Montag, 14. Juli 2014

Lu4Tz33.2 - Die Mission (2/2)

„Was ist eigentlich Ziel dieses Spiels?“, fragte Xana, nachdem sie schon ein paar Wochen gespielt und Level 3 erreicht hatten.
„Du stellst Fragen!“, stellte Kenzen fest. „Ganz einfach: Das Ziel ist es, stärker und mächtiger zu werden, Rohstoffe zu gewinnen, Burgen zu bauen, Handelsflotten zu gründen und Allianzen zu bilden. Zunächst braucht unser Lu4Tz33.2 aber Kampfpunkte.“ Er deutete auf einen kurzen, rot blinkenden Balken. „Mit seiner derzeitigen Kampfkraft erschlägt er nicht einmal ein lächerliches Bärtierchen.“
„Sind da so viele Bärtierchen auf der Erde? Wozu braucht er denn die ganze Kampfkraft?“
„Um noch stärker und noch mächtiger zu werden.“
„Aha.“ Xana verstand nicht. „Und warum? Was ist der Sinn von noch mehr Kraft?“
„42“, sagte Kenzen und Xana verstand. Wenn Kenzen etwas nicht wusste, lautete seine Antwort 42. Wenn Kenzen „42“ sagte, war die Diskussion beendet, auch wenn sie noch lange nicht aus war.

*

Seinen freien Tag verbrachte Lutz zuerst mit Olaf in der Allianz-Arena und dann bei seiner Schwester und seinen Nichten.
„Um Himmels Willen, was ist dir denn passiert“, fragte seine Schwester erschrocken, als sie Lutz’ blaues Auge sah.
„Ach nichts“, winkte er ab, „nur eine kleine Schlägerei im Stadion. Was ist, Mädels“, wandte er sich an seine Nichten, „Ritterburg?“
Er konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal mit Playmobil Burgen gebaut und Raubritter gespielt und so viel Vergnügen dabei gehabt hatte, die Zugbrücke herunterzulassen, verfeindete Ritter hinterhältig zur Falltüre zu locken und sich in einem der zahlreichen Wehrgänge zu verstecken.
Seine Nichten quietschten vor Vergnügen, denn sonst trank Lutz mit ihrer Mutter einen Kaffee oder blätterte in der Zeitung. Heute aber tollte er mit ihnen auf dem Teppich herum und spielte mit ihnen, und zwar richtig, nicht so, wie Erwachsene mit Kindern meistens spielten.

Lutz krempelte die Ärmel hoch, ballte die Fäuste und tänzelte wie ein Profiboxer von einem Bein aufs andere: „Los, wer traut sich gegen mich anzutreten?“
Die Mädels kreischten, zerrten an ihm herum, boxten mit ihm und balgten sich mit ihrem Onkel.
„Was ist denn mit dir los?“, fragte seine Schwester, als sie ihm im Badezimmer das Cut auf der Wange mit einem Pflaster zuklebte. Eines der Mädchen hatte ihn im Eifer des Gefechts im Gesicht gekratzt.

„Was ist denn mit dir los?“ Diese Frage wurde ihm in den letzten Wochen immer wieder gestellt. Sein Chef hatte ihn das erst gestern gefragt, weil jeden Tag ein Sack Zitronen geliefert wurde und Lutz am liebsten Zitronenschaumsüppchen, Zitronentarte, Zitronen-Rosmarin-Sorbet, Lemoncurd und Zitronenrisotto zubereitete und sogar ein „Lemon-Menue“ auf die Speisekarte gesetzt hatte.
Olaf stellte die Was-ist-denn-mit-dir-los-Frage beinahe jeden Tag, weil Lutz ihm in einer Tour etwas verkaufen oder mit ihm tauschen wollte. Sogar in der Kneipe fing Lutz an mit dem Wirten zu handeln, fischte ein paar Steine aus der Hosentasche und bot 3 Erz für ein Bier.

