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    <title>Barbara A. Lehner - Einblicke (Aus dem Leben einer Testsiegerin) : Rubrik:In dreißig Tagen um die Welt</title>
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    <description>Aus dem Leben einer Testsiegerin</description>
    <dc:publisher>testsiegerin</dc:publisher>
    <dc:creator>testsiegerin</dc:creator>
    <dc:date>2007-05-27T21:10:56Z</dc:date>
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    <title>Barbara A. Lehner - Einblicke</title>
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  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/2102345/">
    <title>Der letzte Tag</title>
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    <description>Ich fühle mich sehr mächtig. Denn es liegt einzig und allein an mir, wie die Reise ausgeht. Ob ich das Taxi zum Flughafen versäume, im Duty free  Shop beim Klauen eines Lippenstiftes erwischt werde oder es zu dem unwahrscheinlichen Fall eines Druckverlustes in der Kabine kommt und ich die Sauerstoffmaske nicht finden kann. &lt;br /&gt;
Ich habe es in der Hand, oder besser gesagt, in meinen zehn Fingern, ob am letzten Tag noch etwas Dramatisches passiert, ob ich leidend und vergessen in der Ankunftshalle kauere oder ob es ein Happy End gibt. &lt;br /&gt;
Ich. Niemand sonst. Mir kann nichts geschehen, wenn ich das nicht will. Ich beschließe also, das teure Flugzeug nicht abstürzen zu lassen, auch wegen meiner Mitreisenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Willkommen an Bord, säuselt der blonde Flugbegleiter und überreicht mir einen Strauß warmgelber Sonnenblumen, ich darf Sie als 1.000.000ste Passagierin unserer Boeing 787 begrüßen. Ich hoffe, es ist in Ihrem Sinn, dass wir Sie kostenlos upgegradet haben. Wenn Sie bitte in der Business Class Platz nehmen?&lt;br /&gt;
Ich habe natürlich nichts gegen eine Aufwertung. Ich bin da durchaus tolerant, obwohl es mir ein bisschen peinlich ist, dass der Rucksack mit all den schlampig hineingestopften Erfahrungen und Abenteuern etwas streng riecht. Trotzdem strecke ich gemütlich die Beine aus, nippe am Champagner und stelle erfreut fest, dass die Paté von spanischen Arbequina Oliven beinahe so cremig schmeckt wie die bei der Botschafterin. &lt;br /&gt;
Der Flug vergeht wie in der Zeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sind alle da. Meine Familie, meine Kollegen und Kolleginnen, meine Freunde. Ich werde gedrückt und geherzt. Sie haben mich vermisst, beteuern sie und klopfen mir glücklich auf die Schultern. War es denn schön?&lt;br /&gt;
Ich stottere: Nun ... tja ... also ... schön ist vielleicht nicht das richtige Wort. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mann mit Dreitagesbart steht etwas abseits und beobachtet durch eine edle Hornbrille interessiert die Begrüßungsszene.&lt;br /&gt;
Und wer sind Sie? ziehe ich vergnügt die Augenbrauen hoch, wische mit dem Ärmel über die Öffnung der Champagnerflasche, die ich aus dem Flugzeug hab mitgehen lassen, und reiche sie ihm weiter.&lt;br /&gt;
Ich bin Verleger, antwortet er und nimmt einen kräftigen Schluck. Ich möchte Ihre Reiseberichte gerne als Buch herausbringen. Hardcover, bunt bebildert, beste Qualität. Ich dachte an eine Erstauflage von 10.000 Stück. Fünfzehn Prozent des Nettoverkaufspreises für Sie. Geht das in Ordnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwanzig, handle ich und grinse. Zwanzig und geht das in Ordnung.</description>
    <dc:creator>testsiegerin</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://barbaralehner.twoday.net/topics/In+drei%C3%9Fig+Tagen+um+die+Welt&quot;&gt;In dreißig Tagen um die Welt&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 testsiegerin</dc:rights>
    <dc:date>2006-06-01T11:05:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/2100825/">
    <title>Der vorletzte Tag</title>
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    <description>So. Der Flug ist bestätigt, die Depression verscheucht wie ein streunender Hund vom Mittagstisch und ich habe meine Siebensachen gepackt. Ähm ... gepackt ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck. Alles hineingepresst halt, die schönen Erinnerungen und abenteuerlichen Erfahrungen. Die schmutzigen Gedanken habe ich in ein Plastiksackerl gestopft, damit nicht alles feucht wird. &lt;br /&gt;
Morgen geht es also wieder zurück. Und weil ich will, dass meine Reise ein versöhnliches Ende nimmt, reise ich heute noch in den Teil von mir, den ich am liebsten mag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In meine Liebesfähigkeit. &lt;br /&gt;
Ich schließe die Augen und lasse mich fallen. Die Liebe fängt mich auf und trägt mich. Manchmal tritt sie mich augenzwinkernd in den Arsch und sagt: Los, du musst schon auch etwas tun für mich. Aber sie meint es nicht so. Sie stellt nämlich keine Bedingungen. Sie ist einfach da. Sie will nur, dass ich hin und wieder sehe, was für ein großzügiges Geschenk diese Fähigkeit zu lieben und zu vertrauen ist. Sich selbst, anderen und dem Leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich halte inne. Irgendwie klingt alles kitschig, was man über die Liebe schreibt.  Gänsehautkitschig. Magengeschwürkitschig. Die Liebe ist schuld daran, dass völlig talentfreie Menschen im Hormonrausch zur Feder greifen und Liebe auf Triebe und Herz auf Schmerz reimen. Dabei böte sich auch Kommerz an, oder Sterz, der macht sogar satt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine Sorge, ich werde jetzt kein Gedicht über die Liebe schreiben. Das haben andere vor mir schon besser gemacht.&lt;br /&gt;
Ich schweige einfach. (Obwohl das ganz schön schwierig ist) Und genieße den warmen, sonnigen Tag in der schönsten Region meiner Welt.</description>
    <dc:creator>testsiegerin</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://barbaralehner.twoday.net/topics/In+drei%C3%9Fig+Tagen+um+die+Welt&quot;&gt;In dreißig Tagen um die Welt&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 testsiegerin</dc:rights>
    <dc:date>2006-06-01T07:05:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/2096680/">
    <title>28. Tag - Think pink</title>
    <link>http://barbaralehner.twoday.net/stories/2096680/</link>
    <description>&lt;i&gt;Ankommen ist immer auch ein bisschen Abschied.&lt;/i&gt; So oder ähnlich hab ich am Anfang meiner Reise geschrieben. In wenigen Tagen komme ich an. Bei mir? Zu Hause? Und nehme schön langsam Abschied von meiner Reise. &lt;br /&gt;
Ich hocke in meiner Unruhe. Hab ich alles gesehen, was ich mir vorgenommen habe? Habe ich nicht vielleicht die Chance vertan und wesentliche Kontinente meiner Landkarte nicht betreten? War ich zu weich zu mir oder zu hart? Wer weiß, wann ich je wieder hierher komme. Zu mir. &lt;br /&gt;
Was ist mit all dem Verdrängten, das ich nicht entdecken und schon gar nicht herzeigen wollte? Das jetzt in irgendeiner Ecke meiner Welt vermodert und erst ans Tageslicht kommt, wenn meine Kontrolle nachlässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War die Reise nicht eine einzige große Lüge, weil ich ohnehin nur dort war, wo ich gewusst habe, diese Eindrücke kann ich verkraften. Aber was hätte es für einen Sinn gehabt, mich zu weit in mich hineinzulehnen? Mir selbst Schmerzen zuzufügen, mit denen ich nicht leben kann oder will? &lt;br /&gt;
