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    <title>Barbara A. Lehner - Einblicke (Aus dem Leben einer Testsiegerin) : Rubrik:Geschichten</title>
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    <description>Aus dem Leben einer Testsiegerin</description>
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    <title>Barbara A. Lehner - Einblicke</title>
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    <title>Hasta la vista, baby!</title>
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    <description>Jetzt lass mich bitte mal ausreden. Immer redest du mir dazwischen. Genau wie dem Papa. Ja, ich weiß, dass du dich schämst wegen der Polizei im Haus. Und wegen der Nachbarn. Nun hör doch bitte mal zu, Mama. Wenigstens fünf Minuten. Ja, von mir aus stell die Uhr.&lt;br /&gt;
Ich habs auch für uns getan, Mama, weißt du? Und für Arnold. Ich wollte, dass wenigstens er einmal Erster wird und du einen Grund hast stolz zu sein. Nicht immer erster Verlierer, so wie ich. Ich hab doch gemerkt, wie sehr es dich gekränkt hat, dass sie diese Fot...diese... diese... Steiner gewählt haben statt mich. Eine Frau als Obmann, wo gibts denn so was. &lt;br /&gt;
Und ich bin Obmannstellvertreter. Stellvertreter. Wer hat denn all die Jahre den Verein nach vorne gebracht, Mama? Wer war das denn? Sogar der Bezirkssekretär hat mir das gesagt. Erwin, hat er zu mir gesagt, Erwin, in den anderen Ortsvereinen reden sie alle nur von dir. Und dass wir jetzt den Zuschlag für den Bezirksbewerb bekommen haben, das ist doch nicht der Steiner ihr Verdienst, ihrer.&lt;br /&gt;
Undankbare Gfraster. Wahrscheinlich hätte unser Arnold gegen Jessy und Jenny eh keine Chance gehabt. Du hättest sehen sollen, wie die aufgeputzt waren, widerlich war das. Widerlich. Richtig nuttig haben sie ausgeschaut, und alle haben sie süß gefunden mit ihren Piepsstimmchen. Der Arnold ist sowieso zu fett für den Bewerb, hat der Huber gesagt. Der braucht reden mit seinem Backhendlfriedhof. Ach, ein abgekartetes Spiel war das, das hab ich schon seit Wochen gemerkt. Die Steiner und der Huber, die haben doch seit Jahren ein Techtelmechtel, wahrscheinlich treiben sie es immer nach der Sitzung. Dass das die Alte vom Huber nicht merkt, das will mir nicht in den Kopf, aber das soll meine Sorge auch nicht sein. Jedenfalls ist der Arnold richtig durchtrainiert, der rackert sich ja auch Tag und Nacht ab mit seinem Radl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich musste es tun, Mama, es war wie... wie ein... wie ein Zwang irgendwie. Und sie habens ja auch verdient. Hör auf zu weinen, Mama, die Caritas wird sich um dich kümmern, wenn ich nicht mehr da bin. Warum ich die anderen auch...?&lt;br /&gt;
Ich weiß nicht, der Druck in der Brust war so groß. Alles, was sich aufgestaut hat, die ganze Wut, die Demütigungen, das musste einfach mal raus. Jetzt ist es vorbei. Und weißt was, Mama, weißt was, mir gehts gut dabei. Auch jetzt noch. Und besonders als ich es getan hab. Die Jessy und die Jenny, die waren zuletzt dran. Die sollten das alles mit ansehen. Einen nach dem anderen hab ich abgemurkst. Mit bloßen Händen. Mit meinen bloßen Händen. Du hättest sehen sollen, wie die kleinen Körper gezuckt haben unter meinen Händen. Und weißt, was ich gefühlt hab dabei, Mama? Nichts hab ich gefühlt. Gar nichts.&lt;br /&gt;
Den Verein werden sie jetzt sicher auflösen. Und wenn es keinen Verein mehr gibt, kann die Steiner auch nicht mehr Obmann sein. Das geschieht ihr recht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss jetzt runter, Mama, die Polizei wartet auf mich, ich wollte mich nur noch verabschieden von dir und ein paar Sachen holen. Ist mein Pyjama schon gewaschen? &lt;br /&gt;
Und kümmere dich bitte um den Arnold. Er kann ja nichts dafür. Der liebe gute Arnie. Aber lass ihn nicht raus, sonst entwischt er dir. Du hast so schlechte Augen, Mama. Am Ende verhungert er dir. Ach so, ja. Im Keller, im großen weißen Schrank. Ganz rechts unten, gleich neben den Schachteln mit den Autogrammkarten, da steht das Hamsterfutter.</description>
    <dc:creator>testsiegerin</dc:creator>
    <dc:subject>Geschichten</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 testsiegerin</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-15T13:57:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/6027353/">
    <title>Ich kann</title>
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    <description>Igitt! Grete Zwieschneider war nicht angezogen, um bei acht Grad und Nieselregen an einer gehweglosen Landstraße entlang zu wandern. Grete Zwieschneider war angezogen, um bei achtzehn Grad und leicht bewölktem Himmel mit ihrem Volvo durch den goldenen Oktober zu fahren. Aber im Waldviertel interessierte sich das Wetter nicht für die Vorhersagen der Meteorologen in Wien. Und Gretes Volvo interessierte sich nicht dafür, dass seine Besitzerin ihm erst vor drei Tagen für den Einsatz von achthundert Euro ein neues Pickerl ermöglicht hatte. Er hatte einfach ein paar Mal geächzt und war dann lautlos stehen geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Zwettl 11 km&lt;/i&gt; stand auf dem Wegweiser. Und klein darunter: &lt;i&gt;Ratschenreithsgschwendt 1 km&lt;/i&gt;. Gretes Füße schmerzten, aber ein Funken Hoffnung leuchtete auf. &lt;br /&gt;
Ihr Handy hatte sie auf der Kommode liegen lassen. Sie wollte nicht erreichbar sein, vor allem nicht für Tom. Er hatte sich seit genau zehn Tagen nicht gemeldet. Sollte er ruhig auch einmal das Gefühl haben, dass sie nicht auf seinen Anruf wartete. &lt;br /&gt;
Seit neun Jahren ging das nun schon so. Er kam, wann er wollte, er ging, wann er wollte, und manchmal, wenn sie Glück hatten, kamen sie gemeinsam. Vielleicht hatte sie ihn deshalb noch nicht aus ihrem Leben geschmissen. Dabei hatte sie den Verdacht, dass sie nicht die einzige war, mit der er gemeinsam kam. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf ihrem Weg nach Ratschenreithsgschwendt kam kein einziges Auto. Das war Grete auch Recht, denn vorbei rauschende Autos hinterlassen im Nieselregen feuchte, stinkende Wolken und versauen einem die roten Stiefel, den dunklen Rock und die helle Bluse. Und die Achtzig-Euro-Frisur. Sie hatte sich richtig in Schale geschmissen, um den Herrschaften von der Pharmaline Austria nicht den Eindruck zu vermitteln, Frau Apothekerin Zwieschneider hätte das Geld nötig. Natürlich hatte sie es nötig, schließlich besaß sie keinen blassen Schimmer, womit sie Geld verdienen sollte, wenn sie die Apotheke erst verkauft hatte. Hoffentlich gab es in diesem Ratschendings wenigstens eine öffentliche Telefonzelle, damit sie in Salzburg anrufen konnte. Jetzt waren es nur noch etwa hundert Meter bis zum Ortsschild. Von hinten rollte ein Auto heran. Sie bereitete sich auf eine Schmutzwasserwolke vor, hörte dann aber eine Männerstimme von hinten: Soll ich Sie ein Stückerl mitnehmen?&lt;br /&gt;
Gern. Sie stieg in den dunkelblauen Audi und gab dem Mann mit den hellgrünen Augen die Hand. Guten Tag. Ich hatte eine Autopanne. Gibt es in Ratschendingsbums eine Werkstätte? &lt;br /&gt;
Er lachte. &lt;br /&gt;
Ein Gasthaus? Ihr Magen knurrte.&lt;br /&gt;
Er lachte. &lt;br /&gt;
Eine Telefonzelle? &lt;br /&gt;
Keine, die noch funktioniert. Er reichte ihr sein Handy, aber sie griff nicht danach. Er steckte es wieder in die Brusttasche seiner Arbeitsjacke.&lt;br /&gt;
Sind Sie von hier?, versuchte Grete sich im Small Talk.&lt;br /&gt;
Wie mans nimmt. Der Small Talk blieb sehr small. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grete betrachtete ihn. Das Blau seines Audis passte nicht zum Grün seiner Augen. Die Lagerhausjacke nicht zu den Ledersitzen. Seine lachenden Lippen nicht zum Rest seines ernsten Gesichts. Nichts an ihm passte zusammen. &lt;br /&gt;
Sind Sie Bauer? &lt;br /&gt;
Wie mans nimmt.&lt;br /&gt;
Der Audi stoppte und der ebenso fraglich Einheimische wie Bauer nickte stumm nach links. Das bedeutete vermutlich, dass sie das Ortszentrum erreicht hatten und alle Fahrgäste aussteigen sollten.&lt;br /&gt;
Den allerherzlichsten Dank, der Herr, versuchte es Grete noch einmal, ohne ernsthaft mit einer Antwort zu rechnen.&lt;br /&gt;
Schupf, kam es aus dem Wagen, als sie gerade im Begriff war, die Türe zu schließen.&lt;br /&gt;
Angenehm, murmelte sie, nachdem sie beinahe &lt;i&gt;Gesundheit&lt;/i&gt; gewünscht hätte.&lt;br /&gt;
Heinz Schupf.&lt;br /&gt;
Grete Zwieschneider.&lt;br /&gt;
Da drüben. Er nickte wieder, diesmal nach rechts.&lt;br /&gt;
Ja?&lt;br /&gt;
Der repariert Autos.&lt;br /&gt;
Dieses Augengrün. Dieses Grübchen an seinem Kinn. Interessant. Grete hatte es plötzlich gar nicht mehr eilig. Hungrig war sie noch immer. Sie stieg wieder ein und zog die Tür hinter sich zu. Gehen wir vorher noch eine Kleinigkeit essen? Ich lade Sie ein.&lt;br /&gt;
Er winkte dem Mechaniker zu und stieg aufs Gas, was Grete als Ja, gern interpretierte. Schweigend fuhren sie aus dem Ort hinaus. Bei der nächsten Abzweigung bog Heinz Schupf ab und ließ den neuen Audi vor einem alten Bauernhof ausrollen. &lt;br /&gt;
Grete folgte dem schweigsamen Mann in die Küche. Die war ebenso karg und herb wie die Waldviertler Landschaft, deren Wesen sich nicht auf den ersten Blick erschloss. Wenigstens warm war es hier drinnen, denn im Küchenofen knisterte ein Feuer. &lt;br /&gt;
Er öffnete den Kühlschrank. Bitte. &lt;br /&gt;
Grete war sich nicht ganz sicher, wie sie dieses Bitte verstehen sollte. Der Kühlschrank war so armselig befüllt, dass sie annahm, Heinz Schupf habe sie soeben um eine Lebensmittelspende gebeten.&lt;br /&gt;
Ich bin kurz im Keller und Sie räumen derweil aus. Stellen Sie alles auf den Küchentisch.&lt;br /&gt;
Sie tat, wie ihr geheißen und verteilte den Inhalt des Kühlschranks auf dem riesigen dunklen Eichentisch, der den Eindruck machte, als habe er schon so manchen Krieg überstanden. Unter anderem den Dreißigjährigen.&lt;br /&gt;
Nun denn. Was haben wir denn da? Ein halbes Packerl Butter. Also fast ein halbes Packerl. Ein Ei, immerhin ein ganzes. Ein Stückerl Käse, allerdings mit Löchern. Mit großen Löchern. Und...&lt;br /&gt;
Und?&lt;br /&gt;
Drei Flaschen Grüner Veltliner Smaragd Loibner Berg. Vom Pichler. Die Flasche für vierzig Euro, schätz ich mal. Nobel geht die Welt zugrunde. Haben Sie den für eine besondere Gelegenheit eingekühlt?&lt;br /&gt;
Er stellte die Kiste gefüllt mit Kürbis, Mangold, Zwiebeln und Kartoffeln auf den Tisch, öffnete die Schublade und reichte ihr den Korkenzieher. Dann schob er ein Stück Buchenholz in den Ofen, lehnte sich an den Türstock und beobachtete, wie sie in allen Schränken nach Gläsern suchte und im letzten welche fand. &lt;br /&gt;
Sie ließ den Wein im Glas kreisen und atmete seinen Duft ein, wie sie es im Weinseminar gelernt hatte. Er roch nach Mangos, Honig und einem Stück geräuchertem Scheunentor. Sie prostete ihm zu, setzte das Glas an die Lippen und kostete. &lt;br /&gt;
Und?, fragte er. &lt;br /&gt;
Zurückhaltend, elegant und verschlossen.&lt;br /&gt;
Er prostete zurück, leerte sein Glas in einem Zug und schaute sie aufmunternd an.&lt;br /&gt;
Nun denn, dachte Grete, wenn es hier so Brauch ist. Sie setzte erneut an und tat es ihm gleich.&lt;br /&gt;
Schmeckt, gell?&lt;br /&gt;
In der Tat. Ein guter Wein schmeckte offensichtlich auch, wenn man ihm hinunterkippte wie ein Verdurstender einen Kübel Wasser. Allerdings keineswegs mehr zurückhaltend oder elegant. Heinz schüttete nach, und nur zehn Minuten später hatten sie die erste Flasche ausgetrunken.&lt;br /&gt;
Ganz schön warm, der Ofen. Sie knipste sich zwei Blätter vom Mangold ab und fächerte sich damit Luft zu.&lt;br /&gt;
Er öffnete die zweite Flasche. &lt;br /&gt;
Aber ich muss doch nach Salzburg, protestierte sie schwach, hielt ihm aber das Glas hin, damit er einschenken konnte. &lt;br /&gt;
Ja, ja.&lt;br /&gt;
Ich muss dort nämlich meine Apotheke verkaufen.&lt;br /&gt;
Sicher. Stellen Sie erst mal die Erdäpfel auf.&lt;br /&gt;
Ha! Sie drehte sich abrupt zu ihm und wäre in ihren roten Stiefeln beinahe umgekippt. Ich weiß, wo der Topf ist. Mit viel Glück fand sie auch die Wasserleitung und den Deckel. Es zischte, als sie den gusseisernen Topf mit den Kartoffeln auf den Ofen stellte. Er war jetzt ganz nah hinter ihr. In Salzburg habe ich studiert. Betriebswirtschaft.&lt;br /&gt;
Großartig. Wissen Sie vielleicht, wo die Bergheimer Straße ist?&lt;br /&gt;
Ja, das weiß ich.&lt;br /&gt;
Ausgezeichnet. Da muss ich um vierzehn Uhr sein. Bringen Sie mich hin?&lt;br /&gt;
Grundsätzlich gern. Aber erstens hab ich soeben eine halbe Flasche Veltliner getrunken und zweitens ist es schon viertel zwei.&lt;br /&gt;
Du lieber Himmel. Haben Sie ein Telefon?&lt;br /&gt;
Nein.&lt;br /&gt;
Sie konnte seinen Atem an ihrem Hals spüren. Sie konnte ihr Herz in ihrem Hals klopfen spüren. Nun denn. Möchten Sie zufällig eine Apotheke kaufen?&lt;br /&gt;
Nicht heute.&lt;br /&gt;
Grete rührte sich nicht. Bei einer Bewegung nach vorne würde sie sich am Ofen verbrennen, bei einem Schritt nach hinten an einem spröden, promovierten Bauern. Sie hätte zur Seite ausweichen können, aber selbst das ging aus irgendeinem Grund nicht. Vielleicht hatte er ihr etwas in den Wein gemischt. &lt;br /&gt;
Was essen wir zu den Kartoffeln?, presste sie hervor.&lt;br /&gt;
Ihre Entscheidung. Sie wollten mich zum Essen einladen, nicht ich Sie.&lt;br /&gt;
Wie soll ich kochen, wenn Sie mir den Weg verstellen?&lt;br /&gt;
Er zuckte mit den Achseln und trat einen Schritt zur Seite. Leider, denn die Kombination aus dem offenem Wachauer Wein und dem verschlossenen Waldviertler Wesen erregte sie. Sie nahm das Gemüse aus der Kiste und legte es Stück für Stück auf den Holztisch. Eine Zwiebel kullerte zu Boden. Langsam und so aufregend wie möglich bückte sie  sich um sie aufzuheben. Anscheinend war so aufregend wie möglich aufregend genug, denn sie spürte, wie sich seine grünen Augen auf ihren Po hefteten. Sie drehte sich um, zog die Augenbrauen hoch und schaute ihn herausfordernd an. Mit seinem Mittelfinger gab er einer weiteren Zwiebel einen Schubs. Schwerfällig rollte sie auf die Tischkante zu und fiel mit einem dumpfen Ton hinunter.&lt;br /&gt;
Noch mal, sagte er.&lt;br /&gt;
Das gefällt dir wohl, dachte Grete, und es gefiel ihr, dass es ihm gefiel. Sie achtete sorgfältig darauf, dass ihr Rock jetzt ein paar Zentimeter höher rutschte, spreizte die Beine etwas mehr als beim ersten Mal und hob langsam, ganz langsam die Zwiebel auf, legte sie artig auf ihren Platz zurück, drehte sich um und lehnte sich gegen die Tischkante.&lt;br /&gt;
Heinz stand ihr jetzt etwa drei Schritte entfernt gegenüber und sie genoss seinen Blick, der langsam von ihren Füßen aufwärts über ihren Körper glitt. Zwischen ihren Schenkeln verweilte er ein bisschen, und sie spürte, wie es unter ihrem Rock ganz warm wurde.&lt;br /&gt;
Heiß hier, sagte sie leise, und als er ihre Brüste erreichte, fasste sie sich an den obersten Knopf und öffnete ihn.&lt;br /&gt;
Weiter, sagte er nach einer unendlich langen Zeit, und Grete machte weiter. Öffnete Knopf für Knopf. Ließ ihn dabei nicht aus den Augen. Und überlegte, welche Unterwäsche sie wohl heute Morgen angezogen hatten. Hoffentlich passte die zu den roten Stiefeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er zog seine Jacke aus und warf sie auf die Eckbank. Darunter trug er ein schwarzes T-Shirt mit der knappen Aufschrift &lt;i&gt;Ich kann&lt;/i&gt;. Daran zweifelte sie keineswegs. Sie senkte den Blick. Seine ausgewaschenen Jeans waren zum Knöpfen. Sehr schön, dachte sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie auch, legte er zwei Worte und zwei Stück Holz nach. &lt;br /&gt;
