Briefverkehr 28
Lieber Herwig,
puhh, ich trinke nie wieder so viel Prosecco. Der Alkohol schwemmt meine Hemmungen davon.
Aber – und jetzt wirst du staunen – ich nehme den Kuss nicht zurück. Behalt ihn ruhig, es war eh ein total kleiner, harmloser Kuss.
Danke für das Gedicht. Nun ja, Rilke wird keiner aus dir, aber du hast dich sehr bemüht.
Gleich in der ersten Strophe, da benützt du die Wendung „voll in mein Leben gerast.“ So geht das nicht. Das ist viel zu austauschbar und allgemein. Da braucht es etwas Stärkeres als das Wort Leben. Verstehst du, was ich meine? Ich bin ja sozusagen nicht nur ein bisschen an dir vorbeigerast, sondern total angeknallt, also musst du das auch im Gedicht so ausdrücken. „Voll gegen die Wände meiner Herzkammer geknallt“ vielleicht.
Die Zeile mit den Gummistiefeln könntest du etwas weicher und sanfter formulieren, finde ich. Gummistiefel sind nicht wirklich poetisch. Und Wut auf Mut zu reimen ist etwa so originell wie Herz auf Schmerz und zeugt nicht von allzu großem Einfallsreichtum. Nun gut, Hut wäre noch schlimmer gewesen und Blut oder Glut auch. Versuch es mal mit akut oder absolut, oder – um bei der misslungenen Meermetapher zu bleiben – mit Flut. Und das L in Flut nicht vergessen, ja?
Der Schluss, der ist leider ganz schlecht, Herwig. Man kann nicht auch auf Bauch reimen, ohne dass der Leser schlimme Bauchkoliken bekommt. Und dieses einsilbige Wort so ganz allein am Ende stehen lassen. Außerdem wird auch inhaltlich nicht klar, worum es geht. Soll ich das Klopfen in deinem Bauch hören oder in meinem eigenen? (Das Klopfen im Bauch find ich übrigens schön, weil Herzen klopfen eh überall, Bäuche grummeln meistens nur oder knurren, das hast du richtig gut gemacht.)
Egal, da musst du auf jeden Fall noch mal ran.
Versuch doch, nicht zu viele unterschiedliche Bilder zu vermischen. Das tun die meisten Gedichter-Anfänger. Schlichtheit ist gefragt, das Einfache wirkt oft am meisten. Sieht man ja an mir.
Noch etwas: Du hast in der ersten Strophe das Rasen, dann das Fliegen, das ist gut, bleib also bei der Bewegung, oder kehre wenigstens am Ende wieder dorthin zurück.
Kränk dich nicht über meine Kritik, wird schon noch. Ist halt nicht jeder zum Dichter geboren, jeder Mensch hat andere Fähigkeiten. Ich zum Beispiel kann nicht stricken.
In dem spannenden Büchlein hab ich noch nicht weiter gelesen, ich hatte die letzten Tage zu viel um die Ohren.
Herwig, ich würde gern mit dir über den Adventmarkt spazieren, wenn du mir die Maroni schälst. Und ich füttere dich mit Lebkuchen, wenn du versprichst, mir nicht die Finger abzulutschen.
Wie wäre es mit Retz? Nächste Woche findet dort der Adventmarkt „drüber und drunter“ statt.(Ich bin lieber drunter, übrigens.)
Highlights sind der „unterirdische Advent“ im Erlebniskeller, der Weihnachtskarpfenverkauf aus dem Stadtbrunnen und als besondere Attraktion der Perchtenlauf.
Alles Liebe
Barbara
puhh, ich trinke nie wieder so viel Prosecco. Der Alkohol schwemmt meine Hemmungen davon.
Aber – und jetzt wirst du staunen – ich nehme den Kuss nicht zurück. Behalt ihn ruhig, es war eh ein total kleiner, harmloser Kuss.
Danke für das Gedicht. Nun ja, Rilke wird keiner aus dir, aber du hast dich sehr bemüht.
Gleich in der ersten Strophe, da benützt du die Wendung „voll in mein Leben gerast.“ So geht das nicht. Das ist viel zu austauschbar und allgemein. Da braucht es etwas Stärkeres als das Wort Leben. Verstehst du, was ich meine? Ich bin ja sozusagen nicht nur ein bisschen an dir vorbeigerast, sondern total angeknallt, also musst du das auch im Gedicht so ausdrücken. „Voll gegen die Wände meiner Herzkammer geknallt“ vielleicht.
Die Zeile mit den Gummistiefeln könntest du etwas weicher und sanfter formulieren, finde ich. Gummistiefel sind nicht wirklich poetisch. Und Wut auf Mut zu reimen ist etwa so originell wie Herz auf Schmerz und zeugt nicht von allzu großem Einfallsreichtum. Nun gut, Hut wäre noch schlimmer gewesen und Blut oder Glut auch. Versuch es mal mit akut oder absolut, oder – um bei der misslungenen Meermetapher zu bleiben – mit Flut. Und das L in Flut nicht vergessen, ja?
Der Schluss, der ist leider ganz schlecht, Herwig. Man kann nicht auch auf Bauch reimen, ohne dass der Leser schlimme Bauchkoliken bekommt. Und dieses einsilbige Wort so ganz allein am Ende stehen lassen. Außerdem wird auch inhaltlich nicht klar, worum es geht. Soll ich das Klopfen in deinem Bauch hören oder in meinem eigenen? (Das Klopfen im Bauch find ich übrigens schön, weil Herzen klopfen eh überall, Bäuche grummeln meistens nur oder knurren, das hast du richtig gut gemacht.)
Egal, da musst du auf jeden Fall noch mal ran.
Versuch doch, nicht zu viele unterschiedliche Bilder zu vermischen. Das tun die meisten Gedichter-Anfänger. Schlichtheit ist gefragt, das Einfache wirkt oft am meisten. Sieht man ja an mir.
Noch etwas: Du hast in der ersten Strophe das Rasen, dann das Fliegen, das ist gut, bleib also bei der Bewegung, oder kehre wenigstens am Ende wieder dorthin zurück.
Kränk dich nicht über meine Kritik, wird schon noch. Ist halt nicht jeder zum Dichter geboren, jeder Mensch hat andere Fähigkeiten. Ich zum Beispiel kann nicht stricken.
In dem spannenden Büchlein hab ich noch nicht weiter gelesen, ich hatte die letzten Tage zu viel um die Ohren.
Herwig, ich würde gern mit dir über den Adventmarkt spazieren, wenn du mir die Maroni schälst. Und ich füttere dich mit Lebkuchen, wenn du versprichst, mir nicht die Finger abzulutschen.
Wie wäre es mit Retz? Nächste Woche findet dort der Adventmarkt „drüber und drunter“ statt.
Highlights sind der „unterirdische Advent“ im Erlebniskeller, der Weihnachtskarpfenverkauf aus dem Stadtbrunnen und als besondere Attraktion der Perchtenlauf.
Alles Liebe
Barbara
testsiegerin - 28. Nov, 18:42