Ich bin mitten in meiner Nachdenklichkeit. Und habe Reisefieber. Vor der Rückreise. Angst vor meinem Leben danach. Werde ich in eine Leere fallen, wenn die erste Wiedersehensfreude abgeklungen ist? Die Erinnerungen und Erfahrungen in das dicke Album kleben, es zuklappen und weiterleben wie bisher? Wird sich etwas ändern? Will ich überhaupt, dass sich etwas ändert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tief durchatmen, befehle ich mir. Stell jetzt keine Fragen, das Leben fragt täglich genug. Suche keine Antworten, es gibt sie nicht. Mach dich nicht fertig mit diesen Gedanken. Hör auf, dir und anderen ständig etwas beweisen zu wollen. Geh für ein paar Augenblicke in die Stille. &lt;br /&gt;
Ja. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Herzschlag wird ruhiger. Ich höre die Vögel zwitschern, sehe, wie die Äste der Tannen sich im Wind wiegen. Sehe die Wolken vorbeigleiten. Sogar die rosarote ist dabei, die jemand vor unendlichen Zeiten für mich angemalt halt. Ich bette meine Ängste auf genau diese Wolke und lasse sie weiterziehen.&lt;br /&gt;
Nehme mich nicht mehr so wichtig.  &lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Die Zukunft ist ernst, aber nicht hoffnungslos&lt;/i&gt;, sagt eine Stimme. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, lächle ich, sie ist nicht hoffnungslos. Und schon gar nicht ernst.</description>
    <dc:creator>testsiegerin</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://barbaralehner.twoday.net/topics/In+drei%C3%9Fig+Tagen+um+die+Welt&quot;&gt;In dreißig Tagen um die Welt&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 testsiegerin</dc:rights>
    <dc:date>2006-05-31T12:13:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/2093091/">
    <title>27. Tag - Mehr schlecht als recht</title>
    <link>http://barbaralehner.twoday.net/stories/2093091/</link>
    <description>Weil ich schon ein bisschen müde bin vom vielen Herumwandern in mir, nehme ich den Bus. Schleiche am Kontrollor vorbei, steige hinauf ins offene Oberdeck, setze Sonnenbrille und Kopfhörer auf und lasse mir den Wind durchs Haar wehen. Ein bisschen Bequemlichkeit darf ich mir ruhig hin und wieder gönnen.&lt;br /&gt;
We welcome you warmly to our todays trip, haucht mir eine warme, männliche Stimme ins Ohr und ich fummle hektisch an der Fernbedienung herum. Bienvenue ... chchch ....Sdrasdwui ... chchchch ... Herzlich willkommen ... Endlich. Wir heißen Sie nochmals herzlich willkommen zu unserem kleinen Ausflug in das Innenleben. Sie haben die Wahl. Nicht schon wieder. Ich will keine Wahl, ich will, dass mir jemand sagt, wo es lang geht. Um in die Liebenswürdigkeit abzubiegen, drücken Sie bitte den linken Knopf. If you decide to visit your gentleness, please press the left button. &lt;br /&gt;
Au ja, das klingt nett. Ich freue mich auf mein liebenswertes Lächeln. Meine freundlichen, lobenden Worte. Weil ich aber neugierig bin, warte ich die zweite Möglichkeit ab. Leider haben Sie keinen Knopf gedrückt, ertönt es nach einer langen Pause. Wir biegen daher rechts ab. In die Schlechtigkeit.&lt;br /&gt;
Was hören meine Ohren? In die Schlechtigkeit? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bin ich ja das, was die schlechten Menschen so abfällig einen Gutmenschen nennen. Immer auf Seiten der armen, alten, schwarzen, alleinerziehenden, lesbischen, kriminellen, behinderten Rollstuhlfahrerinnen.&lt;br /&gt;
Es gibt nicht viele von ihnen, leider, deshalb merken manche Leute meine Gutmenschlichkeit gar nicht. Und ausgerechnet ICH reise jetzt in meine Schlechtigkeit, es ist nicht zu fassen. &lt;br /&gt;
Nun gut, denke ich, ich bin in bester Gesellschaft, denn sogar Robin Hood nahm den Reichen und gab den Armen. Ich bin halt selber arm, na und? Schuldhaft in Not geraten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rechts zwischen den Büschen können Sie die Reliquien einer diebischen Vergangenheit sehen, vernehme ich durch die kleinen Knöpfe in meinem Ohr. Ich erröte und schäme mich in Grund und Boden, aber ich wage einen Blick. Hinter dem Hollerbusch stapeln sich die Sonntagszeitungen, viele von ihnen noch ungelesen. Ein Lippenstift aus England. Ich erinnere mich an das Herzklopfen, als ich  knapp 15jährig  in London an der Kassa stand, den Lippenstift in meiner Tasche. &lt;br /&gt;
An einem Baum hängt ein dickes Buch von Ulla Hahn. Mit Widmung. Ich habe es auf der Frankfurter Buchmesse geklaut. Aus Notwehr, denn ich wollte es erwerben (es gibt sogar eine Zeugin), aber die haben es mir nicht verkauft, obwohl da tausende davon herumlagen, einfach so. Die Widmung habe ich mir selbst auf dem Klo hineingekritzelt, weil ich Angst vor einer Kontrolle hatte. &lt;br /&gt;
Fahren Sie bitte schneller!, schreie ich dem Busfahrer zu, aber der zuckelt langsam durch meine kleinen Vergehen und Verbrechen. Ein paar gefälschte Unterschriften aus der Schulzeit fliegen herum und eine Schadensmeldung an die Versicherung. Auf jedem zweiten Baum pickt ein Aufkleber mit der Aufschrift &lt;i&gt;Schwarzfahrerin&lt;/i&gt;. Plötzlich reißt eine Windböe mir meine Sonnenbrille vom Gesicht. Sie bleibt in den Blättern eines Johannisbeerstrauches hängen. Hoffentlich kriegt sie keine Kratzer ab. Ja, ich gestehe, ich hab vergessen, sie zu bezahlen. Wirklich vergessen, ich schwöre! Seitdem sehe die Welt durch eine gestoh... vergessene Brille, glauben Sie mir, das ist Strafe genug. Ich schleudere die Kopfhörer aus dem Bus und presse meinen Kopf zwischen die Knie. Aufhören! Bitte! Ich will nicht damit konfrontiert werden. &lt;br /&gt;
Die Stimme lässt sich nicht abdrehen. Sie kommt jetzt aus riesigen Lautsprecherboxen. Alle können hören, wie ich wirklich bin. Sie zeigen mit den Fingern auf mich. Sie verachten mich. &lt;br /&gt;
Ich heule. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rundfahrt ist zu Ende. Bitte alles aussteigen. Ich bleibe sitzen, denn ich möchte mit diesem Gefühl nicht schlafen gehen. Ich schenke Ulla Hahn mein nächstes Buch, nehme ich mir vor. Die englische Verkäuferin von 1977 werde ich wohl nicht mehr auftreiben. Ich kann nur hoffen, dass sie den Lippenstift nicht aus ihrer eigenen Tasche bezahlen musste.&lt;br /&gt;
Bitte alles aussteigen!, wiederholt der Busfahrer. &lt;br /&gt;
Vielleicht kann ich ihn überreden, mit mir noch eine Runde zu fahren. Ich werde auch ganz bestimmt den linken Knopf drücken. &lt;br /&gt;
Und das Ticket bezahlen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Liebe Grüße!&lt;br /&gt;
Die Karte habe ich gekauft. &lt;br /&gt;
Ich schwöre.&lt;/i&gt;</description>
    <dc:creator>testsiegerin</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://barbaralehner.twoday.net/topics/In+drei%C3%9Fig+Tagen+um+die+Welt&quot;&gt;In dreißig Tagen um die Welt&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 testsiegerin</dc:rights>
    <dc:date>2006-05-30T19:15:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/2087208/">
    <title>26. Tag - Markttag</title>
    <link>http://barbaralehner.twoday.net/stories/2087208/</link>
    <description>Heute ist Markttag. Also schlendere ich langsam die Fußgängerzone hinunter zum Marktplatz. &lt;br /&gt;