Ja. Ich kann auch. Sie schlüpfte aus der Bluse und stand in Rock und cremefarbenem Spitzen-BH vor ihm. Trotz der Hitze zitterte sie und hatte einen trockenen Mund. Dürfte ich vielleicht noch ein Schlückchen Wein haben?&lt;br /&gt;
Sie durfte.&lt;br /&gt;
Kochen Sie weiter, sonst verhungern wir noch. &lt;br /&gt;
Gern. Sie tat jetzt einfach so, als wäre es das Natürlichste auf der Welt, halbnackt in einem fremden Waldviertler Bauernhaus für einen fremden Waldviertler zu kochen. Und irgendwie war es plötzlich auch das Natürlichste auf der Welt. Sie häutete die Zwiebel und schnitt sie konzentriert in kleine Stücke. Ganz schön scharf. Mit dem Handrücken wischte sie sich die Tränen aus den Augenwinkeln und griff nach dem Kürbis. Haben Sie als Bauer denn gar kein Fleisch im Haus?&lt;br /&gt;
Doch. Es schält gerade einen Hokkaido. &lt;br /&gt;
Grete fand, dass es gar kein schlechtes Gefühl war, so ein Stück Fleisch zu sein. Er zog einen Stuhl heran, setzte sich rittlings drauf, stützte seine Hände an der Lehne ab und beobachtete sie beim Aushöhlen des Kürbisses.&lt;br /&gt;
Dürfen es auch ein paar Kilo mehr sein?, fragte Grete. Sein Schweigen wertete sie als stumme Zustimmung. Sie öffnete Knopf und Reißverschluss am Rock und wandte sich wieder dem Kürbis zu. Während sie schälte, rutschte der Stoff nach und nach an ihr herunter und gab die versprochenen Kilos preis. So stand sie ein paar Minuten mit halb herunter gelassenem Rock am Küchentisch und legte das nackte Fruchtfleisch frei.&lt;br /&gt;
Als sie fertig war, drehte sie sich zu ihm um und wischte ihre feuchten Finger über ihren Brüsten trocken. Ganz schön glitschig.&lt;br /&gt;
Der Kürbis auch?&lt;br /&gt;
Ja. Und hart.&lt;br /&gt;
Ja. Ist er.&lt;br /&gt;
Können Sie so lieb sein und den Rock ganz hinunterziehen? ich möchte nicht, dass er schmutzig wird. Ich muss ja schließlich noch nach Salzburg. Hab ich das schon erwähnt? Sie nahm noch einen Schluck Wein, der sie trunken und mutig machte.&lt;br /&gt;
Ja. Ich kann. Sie wusste nicht, ob der Wein ihn mutig machte, auf jeden Fall machte er ihn nicht gesprächiger. &lt;br /&gt;
Würden Sie bitte auch? Noch nie hatte sie einen Mann darum bitten müssen, ihr aus den Kleidern zu helfen, aber gerade das reizte sie.&lt;br /&gt;
Heinz stand auf, blieb kurz vor ihr stehen und gab dem Rock mit dem Zeigefinger einen kleinen Stups nach unten. &lt;br /&gt;
Sie bedeutete ihm mit einer Kopfbewegung, ihn auf die Bank zu legen, er dagegen schob ihn einfach mit dem Fuß unter den Tisch. &lt;br /&gt;
Hoffentlich ist der Boden sauber, dachte sie und musste zugeben, dass selbst ein seit Wochen ungekehrter Boden reiner als ihre Phantasien wäre. &lt;br /&gt;
Sie war sich ganz sicher, dass seine Gedanken im Moment nicht weniger schmutzig waren als ihre eigenen, er machte aber weiterhin keine Anstalten sie durch Worte oder Taten daran teilhaben zu lassen. So elegant wie es ihr in angetrunkenem Zustand möglich war setzte sie sich auf die Tischplatte, die ein wenig feucht vom Kürbis war und spreizte einladend ihre Beine. J&lt;i&gt;etzt komm endlich näher, du sturer Bock&lt;/i&gt;, dachte sie, und tatsächlich gehorchte er ihr. Als sich sein Becken langsam zwischen ihre Schenkel drängte, schrie sie auf.&lt;br /&gt;
Die Erdäpfel! Sie brennen an! Nehmen Sie bitte den Topf vom Herd!&lt;br /&gt;
Kochen ist Ihre Aufgabe.&lt;br /&gt;
Er packte sie fest an den Hüften, so dass es ihr ein bisschen wehtat, und hob sie mit seinen kräftigen Händen vom Tisch. Mit weichen Knien torkelte sie zum brodelnden Topf und stellte ihn beiseite.&lt;br /&gt;
Hmmm. Die riechen gut. Haben Sie die mit Ihren eigenen Händen aus der Erde geholt?&lt;br /&gt;
Ja. Mit wessen Händen denn sonst?&lt;br /&gt;
Hoffentlich haben sie die armen Erdäpfel dabei nicht genauso grob angefasst wie mich eben. Sie hoffte das weniger aus Mitleid als aus Eifersucht und wünschte sich, dass er gleich wieder so zugriff. &lt;br /&gt;
Diesen Gefallen tat er ihr natürlich nicht. Steht auf ihrer Unterhose eigentlich auch &lt;i&gt;Ich kann&lt;/i&gt;?&quot;, fragte sie, streifte ihn beim Vorbeigehen mit der Hand am Oberarm und fing an den Kürbis zu schneiden und den Mangold von den Stielen zu zupfen.&lt;br /&gt;
Vielleicht?&lt;br /&gt;
Zeigen Sie doch mal. &lt;br /&gt;
Schauen Sie doch selber nach.&lt;br /&gt;
Das ließ Grete sich nicht zweimal sagen. Sie wischte sich die feuchten Hände an seinem Shirt ab und knöpfte seine Jeans auf, sorgsam darauf bedacht, nur den Stoff und nicht den Körper darunter zu berühren. Als sie alle fünf Knöpfe geöffnet hatte, zog sie die Hose über seine Hüfte.&lt;br /&gt;
Ich sehe nichts. In Wahrheit sah sie sehr wohl etwas. Etwas, das ihr sehr gefiel. Aber keine Wörter. &lt;br /&gt;
Vielleicht steht es auf der Innenseite.&lt;br /&gt;
Oh ja. Da steht tatsächlich etwas. Sie ging in die Knie. &lt;br /&gt;
Können Sie lesen?&lt;br /&gt;
Grundsätzlich ja. Aber es ist zu dunkel hier. Und außerdem ist es verdammt heiß. Darf ich ein bisschen blasen?&lt;br /&gt;
Er sagte wenigstens nicht Nein. Also blies sie. Ganz sanft. Ganz behutsam.&lt;br /&gt;
Wird es schon etwas weniger heiß?, fragte sie besorgt.&lt;br /&gt;
Nein. So wird die Glut noch mehr angefacht.&lt;br /&gt;
Das hatte Grete auch schon gemerkt. Das Feuer wärmte ihre Hände und Lippen. Trotzdem fragte sie: Soll ich versuchen zu löschen?&lt;br /&gt;
Sie nahm einen Schluck Veltliner und begann mit den Löscharbeiten. Grete mochte eine erstklassige Apothekerin sein, aber sie war eine lausige Feuerwehrfrau, denn trotz aller Bemühungen hatte sie das Gefühl, nur Öl ins Feuer zu gießen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hmmm. &lt;br /&gt;
Schmeckts? &lt;br /&gt;
Ja. Er führte die Gabel mit dem Kartoffel-Kürbis-Mangold-Auflauf zum Mund. Und Ihnen?&lt;br /&gt;
Ja. Sie hatte sein T-Shirt an, das sie ihm nach dem Sex abgeluchst hatte. Wie Sie sehen, kann ich nämlich auch... kochen.&lt;br /&gt;
Nicht nur das können Sie.&lt;br /&gt;
Grete, sie griff nach dem Weinglas und ließ es gegen seines klingen. &lt;br /&gt;
Ich weiß. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie tranken jetzt langsam. Sie aßen langsam. Sie schauten sich langsam in die Augen. Und draußen wurde es langsam dunkel. &lt;br /&gt;
Grete würde morgen nach Salzburg fahren. Oder übermorgen. Oder gar nicht. Sie wusste plötzlich nicht mehr, ob sie die Apotheke tatsächlich aufgeben sollte. Was sie mit ihrer Zukunft anfangen sollte. Sie wusste nur, wie sie die heutige Nacht verbringen wollte. An den schweigsamen Heinz geschmiegt. &lt;br /&gt;
Kannst du noch bleiben?, hatte er gefragt und sie hatte wortlos geantwortet: Ich kann.</description>
    <dc:creator>testsiegerin</dc:creator>
    <dc:subject>Geschichten</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 testsiegerin</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-04T20:19:00Z</dc:date>
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    <title>Die Sachwalterin - der Betreuer</title>
    <link>http://barbaralehner.twoday.net/stories/5720814/</link>
    <description>Den Text hab ich für die Lesung anlässlich der Tagung in Deutschland geschrieben. Für Uneingeweihte ist er wahrscheinlich schwer verständlich. Trotzdem.&lt;br /&gt;
Die dort mochten ihn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was machen Sie beruflich?, fragt der freundliche Herr neben mir, nachdem wir die Themen Wetter, Politik und Flugzeugkost hinter uns gebracht haben.&lt;br /&gt;
Ich bin Sachwalterin, sage ich und denke: Warum bin ich nicht Floristin geworden, oder Automechanikerin? Jeder wüsste, was das ist und ich müsste mich nicht ständig erklären.&lt;br /&gt;
Aha. Sachbearbeiterin. Welche Branche? &lt;br /&gt;
Ich habs geahnt. Keine Branche. &lt;br /&gt;
Jetzt schaut er beleidigt. &lt;br /&gt;
Nicht Sachbearbeiterin, lenke ich versöhnlich ein, Sachwalterin.&lt;br /&gt;
Oh. Sachverwalterin. Sein Blick verrät mir seine Ahnungslosigkeit. Und was genau verwalten Sie?&lt;br /&gt;
Ja, was verwalte ich eigentlich?&lt;br /&gt;
Menschen, denke ich. Ich verwalte Menschen. Und den Wahnsinn.  Vor allem den. Ich achte darauf, dass er nicht über die Grenzbalken hüpft, um die Kreise derer, die nicht verrückt sind oder nur ein bisschen oder anders, so wenig wie möglich zu stören. &lt;br /&gt;
Ich verwalte den Wahnsinn, sage ich.&lt;br /&gt;
Er lächelt verlegen. Ich verstehe, lügen seine Lippen, aber seine Augen erzählen mir die Wahrheit. Nämlich die, dass er mich für verrückt hält. &lt;br /&gt;
Weil ich jemanden brauche, der nach der Landung meine schwere Tasche aus dem Gepäckfach hebt und ich ihn deshalb nicht vergrämen will, versuche ich es noch einmal. &lt;br /&gt;
Um ehrlich zu sein, ich verwalte weder Sachen, noch den Wahnsinn.&lt;br /&gt;
Was dann?&lt;br /&gt;
Ich verwalte gar nichts. Ich bin Sachwalterin, nicht Sachverwalterin. Ich walte sach. Ähm... ich sachwalte... nun ja... Ich walte meiner Sache, nicke ich und hoffe, dass er mit dieser Erklärung zufrieden ist. Ich bin es. Aber der Herr ist ein neugieriger und hartnäckiger Mensch. Jetzt machen Sie es doch nicht so spannend. Welcher Sache walten Sie denn nun?&lt;br /&gt;
Ich kratze mich am Kopf. Puh, das ist nicht so einfach zu erklären. Viele Sachen, eigentlich. Ich arbeite bei VertretungsNetz.&lt;br /&gt;
Jetzt kommen wir der Sache schon näher, verrät sein Lächeln. Sie sind also Vertreterin. &lt;br /&gt;
Na ja, fast richtig, wenn meine Kollegin auf Urlaub ist, dann vertrete ich sie. Ja. So kann man sagen. Lassen Sie uns doch bitte das Thema wechseln, flehe ich leise. &lt;br /&gt;
Warum sagen Sie das denn nicht gleich. Vertreterin zu sein ist ja keine Schande. Ich dachte schon, Sie wären Politikerin oder Polizistin oder etwas ähnlich Unanständiges. Sie vertreiben also Netze? Ich habe geglaubt, es gibt in Österreich gar kein Meer mehr?&lt;br /&gt;
Daran hat sich nichts vermutlich auch in der letzten halben Stunde nichts geändert. Wenn Sie mich bitte entschuldigen, quetsche ich mich an ihm vorbei. Ich muss kurz vertreten. Meine Füße.&lt;br /&gt;
Er grinst. Die Deutschen sind leicht zu unterhalten.&lt;br /&gt;
Als ich zurückkomme, nehme ich einen neuen Anlauf. Ich bin gesetzliche Vertreterin von psychisch kranken und geistig behinderten Menschen, die einzelne oder alle ihrer Angelegenheiten nicht regeln können, ohne dabei Schaden zu erleiden. &lt;br /&gt;
Ich atme durch. &lt;br /&gt;
Er klopft sich freudig erregt auf die Oberschenkel. So hat noch keiner auf meinen Beruf reagiert. Vielleicht ist der Kerl neben mir ein bisschen pervers und ich bin in großer Gefahr. Sie sind also Betreuerin!, hellt sich sein Gesicht auf.&lt;br /&gt;
Definitiv nicht. Ich betreue nicht, ich vertrete. So, Schluss mit lustig. Ich drehe den Spieß jetzt einfach um. &lt;br /&gt;
Und wovon leben Sie?&lt;br /&gt;
Ich bin auch Betreuer.&lt;br /&gt;
Aber ich nicht, verdammt noch mal, meine Geduld sprintet in die Zielgerade. Ich habe einen Betreuer. Auf meiner Weinviertler Hausbank. Also jetzt nicht auf der alten Holzbank vor dem Haus, auf der ich mich von meiner anstrengenden Arbeit ausruhe, sondern auf der Sparkasse.  Ein schwieriger Mensch, mein Betreuer. Er will ständig Geld von mir.&lt;br /&gt;
Das scheint ihm vertraut. Meine Klienten wollen auch immer Geld von mir.&lt;br /&gt;
Klienten? Ich dachte, Leute, die Sparbücher eröffnen oder Kredite aufnehmen, nennt man bei Ihnen Kunden? Oder Patienten.&lt;br /&gt;
Ich bin ja kein Bankbetreuer.&lt;br /&gt;
Fußballschülerliga? Na, da sitzen Sie wahrscheinlich auch oft auf der Bank. Auf der Betreuerbank. Obwohl, betrachte ich ihn von der Seite, für den Job hat er eigentlich ein paar Schwimmreifen zu viel. Seniorenbetreuer? Die Alten laufen wenigstens nicht mehr so schnell. &lt;br /&gt;
Ein Betreuer, stöhnt er jetzt, ein wenig gereizt,  ist ein gesetzlicher Vertreter von Volljährigen, die für ihre eigenen Angelegenheiten nicht sorgen können.&lt;br /&gt;
Jetzt reicht es mir. Auf Wiedersehen. Verarschen kann ich mich auch alleine. Und mein Gepäck krieg ich schon irgendwie runter.</description>
    <dc:creator>testsiegerin</dc:creator>
    <dc:subject>Geschichten</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 testsiegerin</dc:rights>
    <dc:date>2009-05-25T20:30:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/5715041/">
    <title>Die Krise</title>
    <link>http://barbaralehner.twoday.net/stories/5715041/</link>
    <description>Hannah ging in die Autorenfabrik, wie jeden Tag. Dort war sie in der Produktion beschäftigt und schraubte Autoren zusammen. Große, kleine, langweilige, bekannte und unbekannte, zweifelnde und von sich selbst überzeugte. Von letzteren die meisten. &lt;br /&gt;
Es war ein langweiliger Job, Fließbandarbeit eben, aber Hannah war froh, dass sie überhaupt noch eine Arbeit hatte. Die Firma, in der ihre Freundin mit der luftdichten Verpackung von Glücksmomenten beschäftigt war, musste vor ein paar Monaten Konkurs anmelden. Dabei bräuchten die Menschen gerade jetzt Glück, sagte Hannah, aber sie können es sich nicht mehr leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Hannah schraubte, drechselte, zusammensteckte und polierte, redete sie. Sie erzählte den Autoren Geschichten. Geschichten, die ihre Mutter ihr erzählt hatte, und diese wiederum hatte die Geschichten von der eigenen Mutter und so fort. Auch Hannahs Urgroßmutter war in der Autorenfabrik beschäftigt. Dort lernte sie alle ihre sieben Männer kennen. Dort tötete sie alle ihre sieben Männer. Ein Unfall, erzählte sie der kleinen Hannah später augenzwinkernd, leider sind sie irgendwann einer nach dem anderen in die Druckmaschine geraten. Ich konnte gar nichts dagegen tun. Bevor sie - im Alter von achtundneunzig Jahren - ihre blitzblauen Augen für immer schloss,  hatte sie ihrer Urenkelin noch einen Rat mit auf den Weg gegeben: Verlieb dich nie in einen Kerl, an dem du eigenhändig herumgeschraubt hast. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Montag bis Freitag, in Hochzeiten sogar samstags, schraubte sie ihre Erfahrungen, Gedanken und Träume in die Köpfe der Autoren, die später daraus Geschichten machten. Manchmal allerdings war Hannah bei ihrer eintönigen Arbeit nicht bei der Sache, ihre Gedanken schweiften und ihre Hände rutschten ab, die Worte kamen durcheinander und sie feilte ein paar Ecken und Kanten in die Autoren. Das passierte ihr in letzter Zeit immer öfter. Diese Autoren waren die spannendsten und skurrilsten. Beinahe hätte Hannah sich in einen von ihnen verliebt, einen Finnen mit elfenbeinküstiger Mutter, der in der Sahara eine Saunalandschaft betrieb, erinnerte sich aber gerade noch rechtzeitig an das Schicksal der Ehemänner ihrer Urgroßmutter und an den Rat der alten Frau. Deshalb schickt sie ihren Elfenbeinkusstiger trotz brennenden Unterleibs und pochenden Blutes in die Wüste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bücher des Elfenbeinkusstigers und aller anderen wunderbaren und spannenden Autoren jedoch wurden zu Ladenhütern, weshalb Hannahs Chef sie eines Tages  es war ein Mittwoch  zu sich ins Büro rief. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wissen, ich schätze Ihre Arbeit sehr, sagte er, aber den Menschen ist zu kompliziert, was diese Autoren produzieren. Erinnern Sie sich an Uwe Tellkamp? Da haben sie sich anscheinend in einen Wahn geschraubt, genauso verschraubt klang dann auch der Turm. Nun gut, zum Glück gibt es ein paar Intellektuelle, die solche Bücher für ihre Regale erstehen, aber gerade in Zeiten der Krise haben die Menschen eine Sehnsucht nach dem Einfachen. Nach Autoren, die überhaupt nichts von Literatur verstehen, am besten auch nichts von Fußball und Musik, wie Oliver Kahn oder der... wie hieß er gleich noch mal?... ah ja... Bohlen. Diese Beiden haben sich wie warme Semmeln.  &lt;br /&gt;