„Hallo? Was ist denn mit dir los, Lutz“, fragte seine Schwester noch einmal, weil er auf ihre Frage nicht reagiert hatte. „Seit wann macht dir Raufen Spaß? Du bist doch schon als Bub jeder Rangelei aus dem Weg gegangen und ich musste für dich in die Bresche springen und die Jungs versohlen.“
„Ich brauche Kampfpunkte.“ Hatte er das eben gedacht? Oder gar laut gesagt. Er lachte er ein künstliches, verlegenes Lachen.
„So, so“, sagte seine Schwester, „Kampfpunkte. Na ja, wer braucht die nicht?“

*


MeetAWoman“ tippte Xana heimlich, während Kenzen in der Arbeit war, denn das ständige Bohren, Handeln und Kämpfen wurde ihr langweilig. Sie wollte, dass Lu4Tz33.2 endlich etwas wirklich Abenteuerliches erlebte. Also steckte sie ihn per Mausklick in enge Jeans, ein weißes Hemd und Chucks und klickte auf die „Hubble-Lounge“, einen Club in Form eines Raumschiffs. Sie lächelte versonnen und fügte ein „FallInLove“ hinzu.

*

„Du willst ins Hubble? In diesen Schickimicki-Club, wo du doch nichts so sehr verachtest wie Schickimickies? “, fragte Olaf ein paar Stunden später.
Er hatte das Gefühl, dass sein Leben nicht mehr seins war, sondern das einer Marionette, deren unsichtbare Fäden von einer fremden Macht gezogen wurden. Es fühlte sich nicht direkt schlecht an. Nur anders. Ach was, vielleicht war er nur überarbeitet und brauchte dringend Urlaub.


Sie hatte dunkles, halblanges Haar, trug Jeans und ein rotes, weites Shirt unter einer Jeansweste und lehnte allein an der Bar. Sie passt nicht hierher, dachte er, wie ich. Er beobachtete sie, wie sie mit ihren Fingern in ihrem Cocktailglas rührte, eine Zitronenscheibe herausfischte und daran lutschte. Lutz wurde warm. Sehr warm. Er wollte stehen bleiben, ihr zuschauen, mit welcher Hingabe sie an der Zitrone leckte, denn der Anblick erregte ihn. Eine Stimme in ihm sagte: „Geh zu ihr.“ Lutz glaubte nicht an Liebe auf den ersten Blick, um ehrlich zu sein, glaubte er überhaupt nicht an die Liebe. Trotzdem gehorchte er seiner Stimme und ging so lässig wie möglich zur Bar.
Lutz hatte keine Ahnung mehr, wie man auf souveräne Art Frauen anbaggerte, das alles war schon so lange her. Und nicht einmal früher war er in dieser Disziplin besonders effizient gewesen.
Linkisch zog er einen Stapel aus der hinteren Hosentasche, schob das Gummiband, das ihn zusammenhielt, herunter und fragte: „Magst du tauschen? Ich brauche 278 und 129. Du kannst dir dafür zehn von meinen aussuchen.“
Sie funkelte ihn mit olivfarbenen Augen an und stellte ihr Glas ab. Dann griff sie in die Tasche ihrer Jeansweste und fächerte ihren Stapel auf. „Da! Suarez kannst du gern haben, den hab ich drei Mal, Jasper Cillesen brauch ich selber.“ Sie lächelte und biss in die Zitrone. „Das griechische Team, 204, das fehlt mir auch noch.“
Sein Mund blieb offen stehen.


Als sie später am Fluss entlangspazierten, fragte er: „Bist du öfter im Hubble?“
„Ich war da noch nie“, Sophie kickte mit ihrem Fuß eine leere Bierdose zur Seite. „Du musst wissen, ich hasse solche Schickimickiclubs. Keine Ahnung, was mich heute Abend geritten hat. Was ich jetzt sage, klingt wahrscheinlich total bescheuert für dich, aber es hat mich heute dahin gezogen. Ich konnte nicht anders. Es war irgendwie nicht meine Entscheidung, verstehst du?“
Das klang keineswegs bescheuert. Das klang sehr vertraut. Und Sophie fühlte sich sehr vertraut an, als er einfach ihre Hand in die seine nahm. Sie redeten über Fußball (sie war 1860-Fan, wie er) und exotische Zitronensorten und tauschten nicht nur Panini-Sticker, sondern auch Zitronenrezepte aus.
„Lebst du allein, Lutz?“, wollte sie wissen.
„Ja“, sagte er. „Nein“, korrigierte er. „Nun ja, fast allein. Ich habe eine Miss Jon.“ Blöder konnte man sich vermutlich nicht anstellen.
„Was für eine Mission denn?“
„Eine weiche, warme, schnurrende Mission.“ Er nahm ihr Gesicht in beide Hände und küsste sie. „Komm mit, dann stell ich sie dir vor. Außerdem hab ich noch französische Zitronentarte.“