Am Jahrmarkt meiner Eitelkeiten bleibe ich stehen und bewundere, wie eine von ihnen mit bunten Bällen jongliert. Mit zwei Bällen, einem roten und einem blauen. Allerhand. Hin und wieder fällt einer der zwei Bälle zu Boden. Das kann passieren, sagt die Jongleurin schnippisch und schupft munter weiter. Ich applaudiere frenetisch und denke darüber nach, warum man sonst nichts im Leben frenetisch macht außer so zu applaudieren. Die andere Eitelkeit steht auf einer Bühne, verbeugt sich theatralisch und trägt ein Gedicht vor. Ein schlechtes Gedicht, aber sie blickt derart überzeugt in die Menge, dass niemand sich traut, ihr das zu sagen. Ich schaue flehend in den Himmel und hoffe, dass irgendjemand diese peinlichen Vorführungen unterbindet. Der Regen zum Beispiel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unten an der Ecke kehre ich in die kleine Geheimniskrämerei ein. In dem dunklen und engen  Laden haben sich Staub und Spinnweben breit gemacht und es riecht muffig. Tausend Tiegel stehen herum, mit tausend kleinen Geheimnissen, die längst niemanden mehr interessieren. &lt;br /&gt;
Wo sind die großen, wichtigen, spannenden?, frage ich und meine Blicke suchen die Bude nach den sperrigen Teekisten ab, die früher hier in der Ecke standen. In einer Kiste waren die schönen, in der anderen die gefährlichen Geheimnisse. Fest verschlossen war diese Kiste, und gut bewacht. &lt;br /&gt;
Ach, die wurden schon vor längerer Zeit abgeholt. Wir können keine großen Geheimnisse bei uns behalten. Erstens sind sie zu schwer, ich bin eine alte Frau und kann sie nicht mehr tragen. Außerdem sind nicht sicher hier. Sie können sich ja gar nicht vorstellen, was auf dem Markt getratscht wird. Und geklaut. Die klauen sogar Geheimnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder draußen, am Obst- und Gemüsestand tausche ich Meinungen aus und möchte abgetragenen Klatsch und Tratsch kaufen, doch meine Geschwätzigkeit und Redseligkeit lassen mich nicht zu Wort kommen. &quot;Haltet doch endlich die Klappe&quot;, sage ich, als ich den Gestank rieche. Oder stinkt man den Gestank und riecht nur den Geruch? Egal. Es stinkt. &lt;br /&gt;
Ist etwas faul in mir?, schnuppere ich an meiner Bluse. Bin ich in den vergangenen Jahren nicht gereift, sondern verdorben? Ist meine Seele endgültig verloren?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, machen Sie sich keine Sorgen, das kommt nur aus der Gerüchteküche, beruhigt mich die Marktfrau, heute kocht der Verrat. Er bricht das Vertrauen und mischt Lügen dazu. Angewidert halte ich mir die Nase zu, schleiche aber langsam in die Richtung, aus der mir der Geruch entgegenschlägt. Ich schäme mich für meine Neugierde und presse ein Ohr gegen die dünne Holzwand. &lt;br /&gt;
Sie reden über mich. Ich habe es geahnt. Schade, dass man nicht zwei Ohren gleichzeitig an eine Wand pressen kann, denke ich, denn ich verstehe nur ein paar Brocken: ... schon gehört? ... die Barbara ... und der ... nicht weitersagen - großes Geheimnis ... so was von ... pervers ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Widerlich. Klatsch ist wirklich widerlich, vor allem, wenn er mich betrifft. Ich spucke auf den Boden. &lt;br /&gt;
Kehre zurück zu meinen Eitelkeiten. Die eine hat den blauen Ball zur Seite gelegt und spielt selbstverliebt mit dem roten. Der anderen fällt kein Gedicht mehr ein, aber sie verbeugt sich trotzdem ständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sind harmlos, denke ich, als ich sie eine Weile beobachte. Tollpatschig, lieb irgendwie und harmlos. Nicht so hinterhältig wie der Verrat.&lt;br /&gt;
Ich kaufe noch eine Ansichtskarte und spaziere zum Bahnhof. Dort geht meine Reise morgen weiter. Nur noch vier Tage, denke ich und das Heimweh vermischt sich mit Wehmütigkeit, dass die Reise bald zu Ende ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ich hoffe, ihr kriegt die Karte, bevor ich zu Hause bin. &lt;br /&gt;
Was ich euch jetzt sage, ist nämlich wichtig.&lt;br /&gt;
Passt gut auf eure Geheimnisse auf.&lt;/i&gt;</description>
    <dc:creator>testsiegerin</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://barbaralehner.twoday.net/topics/In+drei%C3%9Fig+Tagen+um+die+Welt&quot;&gt;In dreißig Tagen um die Welt&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 testsiegerin</dc:rights>
    <dc:date>2006-05-29T21:19:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/2081630/">
    <title>Tag 25 - Luxuria &amp; Gula</title>
    <link>http://barbaralehner.twoday.net/stories/2081630/</link>
    <description>Vor knapp zwei Wochen hab ich ihnen in meinem Leichtsinn versprochen, sie auf meiner Reise noch zu besuchen. Zwei meiner Todsünden, die mir so ans Herz gewachsen sind. Luxuria, die Wollust und Gula, die Maßlosigkeit. &lt;br /&gt;
Sie wohnen unterirdisch, zwischen dem Sumpf- und Vulkangebiet in einer dunklen und feuchten Spelunke. Vor dem Eingang ein massiger Türsteher, der nicht jeden hineinlässt, der rein will. Und hier wollen viele rein, denn die Schlange ist lange. &lt;br /&gt;
Ich verwickle den Türsteher in ein Gespräch. Wer muss draußen bleiben? &lt;br /&gt;
Die Anständigen, grinst er dreckig und legt seine Hand auf meinen Hintern, also keine Angst. Und die Vertreter der Kirche. Ständig versuchen ein paar von ihnen, hier vorzudringen und die Höhle abzufackeln oder auszuräuchern. Mit Weihrauch und einem riesigen Kreuz. Hier herrsche Gesetzlosigkeit, werfen sie uns vor. Unerlaubtes Glücksspiel. All das halt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum haben die so viel Angst vor den Beiden?, will ich wissen, und ein paar der Angestellten (nein, sie sind nicht hier angestellt im Sinne eines Dienstverhältnisses, sie warten nur auf Einlass) räuspern sich, weil sie es nicht mehr aushalten. &lt;br /&gt;
Der Mann vom Sicherheitsdienst fährt sich durch die dichte Glatze.  Es geht um die Kontrolle, sagt er. Die meisten Menschen fürchten, sie könnte ihnen entgleiten. Sie glauben, die zwei Mädels sind Schuld daran. Was man so fürchtet, muss man verachten. &lt;br /&gt;
Er öffnet mir die Tür. Ein schmieriger Fettwanst will sich vordrängen, aber der bullige Glatzkopf stellt sich ihm in den Weg. Sie darf zuerst, sagt er und bedeutet mir, einzutreten. Eine Freundin des Hauses. Er schubst mich hinein. Los, sie warten schon auf dich!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich trete ein und schließe die Augen. Man reicht mir einen Becher schweren Weines, der mich trunken machen und Verstand und Gewissen auf der Stelle betäuben wird, das weiß ich aus Erfahrung. Ich könnte ablehnen, natürlich. Doch ich trinke gierig und schließe die Augen. Jetzt nur noch spüren. Hände auf meiner Haut. Lippen. Zungen. Haar. Die Wollust fesselt mich, doch ganz anders als damals die Wut. Zärtlich und fordernd zieht sie mich in die Tiefe der Triebe und macht mich wehrlos. &lt;br /&gt;
Sie will mehr, mehr, mehr!, flüstert die Maßlosigkeit und schenkt nach. Wir müssen dringend nachbestellen. Siehst du, sie kann nicht genug kriegen. &lt;br /&gt;
Ja, stöhne ich und wälze mich  so gut das gefesselt möglich ist  von einer Seite auf die andere. Von der Wollust zur Maßlosigkeit. Fühle, wie ich fließe, wie alles fließt, aber das wird Heraklit nicht gemeint haben. &lt;br /&gt;
Der Wein rinnt mir aus den Mundwinkeln, oder ist es die Lust, die Gier, der Hunger, der endlich gestillt wird? Dabei bin ich alles andere als still. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwitzt und ein kleines bisschen  verschämt schleiche ich am Türsteher vorbei. Wie wars?, fragt er anzüglich und die Angestellten begaffen mich neidisch.&lt;br /&gt;