Hannah lachte und dachte an den Tag, an dem sie Dieter zusammengeschraubt hatte. Diesem Tag war eine Nacht mit einer aufregenden Frau und  dreiundzwanzig Gläsern Tequila vorausgegangen. Kein einziges Rädchen hatte sie an die richtige Stelle gelötet, keine einzige Mutter gerade auf den Dübel geschraubt. &lt;br /&gt;
Es. tut. mir. leid, stotterte der Geschäftsführer fort, aber die Krise zwingt uns...&lt;br /&gt;
Hannah lächelte und bedeutete ihm mit dem Zeigefinger auf ihren Lippen zu schweigen. Sie ließ den Schraubenzieher fallen, packte ihre Habseligkeiten zusammen und ging zum Fabriktor hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Draußen  es regnete gerade Langeweile -  schüttelte sie den Staub der Wörter von ihrer Jacke, schnallte sich die Phantasie auf den Rücken und flog davon.</description>
    <dc:creator>testsiegerin</dc:creator>
    <dc:subject>Geschichten</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 testsiegerin</dc:rights>
    <dc:date>2009-05-22T17:01:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/5677356/">
    <title>Die große Liebe</title>
    <link>http://barbaralehner.twoday.net/stories/5677356/</link>
    <description>Die Telefonrechnung von Herrn Gruber war höher als Emma Rogners Werkstattrechnung. Und die Werkstattrechnung von Emma Rogner war höher als der monatliche Gehalt der Billa-Kassiererin. &lt;br /&gt;
Emma tippte die Zahlen in den Taschenrechner und wusste nicht, wie sie das bezahlen sollte. Weder die Telefonrechnung ihres Klienten noch ihre Werkstattrechnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hab eine neue Freundin, hatte er das letzte Mal strahlend erzählt. Das ist ja ganz wunderbar!, gratulierte sie ihm ebenso strahlend und hoffte für und mit ihm, dass die Neue starke Nerven hatte. Starke Nerven, unendliche Geduld und ein prall gefülltes Bankkonto. Die Svetlana hat gesagt, sie mag meine Mama, erzählte er Emma bei ihrem letzten Hausbesuch und die Mama hat gesagt, sie mag die Svetlana. &lt;br /&gt;
Das ist schön, hatte Emma gesagt und ihm kein Wort geglaubt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mama vom Herrn Gruber lag seit vielen Jahren auf dem Friedhof und ihr Sohn legte ihr täglich frische Blumen aufs Grab. Damals, als die Mama nur zum Blumen gießen auf dem Friedhof war, hatte sie keine Frau leiden können, die Herrn Gruber näher kam, nicht mal Emma Rogner. Ob der Tod tatsächlich so viel Macht hatte, das zu ändern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emma studierte die Telefonrechnung von Herrn Gruber. Sie gab Details über seine neue, große Beziehung preis.&lt;br /&gt;
Die Telefonnummer seiner Flamme begann mit 0900, und sie rief ihn nie, er sie aber umso öfter an. Manchmal ging es ganz schnell, und manchmal schien er ein bisschen länger zu brauchen, was Svetlana bestimmt freute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst schuld, dachte Emma, denn sie hatte vergessen, die Mehrwertnummern sperren zu lassen. Also musste sie ihm jetzt erklären, dass er sich solche Gespräche mit seinem Einkommen nicht leisten konnte. Sein Einkommen reichte kaum für ein anständiges Auskommen, und schon gar nicht für ein weniger anständiges.&lt;br /&gt;
Emma erinnerte sich an ihre sexbesessene Klientin Berta, der sie vor Jahren einen Callboy mit Orgasmusgarantie und Wohnmobil zum Geburtstag geschenkt hatte. Gern hätte sie auch die Wünsche von Herrn Gruber erfüllt, aber dafür reichte das Geld einfach nicht mehr, und auch das Sozialamt war weit weniger spendabel als früher. Gut, damals hatte sie ein bisschen geschwindelt, als sie Physikalische Anwendungen in den Antrag geschrieben und sich dafür Schwierigkeiten mit dem Bezirkshauptmann eingehandelt hatte. Das wollte sie nicht wieder riskieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Gruber, Emma Rogner zog nervös an ihrer Lucky Strike und bot auch ihrem Klienten eine an, obwohl der Nichtraucher war. Eigentlich gingen sie derart intime Dinge nichts an und sie wollte mit dem Gruber weder über Svetlana noch über Natascha reden, Svetlanas beste Freundin, mit der er hin und wieder telefonierte, wenn Svetlana sich um ihre kranke, russische Mama kümmern musste. Schauen Sie, Herr Gruber, vielleicht ist es besser, Sie rufen Svetlana nicht mehr an. Sicher ist es besser... zumindest für ihr Konto.&lt;br /&gt;
Scheiß Job, dachte Emma Rogner und beneidete die Billa-Kassiererin. Nicht um ihr Einkommen, aber der blieben zumindest solche Gespräche erspart. &lt;br /&gt;
Aber ich suche doch die große Liebe!, schluchzte Herr Gruber jetzt bitterlich. Sie geben mir ja nicht die Liebe, die ich brauche, Frau Rogner!&lt;br /&gt;
Wo er Recht hatte, hatte er Recht. &lt;br /&gt;
Tut mir leid, das gehört nicht zu meinem Aufgabenkreis, sagte Emma knapp. Ich bin nur für die Verwaltung ihres Einkommens und für die Vertretung vor Behörden und private Vertragspartner bestellt. Außerdem fürchte ich, so werden Sie die große Liebe nicht finden. &lt;br /&gt;
Wo dann?&lt;br /&gt;
Gute Frage. Emma hatte längst aufgehört an die große Liebe zu glauben. In ihrem Leben hatten sich viele kleine Lieben die Hand gegeben. In den letzten Jahren waren sogar die ausgeblieben. Vielleicht im Hallenbad, auf dem Stadtfest, im Kaffeehaus, im Raiffeisen-Lagerhaus, auf dem Pfarrflohmarkt, auf dem Friedhof. Überall kann man die große Liebe finden, Herr Gruber. Ich hab gehört, sogar im Internet. &lt;br /&gt;
Jetzt leuchten seine Augen wieder. Im Internetz? Darf ich so ein Internetz haben?&lt;br /&gt;
Emma Rogner biss sich auf die Lippen. In ihren Gedanken sah sie, wie sich die unbezahlten Rechnungen und Mahnungen für von Gruber im Internet bestellte Dinge und Dienstleistungen auf ihrem Schreibtisch stapelten. Sie schüttelte den Kopf. Ich fürchte, das ist keine so gute Idee. Versuchen Sie es lieber auf dem Pfarrflohmarkt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Gruber fiel auf die Knie, faltete die Hände zum Gebet, bettelte, schluchzte und schwitzte. Wissen Sie, ich hab ja auch so... so... männliche Bedürfnisse. Soll ich die herausschwitzen?&lt;br /&gt;
Emma Rogner zuckte zusammen. Bitte nicht herausschwitzen, dachte sie und sah schon die klebrige Flüssigkeit aus seinen Poren sprießen. Nicht jetzt. Nicht, solange ich da bin. &lt;br /&gt;
Dann hatte Emma Rogner eine  wie sie fand zündende - Idee. Vielleicht könnten Sie ja das Geld, mit dem sie die Blumen kaufen, für die Telefonate mit Svetlana sparen?, schlug sie vor. Ihre Mama freut sich bestimmt mit Ihnen.&lt;br /&gt;
Gruber hielt kurz mit dem Weinen inne. Niemals!, brüllte er, riss das Bild seiner verstorbenen Mutter von der Wand und drückte es an seine Brust. Niemals!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss dann mal, verabschiedete sich Emma hastig, diesmal ohne ihm die Hand zu geben, meinen Wagen aus der Werkstatt holen.</description>
    <dc:creator>testsiegerin</dc:creator>
    <dc:subject>Geschichten</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 testsiegerin</dc:rights>
    <dc:date>2009-05-01T18:45:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/5664631/">
    <title>Tatort</title>
    <link>http://barbaralehner.twoday.net/stories/5664631/</link>
    <description>Ernestine lebte in einer Zimmer-Küche-Kabinettwohnung am Stadtrand von Wien. Der Dienstag war wie der Montag, der Mittwoch wie der Dienstag, der Donnerstag wie der Mittwoch und so fort. Ein Tag wie der andere. Nur der Sonntag, der war anders. Ganz anders eigentlich auch nicht, abgesehen davon, dass Ernestine am Sonntag nicht einkaufte, weil die Geschäfte geschlossen hatten, aber Ernestine stand um die gleiche Zeit auf wie an den restlichen Tagen, sie putzte die sauberen Fenster und kehrte den sauberen Boden. Oft wusch sie auch die saubere Wäsche, weil sich nicht genug Schmutzwäsche angesammelt hatte, abgesehen von den Putztüchern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonntag war Tatort-Tag. Von Montag bis Mittwoch tauschte sie sich mit ihrem Nachbarn, mit dem sie sonst kaum ein Wort wechselte, über den sonntäglichen Tatort aus, von Donnerstag bis Sonntag freute sie sich auf den folgenden. Verbrechen im Zusammenhang mit Wirtschafts- und Computerkriminalität mochte sie nicht, da kannte sie sich meistens nicht aus und wusste zwar am Ende meistens, wer der Mörder war, verstand aber die Zusammenhänge nicht. &lt;br /&gt;
Die klassischen Themen, die waren Ernestine viel lieber. Eifersucht, Untreue, Vergewaltigung, Sexualüberfälle waren mehr nach ihrem Geschmack, gelegentlich auch Kindesmissbrauch oder ein kleiner Raubmord. &lt;br /&gt;
Von den vielen Kommissaren waren ihr Kain und Ehrlicher die liebsten gewesen, die beiden Ostdeutschen, und als Ehrlicher vergangenes Jahr in Rente ging, da schickte Ernestine ihm eine Glückwunschkarte zur Pensionierung und war richtig traurig. &lt;br /&gt;
Bei Thiel und Börne liebte sie die Dialoge, das Auto vom Börne und den alten Vater vom Thiel, den Taxifahrer. Der hatte so etwas Verwegenes und rauchte sogar Haschisch, obwohl sein Sohn Polizist war. Das hätte Ernestine sich nie getraut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur die lesbischen Emanzen wie die Lena Odenthal, die konnte sie nicht leiden, weil sie immer auf supercool machte. Und Charlotte Lindholm war ihr zu depressiv. Überhaupt fand sie, dass Frauen nicht wirklich als Kommissare taugten. Trotzdem schaute sie sich jede Folge an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und, Frau Doktor? Ist er wirklich hin?, platzte es aus Ernestine heraus. &lt;br /&gt;
Die Ärztin kniete über dem Nachbarn und warf ihr einen giftigen Blick zu.  Pardon, korrigierte Ernestine und machte die Schreibtischlade schnell wieder zu, nachdem sie einen Umschlag in ihre Schürze geschoben hatte,  ...hin... hinübergegangen?&lt;br /&gt;
Sie hatte ihn gefunden, vorhin, als sie ihm ein Stück Kuchen bringen wollte. Ernestine hatte geklopft, wie immer, aber er hatte nicht geöffnet, dabei wusste sie genau, dass er zu Hause war. Schließlich hatte sie ihn durch den Türspion beobachtet, als er am Nachmittag von seinem Spaziergang zurückkam. Ob ihm etwas zugestoßen war?&lt;br /&gt;
Mit dem Reserveschlüssel hatte sie aufgeschlossen, den armen Mann am Boden liegen sehen und sofort den Notarzt gerufen. Wenn sie gewusst hätte, dass die eine Frau schicken, hätte sie es sich vielleicht überlegt und gleich die Polizei verständigt. Bei der Polizei gab es nämlich zum Glück noch nicht so viele Frauen wie im Fernsehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ärztin fühlte den nicht existierenden Puls. Ja, schaut so aus, als hätte er die Ebenen gewechselt. &lt;br /&gt;
Die Ebenen gewechselt. Wie geschwollen die daherredete. Vielleicht war sie sich ja einfach nicht sicher? &lt;br /&gt;
Sie müssen ihm einen Spiegel vor den Mund halten, riet Ernestine und freute sich über ihre gute Idee,  das hab ich beim Tatort gesehen. &lt;br /&gt;
Da machten die Ärzte das auch immer,  und wenn der Tote noch lebte, was aber im Tatort so gut wie nie der Fall war, dann beschlug sich der Spiegel vom Atem. Sie kramte einen Taschenspiegel aus der Schürzentasche und reichte ihn der Ärztin.&lt;br /&gt;
Danke für den Tipp. Feststellen des Todes war im Medizinstudium kein Thema. &lt;br /&gt;
Ehrlich? Veräppelte diese Frau Doktor sie oder war sie tatsächlich so ahnungslos wie sie sich anstellte? Ernestine sah sich in ihrer Ansicht, dass nicht nur weibliche Kommissare, sondern auch weibliche Ärzte völlig unfähig waren, bekräftigt. Sie nahm den Deckel von der Dose auf dem Kästchen und schob sich einen Keks in den Mund. Einen ziemlich trockenen Keks. Woran ist er denn abge..., sie biss sich auf die Lippen, gestorben? &lt;br /&gt;
Ernestine ging zur Leiche und drückte dem Mann sanft die Augen zu. Sogar darauf hatte diese Ärztin vergessen. Ein bisschen mehr Würde hatte sich der Nachbar schon verdient.&lt;br /&gt;
Vermutlich Herzstillstand.  &lt;br /&gt;
Die war vielleicht kurz angebunden. Das nächste Mal würde sie beim Roten Kreuz bitten, dass ein etwas gesprächigeres Exemplar geschickt wurde.&lt;br /&gt;
Vielleicht ist er ja vergiftet worden? Bei diesem Gedanken erschrak Ernestine, spuckte den Keks hastig aus und versteckte die klebrige Masse unter dem Tischdeckchen. Das kommt beim Tatort auch manchmal vor. Soll ich die KTU anrufen? Sie war erleichtert, endlich aktiv helfen zu können. &lt;br /&gt;
Welche Kathi wollen Sie anrufen?&lt;br /&gt;
Nicht die Kathi, die kriminaltechnische Untersuchung. Wie beim Tatort. Damit kannte sie sich aus. Obwohl  sie hatte früher auch nicht gewusst, was die Abkürzung bedeutete und sah diese Unwissenheit der Ärztin deshalb lächelnd nach. &lt;br /&gt;
Hier heißt das Spusi, Spurensicherung. &lt;br /&gt;
Stimmt, wie hatte Ernestine das vergessen können? Der österreichische Kommissar, der Moritz Eisner, der rief auch immer die Spusi an. Den Eisner, den mochte sie als Bergdoktor ja viel lieber. &lt;br /&gt;
Und die Spusi brauchen wir nicht, fuhr die Ärztin fort und begann, den Totenschein auszufüllen, wenn ein 98-jähriger an Altersschwäche stirbt. Sie schauen zu viel fern, meine Liebe.&lt;br /&gt;
Ernestine verschränkte beleidigt die Arme vor dem Körper und verteidigte sich. Gar nicht. Nur Tatort. Hoffentlich hatte das jetzt nicht zu scharf geklungen, denn Ernestine hätte sich trotz allem noch gern ein bisschen mit der Ärztin unterhalten, über ungelöste und mysteriöse Mordfälle zum Beispiel. Meistens war ja nichts los in dem Haus. Darf ich Ihnen wenigstens einen Apfelstrudel anbieten, Frau Doktor?, fragte sie versöhnlich. Ich hab ein neues Rezept ausprobiert.&lt;br /&gt;
Aus dem Tatort? &lt;br /&gt;
Entsetzt starrte Ernestine auf die Pendeluhr. Verdammt. Jetzt hatte sie den Tatort versäumt, das erste Mal seit dem Tod ihres Mannes vor fast fünf Jahren. Und ausgerechnet heute ermittelten Max Ballauf und Freddy Schenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, da gibts keine Rezepte, nur Tote. Vom Perfekten Dinner.</description>
    <dc:creator>testsiegerin</dc:creator>
    <dc:subject>Geschichten</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 testsiegerin</dc:rights>
    <dc:date>2009-04-24T18:34:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/5597634/">
    <title>Nackt</title>
    <link>http://barbaralehner.twoday.net/stories/5597634/</link>
    <description>Er schaute sie an. &lt;br /&gt;
Nackt und reglos lag sie da, ihren Oberkörper ihm zugewandt, die Beine leicht angewinkelt, den Kopf auf den linken Arm gestützt. Ihre rechte Hand ruhte auf ihrer ausladenden Hüfte. Ihre Scham schamlos unverhüllt. &lt;br /&gt;
Er strich konzentriert über ihren Hals, berührte behutsam ihre Brüste, widmete sich ihrem Bauchnabel. Mitten in der Bewegung hielt er abrupt inne, stand auf und trat ein paar Schritte zurück. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du findest mich nicht schön, oder?, fragte sie.&lt;br /&gt;
Er erschrak. Fühlte sich ertappt. Zögerte mit seiner Antwort.&lt;br /&gt;