„Glaubst du an Gott?“, fragte Sophie nach dem Sex, der berauschend gewesen war. Miss Jon hatte es sich zu ihren Füßen bequem gemacht und Lutz nieste.
„Warum fragst du?“
„Das kann doch kein Zufall sein, dass wir uns heute in einer Bar, die wir beide noch nie zuvor betreten haben, getroffen haben. Und dass du auf Frauen stehst, die nach Zitronen duften und ich auf Männer mit großen Füßen. Und wir beide auf Fußball.“
„Hm...“, er dachte nach, „nein, an Gott glaube ich nicht. Aber ich glaube, dass da irgendetwas im Universum existiert, das größer ist als wir und unser Schicksal bestimmt. Etwas, das uns mit unsichtbaren Fäden lenkt.“ Waren das wirklich seine Worte? Verließ so ein Esoterikgeschwurbel tatsächlich seine Lippen? Vielleicht hatte Olaf Recht und er war tatsächlich übergeschnappt.
„Seh ich genauso“, sagte Sophie nur und kuschelte sich an ihn. „Kann ich bei dir schlafen?“

*

„Ich muss mit dir reden“, sagte Xana viele Lichtjahre von Lutz und Sophie entfernt.
Kenzen rieb sich sein Höhrrohr. Oh je. Wenn Frauen – egal auf welchem Planeten - diese Worte sagten, noch dazu in dem Tonfall, in dem seine Frau sie gerade ausgesprochen hatte, bedeutete das nichts Gutes. Er ließ sich auf seinen Pytagoniumessel fallen.
„Also“, begann Xana, „seit Monaten sitzen wir in unserer Freizeit nur noch am Computer und spielen. Lu4Tz33.2 Hauptquartier ist verschönert, er hat reichlich Rohstoffe und Allianzen und bewegt sich mittlerweile in Level 7+. Unser Raumschiff dagegen ist immer noch nicht repariert und die heißen Quellen sprudeln in dieser Episode nicht mehr. Merkst du das denn gar nicht? Wir machen uns mehr Gedanken um Lu4Tz33.2 Leben als um einander. So kann das nicht weitergehen, Kenzen. Du musst dich entscheiden, was dir wichtiger ist. Das Spiel oder ich.“
„Aber...“
„Kein Aber. Entweder oder.“ Xanas Stimme schnitt mitten in Kenzens blaues Herz.
„Nagut“, sagte er kleinlaut, „dann eben entweder." Er schluckte, und Xana spürte, wie schwer ihm diese Entscheidung fiel. "Mach’s gut, Lu4Tz33.2", sagte er. "Hoffentlich bist du jetzt alleine lebensfähig.“
Gemeinsam zogen sie den Stecker. Ein heller Blitz erschien am Firmament.

*

„Neiiiiiiin!!!!“, schreit Lutz markerschütternd, als er fühlt, wie ein elektrischer Schlag durch seinen Körper jagt.
Sophie legt ihm die Hand auf die Stirn. „Hast du Fieber?“
„Ich lebe doch noch, oder?“ stammelt Lutz. „Sag mir bitte, dass ich nicht tot bin. Ich will nicht sterben. Nicht jetzt!“
„Sicher lebst du. Miss Jon hat nur ins Computerkabel gebissen und es gab einen Kurzschluss. Der Fehlerstromschutzschalter ist gefallen.“ Sophie massiert zärtlich seine großen Füße und ihre Hände wanderten nach oben. „Soll ich dir beweisen, wie lebendig du dich gleich wieder fühlen wirst?“


Ende

Weise Worte, wahr

"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Selbstgeschrieben


Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
Jakob und der gewisse Herr Stinki


Barbara A. Lehner (Text) Eleonore Petzel (Musik)
Von Herzen und Seelen - CD

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Prost.
Zum Wohle! Und zwar dem eigenen. Schön, wieder...
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Eine feine Gesellschaft
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