Angst

Ein fünfzehnjähriges Mädchen hat Angst. Angst, in ihre Heimat zurückkehren zu müssen, die längst nicht ihre Heimat ist (oder nie war), weil ihre Heimat Österreich ist. Das Wort Heimat ist ein Wort, dem ich für gewöhnlich aus dem Weg gehe. Nicht, weil es ein schlechtes Wort ist, nein, eigentlich ist das Gefühl, das sich hinter diesem Wort verbirgt, ein schönes. Eines, das nach Geborgenheit riecht. Nach Zuhause schmeckt. Sich wohl angreift auf der Haut. Das Wort Heimat ist trotz allem ein bemitleidenswertes Wort, weil es ständig von denen missbraucht wird, die vorgeben es zu lieben, in Wahrheit aber zur Liebe gar nicht fähig sind, weil in ihnen der Hass lodert.

Das Mädchen hat Angst, weil es abgeschoben werden soll, wie der Rest der Familie auch. Abgeschoben in ein Land, in dem sie nicht zu Hause ist. In ein Land, dessen Sprache sie nicht spricht und in dem sie keine Freunde hat. Ihre Freunde sind hier, hier in Öster-reich. Einem der reichsten Länder der Welt.

(Meine Tochter ist fünfzehn. Ich habe Angst, dass meine Tochter irgendwann solche Angst ausstehen muss wie dieses Mädchen. Existenzangst. Angst, viel zu verlieren, was ihr lieb und vertraut ist. Meine Tochter wird hoffentlich und vermutlich von dieser Angst verschont bleiben. Weil sie das Glück hat, in eine österreichische Familie hineingeboren zu werden, in einer Zeit, in der hier zwar unendlich viel Dummheit, Intoleranz und Hass, aber kein Krieg herrscht.)

Die Angst des Mädchens ist so groß, dass die Jugendliche mit Selbstmord droht.

Auch der Innenminister hat Angst. Angst vor dem 15-jährigen Mädchen, das mit ihrer Angst den Rechtsstaat in die Luft jagen könnte. Er will sich nicht in die Knie zwingen lassen, sagt er. Und dass es sich um eine Erpressung handelt. Aber Österreich lässt sich nicht erpressen.
Das Mädchen, das untergetaucht ist, möge sich bitte melden. Das wäre ihm ein großes Anliegen.
Warum? Damit sie den Frieden im Land nicht länger bedroht?

Auch der ehemalige Schweigekanzler hat sein Schweigen gebrochen und weiß, wo die Wurzel des Übels vergraben liegt. Nein, nicht in den Köpfen dieser herz- und hirnlosen Politiker, dort schlägt nur die Hartherzigkeit Wurzeln. Die NGOs und Beratungsstellen für Asylwerber sind laut Schüssel die Wurzel des Übels.
Was sagt eigentlich ihr christlich-soziales Gewissen dazu? Oder haben Sie das ebenfalls abgeschoben?


Ich habe auch Angst. Angst davor, in einem Land zu leben, in dem Politiker das Sagen haben, die Angst vor 15-jährigen Mädchen mit Angst haben.

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"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

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Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
Jakob und der gewisse Herr Stinki


Barbara A. Lehner (Text) Eleonore Petzel (Musik)
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