Doch, doch. Nicht schön im herkömmlichen Sinn. Aber schön. &lt;br /&gt;
Ist es wegen meiner Hüften? Ich weiß, sie sind eine Spur zu üppig geraten. &lt;br /&gt;
Nein. Er dachte nach. Das ist es nicht. Er kam wieder näher und fuhr mit den Fingern erst durch ihr Haar und dann sanft über ihre Hüften. Das passt schon so. Ich steh ohnehin nicht auf verhungernde Frauen.&lt;br /&gt;
Was also gefällt dir nicht an mir?&lt;br /&gt;
Ich weiß es wirklich nicht. In seinem Gesicht spiegelte sich Verzweiflung. Ich wünschte doch auch, es wäre anders. &lt;br /&gt;
Jetzt schwieg sie wieder und er hatte das Gefühl, sie blickte ihn leer und leidend an. &lt;br /&gt;
Ich habe eine Ahnung, woran es liegen könnte. Es ist nicht der Körper, der ist gut, wie er ist, auch die Proportionen stimmen. Es ist das Gesicht, der Ausdruck. Der fehlende Ausdruck. Du wirkst... du wirkst irgendwie so nackt auf mich.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Ich bin nackt&quot;, erinnerte sie ihn.&lt;br /&gt;
&quot;Ja, ich weiß, aber da ist kein Geheimnis hinter deinen schönen Augen, verstehst du?&lt;br /&gt;
Sie antwortete nicht.&lt;br /&gt;
Ich fürchte, dir fehlt die Seele, fuhr er fort, das Feuer in den Augen. Weißt du, was ich meine? Er redete sich immer tiefer in den Strudel hinein. Man spürt nichts von deinen Gefühlen, deinen Ängsten, deinen Träumen und deinen Hoffnungen. Dein Charakter wirkt so beliebig, so austauschbar.&lt;br /&gt;
Sie schwieg weiter. &lt;br /&gt;
Wahrscheinlich hört das keine Frau gerne, dachte er. Jetzt hatte er sie gekränkt, ohne es zu wollen. Aber er konnte seine Worte nicht mehr zurücknehmen.&lt;br /&gt;
Tut mir Leid, er fuhr ihre langen, festen Beine entlang, ich kann es nicht besser in Worte fassen. Außerdem kannst du nichts dafür. Vielleicht liegt es ja an mir. Bestimmt sogar liegt es an mir.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hörte Schritte und warf hastig das Leinentuch über sie. Ich bin gleich wieder bei dir. Er ging zur Tür.&lt;br /&gt;
Darf ich reinkommen?, fragte die Stimme, die zu den Schritten gehörte und drückte die Klinke nach unten. Zum Glück hatte er den Schlüssel vorher umgedreht. &lt;br /&gt;
Lieber... lieber nicht, rief er durch die versperrte Tür,  ich bin noch nicht so weit.&lt;br /&gt;
Hm. Schade. Die Schritte entfernten sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorsichtig nahm er das Tuch wieder von ihr und legte seine Hand auf ihren Po. Täuschte er sich, oder funkelte sie ihn jetzt wütend an? &lt;br /&gt;
Das ist gut, das ist sehr gut, sagte er, denn ihre Augen verwandelten sich in glühende Kohlenstücke, auf der Stirn bildeten sich winzige Fältchen, kaum wahrnehmbar, aber sie drückten deutlich ihre Missbilligung aus, die Konturen ihrer Lippen wurden schärfer, gerade so als wollte sie ihm wüste Beleidigungen an den Kopf werfen. Deshalb verwischte er mit dem Finger ihre roten Lippen. Großartig, sagte er, diese zornige Schlampigkeit lässt dich viel lebendiger wirken.&lt;br /&gt;
Arschloch, zischte sie.&lt;br /&gt;
Ich wollte dich nicht verstecken, murmelte er und malte weiter, aber meine Frau hat kein Verständnis dafür, wenn ich mit der Leinwand spreche.</description>
    <dc:creator>testsiegerin</dc:creator>
    <dc:subject>Geschichten</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 testsiegerin</dc:rights>
    <dc:date>2009-03-21T14:46:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/5583857/">
    <title>Die Brücke</title>
    <link>http://barbaralehner.twoday.net/stories/5583857/</link>
    <description>Oma, zischte Anna-Sophie und zog den Stöpsel aus dem linken Ohr, du bist voll peinlich. Lass den Kerl in Ruhe lesen und starr ihn nicht so auffällig an.&lt;br /&gt;
Kindchen, flüsterte Oma Johanna zurück, erstens bin ich Witwe, zweitens alt genug und drittens muss ich so starren, weil ich meine Augengläser vergessen habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Doktor Kammerlander, wenn Sie bitte im Ordinationsraum &lt;i&gt;Corona Dentis&lt;/i&gt; Platz nehmen. Die Frau Doktor kommt gleich. &lt;br /&gt;
Schade, fand Johanna, als der alte Herr das Wartezimmer verließ und  in der Krone verschwand, den fand ich richtig adrett und kultiviert.&lt;br /&gt;
Gott sei Dank, fand Anna-Sophie, stöpstelte das Ohr wieder zu und beschäftigte sich mit ihrem iPhone. &lt;br /&gt;
Doktor Karl Kammerlander, las sie nach einer Minute vor, er wohnt in der Pestalozzi-Straße siebzehn. Frauenname steht keiner dabei, also lebt er wahrscheinlich alleine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doktor Karl Kammerlander, Kulturattaché in Ruhe, lag auf dem elektrischen Stuhl und klammerte sich an dessen Armlehne, als die Ärztin den Sessel zurückklappte und die Folterinstrumente auspackte. Er sollte eine Brücke bekommen, seine zweite schon. &lt;br /&gt;
Es wird gar nicht weh tun, Herr Doktor Kammerlander, sagte sie. Das sagte sie immer und es tat immer weh. Trotzdem beruhigten die sanften Worte ihn ein wenig und er öffnete gehorsam den Mund.  &lt;br /&gt;
Das laute Piepsen, das aus seiner Sakkotasche kam, beruhigte ihn keineswegs, man könnte sogar behaupten, dass es ihn in seiner Hartnäckigkeit beunruhigte.  &lt;br /&gt;
Seine Kinder hatten ihm das Handy zu Weihnachten geschenkt, obwohl sie wussten, dass er es verabscheute, immer und überall erreichbar zu sein. Damit du uns jederzeit anrufen kannst, wenn du Hilfe brauchst, hatten sie gesagt und er hatte Freude geheuchelt. Ein Seniorenhandy, mit extra großen Tasten und überdimensionalem Display. Er war achtundsechzig und nicht siebenundneunzig. In Wahrheit waren sie es, die Hilfe brauchten, weil der Rasenmäher nicht ansprang, die Steuererklärung nicht fertig oder das Konto überzogen war. Also unentwegt. Das Gerät abschalten traute er sich aber auch nicht, es könnte ja sein, dass tatsächlich einmal etwas wirklich Wichtiges geschah.&lt;br /&gt;
Nun saß er da in der Zahnarztpraxis, mit Absauger im Mund und Angst im Bauch und es hörte nicht auf zu piepsen. &lt;br /&gt;
Entschuldigung, sagte er, nur weit weniger deutlich,  wenn Sie mich bitte wieder in die aufrechte Haltung manövrieren könnten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
COOLE KRAWATTE, KARL, las er. Und eine ihm unbekannte Nummer. Er senkte seinen Blick, aber da baumelte keine Krawatte, sondern ein Kleinkinderlatz aus Papier.&lt;br /&gt;
WER FINDET DAS DENN? tippte er verunsichert, mit der Geschwindigkeit einer Weinbergschnecke, löschte das Geschriebene aber gleich wieder, denn damit outete er sich als gänzlich uncool. Er würde so tun, als wäre es das Normalste auf der Welt, von einer (oder gar einem?) Unbekannten per SMS Komplimente über seine Krawatte zu bekommen. &lt;br /&gt;
COOLE KRAWATTE  COOLER KARL, schrieb er knapp. &lt;br /&gt;
COOLER KARL  WARMES HERZ? ;-) Antwort und Frage kamen prompt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entschuldigung, wandte er sich an die Zahnärztin, was bedeutet Semikolon, Bindestrich und Klammer zu?&lt;br /&gt;
Die Zahnärztin schaute auf das Display. Das ist ein Zwinkersmiley. Können wir jetzt weitermachen, Herr Doktor?&lt;br /&gt;
Er errötete. Ja. Einen Moment noch.&lt;br /&gt;
COOLER KARL  WARMES HERZ  KALTE FÜSSE - KAPUTTER ZAHN. OVER.&lt;br /&gt;
Er schaltete das Handy auf lautlos, lehnte sich zurück und öffnete den Mund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bist du übergeschnappt?, fauchte Johanna im Wartezimmer ihrer Enkeltochter zu, die mit beiden Daumen wie der Teufel auf den winzigen Bildschirm tippte, doch dem Fauchen wohnte ein Schmunzeln inne. Was machst du da?&lt;br /&gt;
Ich kommuniziere mit Karl. Für dich.&lt;br /&gt;
Kein Wort zu Mama, kapiert? Sonst kannst du das nächste Mal mit dem Fahrrad fahren, um deine Zahnspange einstellen zu lassen.&lt;br /&gt;
Kapiert. Willst du ihn treffen?&lt;br /&gt;
Wie bitte?&lt;br /&gt;
Na soll ich ein Date für dich checken?&lt;br /&gt;
Ein Date? Du meinst, ein Rendezvous?&lt;br /&gt;
Was ist ein Rendezvous?&lt;br /&gt;
Vermutlich ein Date.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Sophie, du kannst schon im Raum &lt;i&gt;Pulpa&lt;/i&gt; Platz nehmen. Möchtest du, dass deine Oma mitkommt?&lt;br /&gt;
Um Gottes Willen, nein! Die fürchtet sich ja mehr als ich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Karl in der Pestalozzistraße aus dem Bus stieg, hatte er einiges erfahren. Zum Beispiel, dass es sich bei der Schreiberin der Kurzmitteilungen tatsächlich um eine Sie handelte, eine Sie, die nur ein paar Jahre jünger war als er und ebenfalls verwitwet. Der Lieblingsfilm der Sie war &quot;Die Brücken am Fluss&quot; mit Clint Eastwood. Sie konnte Russisch, aß gern Japanisch, kochte am liebsten Italienisch, liebte die Deutschen Klassiker und ging gern ins Theater. Vor allem die Dramen Schillers hätten es ihr angetan, schrieb sie. Die Sie hatte auf jeden Fall Humor, denn auf die Frage, welches von Schillers Stücken sie bevorzugte, antwortete sie mit: NATÜRLICH HAMLET. Das Aufregendste an dieser Sie jedoch war: Sie wollte sich mit ihm treffen. Morgen. Im Theatercafé. Karl hatte sich seit Jahren nicht mehr mit einer SIE getroffen, zumindest nicht so. So hatte er aber ohnehin überhaupt noch nie jemanden kennen gelernt.&lt;br /&gt;
Welche nehme ich am besten?, überlegte er vor dem Schrank mit den Krawatten und entschied sich für eine dezente in Orange und Braun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer ist denn Karl?, warf Anna-Sophies Mutter die Palatschinke in die Luft und fing sie wieder auf.  &lt;br /&gt;
Anna-Sophie zuckte zusammen. Ach... wie...? &lt;br /&gt;
Ihr Vater hob eine Augenbraue. Wer bitte nennt sein Kind heute Karl? Mit einem Karl brauchst du mir gar nicht nach Hause kommen. Lukas oder Sebastian, wenn es sein muss, aber doch nicht Karl.&lt;br /&gt;
Tut mir leid, Anna-Sophie, sagte ihre Mutter. &quot;Wie du weißt, lese ich deine SMS für gewöhnlich nicht. Aber auf deinem neuen Handy öffnen sich die Nachrichten von selbst. Ich konnte also gar nicht anders.&lt;br /&gt;
Schon gut... Wir... wir... wir haben uns beim Zahnarzt kennen gelernt. Oma war auch dabei. Es ist nicht, wie ihr denkt.&lt;br /&gt;
Wie denken wir denn?&lt;br /&gt;
Hm. Keine Ahnung.&lt;br /&gt;
Er schreibt, 15 Uhr im Theatercafé geht in Ordnung. Und du mögest eine Ausgabe von Shakespeares Räuber bei dir haben. Sie rollte Augen und Palatschinken. Kannst du dir nicht einen Burschen mit ein bisschen mehr Allgemeinbildung suchen?</description>
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    <dc:subject>Geschichten</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 testsiegerin</dc:rights>
    <dc:date>2009-03-15T17:01:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/5389202/">
    <title>Schicksalsspiel</title>
    <link>http://barbaralehner.twoday.net/stories/5389202/</link>
    <description>Aus aktuellem Anlass: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer gibt? Michael legte Holz nach, um das Lagerfeuer am Lodern zu halten.&lt;br /&gt;
Karel gibt, sagte Gabi, zog an der Zigarette und pustete den Rauch durch den fast zahnlosen Mund.&lt;br /&gt;
Artig nahm Karel die Karten und mischte. Dabei fragte er sich, warum er sich überhaupt die Mühe machte zu mischen. Er bekam nämlich immer schlechte Karten. Ein ganzes Leben lang schon. Nicht nur an diesem Dienstag. Nicht nur hier im Straßengraben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Tante Luzie, du fährst echt wie der Teufel, schimpfte Änschie von der Rückbank. Mir ist schon ganz schlecht.&lt;br /&gt;
Entschuldige. Luzie van Pelt nahm den Fuß vom Gaspedal. Ich hatte einen schlechten Tag. Die schlechten Tage in ihrem Leben häuften sich. &lt;br /&gt;
Den Prozess heute hatte sie zwar gewonnen, ihren Freund allerdings vor ein paar Wochen verloren. Ausgerechnet an die neue Richterin. &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwanzig, weiter. Rafi steckte sich das letzte Stück Fisch in den Mund. Dann gab er die leere Katzenfutterdose an Gabi weiter, die ihre Zigarette darin ausdämpfte.&lt;br /&gt;
Pagat dazu. An Gabis schmalen Lippen wurde die Zigarette sofort von einer Schnapsflasche abgelöst. &lt;br /&gt;
Du wirst noch dich tot saufen, Madel, schüttelte Karel den Kopf. Mecht nich wissen, wie aussieht deine Leber.&lt;br /&gt;
Alkohol schützt unsere Blutgefäße vor Verkalkung. Sechzig Gramm am Tag und man bekommt keinen Schlaganfall, dozierte Rafi, der einmal ein richtiger Arzt gewesen war.&lt;br /&gt;
Genau. Dann kratzt man nämlich rechtzeitig vorher am Leberkoma ab. Michael nahm einen kräftigen Schluck aus der Flasche. &lt;br /&gt;
Er reichte den Lambrusco vorbei an Karel zu Gabi. Hier, trink das. Ist nicht so stark wie dein Fusel und wärmt auch.       &lt;br /&gt;
Karel fühlte sich ausgeschlossen. Ein vertrautes Gefühl für ihn. Er war nur hier, weil sie einen vierten Mann zum Tarockieren brauchten. Der, mit dem sie sonst spielten und dessen Namen er sich nicht merken konnte, war im Krankenhaus. &lt;br /&gt;
Warum du bist nicht mehr Doktor, Rafi? Der Angesprochene  spuckte verächtlich ins Feuer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;And through it all she offers me protection, a lot of love and affection, jaulte Luzie im Duell mit Robbie Williams, während ihre Nichte sich die Ohren zuhielt. Whether I&apos;m right or wrong.&lt;br /&gt;
Wrong! Total wrong!, schimpfte Änschie lauthals. Das ist ja nicht zum Aushalten. Du singst noch schlechter als du fährst.&lt;br /&gt;
Luzie trat auf die Bremse, steuerte das Auto auf den Randstreifen und drehte sich wütend um.&lt;br /&gt;
Nun hör mir mal zu, du verflixte Göre&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hm. Warum ich kein Arzt mehr bin? Rafi kraulte sich im Bart und wickelte sich fester in seine Fliegerjacke. Weißt du, Karel, Arzt sein ist nicht wirklich so toll, wie die Leute immer glauben. Die Querulanten haben mich in den Suff getrieben und zum guten Ende hab ich einen von denen vermöbelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Können wir eine Pause machen?, fragte Michael, der die Geschichte längst kannte. Ich hab heute noch nicht geübt.&lt;br /&gt;
Gabi stöhnte. Der Tscheche nickte. Solange Michael Posaune statt Tarock spielte, würde Karel nicht verlieren. Es folgten Tonleitern.&lt;br /&gt;
Kannst du nix gescheites?, schimpfte Rafi.&lt;br /&gt;
Ich muss mich warm spielen. Und die Posaune auch.&lt;br /&gt;
So wie du spielst, erweckst du noch die Toten aus den Gräbern. Rafi hielt sich die Ohren zu.&lt;br /&gt;
Das ist nun mal mein Job. &lt;br /&gt;
Komm, spiel was schönes für mich, bettelte Gabi mit süßer Stimme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Änschie heulte. In Luzies Augen schummelten sich ein paar Tränen, in ihren Kopf schlich sich Selbstmitleid und in ihren Bauch nistete sich ein schlechtes Gewissen ein. Es war ungerecht, ihre miese Laune ausgerechnet an der Kleinen ihrer Schwester auszulassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thoughts running through my head &lt;br /&gt;
And I feel that love is dead &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn sie nur tot wäre, die Liebe. Dann würde es nicht so verdammt weh tun.&lt;br /&gt;