Ach, fickt euch doch selbst!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Wunderschönen Guten Abend, &lt;br /&gt;
Das mit der Wollust ist eine wunderbare Sache. Schade, dass sie eine Sünde ist.&lt;br /&gt;
Sie macht nämlich Spaß, sogar wenn man  wie ich  gar nicht stricken kann. &lt;/i&gt;</description>
    <dc:creator>testsiegerin</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://barbaralehner.twoday.net/topics/In+drei%C3%9Fig+Tagen+um+die+Welt&quot;&gt;In dreißig Tagen um die Welt&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 testsiegerin</dc:rights>
    <dc:date>2006-05-28T21:48:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/2080222/">
    <title>24. Tag - Just in time</title>
    <link>http://barbaralehner.twoday.net/stories/2080222/</link>
    <description>Ich bin pünktlich am Flughafen, zum Gück. Es ist halb elf, mein Flieger geht um vier. Sicher ist sicher. &lt;br /&gt;
Man weiß ja nicht. Es hätte schließlich passieren können, auf halbem Weg umkehren zu müssen, weil ich meinen Pass vergessen habe. Oder der Sprit geht nicht nur mir aus, sondern auch der Tankstelle. Ich hab zwar noch nie davon gehört, dass das irgendwo auf der Welt schon mal geschehen ist, aber vielleicht ausgerechnet heute. Dann steh ich an der Zapfsäule und die Tankwartin sagt mit einem entschuldigenden Lächeln: Oh, Normal bleibfrei ist ausverkauft, der ältere Herr im Volvo hat den letzten genommen. Darfs auch Diesel sein? &lt;br /&gt;
Aber ich habe  wie gesagt  Glück. Ich habe Ausweis und Zahnbürste dabei und auf der Landstraße ist auch heute kein Stau. Die Tankwartin schwenkt die Säule, damit der letzte Rest Normalbenzin in meinen Tank rinnt, ich habe den Anschluss nicht versäumt und stehe jetzt am Flughafen. &lt;br /&gt;
In meine Pünktlichkeit, bitte, zeige ich Pass und Ticket vor. &lt;br /&gt;
Tut mir leid, die hat heute Verspätung. &lt;br /&gt;
Macht nichts, ich bin das Warten gewöhnt. Wenn man pünktlich ist, so wie ich, wartet man immer. Auf Bahnhöfen, in Cafés, auf dem Amt, vor dem Fernseher auf die Millionenshow. Oder darauf, dass die Schulglocke läutet, dass die Oma kommt, auf den Mann fürs Leben oder die Erleuchtung. Im Schnitt warte ich zwei Stunden am Tag. Ich rechne. 31.390 Stunden in meinem jungen Leben habe ich bisher gewartet. Das sind knapp drei Jahre und sieben Monate. Ich hätte viel Sinnvolles erledigen können in der Zeit. Ein Studium abschließen, noch ein Kind kriegen, wickeln und stillen, Geschichten schreiben. Ich hätte aber auch viel Sinnloses tun können in all den Jahren. Ein Studium abschließen, noch ein Kind kriegen, wickeln und stillen, Geschichten schreiben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hoffe, ich kriege diesen Reisetagebucheintrag pünktlich zu Ende.&lt;br /&gt;
Pünktlichkeit ist Respekt vor der Zeit der anderen, sagt mein Über-Ich. Ich nicke, wie immer, wenn es mir etwas reindrücken will, denn es duldet keinen Widerspruch. Aber in Wahrheit weiß ich: Das ist es nicht. Meine zwangsneurotische Pünktlichkeit ist nicht Höflichkeit oder gar Respekt. Es ist die blanke Angst, irgendetwas Wichtiges oder Unwichtiges im Leben zu versäumen. Das Gefühl, den Anschluss zu verlieren. Die Panik, ich könnte es nicht wert sein, dass jemand auf mich wartet, wenn ich mich verspäte. &lt;br /&gt;
Ich habe versucht, keine Uhren mehr zu tragen und gehofft, meine Erkrankung würde von selbst heilen. Aber sie haben überall riesige Zeitmesser für mich aufhängt und sogar heimlich in meine technischen Geräte eingebaut. Ich sehe auf dem Bahnhof, wie spät es ist, auf dem Computer und sogar auf meinem Mobiltelefon. &lt;br /&gt;
So, ich muss aufhören. Damit die Karte noch zur Post kommt. Die schließt nämlich um sechs. &lt;br /&gt;
In wenigen Minuten ist es drei Uhr. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ich komme in sechs Tagen zurück. Aber macht euch bitte keine Umstände mit dem Abholen. Ich warte einfach, bis ihr da seid. Auch schon wurscht.&lt;/i&gt;</description>
    <dc:creator>testsiegerin</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://barbaralehner.twoday.net/topics/In+drei%C3%9Fig+Tagen+um+die+Welt&quot;&gt;In dreißig Tagen um die Welt&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 testsiegerin</dc:rights>
    <dc:date>2006-05-28T16:34:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/2065222/">
    <title>23. Tag - Gefährliches Terrain</title>
    <link>http://barbaralehner.twoday.net/stories/2065222/</link>
    <description>Man hat mich gewarnt. Von dort kommt keiner unbeschadet zurück, haben sie gesagt. Leg dich in deiner Gelassenheit an den Strand und gönne dir einen bunten Cocktail, aber verdammt noch mal, lass diese Etappe aus. Sie werden dich kidnappen und dir alles abnehmen, was du hast.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe nicht auf sie gehört. Ich habe keinen Alles-Inklusive-Urlaub mit Sonnengarantie gebucht, damit ich zu Hause stolz die Fotos vom türkisblauen Meer herzeigen kann, sondern ich befinde mich auf einer Weltreise. Ich bin neugierig. Ich will auch die Schattenseiten sehen. &lt;br /&gt;
Was sollen sie mir denn schon rauben? Meine Unschuld? Meine Wertsachen? Ich hab ja nichts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherheitshalber leere ich meine Taschen, tausche meine H &amp; M - Jeans gegen eine ausgebeulte Latzhose, damit man mich nicht für eine Touristin hält, und begebe mich auf gefährliches Terrain. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist hässlich hier. Sehr hässlich. Seltsame unansehnliche Gestalten, die einen ekelhaften Gestank verbreiten, drängen durch den Asphalt und versuchen, mich zu umklammern. &lt;br /&gt;
Langsam setze ich einen Schritt vor den anderen und schaue mich um. &lt;br /&gt;
Was suchst du hier?, herrscht mich meine Aggressivität unvermittelt an, obwohl ich ihr gar nichts getan habe. &lt;br /&gt;
Ich komme in friedlicher Mission, antworte ich und strecke ihr meine leeren Hände entgegen. Das funktioniert meistens in den Filmen. Aber das Leben ist kein Kino. Die Alte hört mir nicht zu und spuckt mich mit einem ansteckenden Sekret an. Wo sind die Geschenke?, krächzt sie. Wer in friedlicher Mission kommt, der bringt Geschenke.&lt;br /&gt;
Ich schenke ihr  obwohl es mir schwer fällt - ein Lächeln. Sie will es nicht. Eine große Portion Zynismus mischt sich in ihre Stimme. Steck dir dein falsches Lächeln in den Arsch, flucht sie, vielleicht schlägt es ja Wurzeln! Ich zucke zusammen. Scheiße, ich bin solche Ausdrücke nicht gewöhnt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist kalt hier, deshalb ziehe ich meine Weste fester um meinen Leib und senke den Kopf, um den boshaften Blicken der Bewohner auszuweichen. Ich hätte die Warnungen ernst nehmen sollen. Aber jetzt muss ich hier durch, jetzt gibt es kein Zurück mehr, das haben sie mir an der Grenze gesagt. &lt;br /&gt;
Warum bekommt die Aggressivität ein Geschenk und wir nicht?, beschweren sich Neid und Eifersucht. Sie bilden ein Spalier, stellen mir immer wieder ein Bein und machen mir den Weg schwer.&lt;br /&gt;
Ich versuche, noch ein Lächeln hervorzuwürgen, doch nur ein verkrampftes Grinsen verlässt meine Lippen. Die beiden sind unzufrieden, aber das sind sie immer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich atme auf, als ich mich an ihnen vorbeigekämpft habe. Im nächsten Moment höre ich sie hämisch lachen. Und dann spüre ich es. Die Wut packt mich im Genick und schleudert mich mit Gewalt zu Boden.&lt;br /&gt;
