Briefverkehr 19
Liebe Barbara,
es ist Samstag, kurz vor vier und eigentlich sollte ich mich jetzt mit dir im samtigen Rot des Orients räkeln wie der Kaiser mit der Schratt. Obwohl überhaupt nicht belegt ist, dass die beiden tatsächlich ... oder ob es nur eine innige Freundschaft war, die sie verband. Wusstest du, dass die Kaiserin selbst Katharina Schratt als Vorleserin engagiert hat?
Auf jeden Fall schrieben Franz Joseph und Katharina einander häufig Briefe. Vielleicht begann ihr Briefverkehr damit, dass die Kutsche, in der die Schratt saß, eine Geschwindigkeitsbeschränkung nicht eingehalten hat, sie eine Strafe aufgebrummt bekam und dem Kaiser einen zynischen Brief schrieb?
Ich schweife ab. Ja, ich liege grad nicht im Bett der Kaisersuite, wie du wohl schon bemerkt haben dürftest, sondern sitze im Café Central und schreibe diesen Brief. Habe Angst, dass es einer der letzten sein könnte, weil du möglicherweise nichts mehr mit mir zu tun haben willst. Egal, auch auf die Gefahr hin, dass du mich jetzt für einen noch größeren Feigling hältst als ich bin, ich werde dir schreiben, warum ich gerade nicht bin, wo ich sein sollte.
Ich war drauf und dran, hineinzugehen, in das berühmteste Stundenhotel Wiens, aber je länger ich vor dem Portal auf und ab geschlendert bin, umso klarer wurde mir, dass es das nicht ist, was ich will.
Warte mal kurz, ich bestell mir noch einen Espresso, schwarz und stark, den brauch ich jetzt.
So, geht wieder.
Wie ich dich kenne – und ich bilde mir ein dich mittlerweile ein bisschen zu kennen – wirst du bissig und gehässig reagieren. Mir beleidigt vorwerfen, ich fände dich nicht attraktiv genug oder so einen Schmarrn, Du weißt aber schon, dass das nicht stimmt, oder?
Es ist nur so ... hm ... tja ... vielleicht steh ich tief drinnen in meinem Herzen tatsächlich mehr auf klobige Gummistiefel als auf High Heels, so peinlich das in deinen Augen auch ist. Auf jeden Fall ist mir vor dem Hotel der alte, verschrobene Waldviertler Steiner entgegengekommen. Und er hat mir ins Ohr geflüstert, dass ich hier falsch bin. Dass ich besser mit dir Hand in Hand durch die Mohnfelder spazieren sollte als in verschwitzten Leintüchern, und seien sie noch so samtig, zu stöhnen. Und ich hab auf ihn gehört. Weil aber grad kein Mohnfeld in der Nähe war, bin ich ins Café Central und beobachte die Männer am Nebentisch beim Schachspiel.
Hältst du mich jetzt für total pervers?
Ach, ich kann es drehen und wenden, wie ich will, aber weißt du, Barbara, ich bin einfach kein Mann für einen Nachmittag. So schaut’s nämlich aus.
Dein Herwig
es ist Samstag, kurz vor vier und eigentlich sollte ich mich jetzt mit dir im samtigen Rot des Orients räkeln wie der Kaiser mit der Schratt. Obwohl überhaupt nicht belegt ist, dass die beiden tatsächlich ... oder ob es nur eine innige Freundschaft war, die sie verband. Wusstest du, dass die Kaiserin selbst Katharina Schratt als Vorleserin engagiert hat?
Auf jeden Fall schrieben Franz Joseph und Katharina einander häufig Briefe. Vielleicht begann ihr Briefverkehr damit, dass die Kutsche, in der die Schratt saß, eine Geschwindigkeitsbeschränkung nicht eingehalten hat, sie eine Strafe aufgebrummt bekam und dem Kaiser einen zynischen Brief schrieb?
Ich schweife ab. Ja, ich liege grad nicht im Bett der Kaisersuite, wie du wohl schon bemerkt haben dürftest, sondern sitze im Café Central und schreibe diesen Brief. Habe Angst, dass es einer der letzten sein könnte, weil du möglicherweise nichts mehr mit mir zu tun haben willst. Egal, auch auf die Gefahr hin, dass du mich jetzt für einen noch größeren Feigling hältst als ich bin, ich werde dir schreiben, warum ich gerade nicht bin, wo ich sein sollte.
Ich war drauf und dran, hineinzugehen, in das berühmteste Stundenhotel Wiens, aber je länger ich vor dem Portal auf und ab geschlendert bin, umso klarer wurde mir, dass es das nicht ist, was ich will.
Warte mal kurz, ich bestell mir noch einen Espresso, schwarz und stark, den brauch ich jetzt.
So, geht wieder.
Wie ich dich kenne – und ich bilde mir ein dich mittlerweile ein bisschen zu kennen – wirst du bissig und gehässig reagieren. Mir beleidigt vorwerfen, ich fände dich nicht attraktiv genug oder so einen Schmarrn, Du weißt aber schon, dass das nicht stimmt, oder?
Es ist nur so ... hm ... tja ... vielleicht steh ich tief drinnen in meinem Herzen tatsächlich mehr auf klobige Gummistiefel als auf High Heels, so peinlich das in deinen Augen auch ist. Auf jeden Fall ist mir vor dem Hotel der alte, verschrobene Waldviertler Steiner entgegengekommen. Und er hat mir ins Ohr geflüstert, dass ich hier falsch bin. Dass ich besser mit dir Hand in Hand durch die Mohnfelder spazieren sollte als in verschwitzten Leintüchern, und seien sie noch so samtig, zu stöhnen. Und ich hab auf ihn gehört. Weil aber grad kein Mohnfeld in der Nähe war, bin ich ins Café Central und beobachte die Männer am Nebentisch beim Schachspiel.
Hältst du mich jetzt für total pervers?
Ach, ich kann es drehen und wenden, wie ich will, aber weißt du, Barbara, ich bin einfach kein Mann für einen Nachmittag. So schaut’s nämlich aus.
Dein Herwig
testsiegerin - 18. Nov, 19:00