Briefverkehr 16
Ach, Herwig,
Das machst du absichtlich. Du willst, dass ich es bin, die jetzt Schuldgefühle hat und nicht du. Glaubst du wirklich, ich durchschaue deine Strategie nicht?
Warum machst du es mir so schwer, dich zu vergessen?
Weißt du, es ist ganz schön kompliziert, jemanden abzulehnen und in die Wüste zu schicken, der uns schmeichelt und mag. Es ist viel leichter, jemanden zu verabscheuen, der einen mit Furien vergleicht und seine Putzereirechnung bezahlen lässt, als jemanden, der – wenn auch nur im Suff – schreibt, dass er sich in mich verliebt hat.
Hör mir jetzt ganz gut zu, es ist nämlich so: Menschen, die sehen, wie wunderbar, wie verletzlich, wie attraktiv und wie liebenswert wir sind, das können keine Arschlöcher sein, sagen wir uns. Das sind fantastische Menschenkenner, wie es nur wenige auf der Welt gibt, sie haben einen Blick für das Wesentliche und die Schönheiten auf der Welt, sogar für die ganz verborgenen Schönheiten in den Tiefen unserer Seele. Solche Menschen haben meistens Recht, denken wir, und schon tun wir uns schwer damit, sie reinen Gefühls zu hassen.
Das ist natürlich Schwachsinn, denn manchmal geben uns auch Diebe und Mörder und hin und wieder sogar Waldviertler Aufschneider das Gefühl, dass wir ihnen wichtig sind, und - plumps! - fallen wir auf sie und ihre psychologischen Tricks hinein. Doch in Wahrheit bleiben sie Bestien und irgendwann bestehlen, betrügen oder ermorden sie uns.
Nicht, dass ich dich für einen gefährlichen Mörder halte - obwohl eine Freundin mich noch immer vor dir warnt - ich versuche nur, dir ein bisschen Psychologie beizubringen.
Ja, und ich muss gestehen, nicht einmal ich bin frei von dieser menschlichen Schwäche, mit der du hier so gekonnt spielst und mich zum Schwächeln bringst. Ich wanke, aber noch falle ich nicht. Weil ich dich nämlich durchschaut habe. Das unterscheidet mich von all den anderen reumütigen Raserinnen, die du bisher abgeschleppt hast.
Bist du ganz sicher, dass der Veuve Cliquot, unter dessen Einfluss du mir den Brief geschrieben hast, ein Rotwein war und nicht vielleicht ein Birnenschnaps? Wie viel hast du für dafür bezahlt? Du solltest deinen Weinhändler wechseln, Herwig, der klebt dir falsche Etiketten auf die Flaschen und verkauft dir billigen Fusel zu Champagnerpreisen. Außerdem solltest du weniger Dante und mehr Gault Millau lesen.
Ein Freund von mir, dem ich deine Briefe gezeigt habe, hat gemeint, du sagst die Wahrheit, wenn du dich als sentimentaler Weichling outest. Ein richtiger Mann würde nicht die geringste Ahnung haben, wer Rosamunde Pilcher ist, aber du weißt sogar, dass in ihren Schundheftchen und Filmen ständig Klippen und Küsten vorkommen. Sag mal ehrlich, Herwig, bist du ganz sicher, dass du nicht schwul bist?
Barbara
P.S. Du? Kannst du noch ein paar Flaschen von dem Rotweinchampagner kaufen und mir die Gründe zwei, fünf bis elf, dreizehn bis sechzehn und achtzehn bis vierundfünfzig verraten?
Das machst du absichtlich. Du willst, dass ich es bin, die jetzt Schuldgefühle hat und nicht du. Glaubst du wirklich, ich durchschaue deine Strategie nicht?
Warum machst du es mir so schwer, dich zu vergessen?
Weißt du, es ist ganz schön kompliziert, jemanden abzulehnen und in die Wüste zu schicken, der uns schmeichelt und mag. Es ist viel leichter, jemanden zu verabscheuen, der einen mit Furien vergleicht und seine Putzereirechnung bezahlen lässt, als jemanden, der – wenn auch nur im Suff – schreibt, dass er sich in mich verliebt hat.
Hör mir jetzt ganz gut zu, es ist nämlich so: Menschen, die sehen, wie wunderbar, wie verletzlich, wie attraktiv und wie liebenswert wir sind, das können keine Arschlöcher sein, sagen wir uns. Das sind fantastische Menschenkenner, wie es nur wenige auf der Welt gibt, sie haben einen Blick für das Wesentliche und die Schönheiten auf der Welt, sogar für die ganz verborgenen Schönheiten in den Tiefen unserer Seele. Solche Menschen haben meistens Recht, denken wir, und schon tun wir uns schwer damit, sie reinen Gefühls zu hassen.
Das ist natürlich Schwachsinn, denn manchmal geben uns auch Diebe und Mörder und hin und wieder sogar Waldviertler Aufschneider das Gefühl, dass wir ihnen wichtig sind, und - plumps! - fallen wir auf sie und ihre psychologischen Tricks hinein. Doch in Wahrheit bleiben sie Bestien und irgendwann bestehlen, betrügen oder ermorden sie uns.
Nicht, dass ich dich für einen gefährlichen Mörder halte - obwohl eine Freundin mich noch immer vor dir warnt - ich versuche nur, dir ein bisschen Psychologie beizubringen.
Ja, und ich muss gestehen, nicht einmal ich bin frei von dieser menschlichen Schwäche, mit der du hier so gekonnt spielst und mich zum Schwächeln bringst. Ich wanke, aber noch falle ich nicht. Weil ich dich nämlich durchschaut habe. Das unterscheidet mich von all den anderen reumütigen Raserinnen, die du bisher abgeschleppt hast.
Bist du ganz sicher, dass der Veuve Cliquot, unter dessen Einfluss du mir den Brief geschrieben hast, ein Rotwein war und nicht vielleicht ein Birnenschnaps? Wie viel hast du für dafür bezahlt? Du solltest deinen Weinhändler wechseln, Herwig, der klebt dir falsche Etiketten auf die Flaschen und verkauft dir billigen Fusel zu Champagnerpreisen. Außerdem solltest du weniger Dante und mehr Gault Millau lesen.
Ein Freund von mir, dem ich deine Briefe gezeigt habe, hat gemeint, du sagst die Wahrheit, wenn du dich als sentimentaler Weichling outest. Ein richtiger Mann würde nicht die geringste Ahnung haben, wer Rosamunde Pilcher ist, aber du weißt sogar, dass in ihren Schundheftchen und Filmen ständig Klippen und Küsten vorkommen. Sag mal ehrlich, Herwig, bist du ganz sicher, dass du nicht schwul bist?
Barbara
P.S. Du? Kannst du noch ein paar Flaschen von dem Rotweinchampagner kaufen und mir die Gründe zwei, fünf bis elf, dreizehn bis sechzehn und achtzehn bis vierundfünfzig verraten?
testsiegerin - 15. Nov, 16:27