Ich gebe dir alles, was ich habe!, schluchze ich, und vergesse, dass ich nichts habe. Lass mich bitte los! Doch die Wut ist taub. In Gebärdensprache bedeute ich ihr, mich freizulassen und sich ein anderes Opfer zu suchen, ein reiches, aber die Wut ist nicht nur taub, sie ist auch blind. &lt;br /&gt;
Mit sicheren Griffen fesselt sie mich an einen Baum. Ich möchte schreien, doch die Angst vor ihr schnürt mir die Kehle zu. &lt;br /&gt;
Ich kämpfe gegen sie an. Es ist ein ungleicher Kampf, den ich nur verlieren kann. Sie ist viel stärker als ich. Obwohl ich nicht gläubig bin, schicke ich ein Gebet, aber ich weiß nicht wohin. Ich flehe, dass sie Mitleid hat mit mir und mich gehen lässt, aber die Wut kennt kein Mitgefühl. Die Wut kennt nur sich selbst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendwann werde ich ohnmächtig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich wieder aufwache, ist sie weg. Sie hat sich in Rauch aufgelöst. Ich bin völlig erschöpft, spüre die Einschnitte der Schnüre auf meiner Haut, rieche noch ihren Mundgeruch und habe Angst, sie könnte wiederkommen. Ich werde mich noch ein wenig ausrasten und schauen, dass ich hier wegkomme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Meine Lieben, &lt;br /&gt;
Ja, ich weiß, ihr habt mich gewarnt. Doch ich wollte es wissen. Nächstes Mal werde ich auf euch hören. &lt;br /&gt;
Das verspreche ich. &lt;br /&gt;
Vielleicht.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
__________________</description>
    <dc:creator>testsiegerin</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://barbaralehner.twoday.net/topics/In+drei%C3%9Fig+Tagen+um+die+Welt&quot;&gt;In dreißig Tagen um die Welt&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 testsiegerin</dc:rights>
    <dc:date>2006-05-24T18:12:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/2057993/">
    <title>Tag 22 - Leicht &amp; Sinn</title>
    <link>http://barbaralehner.twoday.net/stories/2057993/</link>
    <description>Mit diesem Gefühl, dass mir nichts passieren kann auf der Welt, weil ich stark und sicher bin, setze ich meine Reise fort. &lt;br /&gt;
Ich möchte meinen Mut besuchen, dem oft ein Über, und manchmal ein Hoch vorangeht. Ich würde gern in aller Ruhe mit ihm plauschen, bei einem Häferl Kaffee und einer Topfengolatsche, mich mit ihm über all die Verrücktheiten in meinem Leben austauschen und mich bedanken, weil er mir geholfen hat, meine Angst vor dem Versagen zu besiegen. (Ich gebe zu, hin und wieder kriecht sie immer noch aus ihrem Loch, aber ich überzeuge sie dann davon, dass es hier im Tageslicht viel zu gefährlich ist für sie. Meistens taucht sie dann schreckhaft wieder unter und lässt sich längere Zeit nicht blicken) &lt;br /&gt;
Der Mut ist nicht zu Hause, es hätte mich auch gewundert. Er ist ständig in Bewegung, unterwegs zu neuen Abenteuern. Während die Feigheit vor dem warmen Ofen sitzt und Socken strickt, fliegt der Mut im Hängegleiter über Berge und Täler, stürzt sich  am Seil der Sicherheit  in tiefe Schluchten und sucht neue Herausforderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Na gut, dann nicht. Ich treffe ihn bestimmt unterwegs. Zwischen Mut und Leichtsinn verläuft nur ein schmaler Grat, die Dummheit. Gut gesichert strecke meine Arme aus und balanciere behutsam darüber, damit ich nicht falle. Tief in mir spüre ich nämlich: Ich bin gar nicht unverwundbar. Davon zeugen die vielen blauen Flecken auf Körper und Seele. Natürlich weiß ich, dass ich abstürze, wenn alle Stricke reißen. Dass ich mich verbrenne, wenn ich zu nah an der Sonne fliege. Doch wenn die Abenteuerlust mich in ihren Klauen hat, dann hat die Vorsicht Pause, denn die Lust saugt mir das Hirn aus dem Kopf und reicht das Zepter weiter an den Bauch (und bisweilen noch eine Station tiefer). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mister Leichtsinn führt mich gelegentlich in brenzlige Situationen, vor allem dann, wenn Miss Geschick uns begleitet. Sie begleitet uns gerne, deshalb bin ich immer wieder auf die Nase, den Kopf, den Ellbogen gefallen. Ich habe mich häufig am Leben verletzt. Aber genauso oft, wie ich gefallen bin, bin ich auch wieder aufgestanden. Hab mir den Dreck abgeputzt, die Wunden geleckt und den Kopf hoch getragen. Später stolz meine Narben präsentiert, die spannende Geschichten erzählen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich könnte mir einen Panzer zulegen, der meine dünne Haut und meine Knochen schützt. Ich tue es nicht. Der Panzer kostet zu viel. Meine Freiheit kostet er, und meine Lust aufs Leben. &lt;br /&gt;
Außerdem heilen die Wunden an der Luft viel schneller. Deshalb bleibe ich offen und verletzbar. Mutig, leicht und sinnig (und ein bisschen dumm) balanciere ich weiter. Und bin gespannt, wo meine Reise mich noch hinführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Meine Lieben, &lt;br /&gt;
Ich mag sie, die Strudel des Lebens, die einen hinabziehen und einwickeln. Aus denen man gestärkt wieder auftaucht. &lt;br /&gt;
Apfelstrudel, Mohnstrudel, Topfenstrudel. &lt;br /&gt;
Die B.&lt;/i&gt;</description>
    <dc:creator>testsiegerin</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://barbaralehner.twoday.net/topics/In+drei%C3%9Fig+Tagen+um+die+Welt&quot;&gt;In dreißig Tagen um die Welt&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 testsiegerin</dc:rights>
    <dc:date>2006-05-23T15:12:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/2053049/">
    <title>Tag 21 - Panther und Lamm</title>
    <link>http://barbaralehner.twoday.net/stories/2053049/</link>
    <description>Die letzten Tage waren anstrengend (vor allem der Tanz mit dem Generalkonsul) und nicht nur erfreulich. Heute werde ich mir also etwas Ruhe gönnen, Kraft tanken und Energie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was würde sich besser dafür eignen als mein Wald? &lt;br /&gt;
Ich umarme zwar lieber Menschen als Platanen, aber zum Anlehnen sind die starken Schultern meiner Kraftbäume ideal. Hier habe ich Ruhe, hier bin ich in mir. Laufe barfuß in der feuchten Wiese auf der kleinen Lichtung, stecke mir dann und wann eine Himbeere in den Mund, bade im Teich, wasche mir Mühsal und Stress von der Seele. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gut versteckt im Wald wohnt meine Höhle. Manchmal ziehe ich mich in sie zurück. Hierher flüchte ich, wenn das Leben draußen zu schnell und zu fordernd ist. Niemand erwartet etwas von mir, nicht mal ich. Hier muss ich nicht tun, hier darf ich sein. In meinem Feuer liegen trockene Birkenscheite, und rund um mich brennend tausend Kerzen. Von der hinteren Felswand plätschert Quellwasser. Es riecht nach frischgemähtem Gras im Frühling, nach Rosmarin im Sommer. Im Herbst duftete es nach Rosenblättern und im Winter nach Zimt. Es riecht immer danach, wonach ich gerne hätte, dass es riecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der Höhle geht geschmeidig ein schwarzer Panther auf und ab. Er ist mein Stolz und meine Kraft und beschützt mich vor den Gefahren des Alltags und ungebetenen Gästen. Abends, wenn das Feuer erlischt und ich auf dem Schaf-Fell einschlafe, kriecht er zu mir und wärmt mich mit seinem samtigen Fell. Manchmal begleite ich ihn in der Nacht nach draußen und wir heulen gemeinsam das Mondlicht an. Er heult wunderschön. Doch ich muss mich nicht messen, muss nicht schöner singen als der Panther, nicht höher wachsen als die Bäume, nicht lauter prasseln als das Feuer und nicht heller leuchten als der Mond. Ich muss nichts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hin und wieder kommen Freunde und bringen Geschenke. Ihr Lachen bringen sie mir, ihre Liebe und ihre Lust. Alles, was sie mir schenken, teilen wir. Auch die Flasche Rotwein und das Lamm. Das braten wir auf dem Feuer, werfen Kartoffeln in die Glut und würzen mit Rosmarin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich ausgeruht bin, wenn ich mich wieder stark genug fühle für die Welt mit ihren Hürden und Stolpersteinen, gieße ich den restlichen Wein ins Feuer, blase die Kerzen aus, streiche über das Fell meines Krafttiers und mache mich auf den Weg. &lt;br /&gt;