Ach, Änschie. Lass uns wieder gut sein, ja? Ich  kann doch nichts dafür, dass deine Mama sich den Fuß gebrochen hat und ich dich jetzt zur  Klavierstunde bringen muss.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Michael eine schaurig schöne Version von &lt;i&gt;Tears in Heaven &lt;/i&gt;intonierte, griff Gabi nach seiner Weinflasche. Sie war die unbestrittene Herrscherin über alles Flüssige. Früher regierte sie als Bademeisterin im Stadtbad. Inzwischen wurde sie vom Alkohol beherrscht und war jeden Tag so blau, wie das Wasser im Freischwimmerbecken. Nur die Lilie in ihrem Haar war weiß. Und aus billigem Kunststoff.&lt;br /&gt;
Vorige Woche hat sich hier einer überschlagen, sagte sie. &lt;br /&gt;
Und? Rafi mischte die Karten bereits zum siebzehnten Mal. &lt;br /&gt;
Sofort tot.&lt;br /&gt;
Das medizinische Interesse in Rafi war noch immer lebendig. Woran ist er gestorben?&lt;br /&gt;
Woher soll ich das wissen?, fauchte ihn Gabi an. Ich war ja nicht da. Sonst würde er nämlich noch leben. Und jetzt sei still, ich will zuhören. &lt;br /&gt;
Ist sich eh gefährliche Kurve, oder? Karel betrachtete den abgefahreren Randstein.&lt;br /&gt;
Rafi blickte vom Mischen auf. Wären wir sonst hier?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Du lieber Himmel, schon fünf vor vier. Wir kommen zu spät. Und jetzt fährt da vorn noch ein Traktor.&lt;br /&gt;
Luzie beschleunigte ihren Lancia Phedra und zog lässig auf die linke Spur.&lt;br /&gt;
Ich glaub, ich muss kotzen, jammerte Änschie.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Michael verstaute die Posaune sorgfältig in seinem Koffer. Alles andere hatte er seiner Frau gelassen. Das Haus. Das Geld. Das Auto. Die Kinder.&lt;br /&gt;
So, weiter gehts. Er warf ein paar alte Äste ins Feuer. Jetzt hätt ich gern ein sensationelles Blatt, bitte.&lt;br /&gt;
Karel seufzte. Wer hätte das nicht gern? &lt;br /&gt;
Wehe, es meckert einer, ich hätte nicht genug gemischt, grummelte Rafi. Die Karten qualmen ja schon. Du rufst, Michael.&lt;br /&gt;
Zwanzig, weiter.&lt;br /&gt;
Solo pagat. Zum ersten Male sahen die anderen Karel lächeln.&lt;br /&gt;
So spiel endlich! Gabi nuckelte an der Schnapsflasche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Kotz mir bloß nicht auf die Polster. Hier nimm das. Luzie hielt Änschie ein Plastiksackerl vom Hofer hin. Änschie würgte. Und damit ihr selbst nicht auch schlecht wurde, drehte Luzie die Musik lauter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wherever it may take me &lt;br /&gt;
I know that life won&apos;t break me &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Plötzlich war es da. Das Auto. Änschie schrie und kotzte daneben. Luzie schrie und verriss das Lenkrad. &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Michael spielte aus. Karel stach. Er hatte sieben hohe Tarock in der Hand, darunter Sküs und Mond, und den Herzkönig noch dazu. Das konnte nicht schief gehen. Aber es ging schief. Wütend schmiss Karel die Karten ins Feuer. Lag es tatsächlich an ihnen, dass er ständig verlor? Oder vielleicht einfach nur daran, wie er sie ausspielte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jessas, lallte Gabi. Was geht denn da ab?&lt;br /&gt;
Michael glotzte verdattert in ein Paar flackernde Scheinwerfer und hielt sich die Hand vors Gesicht.&lt;br /&gt;
Rafi sprang auf, stolperte aber über den Posaunenkoffer. Herrgottsakra!&lt;br /&gt;
Karel hatte längst den Straßenrand erreicht. Nicht umsonst war er mal tschechischer Jugend-Vizemeister im Hürdenlauf gewesen. Wie ein Fußballspieler grätschte er in den schleudernden Lancia und erwischte ihn am Hinterrad. Der Wagen drehte eine Pirouette, blieb aber auf der Straße.&lt;br /&gt;
Der entgegenkommenden Volvo schlitterte in die Beifahrerseite des Lancia. Der Fahrer blieb unverletzt. Der Bauer wusste nicht, wie ihm geschah, wich aber mit seinen Zuckerrüben ins Maisfeld aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Luzie zitterte am ganzen Körper. Änschie!, schrie sie im Schock, jetzt kommen wir zu spät in die Klavierstunde! &lt;br /&gt;
Nicht so schlimm, flüsterte Änschie. Ich hab eh nichts geübt.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sauber. Nicht mal Uriel hätte das geschafft. Rafi klopfte Karel anerkennend auf die Schulter. Wo hast du das gelernt?&lt;br /&gt;
Nix gelernt. Engel kann das halt. Wenn ist nüchtern.</description>
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    <dc:subject>Geschichten</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 testsiegerin</dc:rights>
    <dc:date>2008-12-15T12:41:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/5340507/">
    <title>Schweres Erbe</title>
    <link>http://barbaralehner.twoday.net/stories/5340507/</link>
    <description>&lt;i&gt;Bumm. Bumm. Bumm.&lt;/i&gt; Sascha schlug einen Nagel ein, um das Bild aufzuhängen, das sie für ihn gemalt hatte. Sie stand daneben und freute sich wie ein kleines Kind. &lt;i&gt;Bumm. Bumm. Bumm&lt;/i&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sascha war tot, fiel ihr im Halbschlaf ein. Seit knapp einem Jahr schlug sein Herz nicht mehr. Also konnte das Hämmern gar nicht von ihm sein. Sie wollte nicht aufwachen. Sie wollte ihm weiter zuschauen, wie er den Nagel einschlug, das Bild an die Wand hängte, einen Schritt zurück stieg und sein und ihr Werk bewunderte. Sie wollte ihm dabei zuschauen, wie er seine Wohnung langsam zu ihrer gemeinsamen machte. &lt;br /&gt;
Das Pochen wurde heftiger. Ihr Herzklopfen auch. Da war sie wieder, die Angst. Damals hatten sie auch geklopft, als es draußen noch dunkel war. Damals hatten sie ihr mit ernsten Gesichtern gesagt, dass sie jetzt ganz stark sein müsse. &lt;br /&gt;
Sie schälte sich aus der Geborgenheit des Sessels, seines Sessels, in dem sie einige Stunden zuvor in eine Decke gekuschelt eingeschlafen war. Im langen T-Shirt öffnete sie die Tür einen Spalt breit. &lt;br /&gt;
Zwei groß gewachsene Männer standen vor der Tür, in altmodischen Mänteln, mit altmodischen Aktentaschen und mit ihrem amtlichen Abzeichen auf dem Revers.&lt;br /&gt;
Gerichtsvollzieher! dröhnte es durch das ganze Haus, obwohl sie längst direkt vor ihnen stand. Allmählich gingen auch die Türen der Nachbarn auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vier Augen starrten auf ihre mageren Beine. Sie öffnete die Sicherheitskette und ließ sie die Männer ein. &lt;br /&gt;
Ein kalter Luftzug drang in die Wohnung ein und setzte sich darin fest. Mechanisch griff sie nach dem Kleidungsstück auf der Kommode und wickelte sich darin ein. Es war seine Lieblingsweste gewesen. Sie passte dreimal rund um ihren Körper und ging ihr bis zu den Knien. Jetzt würde sie sie beschützen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heruntergeleierten Sätze, die die Männer zu ihr sagten, prallten an der dicken Wollweste und der dünnen Haut darunter ab. Nur ab und zu drangen ein paar nadelspitze Wörter durch den dicken Wollschutz. &lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Bezirksgericht&lt;br /&gt;
Exekutionstitel&lt;br /&gt;
Zwangsversteigerung&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor Jahren hatte sie die alte Mühle gekauft, mit ihrem Exmann. Ein Ort der Begegnung und der Kunst hätte sie werden sollen. Aber dann kam die Rezession. Die in der Ehe zuerst. Zunächst wurden die Worte weniger und dann die Liebe. Dem Einbruch in ihrer Beziehung folgte der wirtschaftliche. &lt;br /&gt;
Die Mühle wurde weit unter ihrem Wert verkauft, und auch ihre Bilder verkaufte sie zu Schrottpreisen, um Miete und Strom für die Mietwohnung bezahlen zu können. Und neue Farben für neue Bilder, die niemand kaufte, zu kaufen. Später sparte sie bei den Farben und malte nur noch graue Bilder. Trotzdem reichte das Geld nicht für die Kreditraten. &lt;br /&gt;
Sie flehte, sie bittete und sie bettelte. Vergebens. Sie müssen verstehen, hatten die  adretten Bankbeamten in ihren adretten Anzügen freundlich gelächelt und gesagt: Eine Bank ist nicht die Caritas. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden Riesen betrachteten ein wenig mitleidig die Einrichtung und machten Notizen. Es gab nicht viel in dem großen Zimmer, das zugleich Wohnung und Atelier war. Leinwände, Farben und Pinsel. Ein paar Bücher. &lt;br /&gt;
Sie biss sich auf die Unterlippe, als sie sah, wie sie die Play-Station notierten. Das Weihnachtsgeschenk für ihren Sohn. &lt;br /&gt;
Nicht weinen. Nicht ausflippen. Ruhig bleiben. Sollten sie doch ihren DVD-Player versteigern, ihren Stolz ließ sie sich nicht nehmen. Nicht ihre Würde. Nicht das, was noch übrig war davon. &lt;br /&gt;
Sie konnte die Gedanken in den Köpfen der Männer hören. &lt;i&gt;Arbeitsscheues Künstlerpack. Nichtsnutz. Versagerin. &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kroch tiefer in die Weste und spürte die schöne warme Zeit mit Sascha. Die viel zu kurze Zeit mit Sascha. Er hatte nicht gegeizt, nicht mit Worten, nicht mit Geschenken, vor allem aber nicht mit Aufmerksamkeit. Trotzdem mischte sich manchmal Wut in die Trauer. Es hatte kein Testament gegeben. Alles was er besaß, und das war neben seinem großen Herzen und dem scharfen Verstand noch einiges, gehörte jetzt seiner Schwester. Auch die Eigentumswohnung, aus der sie demnächst rausmüsste.&lt;br /&gt;
Nur ein paar persönliche Dinge und den alten Polstersessel hatte die Schwester nicht gewollt. Seinen massigen, weichen Sessel. &lt;br /&gt;
Den, an den sie sich jetzt klammerte, um nicht den Halt zu verlieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den, den sie jetzt aufschrieben.</description>
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    <dc:subject>Geschichten</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 testsiegerin</dc:rights>
    <dc:date>2008-11-23T16:43:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/5332258/">
    <title>Überall daheim</title>
    <link>http://barbaralehner.twoday.net/stories/5332258/</link>
    <description>Anlässlich des heutigen Welttoilettentags stell ich diese Geschichte noch mal rein: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sind gleich auf Sendung. Der Kameramann richtete das Objektiv auf Lieselotte Pfeffer. Die trat ihre Zigarette aus, fuhr sich nervös durchs kurz geschnittene Haar und drückte sich den Stöpsel tiefer ins Ohr. &lt;br /&gt;
Grüß Gott und guten Abend bei &lt;i&gt;Überall Daheim&lt;/i&gt;. Ich begrüße Sie herzlich aus Ried, der charmanten Messestadt im Innkreis. Über unser heutiges Thema werden Sie vielleicht schmunzeln, aber es ist ernster als es im ersten Moment scheint. Es geht um etwas, dass wir alle tun müssen. Nein, nicht sterben, nicht Steuern zahlen, sondern aufs Klo gehen. &lt;i&gt;Überall daheim &lt;/i&gt;ist heute zu Gast beim Gründungstag der Ö.T.O., der Österreichischen Toilettenorganisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lieselotte lächelte und schob verschmitzt die Zungenspitze in den Mundwinkel. Herr Peter Strobel. Sie wandte sich an ihren Interviewpartner und versuchte ernst zu bleiben. Sie sind Gründungsmitglied und erster Obmann der neuen nationalen Toilettenorganisation. Was war denn Ihr Motiv, unter dem Deckel... Verzeihung, unter dem Dach der &lt;i&gt;World Toilet Organization &lt;/i&gt;aktiv zu werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht um ein Problem, das zum Himmel stinkt. polterte Peter Strobel ins Mikrofon, es war einfach an der Zeit, es anzupacken. Denn Toilette bedeutet Würde. &lt;br /&gt;
Da wollen wir mal hoffen, dass das kein Griff ins Klo wird, Herr Strobel. Was genau haben Sie vor in Österreich?&lt;br /&gt;
Schaun Sie, gnädige Frau, wir leben hier nicht auf einer Insel der Seligen, klotechnisch gesehen. Jeder von uns muss manchmal in der Fremde nötig aufs WC und landet dabei in einem schäbigen Autobahnklo oder auf einem unwürdigen öffentlichen Abort. Damit muss endlich Schluss sein.&lt;br /&gt;
Herr Strobel faselte noch begeistert von der Notwendigkeit, das Thema Toilette aus dem Tabubereich zu holen und Lieselotte nickte wissend. Mit Tabus kannte sie sich aus. Vor zwei Jahren hatte sie für ein Magazin der Landespensionistenheime vom Geriatriekongress über Blasen und Inkontinenz berichtet. Erst seit ein paar Wochen arbeitete sie für das Regionalfernsehen. Damals noch &lt;i&gt;Da.heim&lt;/i&gt;, heute schon &lt;i&gt;Überall Daheim&lt;/i&gt;, dachte Lieselotte sarkastisch. Was für eine Karriere.&lt;br /&gt;
Vielen Dank, Herr Strobel. Ich habe das Gefühl, Sie wissen, wovon Sie reden. Liebe Zuschauer, damit auch Sie wissen, wovon wir reden, betreten wir jetzt den Tatort. Meine Damen daheim, seien Sie tapfer - folgen Sie mir aufs Männerklo.&lt;br /&gt;
Lieselotte verzog das Gesicht in einer Mischung aus Abscheu, Neugier und Spott. Gefolgt von der Kamera, öffnete sie die Tür mit dem männlichen Emblem und steuerte zielstrebig auf die Stehbecken zu.&lt;br /&gt;
Wird das ein Dogma-Film?, tönte es wütend aus dem Ohrstöpsel. Das Bild ist ja völlig verwackelt.&lt;br /&gt;
Der Kameramann schüttelte sich vor Lachen. Drei Urinale waren an der Wand befestigt, und über jedem hing ein Schild. &lt;i&gt;Bier &lt;/i&gt;über dem linken, &lt;i&gt;Wein &lt;/i&gt;über dem rechten und &lt;i&gt;Alkoholfrei &lt;/i&gt;über der mittleren Muschel. &lt;br /&gt;
Ein Mann nestelte am Reißverschluss seiner Hose herum und schwankte zwischen den Urinalen hin und her. Ich hab zuerst einen Radler getrunken und dann einen doppelten Schnaps, lallte er verzweifelt. Wohin mit mir? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Viertelstunde später saß Lieselotte im Sitzungssaal. Sie hatte sich für Wein entschieden. Da die Qualität der Redebeiträge sich dem Thema angepasst hatte, betrachtete sie eingehend die Zuhörer, um nicht einzuschlafen. Die Frauen waren in der Minderheit und trugen überwiegend Kostümjacken in lindgrün oder zartorange. Die vielen Männer waren nicht besonders attraktiv, zu alt, zu dick oder zu geleckt. Auch das Publikum passt zum Thema, entschied Lieselotte. Ein Schlag gegen ihre Rückenlehne schreckte sie auf.&lt;br /&gt;
Vergeving!, sagte die Männerstimme direkt hinter ihr.&lt;br /&gt;
Pfeffer, flüsterte Lieselotte, drehte sich um und erschrak. Der dunkelgelockte Kerl war weder alt noch dick. Das Hemd hing lässig aus seinen Jeans und Lieselottes braune Augen blieben in seinen grünen hängen.&lt;br /&gt;
Er war so attraktiv, dass es schon kitschig war. &lt;br /&gt;
Ich hoffe, ich habe Sie nicht... Er zögerte. Wie sagt man? Gebumst?&lt;br /&gt;
Sie lachte. Ja, das sagt man. Aber nicht dazu.&lt;br /&gt;
Jan van Groningen. Ich bin Holländer. Er schüttelte ihre Hand. Wozu sagt man denn gebumst?&lt;br /&gt;
Lieselotte, sagte Lieselotte und leckte sich über die Lippen. Wollen Sie wirklich, dass ich Ihnen das erkläre?&lt;br /&gt;
Er nickte. Aber nicht hier. Gehen wir raus? &lt;br /&gt;
Mit Weinglas und Notizblock schlichen sie kichernd an den anderen Gästen vorbei und zur Tür hinaus. Beim Anblick von Jan und den Köstlichkeiten am Buffet lief ihr das Wasser im Mund zusammen. Sie klaute eine mit gebratenem Speck umwickelte Dörrpflaume.&lt;br /&gt;
Also lassen Sie uns anbumsen, prostete er ihr zu, auf einen schönen Abend. &lt;br /&gt;
Proost. Op uw gezonheid! &lt;br /&gt;
Sie praaten Nederlands?&lt;br /&gt;
Nein. Nur ein paar Worte, und selbst von denen weiß ich nicht, was sie bedeuten. Zum Beispiel: &lt;i&gt;Neuken in de Keuken&lt;/i&gt;.&lt;br /&gt;
Oh ja. Wissen Sie, wo hier die Küche ist?&lt;br /&gt;
Leider nein. Aber können Sie mir vielleicht verraten, was &lt;i&gt;neuken &lt;/i&gt;bedeutet? Lieselotte war inzwischen ziemlich beschwipst und öffnete heimlich die beiden obersten Knöpfe ihres Kleides.&lt;br /&gt;
Neuken bedeutet... nun ja... Jan grinste sie dreist an.&lt;br /&gt;
