotel, ich warte hier auf dich.“ Als er mich dann angesprochen hat, hab ich verführerisch gehaucht: „Ich würde ja gern, aber es geht nicht, das müssen Sie verstehen, ich bin mit meiner Mutter hier.“
Die Frau, die man für meine Mutter hält, ist fast sechzig. (Sie hätte mich also relativ jung gekriegt, aber das soll vorkommen.) Wenn ich mit ihr durch die Natur streife und sie mir Vorträge über Pflanzen und Hundewelpen hält, mit der ganzen Leidenschaft, die das Leben ihr geschenkt hat, lausche und lächle ich. Sie nimmt mir die Angst vor dem Älterwerden. So manche Siebzehnjährige schaut alt aus neben ihr. Und es ist nicht ihr Freund, der gelangweilte mexikanische Bandenchef, der sie so jung hält. Auch nicht der Tequila. Es ist das Leben, dem sie sich täglich stellt und das sie sich mit all seinen Höhen und Tiefen gibt. Unverwässert. Pur. Mit Salz und Zitrone. Intravenös.
Hinter der lebenslustigen, lauten Frau hab ich aber auch eine andere kennengelernt. Eine leise, die leidet. Eine verletzliche. Aber das weiß ich ohnehin längst, dass die Lauten oft nur so laut sind, um ihre Angst zu übertönen. Das weiß ich von mir.
Ich fürchte, wenn ich ihr am Sonntag einen Muttertagsblumenstrauß von der Gärtnerei Sommer schenke, dann knallt sie mir den um die Ohren. Ich glaub, ich werde sie lieber auf einen Tequila einladen.
Wenn du das liest, liebe Freundin (und ich weiß, dass du das liest ;-)) – könntest du wieder mal einen dieser sensationellen, schmackhaften, delikaten, hervorragenden Kuchen nach Rezept des Hauses für uns backen?
testsiegerin - 11. Mai, 11:37


bmutter durch nichts ersetzt werden.