Abschied - einmal anders

Gestern wurde mein Kollege M. zu Grabe getragen.
Seine Freundin hatte zu einer „etwas anderen Abschiedsfeier“ geladen. Wie anders, das konnte aber auch sie nicht ahnen.
Ich fand es berührend, wie viele da waren, um sich von M. zu verabschieden. Ein schönes Gefühl, wie vielen anderen Menschen er auch wichtig war. Kein Pfarrer, das hätte er nicht gewollt. Kein professioneller Redner, der über ihn erzählte, ohne ihn zu kennen. Musik von Bob Dylan. Den hat er immer geliebt. Dann hab ich den Brief an ihn vorgelesen. Es war die herausfordernste Lesung, die ich je hatte. Kurz vorher pochte mein Herz so laut und so schnell, dass ich dachte, gleich würde sich jemand umdrehen und fragen, woher dieses Klopfen käme. Was, wenn ich da vorne umfalle, dachte ich.
Geh bitte, scheiß dich nicht an, hätte M. gesagt. Also las ich, lächelte ihn dabei an, verhaspelte mich kein einziges Mal und auch die Tränen der Menschen brachten mich nicht aus dem Konzept. Danach flossen die Tränen.
Wieder Musik.
Dann begleitet der Konvoi den Sarg zum Grab. Der Trauerzug stockt. Von vorne nach hinten Getuschel. Was ist los?
Etwas ist passiert, von dem man – liest man es in einer Geschichte – sagt: Da ist dem Autoren die Fantasie durchgegangen, so etwas passiert im richtigen Leben nicht. Aber das Leben schreibt manchmal die skurrilsten Geschichten.

Sie haben das falsche Grab ausgehoben. Das daneben. Seine Freundin bemerkt es, als sie den Wagen mit dem Sarg über das ausgehobene Loch stellen wollen. „Moment“, sagt sie, „das ist das falsche.“ Auf dem richtigen Familiengrab daneben steht der Name von M. und seiner Familie. Ratlosigkeit. „Wir könnten das richtige ausheben und ihn in einer halben Stunde beerdigen“, schlägt einer der Männer vor. Die Familie lehnt ab. „Die Menschen wollen sich jetzt an seinem Grab von ihm verabschieden.“ Also wird der Wagen mit dem Sarg einfach auf anstelle der Sarg ins Grab gestellt. „Geh bitte“, hätte M. gesagt und mit den Augen gerollt, „scheißt’s euch nicht an.“
Die Trauer vermischt sich mit Kopfschütteln und Grinsen. „Der M. hat das sicher so organisiert“, sagt einer. „Der wollte, dass wir uns auf Augenhöhe von ihm verabschieden und nicht auf ihn herabblicken.“ Vielleicht arbeiten ein paar unserer Klienten dort, die weder lesen, noch schreiben können, da kann so etwas passieren. Gut, dass auch sie Chancen auf einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt haben.
Vermutlich hat die Friedhofsverwaltung ja ebenfalls eine Organisationsentwicklung hinter sich, überlegen wir, mit überforderten Personen an wichtigen Positionen und jetzt schiebt jeder die Verantwortung auf den anderen ab und keiner weiß mehr, was zu tun ist.
Ich glaub, M. hätte diese etwas andere Art der Verabschiedung gefallen. Der peckt sich da unter der Föhre bestimmt ab und sagt: "Sagenhaft."

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"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

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