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Ohne Titel

„Der Tobias ist mein Freund“, sagt Sepp. „Wir verstehen uns super und haben viel Spaß miteinander.“

Sepp wird im Sommer siebzig. Ich werde mir extra ein Dirndl kaufen (oder ausleihen), weil es sein größter Geburtstagswunsch ist, dass alle Frauen und Mädels im Dirndl zu seinem großen Fest kommen. Ich seh schon das Bild vor mir, Frau Dr. Blubb und ich gemeinsam im Dirndl, das Bild werden wir einrahmen und ihm schenken. Hoffentlich fallen wir in diesen Kleidern nicht aus dem Rahmen. Frau Dr. Blubb hat sich schon ein hübsches ausgesucht, kurz, pink und anstelle von Edelweiß mit Totenköpfen drauf, aber das merkt wahrscheinlich eh keiner, weil man meistens im Leben sieht, was man sehen möchte und nicht, was ist.

Mindestens dreimal in der Woche ist der Sepp auf dem Berg, im Winter auf Tourenskiern, sonst in Bergschuhen oder auf dem Mountainbike. Er redet nicht viel drüber, aber ich glaub, dass er ihr dort oben noch immer sehr nahe ist. Die Berge halten ihn jung. Am Abend trägt er seine Touren in den Computer ein und lässt sich die zurückgelegten Höhenmeter ausrechnen. Fotos von verschneiten Tiefschneehängen oder saftigen Almen schickt er nach Neuseeland, Amerika oder Mexiko, je nachdem, wo seine Enkeltöchter grad sind. Deshalb hat er sich auch Skype installiert, damit die mit ihm reden können, auch wenn sie weit weg sind. „Man ist immer so alt, wie man sich fühlt“, antwortet auf die Frage nach seinem Alter: „Siebzehn.“

Ich glaub aber, nach ihrem Tod ist er ein bisschen gealtert. Die Grete, selbst Witwe, die hat den Sepp wieder ein bisschen jünger gemacht. Seine Freunde, die mit ihm auf den Berg gehen, halten ihn auch jung. Die meisten sind jünger an Jahren als er, aber ihre Kondition ist deswegen nicht besser.
Er freut sich schon, wenn er mit Tobias auf den Berg geht. Das wird noch ein bisschen dauern, denn Tobias ist der jüngste seiner Freunde. Tobias ist der Urenkel von Grete und scheißt noch in die Windeln. Sepp wickelt, badet und füttert ihn, das hat er mit seinen Enkelkindern auch gemacht und so kommt er wenigstens nicht aus der Übung. Er spielt mit ihm, spielt ihm etwas auf der Steirischen Knopfharmonika vor und singt dazu, und er legt sich mit ihm nieder, damit er leichter einschläft. Ein paar Mal die Woche macht er das, denn die Mama vom Tobias macht grad die Lehre und seine Oma arbeitet noch. Also kümmert sich Grete (und eben er) um den Buben.
Nur ihn im Kinderwagen spazierenführen, das mag er nicht. „Weißt du“, sagt er, „da fühl ich mich so hilflos, wenn er zu schreien anfängt.“

Sepp ist mein Vater. Und ich liebe ihn.

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Weise Worte, wahr

"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Selbstgeschrieben


Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
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Barbara A. Lehner (Text) Eleonore Petzel (Musik)
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