Bumsen? Sie beugte sich so über das Buffet, dass er ihr in den Ausschnitt schauen musste.&lt;br /&gt;
Die Fleischbällchen sehen wirklich verlockend aus, raunte er ihr zu.&lt;br /&gt;
Greifen Sie nur zu, Jan van Groningen. Hier gibts heute alles kostenlos.&lt;br /&gt;
Wenn die Herrschaften bitte warten würden, bis das Buffet eröffnet ist, schalt der Oberkellner sie. Lieselotte räusperte sich und wandte sich wieder Jan zu.&lt;br /&gt;
Was treibt einen Mann wie Sie zur Versammlung eines österreichischen Klo-Vereins? Lächerliche Veranstaltung, finden Sie nicht?&lt;br /&gt;
Lieselotte war Expertin im Fettnäpfchenhüpfen, denn Jan antwortete: 700 Millionen Inder leben ohne Toiletten. Aber auch bei uns in Holland ist überall große Notdurft. Wir wollen die &lt;i&gt;Nederlandse Toilet Organisatije &lt;/i&gt;gründen. Ich bin hier zu holen ein paar Inputs.&lt;br /&gt;
Also, ich werde dann besser gehen, stammelte Lieselotte, war schön, Sie kennengelernt zu haben. &lt;br /&gt;
Langzaam, Lieselotte. Als Sie sich gar nicht für die Welt der Toilette interessieren, was machen Sie dann hier?&lt;br /&gt;
Nun ja. Ich bin &lt;i&gt;Überall Daheim&lt;/i&gt;. Sie wartete einen Moment um Jans neugierigen Blick auszukosten. So heißt die Sendung, die ich moderiere. Fürs Regionalfernsehen. Ich bin Journalistin.&lt;br /&gt;
Selbstverständlich war Lieselotte heute ebenso wenig Journalistin wie vor Jahren, als sie noch bei der schreibenden Zunft arbeitete. Sie hielt lediglich ein Mikrofon in der Hand und quasselte hinein, was die Leute hören wollten.&lt;br /&gt;
Journalistin?&lt;br /&gt;
Ja. Journalistin. Sie sonnte sich stolz im Ruhm der Pulitzer-Preisträger.&lt;br /&gt;
Jan machte eine abwertende Handbewegung. Sie haben Recht, es war nett. Tot ziens.&lt;br /&gt;
Wie bitte? Lieselotte traute ihren Ohren nicht. Erst fielen seine grünen Augen förmlich in ihr Dekolleté und jetzt ließ er sie einfach gehen, ohne um sie zu kämpfen? Was bildete dieser Käsefresser sich ein?&lt;br /&gt;
Wütend schritt sie zur Garderobe und nahm Mantel und Tasche entgegen. Sie spürte die Blicke von Jan, der an einer der Säulen im Foyer lehnte und sie beobachtete. Als sie einen Blick nach hinten warf, wurde ihr schummrig. Noch immer hing der linke Hemdzipfel schlampig aus seiner Hose. Lieselotte machte kehrte und blieb vor ihm stehen.&lt;br /&gt;
Ich habe nichts gegen Klos&quot;, sagte sie. &quot;Könnten Sie mich nicht bitten, noch ein bisschen zu bleiben?&lt;br /&gt;
Warum?&lt;br /&gt;
Weil Sie ..., Lieselotte erinnerte sich an ihr Erlebnis am Geriatriekongress. Was würde Jan von einer Frau halten, die so um seine Aufmerksamkeit bettelte und ihm Honig ums Maul schmierte? Ein bisschen mehr Selbstbewusstsein, Frau Pfeffer, beschwor sie sich und richtete sich auf, ach, ganz einfach, weil ICH interessant bin und witzig. Halbwegs intelligent. Vielleicht sogar attraktiv. &lt;br /&gt;
Ja, vielleicht. Er musterte sie.&lt;br /&gt;
Vielleicht? Was soll das heißen?&lt;br /&gt;
Das haben Sie gesagt.&lt;br /&gt;
So, hab ich das?&lt;br /&gt;
Ja.&lt;br /&gt;
Und was sagen Sie?&lt;br /&gt;
Wahrscheinlich sind Sie attraktiv.&lt;br /&gt;
Nur wahrscheinlich?&lt;br /&gt;
Nun ja. Ich habe noch nicht alles gesehen.&lt;br /&gt;
Wollen Sie mich etwa zum Objekt Ihrer stochastischen Methoden machen?&lt;br /&gt;
Oh nein. Ich mag keine Gewalt beim Sex.&lt;br /&gt;
Lieselotte lachte laut. Stochastik ist Wahrscheinlichkeitsrechnung. Vor Jahren hatte sie Berichte für das Informatikermagazin &lt;i&gt;Unberechenbar &lt;/i&gt;geschrieben. Wenn er sie schon nur wahrscheinlich attraktiv fand, dann hielt er sie jetzt ganz sicher für halbwegs intelligent.&lt;br /&gt;
Wie wäre es, wenn Sie sich bald entscheiden würden, Lieselotte?&lt;br /&gt;
Wofür? &lt;br /&gt;
Ob Sie gehen oder bleiben. Ich werde Sie gewiss nicht darum bitten. Sie sind eine erwachsene Frau. Sie werden wohl selbst am besten wissen, was gut für Sie ist.&lt;br /&gt;
Na gut. Sie kam ihm sehr nahe. Wenn Sie so darauf bestehen, dann bleibe ich eben.&lt;br /&gt;
Gehen wir?, fragte er.&lt;br /&gt;
Wohin?&lt;br /&gt;
Zur Toilettenausstellung. Vielleicht. Oder in mein Hotelzimmer. Ihre Entscheidung.&lt;br /&gt;
Wie Sie schon bemerkt haben dürften, interessiere ich mich nicht für Toiletten.&lt;br /&gt;
Interessieren Sie sich denn für mein Hotelzimmer?&lt;br /&gt;
Lieselotte leckte sich amüsiert über die Lippen. Vielleicht.&lt;br /&gt;
Sie drückte ihm zwei Gläser und eine Flasche Sekt vom Buffet in die Hand. Am Treppenabsatz schlüpfte sie aus ihren Stilettos. Es wäre ein denkbar ungeeigneter Moment gewesen, um sich den Fuß zu brechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und? Gefällt es Ihnen?, fragte er zwei Stockwerke höher.&lt;br /&gt;
Wahrscheinlich. Ich habe ja noch nicht alles gesehen.&lt;br /&gt;
Werden Sie auch nicht.&lt;br /&gt;
Jan ließ die Jalousien herunter und schaltete das Licht aus.&lt;br /&gt;
Unter ihren Füßen fühlte Lieselotte den weichen Teppich, in ihrem Nacken Jans Atem und an ihren Hüften Hände, die sie zu ihm drehten.&lt;br /&gt;
Durch die plötzliche Dunkelheit nahm sie nicht einmal seine Konturen wahr und tastete mit ihren Fingern nach seinem Gesicht.&lt;br /&gt;
Seine Hände wanderten in der Zwischenzeit zu ihrem Hintern, von dort weiter abwärts bis zum Saum ihres Rockes und an der Innenseite ihrer Schenkel wieder hinauf. &lt;br /&gt;
.Du fühlst dich verdammt schön an flüsterte Jan.&lt;br /&gt;
Jetzt zog sie das Hemd vollends aus seiner Hose und berührte seine Haut.&lt;br /&gt;
Was willst du, Lieselotte?&lt;br /&gt;
Sie schluckte. Glück. Gesundheit. Und mehr Geld. Oder wenigstens das ewige Leben und den Weltfrieden. &lt;br /&gt;
Ich mag bescheidene Frauen. Und was willst du jetzt?&lt;br /&gt;
Hmmm...&lt;br /&gt;
Komm, nimm dir, was du willst. &lt;br /&gt;
Würde ich ja gern. Aber ich finde den Sekt im Dunkeln nicht.&lt;br /&gt;
Dann musst du darauf warten, bis ich das Licht wieder anmache.&lt;br /&gt;
Wann machst du es wieder an?&lt;br /&gt;
Wenn wir fertig sind mit Bumsen.&lt;br /&gt;
Gut. Aber beeil dich, bitte.&lt;br /&gt;
Wahrscheinlich hätte Jan sich beeilt, wenn Lieselotte ihn gebeten hätte, ganz langsam zu machen. So aber sah er keine Veranlassung zur Eile, sondern nahm ihr Gesicht in beide Hände und küsste sie auf den Mund. Zärtlich, lustvoll und ein kleines bisschen gierig. Sehr gierig, um ehrlich zu sein. &lt;br /&gt;
Lieselottes Finger waren noch immer unter seinem Hemd und krallten sich in seinen Rücken. Darf ich dich kratzen? fragte sie leise, als seine Zunge ihren Mund wieder verlassen hatte.&lt;br /&gt;
Warum fragst du?&lt;br /&gt;
Ich will nicht, dass du Ärger kriegst.&lt;br /&gt;
Kratz nur. Darf ich auch?&lt;br /&gt;
Lieselotte antwortete mit wohligen Lauten der Zustimmung, als sie Jans Fingernägel in der Haut spürte. Irgendwann hörten Jans Finger auf zu kratzen und begannen zu streicheln. Irgendwann wurden Lieselottes Knie so weich, dass Jan sie aufs Bett legte, wo er langsam weiterstreichelte. Irgendwie war er plötzlich in ihr und die wohligen Laute wurden lauter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und irgendwann nach dem Sex gab es Licht und Sekt.&lt;br /&gt;
Bleibst du heute Nacht bei mir, Lilo?&lt;br /&gt;
Sie nippte und nickte. Ja. Mein Sohn schläft bei einem Freund.&lt;br /&gt;
Und..., er zögerte, ... und gibt es einen Mann in deinem Leben?&lt;br /&gt;
Es gab. Aber wir hatten unterschiedliche Vorstellungen. Nicht nur vom Geschirrspülen.&lt;br /&gt;
Er küsste sanft ihre Brüste. Das war eben wunderschön mit dir.&lt;br /&gt;
Du darfst das gern wiederholen, Jan. Nach dem Sex ist vor dem Sex.&lt;br /&gt;
Bist du auf Entzug? Wann hattest du denn zuletzt?&lt;br /&gt;
Gestern. Sie grinste frech. Leider allein.&lt;br /&gt;
Erzähl mir davon, forderte er sie auf. Lieselotte errötete und wandte ihr Gesicht ab. &lt;br /&gt;
Nein. Schau mich bitte an, wenn du es mir erzählst.&lt;br /&gt;
Nun ja, ich war im Funkhaus. Und ich musste einen Beitrag über die finnische Sauna vorbereiten, da hab ich plötzlich wahnsinnig große Lust gekriegt und konnte mich nicht mehr auf meine Arbeit konzentrieren. Also bin ich aufs Klo und ...&lt;br /&gt;
Aufs Klo?&lt;br /&gt;
Ja. Dort hab ich meine Ruhe. Ich lehn mich da ganz entspannt gegen die Wand.&lt;br /&gt;
Tust du das oft?&lt;br /&gt;
Nun ja. Sie spürte seinen Blick.&lt;br /&gt;
Da siehst du, wie wichtig saubere, gemütliche und hygienische Toiletten sind. Am schönsten sind übrigens die japanischen. Wahlweise mit Musik oder Vogelzwitschern. Da hört dich auch niemand.&lt;br /&gt;
Sie schmiegte sich an ihn und legte ihren Kopf auf seine Brust. War ich so laut?&lt;br /&gt;
Gerade richtig laut, Lilo. Zeigst du mir, wie du es dir machst, an die Wand gelehnt?&lt;br /&gt;
Jetzt? Um Himmels Willen. Ich bin doch keine Dreißig mehr.&lt;br /&gt;
Keine Sorge, ich auch nicht. Darf ich dich wecken, wenn ich vor dir wach bin? &lt;br /&gt;
Sie nickte. Wann musst du wieder heim, Jan?&lt;br /&gt;
Keine Ahnung. Weißt du, Lilo, er küsste sie auf die Stirn, irgendwie bin ich überall daheim. Bei dir ganz besonders.</description>
    <dc:creator>testsiegerin</dc:creator>
    <dc:subject>Geschichten</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 testsiegerin</dc:rights>
    <dc:date>2008-11-19T15:58:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/5043145/">
    <title>Zehn schöne Zehen</title>
    <link>http://barbaralehner.twoday.net/stories/5043145/</link>
    <description>Aufgrund eines defekten Triebwerks wird der Zug sich um  etwa fünfzig Minuten verspäten.&lt;br /&gt;
Na super, denkt sie, wenn ich mich jedes Mal verspäten würde, nur weil ich einen Schaden habe. Sie vermeidet es, die Frau ihr gegenüber anzusehen, denn sobald diese einen Blik von ihr erhascht, legt sie los und versucht, sie in ihr Gespräch einzuwickeln. Ob die sich wohl öfter verspätet?&lt;br /&gt;
Demonstrativ schaut sie in die andere Richtung. Ein Kugelschreiber steckt im Halsausschnitt eines T-Shirts. Das T-Shirt steckt in einem grauen Sweater. Ein Arsch steckt in bermudabeigen Cargohosen. Der Typ hat schöne Waden. An den schönen Waden hängen Füße. Die Füße stecken in ... in nichts. &lt;br /&gt;
Sie möchten mich bestimmt auf einen Kaffee einladen, würde sie gern souverän lächelnd sagen, aber sie hat Angst, dass die schönen Waden mit den schönen Füßen erstaunt sagen könnten: Wer ich? Nein. Ich bestimmt nicht.. An den schönen Fßen sind schöne Zehen dran. &lt;br /&gt;
Zehen sagen viel über den Charakter eines Menschen aus, denkt sie. Knorrig knöcherne Zehen sind ein Hinweis auf kleinliche, geizige Männer. Sie kann geizige Männer nicht ausstehen. Auch keine Männer, bei denen die zweite Zehe die große um Längen überragt. Wäre das so gewollt gewesen, hätte die große Zehe schließlich nicht ihren Namen. Bei solchen Männern ist etwas aus dem Gleichgewicht geraten, physisch wie psychisch. &lt;br /&gt;
Bei ihm nicht. Bei ihm ist nichts aus dem Gleichgewicht geraten, das sieht sie an seinen Zehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Können Sie den Elektriker schicken?, bittet die Frau ihr gegenüber die Zugbegleiterin und reißt sie aus ihren Schönezehengedanken, die elektrische Reserviert-Anzeige ist defekt.&lt;br /&gt;
Die Frau trägt Socken, zum Glück. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf seiner Nase sitzt eine Brille und die Brille steht ihm gut. Sie passt zu den Zehen, denkt sie. Die Brille verleiht ihm einen Hauch erotischen Intellekt und eine Prise maskuliner Souveränität. Dazu gesellt sich eine Handvoll Lässigkeit, als er sich mit der Hand übers Kinn  streicht. Eine unbemühte Lässigkeit. Bestimmt bemüht er sich sehr, diese unbemühte Lässigkeit zu wahren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist jetzt verdammt noch mal mit dem Kaffeee?, möchte sie schreien, aber sie schreit nicht. Sie flüstert nicht mal, ihre Worte hocken zitternd auf den Lippen und trauen sich nicht zu springen. Raus mit euch, oder ich schlucke euch hinunter!, droht sie, doch die Worte lassen sich nicht ausschüchtern und beeindrucken und bleiben wo sie sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie erinnert sich an ihre letzte Therapiestunde.  Was wäre das Schlimmste, das passieren könnte, wenn sie ihn fragte, fragt sie sich. Der Geschäftsmann neben ihm würde kurz von seinem Laptop hoch blicken und sich wieder auf die Riskikominimierung konzentrieren. Die Frau gegenüber, längst in die Lade psychisch krank gesteckt, würde nach dem Installateur rufen. Die schönen Zehen würden im schlimmsten Fall Danke nein sagen. Aber sie sagen nichts. Weil sie nicht fragt. Aus Angst vor der Ablehnung. Die hat es sich seit ihrer Kindheit in ihrem Körper bequem gemacht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Watzlawick würde unserer Protagonistin vermutlich die Worte: Stecken Sie sich ihren Kaffee doch einfach in den Arsch! in den Mund legen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oh. Die schönen Zehen haben eben gemerkt, dass sie beobachtet werden, aber sie tun, als würden sie keine Ahnung davon haben. Er bläst Luft aus seinem Mund. (Das bringt sie auf vesaute Gedanken.) Wahrscheinlich braucht es viel Anstrenung, zu signalisieren, dass man sich unbeobachtet fühlt, während man genau merkt, dass man beobachtet wrid. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Kaffee?, fragt die Zugbegleiterin. &lt;br /&gt;
Sie  also nicht die Zugbegleiterin  lässt die Augen böse funkeln. Was hat sie, das ich nicht habe?, denkt sie. Außer Kaffee?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau gegenüber ruft nach dem Fliesenleger. &lt;br /&gt;
Er lächelt. Das Lächeln gilt ihr, nicht der Schwachsinnigen ihr gegenüber. Wer von uns beiden wohl schwachsinniger ist, überlegt sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die schönen Zehen mit dem schönen Mann dran mit der schönen Brille drauf stehen auf. Gleich werden sie aussteigen, auf dem Bahnsteig seine Frau küssen und ihr auf den Arsch greifen. Die Frau der schönen Zehen  selbst gestraft mit geizig verkümmerten verbogenen und verlogenen Zehen wird Wie war die Fahrt? murmeln und er geht so antworten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr Herz klopft. Jetzt oder nie. Wissen Sie zufällig, wann ich einen Anschluss nach Mainz habe? Sie beißt sich auf die Lippen. Der blödeste Anmachspruch ihres Lebens war das. &lt;br /&gt;
Erst morgen wieder, lächelt er sie an. &lt;br /&gt;
Wunderbar. Kann ich die Nacht bei ihnen verbringen?, fragt sie grinsend. &lt;br /&gt;
Natürlich nicht. Sie schaut entsetzt und schreit: Um Gottes Willen! Erst morgen!?&lt;br /&gt;
Er lächelt noch immer. War nur ein Scherz. Auf Wiedersehen.&lt;br /&gt;
Auf Wiedersehen. Ein schönes Leben noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den versäumten Anschluss ärgert sie sich nicht. Nur über die versäumte Chance. Über zehn versäumte schöne Zehen.</description>
    <dc:creator>testsiegerin</dc:creator>
    <dc:subject>Geschichten</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 testsiegerin</dc:rights>
    <dc:date>2008-07-07T07:17:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/4693379/">
    <title>An einem Freitag im Mai</title>
    <link>http://barbaralehner.twoday.net/stories/4693379/</link>