Nur das Gefühl nehme ich mit. Das Gefühl, dass mir nichts passieren kann da draußen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Es gibt Lamm. &lt;/i&gt;</description>
    <dc:creator>testsiegerin</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://barbaralehner.twoday.net/topics/In+drei%C3%9Fig+Tagen+um+die+Welt&quot;&gt;In dreißig Tagen um die Welt&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 testsiegerin</dc:rights>
    <dc:date>2006-05-22T19:14:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/2042258/">
    <title>20. Tag - Dritte Welt</title>
    <link>http://barbaralehner.twoday.net/stories/2042258/</link>
    <description>Als ich so durch meine Welt spaziere, fällt mir auf, wie ungerecht sie ist. Wie ungleich verteilt alles ist. Ein Stückchen &lt;i&gt;Ich&lt;/i&gt; ist völlig verdörrt, während im anderen die Neurosen wuchern. Die gieße ich regelmäßig und hingebungsvoll, weil ihr Beet so leicht erreichbar ist und mir die vielen bunten Blumen gefallen. Oder die Kreativität. In ihr verbringe ich viel Zeit, lasse mich von den darin herumlungernden Musen küssen und ernte volle Früchte. &lt;br /&gt;
Andere Teile meiner Welt habe ich noch nie betreten.&lt;br /&gt;
Das ist ungerecht, ich weiß, ich sollte mich in die kargen Winkel meiner Seele vorarbeiten und dort etwas anbauen, anstatt sie so verkümmern zu lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich seufze über diese traurige Erkenntnis. Ich, die ich ständig nach Gerechtigkeit schreie, die ich mich tagein, tagaus einsetze für die, mit denen es das Leben nicht so gut gemeint hat, die arm, benachteiligt und ausgeschlossen werden, ausgerechnet ich kümmere mich überhaupt nicht um die Randgruppen in mir. &lt;br /&gt;
Ich werde heute also meine Entwicklungsländer besuchen. Die sollen sich gefälligst entwickeln. Eine rote Gießkanne hab ich dabei, ein paar Samenkörner und einen kleinen Kübel mit Dünger. Das wäre doch gelacht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich weiche entsetzt zurück, als ich die Bescheidenheit vor mir liegen sehe. Ausgemergelt und jämmerlich sieht sie aus. Weil sie so bescheiden ist, hat sie nur ein paar lächerliche Quadratzentimeter Land gekriegt. Nicht mal die sind ihr Eigentum, denn die Großgrundbesitzer Stolz und Eitelkeit haben es der Bescheidenheit abgezockt und anschließend gegen viel Geld wieder an sie verpachtet. Die Bescheidenheit teilt das Fleckchen Erde auch noch mit den Geschwistern Selbstzweifel. &lt;i&gt;Wir haben uns nicht getraut, etwas anzubauen. Auf uns gedeiht ja sowieso nichts,&lt;/i&gt; flüstern sie deprimiert. &lt;br /&gt;
Kein Samenkorn hat je dieses Stückchen Erde berührt. &lt;br /&gt;
Ich streue reichlich Saatgut auf die Bescheidenheit. Groß und üppig sollst du werden, sage ich gönnerhaft, gieße sie und wühle in der feuchten Erde. Und was macht die Bescheidenheit? Anstatt gierig das Wasser aufzusaugen, formt sie Tränen daraus. Bitte nicht&quot;, fleht sie, ich brauche das nicht. Außerdem,  ich  bin ich dann doch nicht mehr ich selbst, oder? &lt;br /&gt;
Immer diese philosophischen Fragen. Kenn ich mich aus mit der Bescheidenheit?, schnauze ich sie an. Ich habs doch nur gut gemeint. Beleidigt wende ich mich ab und marschiere davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beinahe wäre ich in eine Pfütze getreten. Verzeihung, murmle ich, als ich merke, dass es sich dabei um die Unschuld handelt. Ich hätte sie fast nicht mehr erkannt. Hilflos stehe ich daneben, mit Gießkanne und den Körnern. Der Samen gedeiht nicht in der Unschuld, denke ich. Und noch feuchter hat sie es wahrscheinlich auch nicht gern. &lt;br /&gt;
Damit ich wenigstens irgendetwas tue und sie sich von mir nicht völlig links liegen gelassen fühlt, wasche ich meine verdreckten Hände darin. Habe ich sie eben ganz leise stöhnen gehört? Ich schüttle den Kopf. Unerhört, das.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleine, abgelegene Hütte dort drüben möchte ich gern noch besuchen. Vielleicht wohnen freundliche Menschen dort und bieten mir etwas zu essen und eine Schlafmöglichkeit an. Rund um die Hütte wächst ein Stacheldrahtzaun. Ich krieche vorsichtig darunter, weil ich neugierig bin, ob  sich im Inneren der Bude etwas Spannendes verbirgt. Die Fenster und Türen sind verriegelt. Ich rüttle daran und schreie: Ist hier jemand?, aber alles bleibt verschlossen. Ich lausche an der Holzwand, doch kein Wort, kein Ton dringt heraus. Bummzu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selber Schuld, denke ich achselzuckend und beschließe, die Nacht doch lieber in einer mir vertrauten Landschaft zu verbringen, meinen Träumen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Leute, ihr würdet es nicht für möglich halten, wohin ich heute gereist bin. &lt;br /&gt;
Ich halte es ja selbst nicht für möglich. &lt;br /&gt;
Wie es war? Ganz nett, aber mehr auch schon wieder nicht. Ich glaub, die Unschuld lügt, die tut nur so unschuldig. In Wahrheit sehnt sie sich nach Berührung. &lt;br /&gt;
Wie ich. &lt;/i&gt;</description>
    <dc:creator>testsiegerin</dc:creator>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 testsiegerin</dc:rights>
    <dc:date>2006-05-21T15:59:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/2038405/">
    <title>Tag 19 - Die große Freiheit</title>
    <link>http://barbaralehner.twoday.net/stories/2038405/</link>
    <description>Ich bin erschöpft. Die letzten beiden Tage waren anstrengend und ich habe kaum geschlafen. Ich will nicht gefangen sein in meinen Mustern, ich will nicht tanzen, nicht streiten und sogar mein Bedarf an Fettnäpfchenhüpfen ist vorerst gedeckt. Ich sehne mich nach Ruhe. Nach Freiheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich wieder bei den Grenzen ankomme, halte ich Ausschau nach dem Grenzschutzbeamten, um ihm mein Visum zu zeigen. Doch der schläft seelenruhig unter einer riesigen Kastanie, anstatt den Schlagbaum zu bewachen. &lt;br /&gt;
Ich klettere über den Balken und ärgere mich. Das Überschreiten macht nur halb so viel Spaß, wenn einem kein Gegenwind ins Gesicht bläst. &lt;br /&gt;
Ich wandere eine Weile und schließlich liegt sie vor mir: Die große Freiheit. Sie ist nach allen Seiten offen und lädt mich zum Bleiben ein. Ruhig ist es hier, nur eine leichte Brise weht und kühlt meinen Mut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was macht man in der Freiheit? Ich schaue mich um. Weit und breit niemand, den ich fragen könnte. Nicht mal ein Cowboy mit einer Marlboro zwischen den Lippen. Ziellos spaziere ich umher, steige auf einen Hügel und schaue auf die unendliche Freiheit unter mir. Schwimme im See und freue mich, dass niemand mir sagt, dass ich rausgehen soll, weil ich mich sonst erkälten könnte. Als ich blaue Lippen habe und am ganzen Körper zittere, finde ich es beinahe schade, dass keiner mich gewarnt hat. &lt;br /&gt;