    <description>An jenem Freitag im Mai bog Horst Kleindienst an der Kreuzung beim Stadtbad nicht rechts in die Kirchdorfer Straße ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er würde weder pünktlich am Bahnhof noch vor der Landesberufsschule sein. Das war Horst Kleindienst in seiner Laufbahn als Postautobuschauffeur erst wenige Male passiert. Einmal war ein Auffahrunfall, an dem er nicht beteiligt gewesen war, Grund für die Verspätung gewesen, zwei Mal Schneeverwehungen und einmal eine Straßensperre aufgrund einer unangemeldeten Demonstration. Immer waren äußere Umstände an Verspätungen schuld gewesen, nie innere. Bis auf jenen Freitag im Mai. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einen kurzen Augenblick hatte es ihn in den Fingern gejuckt und beinahe hätte er  wie jeden Tag  den Blinker eingelegt, aus Gewohnheit einerseits, aus Angst vor seinem Mut andererseits. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist mein kleiner Feigling, hatte ihn seine Mutter ihren Freundinnen vorgestellt und ihm dabei die Wange getätschelt. Er fürchtet sich sogar vor dem Nikolaus.&lt;br /&gt;
Ich kann nicht mehr, Horst, hatte seine Frau nach nur achtzehn Monaten Ehe geseufzt, du bist ein unheimlich lieber Kerl, aber ich langweile mich mit dir. Du bist ... wie soll ich sagen ... du bist so ... so berechenbar. Am Mittwoch gehst du zum Bauernschnapsen, am ersten Samstag im Monat zum Friseur und am Valentinstag schenkst du mir Blumen. Ich brauche mehr Leben in meinem Leben, verstehst du?&lt;br /&gt;
Ja, er verstand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Helden in den Büchern, die er abends oder an seinen freien Tagen verschlang, waren ganz anders als er. Die fuhren keine Postautobusse, sondern überfielen Postzüge, legten sich neue Identitäten zu und setzten sich nach Brasilien ab. Die erlegten in der sibirischen Taiga sibirische Tiger und liebten sich vor dem knisternden Kamin auf den selbst erlegten sibirischen Tigerfellen mit selbst erlegten russischen Geliebten.&lt;br /&gt;
Horst Kleindienst war kein Held. Zeitlebens war er ein Feigling, ein lieber Kerl, ein verlässlicher Angestellter gewesen. Er hielt sich an Gesetze, seinen Dienstplan und die Straßenverkehrsordnung. Er hatte einen Hamster namens Rambo und eine Ölheizung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An jenem Freitag im Mai aber sollte Horst Kleindienst etwas völlig Verrücktes tun. Etwas, das niemand von ihm erwartete, schon gar nicht er selbst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tausendmal hatte er tausend verschiedene Filme in seinem Kopfkino abgespult. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem von ihnen  seinem liebsten - warf er alle Leute aus dem Bus  bis auf die Brünette, die immer in der ersten Reihe saß und nach wildem Jasmin roch. Ihren Namen wusste er nicht, denn es war ihm verboten, während der Fahrt mit den Fahrgästen zu sprechen. Seinen Bus der Linie L377 lenkte er in diesem Tagtraum auf die A2 und fuhr nach Italien. Kurz vor der Grenze überfiel er eine Tankstelle und kaufte sich in der Toskana mit dem erbeuteten Geld ein kleines Häuschen. Na ja, vielleicht ließ er den Raub aber auch einfach aus und mietete das Haus nur. Schließlich hatte sich in den letzten Jahren genug Erspartes auf seinem Konto angesammelt, um eine Zeitlang ohne Einkommen auszukommen. Dort wollte er sich also niederlassen, inmitten der Toskana, umgeben von Weinbergen; bei seinen italienischen Nachbarn würde er Speck, Käse und Oliven kaufen und jeden Sonntag mit der Brünetten ans Meer fahren. &lt;br /&gt;
Nach so einem aufregenden Leben sehnte er sich manchmal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An jenem Freitag fuhr Horst Kleindienst an der Kreuzung Brucker Straße / Kirchdorfer Straße geradeaus. Vorbei am Hauptplatz, am Bezirksgericht, vorbei an der Autobusgarage, in der sein Chef vermutlich gerade den Dienstplan für Juni erstellte.&lt;br /&gt;
Im Bus regten sich Verwunderung und Fassungslosigkeit.&lt;br /&gt;
Sagen Sie, wo fahren Sie überhaupt hin?, fragte die Brünette und ihre Stimme schmeckte nach türkischer Rosenmarmelade.&lt;br /&gt;
Horst Kleindienst legte den Zeigefinger auf die Lippen und deutete mit einem Kopfnicken auf das Schild, das den Fahrgästen das Sprechen mit ihm strengstens untersagte.&lt;br /&gt;
Kurz nach der Ortstafel betätigte er den rechten Blinker und brachte den Bus am Straßenrand zum Stehen. Auf seiner Stirn glänzten Schweißperlen und sein Herz raste, wahrscheinlich vor Empörung über diese Ungeheuerlichkeit. Er griff nach dem Strauß mit den orangefarbenen Tulpen auf der Ablage, zog den Zündschlüssel ab, stieg aus dem Bus und schritt mit erhobenem Kopf durch das steinerne Tor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Siehst du, ich bin gar kein Feigling, Mutter. Horst Kleindienst legte den Tulpenstrauß auf die Grabplatte aus Marmor. Bist du jetzt endlich stolz auf mich?&lt;br /&gt;
Ohne die Antwort abzuwarten, drehte er sich um und verließ den Friedhof. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liebe Fahrgäste, aufgrund von inneren Umständen werden wir den Fahrplan heute nicht einhalten können und uns voraussichtlich um fünfzehn Minuten verspäten. Ich bitte höflich um Entschuldigung.&lt;br /&gt;
Bevor er anfuhr, blickte er in den Rückspiegel. Die Frau mit der Rosenmarmeladenstimme lächelte.</description>
    <dc:creator>testsiegerin</dc:creator>
    <dc:subject>Geschichten</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 testsiegerin</dc:rights>
    <dc:date>2008-02-10T16:11:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/4691097/">
    <title>Kein Hasenkraut</title>
    <link>http://barbaralehner.twoday.net/stories/4691097/</link>
    <description>Laszlo lag auf dem Bett und wartete, die Hände hinter dem Kopf verschränkt. Sein Blick wanderte über die drei Meter entfernte Zimmerdecke. Er liebte den brüchigen Stuck, ebenso wie die hohen Rundbogenfenster, die dem Raum etwas Sakrales gaben, gerade jetzt, wo er fast leer war. Das schmiedeeiserne Bett war das einzige Möbelstück. Daneben stand ein Kübel mit Eis und einer Flasche Sekt. Zwei Gläser. Ein Dutzend Kerzen.&lt;br /&gt;
Er hörte sie bereits im Treppenhaus. Als die Tür mit einem leisen Klicken einschnappte, schloss Laszlo die Augen. Entspannt. Gespannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war still. Sie schaut sich um im leeren Raum, dachte er. Wahrscheinlich vermisst sie die Bilder an den Wänden. Den alten Schreibtisch. Den Flügel. Ob sie wohl Tränen in den Augen hatte? Gerne hätte er sie in den Arm genommen, tröstend vielleicht, liebend auf jeden Fall. Aber er tat nichts. Lag da und lauschte. Jetzt kam sie auf ihn zu. Ihre Schritte auf dem Parkettboden wurden von keinen Vorhängen und Möbeln verschluckt. Er wollte alles festhalten. Diesen Moment. Diese Frau. Und die Erinnerung an ihre Schritte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie musste jetzt am Fußende angelangt sein. Zwei oder drei Minuten mochten so bereits vergangen sein, bevor Laszlo die Augen öffnete. Paula stand dort im halblangen schwarzen Kleid mit leicht gespreizten Beinen. Ihm wurde heiß, als sich ihre Blicke trafen. Sie zerbiss ein angedeutetes Lächeln auf der Unterlippe, dann öffnete sie den Mund, um tiefer und schneller atmen zu können. Laszlo beobachtete, wie sich ihre Brüste hoben und senkten. Sie öffnete die Knöpfe auf der Vorderseite des Kleides, langsam und gleichmäßig, einen nach dem anderen, bis der dunkle Stoff zu Boden glitt. Sie schlüpfte aus ihren Schuhen und kroch neben ihn auf das Laken, ohne ihn anzufassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laszlo drehte sich zur Seite und schaute sie an. Betrachtete ihren Körper, den er so liebte. An dem er gar nichts, sie aber so viel auszusetzen hatte. Zu jeder Narbe hatte sie ihm eine Geschichte erzählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, bitte nicht, flüsterte sie, als er mit einem Finger über ihren Hals streichen wollte. Er zog seine Hand wieder fort. Obwohl er sie nicht berührte, spürte er, wie ihr Körper bebte.&lt;br /&gt;
Ich verstehe, log er.&lt;br /&gt;
Zieh dich aus, bitte, forderte sie ihn auf. Ganz nackt.&lt;br /&gt;
Laszlo tat, was sie verlangte. Natürlich konnte er sich nicht so aufregend schön ausziehen, wie Paula es vorher getan hatte.&lt;br /&gt;
Ganz, wiederholte sie bestimmt. Er sah sie fragend an.&lt;br /&gt;
Die Socken, raunte sie ihm zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie lagen auf dem Rücken und blickten jetzt gemeinsam an die Zimmerdecke. Lediglich ihre Fingerspitzen berührten sich. Paula und Laszlo kosteten die Minuten aus, in denen ihre Herzen aufeinander zu krochen. Sich vorsichtig aneinander schmiegten.&lt;br /&gt;
Ich will deine Seele, sagte Paula leise. Ganz nackt.&lt;br /&gt;
Sie gehört längst dir. In seiner Stimme schwang Wehmut. Und sie hat auch keine Socken an.&lt;br /&gt;
Dort, wo du hingehst, wirst du dicke Socken brauchen, Laszlo.&lt;br /&gt;
Ja. Und du wirst es schön warm haben. Darum beneide ich dich.&lt;br /&gt;
Ohne dich wird es in Burkina Faso aber genauso kalt sein wie in Litauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst war der Anruf aus Vilnius gekommen. Sie wollten ihn. Als Dirigent des symphonischen Staatsorchesters. Laszlo hatte lange nachgedacht. Nicht der Kälte wegen, sondern wegen Paula. Er wollte mit ihr leben. Gemeinsam in einem Haus, und nicht in über zweitausend Kilometer Entfernung. An dem Tag, an dem er beschlossen hatte, das Angebot auszuschlagen, stand sie vor ihm. Aufgelöst. Strahlend. Zerzaust. Mit einem Brief in der Hand. Endlich eine Beschäftigung. Bei Ärzte ohne Grenzen. In Afrika. Mehr als zehntausend Kilometer würden sie nun trennen, zwei Jahre lang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laszlo, du... Weiter kam Paula nicht, weil er ihr den Zeigefinger auf den Mund legte.&lt;br /&gt;
Wenn ich dich nicht anfassen darf, dann darfst du nicht reden.&lt;br /&gt;
Du hast mich jetzt eh berührt, erwiderte sie und küsste seine Finger. Laszlo zögerte nicht lange und schob sich durch ihre Lippen. Sie mochte den salzigen Geschmack und begann unwillkürlich zu lecken. Er mochte die Gier, die jetzt so offensichtlich aus ihren Augen funkelte.&lt;br /&gt;
Und?, flüsterte er im sicheren Gefühl des Sieges. Was hättest du gern als nächstes in deinem Mund?&lt;br /&gt;
Sekt. Paula grinste. Nun mach endlich die verdammte Flasche auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martini Spumante, schenkte er ein. Du magst ja dieses klebrige Zeug.&lt;br /&gt;
Sie saßen im Bett, die teuren Kristallgläser in der Hand. Schon oft hatten sie auf diese Art Abschied gefeiert, allerdings noch nie für so lange.&lt;br /&gt;
Und du? Magst du es lieber extra dry?&lt;br /&gt;
Keine Ahnung. Er schmunzelte. Ich kenn dich ja nicht mal halbtrocken.&lt;br /&gt;
Laszlo, sie wischte sich eine Träne aus dem Auge. Pass auf dich auf. Und auf mich auch, ja?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er nützte diese Schwäche aus, griff in ihre Haare und zog sie zu sich. Ein kleiner Rest Sekt floss ins Laken, als ihr das Glas aus der Hand kippte. Von einer Sekunde auf die andere stürzte Paulas Abwehr in sich zusammen. Eine Abwehr, die sie nur aufrechterhalten hatte, um diesen Augenblick des Zusammenbruchs mit allen Sinnen auszukosten. &lt;br /&gt;
Jetzt würde er sie gleich fest aufs Bett pressen und sich auf sie schieben. Erwartungsvoll spreizte sie ihre Schenkel, zwischen denen sich glitschige Wärme ausbreitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch dann spürte sie den Stoff im Gesicht, kühl und rau. Paula liebte es, eines ihrer Sinne beraubt zu sein. Sich aufs Fühlen zu konzentrieren, nicht abgelenkt zu werden von dem, was sie sah. Aber nicht heute.&lt;br /&gt;
Nein, du. Bitte nicht. Sie schob das Tuch weg. Ich will ein letztes Mal deine Lust sehen, wenn du eindringst in mich. Ich mag in deinen Augen ertrinken, wenn du gleich in meine Möse tauchst. Ich möchte sehen, wie du meine Seele fickst. &lt;br /&gt;
Laszlo öffnete die Lippen, um etwas zu antworten, aber er kam nicht mehr dazu. Paulas Zunge drängte sich in seinen Mund.&lt;br /&gt;
Im Gegenzug schob er sich zwischen ihre Beine. Sie hielt den Atem an, um ihre Schreie für später aufzuheben. Spürte seine Schwanzspitze an ihrer Klit. Riss die Augen auf, damit er seinen Raubtierblick tief in ihr Inneres bohren konnte. Krallte ihre Hände in sein Fleisch. Erwartete seinen Stoß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Laszlo stieß nicht zu. Und als Paula ihm ihr Becken entgegendrängte, weil sie es nicht mehr aushalten konnte, drückte er sie fest gegen das Laken.&lt;br /&gt;
Du wirst schön warten, Tiger, sagte er.&lt;br /&gt;
Bitte nicht. Ich muss dann eh zwei Jahre lang warten. Das ist genug. Ich will dich in mir. Jetzt.&lt;br /&gt;
Er schüttelte den Kopf. Geduld zählt wohl nicht zu deinen Stärken, wie?&lt;br /&gt;
Nein. Definitiv zählte Geduld nicht zu ihren Stärken. Und Litauisch zählte nicht zu Laszlos Stärken.&lt;br /&gt;
As tave myliu, mühte er sich.&lt;br /&gt;
Was bedeutet das, bitte?&lt;br /&gt;
Ich liebe dich.&lt;br /&gt;
Ja, das weiß ich doch, Laszlo. Aber was hast du da eben gesagt? Das klang hübsch.&lt;br /&gt;
Das war Litauisch. Er grinste. Möchtest du etwas Langes und Hartes?&lt;br /&gt;
Oh ja! Paula konnte nicht still halten unter Laszlos Körper. Gib es mir.&lt;br /&gt;
Er holte tief Luft. Und dann gab er es ihr. Das längste litauische Wort. Er sprach es so hart aus, wie er konnte: Nebeprisikiskiakopusteliaudavome.&lt;br /&gt;
Ohh, sie seufzte vor Wonne. Und was heißt das?&lt;br /&gt;
Er grinste. Ich glaube, das kann man sinngemäß übersetzen mit: Ich werde dich jetzt auf der Stelle aufficken. Gierig und voll Lust. Er griff ihre Hüften und dann stieß er zu. Endlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der nächsten Minuten sprachen die beiden kein Wort. Aber leise waren sie trotzdem nicht.&lt;br /&gt;
Laszlo kam zuerst. Kam in ihr. Keuchend und stöhnend. Dann leckte er sie. Hörte wie sie immer lauter wurde. Genoss ihr Schreien. Und Paula genoss es auch.&lt;br /&gt;
Danach lagen ihre feuchtwarmen Körper lange engumschlungen und sie schliefen zufrieden ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sie aufwachten roch das Bett nach Sex und Lust und Glück.&lt;br /&gt;
Dreh dich zu mir, bat Paula ihn. Sie hielten einander fest. Une seule nuit, sang sie leise. Eine einzige Nacht.&lt;br /&gt;
Es war nicht die einzige, Kleines. Wir hatten schon viele und werden noch mehr haben.&lt;br /&gt;
Ich weiß. Ich übe nur. Das ist die Nationalhymne von Burkina Faso.&lt;br /&gt;
Fis, besserte er sie aus. Der zweite Ton muss ein Fis sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Draußen ging die Sonne auf und drinnen drängte sich Traurigkeit zwischen Paula und Laszlo. Sie würde ihn nicht zum Flughafen begleiten, das tat sie nie. Das Letzte, an das sie sich erinnern wollte, wenn sie an den Abschied dachte, sollte ein intimer Moment mit viel Laszlo, viel Liebe und viel Haut sein, und kein verschämter Kuss vor der Passkontrolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war über Ostrau oder Kattowicz, oder schon über Czenstochau, als Laszlo das kleine Päckchen öffnete, das Paula ihm auf den Fenstersims gelegt hatte, bevor sie ging.&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ich will, dass du nie wieder die Socken beim Sex anlässt&lt;/i&gt;, stand auf einem kleinen Zettel. &lt;i&gt;Also trag bitte immer Socken, während Du in Litauen bist. Diese hier hab ich bei Hugo Boss für Dich geklaut. Ich hatte ziemliche Angst. Aber das bist Du mir wert. In Liebe, Paula.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer schwülen Abflughalle irgendwo in Afrika wartete sie auf ihren Anschluss nach Ougadougou. Gespannt löste sie das Bändchen von ihrem Geschenk. Netzstrümpfe. Wo bitte sollte sie die anziehen? Sie würde ihre Nächte nicht in verrauchten Bars, sondern in armseligen Lehmhütten verbringen.&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Trägst du die bitte für mich, wenn wir mal ungestört telefonieren?&lt;/i&gt;, las sie. &lt;i&gt;Ich hab extra welche mit ganz großen Löchern gekauft, damit du nicht so schwitzt. Dein Laszlo.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
P.S. Nebeprisikiskiakopusteliaudavome. (Das ist ein litauischer Zungenbrecher und heißt: Wir haben kein Hasenkraut gesammelt. Aber hätte dich das erregt?)&lt;/i&gt;</description>
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    <title>Cordoba</title>
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    <description>In vier Tagen spielt Deutschland gegen Österreich. &lt;br /&gt;
Deshalb hier und heute: Cordoba&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kleines? Könntest du mir eine Flasche Bier mitbringen, bevor das Match beginnt? Sie klappte den Laptop zu. Der Artikel für ihre wöchentliche Kolumne in der Zeitung Weiberwirtschaft war fertig. Über eine Winzermeisterin hatte sie geschrieben und deren Liebe zum Wein. Aber jetzt gab es keinen Wein. Jetzt gab es Fußball, und Fußball bedeutete Bier. Bier, Erdnüsse und Zeit fürs Zehennägel Lackieren. Sie schnalzte mit der Zunge, als ihr Mann mit zwei Flaschen und einer Schale Erdnüsse ins Wohnzimmer kam. Er trug sein Werder Bremen-Trikot. Dabei gab es heute Deutschland gegen Österreich, aber das Nationaldress war in der Wäsche. Er war erst wenige Stunden vorher vom Biochemikerkongress aus Baltimore zurückgekommen. Obwohl sein Anblick sie auch nach fünf Jahren Ehe noch immer erregte, hatte sie abgewinkt, als er ihr langes dunkelbraunes Haar zur Seite legte und sie liebevoll in den Nacken biss. Der Artikel musste noch heute in der Redaktion sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie immer, wenn es gegen Österreich ging, waren im Sektor mit den deutschen Fans zahlreiche Transparente mit hämischen Kommentaren zu lesen, wie: 30 Jahre nach Cordoba  Ösis frei zum Abschuss! Oder für die noch schlichteren Gemüter: Zeigts den Schluchtenscheißern! Aber Jogi Löw verkündete vor den Mikrofonen artig seinen Respekt. Das nächste Spiel ist immer das Schwerste. Rosalind liebte solche abgedroschenen Fußballweisheiten. Sie unterstrichen den archaisch-maskulinen Charakter dieses Sports. Dabei musste ihre Einstellung durchaus als radikalfeministisch bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
Mit ihrer Gesinnung nahmen es die beiden ohnehin oft nicht so genau, so wie damals, als sie an der Treibjagd teilgenommen hatten. Konrads schneidiger Anblick im reaktionären grünen Loden hatte Rosalind dazu verleitet, ihn gierig ins Gebüsch zu zerren, wobei ihm der einzige Schuss an diesem Tag gelungen war, der sein Ziel nicht verfehlte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Team trug Schwarz-Weiß, während die Österreicher in Rot-Weiß-Rot antraten. Zur Halbzeit lagen die Schwarz-Weißen 2:0 in Führung und Rosalinds Zehennägel waren schwarzkirschenrot.&lt;br /&gt;
Schade eigentlich, dass sie die Hemden nicht auch zur Halbzeit tauschen. Ihre Hände krochen unter den grün-weißen Stoff und spürten warmes nacktes Fleisch. Sie betrachtete die durchtrainierten Körper der Stars auf dem Weg in die Kabinen und knetete den Ring am Bauch ihres Mannes, in dem sich seit Jahren das Fett der Erdnüsse ablagerte.&lt;br /&gt;
Magst du das Trikot tauschen mit mir? schlug Konrad begeistert vor.&lt;br /&gt;
Später, Liebes. Ist ein wichtiges Match heute. Sie küsste ihn flüchtig auf den Mund und zog die Hand wieder zurück. Er nickte und freute sich auf später. Hoffentlich trug sie die grüne Unterwäsche, die er ihr zur neuen Saison geschenkt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der prachtvollen Kulisse des Ernst Happel-Stadions begrüßen wir Sie zurück zur zweiten Hälfte, meine Damen und Herren, ertönte die leicht überdrehte Stimme des Kommentators, die Rosalind jedes Mal aufs Neue erregte. Ihre und Konrads Fingerspitzen suchten und fanden einander in der Schale mit den Erdnüssen.&lt;br /&gt;
Abseits! rief sie, als der Linienrichter die Fahne nach oben riss, und Konrad strahlte. Er liebte es, wenn seine Frau begann, ihm die Regeln zu erklären.&lt;br /&gt;
Oh ja, Baby, sag es mir. Ich will es hören. Bitte! schmachtete er sie an.&lt;br /&gt;
Eine Abseitsstellung liegt vor, wenn im Moment der Ballabgabe ein Spieler der angreifenden Mannschaft in der gegnerischen Hälfte näher zur Torlinie steht als zwei Spieler der verteidigenden Mannschaft, zitierte Rosalind und platzierte lächelnd ein paar halbe Erdnüsse als Angreifer und Verteidiger und eine ganze als Ball auf dem Tisch. Die Abseitsregel ist außer Kraft gesetzt, wenn der Ball vom Gegner zuletzt berührt wurde und wenn er unmittelbar von einem Eckball oder einem Einwurf kommt.&lt;br /&gt;
Jetzt steckte sie verführerisch und ein wenig lasziv ein paar Spieler in den Mund. Konrad hing an den Lippen seiner Liebsten. Aber deren Aufmerksamkeit galt Josef Hickersberger, der an der Seitenauslinie stand und seinen Burschen Anweisungen zubrüllte: Gehts zuwe! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war eine typische zweite Halbzeit. Abseitsstellungen wechselten mit Fehlpässen und auf dem Boden liegenden Akteuren, die zu Rosalinds Freude stets in Nahaufnahme gezeigt wurden. Sie hatte ihre rasierten Beine auf Konrads Schoß gelegt und ließ sie sich von ihm streicheln und massieren. Zum Ausgleich hatte sie seine Erdnussversorgung übernommen. Einmal schoben sich seine Hände etwas unter ihren Rock, was sie mit einem unmissverständlichen Foul an der Strafraumgrenze! und fünfminütigem Erdnussentzug quittierte.&lt;br /&gt;
Die löchrige Abwehr der Österreicher bescherte den Deutschen noch eine Hand voll bester Gelegenheiten, die sie aber leichtfertig vergaben. Tore, die man nicht schießt, die bekommt man, überbrückte der Sprecher eine Verletzungsunterbrechung. Rosalind grinste, als habe er einen anzüglichen Witz gemacht und leckte sich einen Erdnusskrümel von den fett-salzigen Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie ärgerte sich, als Löw ausgerechnet den jungen Clemens Fritz heraus nahm und durch den wenig attraktiven Hilbert ersetzte. Sie fand, dass Fritz durchaus eine gute Figur gemacht hatte.&lt;br /&gt;
So verlieren wir noch, sagte sie und rieb unruhig ihren Fuß auf Konrads Oberschenkel. Der griff nach ihren Fesseln und dirigierte sie ein bisschen höher und weiter ins Mittelfeld. Als Rosalind spürte, wie seine alte Muskelverhärtung wieder aufbrach, schmiegte sie ihre Sohle ein wenig fester an ihn. Er schaute sie vorwurfsvoll an. Gefährliches Spiel!&lt;br /&gt;
Sie hörte aber nicht auf mit dem Schmiegen. &lt;br /&gt;
Wir erkennen auf Vorteil! sagte sie und grinste herausfordernd. Du bist ja im Ballbesitz. Mit den Zehen machte sie ihm klar, welche Bälle sie meinte. Durch das langweilige Geschiebe auf dem Bildschirm und das ganz und gar nicht langweilige Forechecking seiner Frau wurde auch Konrad mutiger.&lt;br /&gt;
Revanchefoul! Er schob seine Finger unter ihren Pulli und sie ließ ihn gewähren, obwohl das klares Handspiel war.&lt;br /&gt;
Alles sieht nach einem sicheren Sieg für unsere Elf aus, aber vergessen wir eines nicht... Die Kicker droschen planlos das runde Leder durch die Luft und der Sprecher die nächste Phrase: Der Ball ist rund.&lt;br /&gt;
Plural, mein Lieber, Plural! Ballverliebt spielte Konrad weiter, während Rosalind offensiv in die Spitze ging. Sie schaute ihm dabei in seine braunen Augen. Ganz in ihre Blicke und in ihre spannende Begegnung vertieft, zuckten sie zusammen, als Österreich den Anschlusstreffer erzielte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben wir den Salat! Schmollend zog sie ihren Fuß aus seinem Schoß und seine Hand unter ihrem Pulli zurück. Er war über das abrupte Ende ihrer ganz privaten Abtastphase viel enttäuschter als über den Gegentreffer. &lt;br /&gt;
Metzelder! benannte er vorwurfsvoll den in beiderlei Hinsicht Schuldigen, dessen peinlicher Fehlpass in der eigenen Verteidigung das Tor ermöglicht hatte. Konrad wusste, dass mit Rosalind in einer solchen Situation nicht gut Erdnussessen war, und vertiefte sich ohne große Begeisterung wieder in das Geschehen auf dem Monitor.&lt;br /&gt;
Jogis Mannen hingegen konzentrierten sich immer weniger auf das Spiel und so häuften sich die brenzligen Situationen. In der fünfundsiebzigsten Minute säbelte Frings den flinken Harnik zwanzig Meter vor dem Tor einfach um und erhielt die rote Karte. Ein sensationeller Freistoß! Ein traumhaftes Ballgefühl! schwärmte der Reporter bei Ivanschitzs Ausgleichstreffer in der Zeitlupe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rosalind hielt sich die Hände vors Gesicht. Ihr Mann umarmte sie tröstend von hinten und inhalierte den Melonenduft ihrer Körperlotion.&lt;br /&gt;
Ich will auch sofort wieder traumhaftes Ballgefühl haben. Und dann einen Freistoß! flüsterte er ihr lüstern ins Ohr. Für ein paar Sekunden rührte sie sich nicht, und er bereitete sich auf einen Feldverweis vor.&lt;br /&gt;
Aber Konrad! Ausgerechnet in dieser wichtigen Phase? Er sah aber ihre Augen blitzen und ihre Mundwinkel bewegten sich leicht nach oben.&lt;br /&gt;
Och, möchtest du etwa auf die Verlängerung warten? Dabei wäre er doch schon lang genug, neckte er sie.&lt;br /&gt;
Aber der Ton bleibt an, ja? Rosalind drehte sich um und küsste ihn. Kaum spürbar erst, ganz sanft auf die Lippen. Dann ein kleines bisschen heftiger. Sie spielte mit seiner Zunge und zeigte als Schmankerl ein technisch sauberes Dribbling. Ihre Gedanken waren aber gar nicht mehr sauber, ebenso wenig wie die verschwitzten Trikots beider Mannschaften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt scheinen sie noch einmal alles zu geben, die Österreicher! dröhnte es aus dem Lautsprecher und Rosalind flüsterte: Gibst du mir auch alles, was du hast?&lt;br /&gt;
Konrad nickte, nahm sie in seine kräftigen Biochemiker-Arme und legte sie auf die Ersatzbank. Ihre Abwehr war längst außer Gefecht, als er ihr den Rock höher und den hellgrünen Slip zur Seite schob. Den Fernsehkommentar nahmen beide jetzt nur noch als Wortfetzen wahr. Schauen Sie nur, wie da am Stoff gezerrt wird! Gemeint war allerdings das Trikot von Ballack, der inzwischen nur noch über den Platz humpelte. Es wird Zeit, dass er rausgenommen wird. Das fand Rosalind allerdings auch und knöpfte freudig Konrads Hose auf. Wir bräuchten jetzt jemanden, der zupacken kann. Das täte dem Spiel gut. Rosalind konnte. Und Konrad tat es gut. In dieser Situation muss Löw Fingerspitzengefühl beweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beiden auf der Ersatzbank mussten nichts mehr beweisen. Sie fühlten die Fingerspitzen des anderen und schauten sich gierig und leise stöhnend in die Augen. Was dann folgte war gleichermaßen Kellerduell und Spitzenspiel. Konrad wurde offensiver, und Rosalind konnte und wollte seinen Angriffen nichts mehr entgegensetzen. Sie warf ihren Kopf nach hinten und schrie auf. Konzentrierte sich nur noch auf ihren Körper. Seine Hände. Ihre Lust. Seine Zunge. Er genoss es, wenn seine Frau so die Kontrolle über sich verlor.&lt;br /&gt;
Gib ihn mir. Bitte gib ihn mir. Du! bettelte sie.&lt;br /&gt;
Was soll ich dir geben? fragte er, während er sie nun streichelte. Ganz liebevoll und sanft, nur mit der Sturmspitze sozusagen. Was willst du denn, Baby?&lt;br /&gt;
Die Latte!, tönte es aus dem Fernseher und Rosalind nickte nur.&lt;br /&gt;
Ja, genau. Das will ich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konrad ließ sie noch etwas schmoren. Er liebte es, sie durch kleine Phallrückzieher verrückt zu machen und auf Zeit zu spielen. Er würde schon noch auf seine Kosten kommen. Wie hatte Hickersberger in der Pause so schön gesagt: Wir werden die Wuchtel schon noch im Netz versenken.&lt;br /&gt;
Sie spreizte einladend die Beine, aber Konrad wollte sich vorher noch ein bisschen warmlaufen und sein Spieler drängte sich zwischen ihre weichwarmen Brüste, die ihn jedoch sofort in die Zange nahmen.&lt;br /&gt;
Er streichelte dabei sanft Rosalinds lindrosa Brustwarzen. Als der Druck immer stärker wurde, verwarnte sie ihn: Die Begegnung droht etwas einseitig zu werden, Darling!&lt;br /&gt;
Gehorsam änderte er seine Taktik und suchte den direkten Weg zum Tor. Während seine Hände so fest nach ihrem Po griffen, wie Jens Lehmann nach dem Ball, spielte er mit der Zunge gefühlvoll in die Tiefe. Durch das Stadion ging ein Raunen, als Martin Stranzl den Pfosten traf, durch das Wohnzimmer ging Rosalinds Stöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wien entwickelte sich die Auseinandersetzung zusehends zur regelrechten Fehde. Immer offensichtlicher wurde gefoult und schließlich flog auch der Österreicher Standfest vom Platz. Wer so von hinten einsteigt, der muss einfach Rot sehen, stellte der Sprecher fachkundig fest. Wenn es so war, wollte Konrad auch Rot sehen. Seine Frau kniete sich auf den Teppich, so dass beide einen guten Blick auf den Fernseher hatten.&lt;br /&gt;
Der Reporter sah nun Torchancen hüben wie drüben, das Spiel auf ein Tor im Wohnzimmer sah er aber nicht. Jetzt ist alles drin! kam es aus dem Lautsprecher, und das spürte auch Rosalind beim nächsten Tempogegenstoß. Längst war das Stadionpublikum aufgewacht. Da kommt sie endlich, die La-Ola-Welle, brachte der Kommentator seine unvermeidliche Tautologie. Auch bei Rosalind kamen sie endlich, die ersehnten Wellen, die ihr aus der Möse durch Bauch, Brust und Rückenmark bis ins Gehirn liefen und von dort mehrfach zurückschwappten. Der gute Blick auf den Bildschirm war dabei zweitrangig, und der Ton war ohnehin nicht mehr zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konrad befand sich somit bereits in der Nachspielzeit, als Harnik sich in der eigenen Hälfte den Ball erkämpfte und zu einen atemberaubenden Solo ansetzte. Was für ein brillanter Techniker! Jetzt könnte er frei zum Schuss kommen! Das ließ sich Konrad nicht zweimal sagen.&lt;br /&gt;
Jaaaaa! entfuhr es ihm befreit. &lt;br /&gt;
Neeeiiin! schrie Rosalind gleichzeitig.&lt;br /&gt;
Nicht, dass sie ihm seinen Orgasmus nicht gegönnt hätte, ganz im Gegenteil. Aber während er gekommen war, hatte auch Harnik einen Treffer gelandet, genau in den rechten Torwinkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konrad ließ sich erschöpft nach hinten fallen und zog sie in seine Arme. Rosalind weinte. Aber sie weinte oft nach einem Höhepunkt, wenn die ganze Spannung sich auflöste und Nähe und Vertrautheit die Erregung ablösten.&lt;br /&gt;
Der Geist von Cordoba ist auferstanden! Eine blamable Niederlage, wenn auch nur in einem Freundschaftsspiel.&lt;br /&gt;
Die Beiden hingegen genossen erschöpft den gemeinsamen Sieg in ihrem Liebesspiel. Konrad drückte auf die Eject-Taste des Videorekorders. &lt;i&gt;Deutschland-Österreich 2008&lt;/i&gt; stand auf dem abgegriffenen Etikett der Kassette.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer wieder spannend, oder? Rosalind lächelte zufrieden.</description>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 testsiegerin</dc:rights>
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