Ich tue alles, was mir gefällt, wälze mich nackt im warmen Sand, aber ich kann meine Muster nicht abstreifen. Sie kleben fest an mir. &lt;br /&gt;
Ich fühle mich schuldig, weil ich den Grenzposten beschimpft habe, ich sehne mich nach jemanden, der mich bewundert, weil ich so frei bin. Ich vermisse den Applaus. Ja, ich vermisse sogar die Grenzen. Dort, wo die Freiheit grenzenlos ist, kann ich auch keine überschreiten. &lt;br /&gt;
So gern wollte ich hierher und jetzt fürchte ich mich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte viel vor heute. Ich wollte mir ein schönes Haus bauen. Oder eine Pyramide, mir schreibt ja hier niemand etwas vor. Ich kann einfach bauen, was ich will. Sogar eine Freiheitsstatue. Die ist sowieso nicht sehr frei. Steht seit Jahren einbetoniert, gefangen auf einer Insel, fern der Heimat. Schon lange musste ich erkennen, dass nicht überall Freiheit drin ist, wo &lt;i&gt;Freiheit&lt;/i&gt; draufsteht. Die Damen auf der Reeperbahn, nachts um halb eins oder später, die sind zwar freizügiger gekleidet als die Freiheitsstatue, aber ähnlich frei wie sie. Nicht mal der Freitag ist für gewöhnlich frei, sondern ein ganz normaler Arbeitstag. Und die Freiheitliche Partei will nicht, dass die Menschen frei sind, höchstens, dass Österreich ausländerfrei wird. Das ist aber nicht die Freiheit, die ich meine. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Freiheit ist immer auch die Freiheit der Andersdenkenden&lt;/i&gt;, sagte Rosa Luxemburg. Was aber, wenn die anderen gar nicht denken können? Wie der kleine Wi ... ähm ... Grenzschutzbeamte. Ich werde ihn besuchen und ihm von der Freiheit erzählen. &lt;i&gt;Freedom s just another word&lt;/i&gt;, werde ich sagen, und hoffen, dass er englisch kann, &lt;i&gt;for nothing left to loose&lt;/i&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht sind wir zum Freisein einfach nicht geboren? Ich zumindest. Ich brauche meine Grenzen, Reibung, meine vier Wände, Geborgenheit. Ich brauche Liebe. Nur darin fühle ich mich frei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Habe heute einen kurzen, spannenden Ausflug gemacht.&lt;br /&gt;
Bin aber schon wieder zurück. Sie hat mich einfach überfordert, die große Freiheit. Ich gönne sie mir lieber in kleinen Stücken, im Alltag.  &lt;br /&gt;
B. &lt;/i&gt;</description>
    <dc:creator>testsiegerin</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://barbaralehner.twoday.net/topics/In+drei%C3%9Fig+Tagen+um+die+Welt&quot;&gt;In dreißig Tagen um die Welt&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 testsiegerin</dc:rights>
    <dc:date>2006-05-20T15:17:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/2035736/">
    <title>18. Tag - Die Botschaft</title>
    <link>http://barbaralehner.twoday.net/stories/2035736/</link>
    <description>Die Botschafterin wartet auf Sie, öffnet mir der Grenzschutzbeamte nach einer schlaflosen Nacht und einem ebensolchen Vormittag die Zellentür. &lt;br /&gt;
Was lerne ich aus dieser Erfahrung?, überlege ich, als ich mich grußlos von ihm verabschiede. Meine Erfahrung sagt mir nämlich, dass ich aus allen Erfahrungen im Leben etwas lerne, weil der Zweck der Erfahrungen nicht darin besteht, sie zu erfahren, sondern aus ihnen zu lernen. &lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Wenn du dich davon abhalten lässt, deine Grenzen zu überschreiten, fühlst du dich eingesperrt&lt;/i&gt;, lerne ich. Und noch etwas: Du sollst einen Beamten nicht &lt;i&gt;kleiner Wichser&lt;/i&gt; nennen, selbst wenn er einer ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst kann ich die Botschaft nirgends finden. Sie versteckt sich hinter unscheinbaren Wortgebilden und Satzkonstruktionen. Aber irgendwann entdecke ich sie und trete ein. Ich rieche ungewaschen,  nach Gefängnis und Schweiß. &lt;br /&gt;
In der Botschaft findet gerade ein Empfang statt. In Botschaften finden immer Empfängnisse statt, auch wenn keiner weiß, wer wen oder was empfängt. Egal, auf jeden Fall trifft sich das gut, ich bin nämlich hungrig. Mein vergammeltes Wurstbrot verfüttere ich an den Hund der Botschafterin. Während der weiße Pudel, der auf den wohlklingenden Namen &lt;i&gt;Eure Exzellenz&lt;/i&gt; hört, an meinem Salamibrot kaut, vergreife ich mich mit dreckigen Händen an den mit Ziegenkäse gefüllten Datteln, bohre einen Finger in die Avocado-Creme und lutsche ihn ab. &lt;br /&gt;
Nicht doch!, stößt mir eine ranghohe Diplomatin völlig undiplomatisch ihren Ellbogen zwischen die Rippen, wir dürfen erst zu essen beginnen, wenn der Doyen ein Häppchen genommen hat. Anciennitätsprinzip, Sie verstehen?&lt;br /&gt;
Ich verstehe nichts, hoffe aber, dass der Herr Doyen bald zugreift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil ich mich ein bisschen langweile, spreche ich den Generalkonsul meines Nachbarlandes an, der genauso gierig auf die Brötchen starrt wie ich. Tanzen wir?, frage ich. Sein Gesichtsausdruck ist zwar verwundert, aber er lehnt nicht ab und geleitet mich aufs diplomatische Parkett. &lt;br /&gt;
Hübsches Hemd, mache ich ihm höflich ein Kompliment. War bestimmt teuer. Wie viel verdienen Sie eigentlich?&lt;br /&gt;
Er räuspert sich. Die Frage nach Geld ist ihm zu trocken, denke ich, wahrscheinlich möchte er sich über etwas Spannenderes austauschen.&lt;br /&gt;
Wann hatten sie das letzte Mal so richtig guten Sex?, tappe ich in das Fettnäpfchen, das mitten auf der Tanzfläche steht und steige meinem Partner auf die Zehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich weiß, ich habe kein Taktgefühl. Ich bin nicht geboren für die Diplomatie. Wenn ich singe, treffe ich nie den richtigen Ton und die Menschen wenden sich angewidert von mir ab. Ich verletzte sie, ohne ihnen wehtun zu wollen. Ich benehme mich daneben, immer und immer wieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geben Sie mir das Visum, bitte ich die Botschafterin, nachdem ich mir den Bauch mit den Köstlichkeiten vollgeschlagen, Champagner aus der Flasche getrunken und den Botschafter von Molwanien behutsam auf sein schadhaftes Lächeln aufmerksam gemacht habe. Ich verspreche Ihnen, sofort abzuhauen.&lt;br /&gt;
Die Dame schaut indigniert und stempelt mich ab. Ich rülpse, wegen der vielen Kohlensäure im Champagner. Die Paté von spanischen Arbequina Oliven war eine Spur zu fest, säusle ich, verfüttere die gebratene Entenbrust an &lt;i&gt;Eure Eminenz&lt;/i&gt; und mache mich aus dem Staub.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Hallo!&lt;br /&gt;
Heute war ich auf einer echten Botschaft tanzen. &lt;br /&gt;
Nein, ich habe keine. Auch keine Message. Ich bin gegen Gewalt. &lt;br /&gt;
Aber sie haben einen guten Koch hier. Die Paté hatte genau die richtige Konsistenz. Ich wollte nur nicht, dass die sich so überlegen fühlen. &lt;br /&gt;
Eure Barbara, davon und zu.&lt;/i&gt;</description>
    <dc:creator>testsiegerin</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://barbaralehner.twoday.net/topics/In+drei%C3%9Fig+Tagen+um+die+Welt&quot;&gt;In dreißig Tagen um die Welt&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 testsiegerin</dc:rights>
    <dc:date>2006-05-19T18:04:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/2029829/">
    <title>17. Tag - Grenzschutz</title>
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    <description>Ich stehe an. Es geht nicht weiter. Vor mir ein rot-weiß-rot gestreifter, heruntergelassener Schranken. Ich warte gehorsam, bis ein Zug vorbeikommt. Aber es kommt kein Zug, es gibt nämlich keine Schienen hier.  &lt;br /&gt;
Weil ich ausgesprochen flexibel bin, beschließe ich, eine andere Strecke zu nehmen. Alle Wege führen zu mir, vielleicht. &lt;br /&gt;
Ich drehe mich im Kreis. Alles ist abgesperrt. Kein Durchschlupf. Resigniert muss ich erkennen: Ich bin an meine Grenzen gestoßen. &lt;br /&gt;
Erst mal  setze ich mich an meinen Rand und packe das Wurstbrot aus. &lt;br /&gt;
Was nun? Was tun? &lt;br /&gt;
Durchatmen. Abbeißen. Nachdenken. Lächeln. &lt;br /&gt;
Wozu sind Grenzen da? &lt;br /&gt;
Erstens,  zum Schutz, natürlich. Muss ich vor der Fremde in mir geschützt werden oder die Fremde vor mir?&lt;br /&gt;
Zweitens, und das ist das Wesentlichere: Grenzen sind dazu da, um überschritten zu werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Argwöhnisch blicke ich in alle Richtungen, ob ich beobachtet werde, stecke das Wurstbrot in den Rucksack und hebe vorsichtig das linke Bein über den Schranken. &lt;br /&gt;
Halt!, schreit ein Soldat, der hektisch aus dem dichten Gebüsch gesprungen ist. Sie können hier nicht durch.&lt;br /&gt;
Und warum nicht? Eigentlich bin ich mir keiner Schuld bewusst, aber trotzdem schaue ich schuldbewusst. Schon aus Gewohnheit. Vielleicht habe ich wirklich irgendetwas angestellt. Man weiß ja nie.&lt;br /&gt;
Der Grenzschutz beginnt zu stottern. Es ... es ... es ist verboten, etwas Verbotenes zu tun. &lt;br /&gt;
Seit wann ist es verboten, seine Grenzen zu überschreiten?, frage ich schnippisch. &lt;br /&gt;
Es ist der erste Schritt, etwas Verbotenes zu tun. Sie gefährden damit die Ordnung im Land. Außerdem, wenn Sie damit anfangen, dann tun das auch andere und hier wäre das reinste Tohuwabohu.&lt;br /&gt;
Ich rolle mit den Augen. Der spinnt wohl. Ich eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit? Ich zeige ihm meinen Reisepass. Ich weiß, Bester, Sie tun nur Ihre Pflicht, aber schauen Sie, ich bin eine unbescholtene Bürgerin meines Landes. Und jetzt lassen Sie mich bitte durch. Wenn es sein muss, können Sie mich doch überwachen und bespitzeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er blättert in meinem Ausweis. Tut mir leid, lächelt er ein Beamtensiegerlächeln. Ich kann Sie nicht hinüberlassen. Ihr Visum ist abgelaufen.&lt;br /&gt;
Scheiße. Ich hätte die Reise besser planen sollen. Aber Grenzen überschreitet man spontan, nicht auf dem Reißbrett. Gut, dann stempeln Sie mir einfach ein neues Visum hinein und machen den Weg frei. Meine Geduld hat schließlich Grenzen.&lt;br /&gt;
Das darf ich nicht. Befehl von oben. &lt;br /&gt;
Meine Güte, keine Courage, dieser Bursche. Na und, du kleiner Wichser, spucke ich ihn wütend an. Ich befolge schließlich auch nicht alle Befehle von oben. Um ehrlich zu sein, befolge ich viel lieber die von unten!&lt;br /&gt;
Der Typ versteht keinen Spaß. Die Handschellen schnappen zu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte auf der Stelle mit der Botschafterin sprechen, verlange ich. Das ist mein Recht. Ich kenne meine Rechte, auch als Linke! Und geben Sie mir einen Stift. Nein, ich werde damit weder Sie, noch mich umbringen. Ich muss nur eine Karte nach Hause schreiben. Die machen sich sonst Sorgen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Liebe Leute, &lt;br /&gt;
Man hat mich verhaftet. &lt;br /&gt;
Seit Stunden werde ich verhört und gefoltert. Ich soll sagen, was ich da drüben will. Ich kenne die Antwort nicht. &lt;br /&gt;
Man darf nichts in Frage stellen. Die Grenzen nicht. Und sich selbst schon gar nicht. &lt;br /&gt;
Eure B., bei Wasser und Brot&lt;/i&gt;</description>
    <dc:creator>testsiegerin</dc:creator>
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    <dc:date>2006-05-18T20:20:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://barbaralehner.twoday.net/stories/2024452/">
    <title>16. Das Kind in mir</title>
    <link>http://barbaralehner.twoday.net/stories/2024452/</link>
    <description>Die nächste Etappe gehe ich rückwärts. Durch einen bunten Wald wandere ich und lande irgendwann bei einem riesigen Baum. In dessen Krone thront ein Baumhaus, zusammengenagelt aus alten Brettern. &lt;br /&gt;
Über eine wacklige Strickleiter quäle ich mich hoch, denn dort oben wohnt das Kind in mir. Ich möchte es gerne besuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es nimmt mich nicht wahr, als ich  gebückt, damit ich mir den Kopf nicht anstoße  eintrete. Ich schaue mich um. An den windschiefen Wänden Poster von Ronaldinho und Thierry Henry,  auf  dem Boden das Kind. Versonnen sitzt es auf den Brettern, die seine Welt bedeuten und betrachtet kleine Fotos. Wahrscheinlich von den verstorbenen Großeltern. Ich bin gerührt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was machst du hier?&lt;br /&gt;
Ich sammle Panini-Bilder.&lt;br /&gt;
Bilder von Panini? Dem indischen Sanskrit-Grammatiker? Schön finde ich das, wie gebildet die Jugend heutzutage ist.&lt;br /&gt;
Das Kind schaut mich mit großen Augen an und schüttelt den Kopf: Indien spielt bei der WM nicht mit. &lt;br /&gt;
Warum denn das? Dürfen die nicht?&lt;br /&gt;
Sie haben in der Qualifikation gegen Oman und Japan hoch verloren. Wahrscheinlich können sie mit ihren Turbanen nicht gut köpfeln.&lt;br /&gt;
Darf ich wenigstens mitspielen, wenn die Inder schon nicht dürfen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich darf. Unter einer Bedingung: Ich muss Oliver Kahn hergeben und das Stadion von Gelsenkirchen. &lt;br /&gt;
Die Regeln habe ich schnell durchschaut und hocke mich auf den Boden. Was krieg ich dafür?, beginne ich mit den Verhandlungen.&lt;br /&gt;
Egal. Zwei Neger, sagt das Kind. &lt;br /&gt;
Ich räuspere mich. Zwei Schwarze, korrigiere ich und rücke Kahn und das Stadion raus. Den Tausch finde ich fair, denn ich kann Kahn sowieso nicht leiden. &lt;br /&gt;
Das Kind reicht mir ein Bild. &lt;br /&gt;
Und wo ist der zweite? &lt;br /&gt;
Auch da drauf. Bei den Negern sind immer mehrere auf einem Bild, erklärt es mir. Die sind nicht so viel wert.&lt;br /&gt;
Ethische Diskussionen haben jetzt keinen Sinn. Das Sammelfieber hat mich gepackt. Ich pokere hoch. Nach stundenlangen Verhandlungen ist das Kind mit dem Einkleben fertig und müde.  Und ich, ich habe die vollständige Mannschaft von Togo. Und das Wappen von Usbekistan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glücklich klappe ich das Album zu. Breite den Schlafsack neben dem Kind aus, lege meinen wertvollen Schatz unter meinen Kopf und träume. Einen wunderschönen Traum träume ich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Togo ist Weltmeister. Und Indien Zweiter. Trotz der Turbane.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Wenn jemand Quorig Alphose von Vanuatu braucht, bitte bei mir melden.  Ich hab ihn doppelt. Gute Nacht.&lt;/i&gt;</description>
    <dc:creator>testsiegerin</dc:creator>
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    <dc:date>2006-05-17T20:03:00Z</dc:date>
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