The Rose
Eigentlich wollte ich ja längst über die globalen Ereignisse der vergangenen Tage und wichtige Frauen schreiben. Über das Dekolleté der deutschen Kanzlerin, durch das man plötzlich entdeckt, dass die Frau nicht nur Kanzlerin, sondern eben auch Frau ist. Über die pazifistische schwangere Verteidigungsministerin Spaniens und die zukünftige Familien- und Frauenministerin Italiens und über Berlusconis blöde Bemerkung über das Frauenkabinett Zapateros, das er für zu rosa hält. Lauter kluge Sachen wollte ich schreiben.
Dann aber kam der Blinddarm meiner Tochter dazwischen und ich weiß nicht mehr, wer ich bin. ich schlafe schlecht, stehe um sechs auf, um vor Arbeitsbeginn noch mit meinem Kind im Krankenhaus Trivial Pursuit zu spielen, ich eile ins Büro, fahr auf Außendienst, leite Teams, und eile wieder ins Spital, um bei ihr zu sein. Eigentlich mag ich jetzt einfach ins Bett. Aber nicht ohne vorher über eine großartige Frau zu schreiben.
Diese großartige Frau ist in Wahrheit ziemlich klein. So um die eins fünfzig. Sie heißt Frau Rosi. Ihr Dekollete ist nicht wirklich erwähnenswert und regt niemanden auf. Noch nicht. Die Frau ist auch erst vierzehn. Eine Träumerin, der auf fünf Meter Weg sieben Sachen aus der Hand fallen. Eine, deren Kopf aus Fantasie und dunklen Locken besteht, die wunderbare Geschichten erfindet (das hat sie von ihrer Oma, die Kinderbuchautorin ist), eine, die für mich seit vielen Jahren einfach zur Familie gehört, mit uns nach England mitfliegt und an den meisten Wochenenden hier wohnt. Mein Röschen.
Meine Tochter hat zwar nun keinen Wurmfortsatz mehr, aber sie hat etwas, um das viele Mädchen sie beneiden. Die beste beste Freundin der Welt, seit mehr als sieben Jahren nun schon. Nämlich die Frau Rosi.
Bevor sie meine Tochter aka Frau Dr. Blubb in der Nacht in den OP schoben, hat sie noch gesagt: Ruf die Rosi an, aber erschreck sie nicht, sonst hat sie Angst um mich.
Ich hab es zwar versucht, aber es ist mir nicht gelungen. Rosi erschrak und hatte Angst.
Gleich am nächsten Tag hat Rosi sich eine Entschuldigung für den Turnunterricht schreiben lassen, weil sie ihre beste Freundin im Krankenhaus besuchen musste. Mit dem Autobus fuhr sie eine Stunde in die Stadt und verirrte sich im Labyrinth der Chirurgischen Abteilung.
Als ich das Krankenzimmer betrat, bot sich mir ein vertrautes Bild. Frau Dr. Blubb und Frau Rosi lagen nebeneinander in dem schmalen Bett.
Frau Dr. Blubb leichenblass und leidend ihre Narbe präsentierend, Frau Rosi tröstend. Den ganzen Nachmittag verbrachte sie dort, obwohl mit Frau Dr. Blubb nicht viel anzufangen war. Auch heute kam Rosi mit dem Bus und blieb viele Stunden lang. Zum Glück war Frau Dr. Blubb schon rosiger und Rosi blubbiger.
Beim Nachhausefahren hab ich der Frau Rosi mit Tränen der Rührung in den Augen gesagt, wie schön ich das finde, dass sie wieder gekommen ist, obwohl ihr Papa heute nach drei Wochen wieder nach Hause gekommen ist und sie sich schon total gefreut hat. „Das ist selbstverständlich“, hat sie nur gesagt, „Blubbi hätte das auch für mich getan.“ Was wohl wahr ist.
Danke Röschen, dass du bist. Dass du bist, wie du bist. Und dass du die Freundin meiner Frau Dr. Blubb bist. Und ein bisschen auch meine.
Dann aber kam der Blinddarm meiner Tochter dazwischen und ich weiß nicht mehr, wer ich bin. ich schlafe schlecht, stehe um sechs auf, um vor Arbeitsbeginn noch mit meinem Kind im Krankenhaus Trivial Pursuit zu spielen, ich eile ins Büro, fahr auf Außendienst, leite Teams, und eile wieder ins Spital, um bei ihr zu sein. Eigentlich mag ich jetzt einfach ins Bett. Aber nicht ohne vorher über eine großartige Frau zu schreiben.
Diese großartige Frau ist in Wahrheit ziemlich klein. So um die eins fünfzig. Sie heißt Frau Rosi. Ihr Dekollete ist nicht wirklich erwähnenswert und regt niemanden auf. Noch nicht. Die Frau ist auch erst vierzehn. Eine Träumerin, der auf fünf Meter Weg sieben Sachen aus der Hand fallen. Eine, deren Kopf aus Fantasie und dunklen Locken besteht, die wunderbare Geschichten erfindet (das hat sie von ihrer Oma, die Kinderbuchautorin ist), eine, die für mich seit vielen Jahren einfach zur Familie gehört, mit uns nach England mitfliegt und an den meisten Wochenenden hier wohnt. Mein Röschen.
Meine Tochter hat zwar nun keinen Wurmfortsatz mehr, aber sie hat etwas, um das viele Mädchen sie beneiden. Die beste beste Freundin der Welt, seit mehr als sieben Jahren nun schon. Nämlich die Frau Rosi.
Bevor sie meine Tochter aka Frau Dr. Blubb in der Nacht in den OP schoben, hat sie noch gesagt: Ruf die Rosi an, aber erschreck sie nicht, sonst hat sie Angst um mich.
Ich hab es zwar versucht, aber es ist mir nicht gelungen. Rosi erschrak und hatte Angst.
Gleich am nächsten Tag hat Rosi sich eine Entschuldigung für den Turnunterricht schreiben lassen, weil sie ihre beste Freundin im Krankenhaus besuchen musste. Mit dem Autobus fuhr sie eine Stunde in die Stadt und verirrte sich im Labyrinth der Chirurgischen Abteilung.
Als ich das Krankenzimmer betrat, bot sich mir ein vertrautes Bild. Frau Dr. Blubb und Frau Rosi lagen nebeneinander in dem schmalen Bett.
Frau Dr. Blubb leichenblass und leidend ihre Narbe präsentierend, Frau Rosi tröstend. Den ganzen Nachmittag verbrachte sie dort, obwohl mit Frau Dr. Blubb nicht viel anzufangen war. Auch heute kam Rosi mit dem Bus und blieb viele Stunden lang. Zum Glück war Frau Dr. Blubb schon rosiger und Rosi blubbiger.
Beim Nachhausefahren hab ich der Frau Rosi mit Tränen der Rührung in den Augen gesagt, wie schön ich das finde, dass sie wieder gekommen ist, obwohl ihr Papa heute nach drei Wochen wieder nach Hause gekommen ist und sie sich schon total gefreut hat. „Das ist selbstverständlich“, hat sie nur gesagt, „Blubbi hätte das auch für mich getan.“ Was wohl wahr ist.
Danke Röschen, dass du bist. Dass du bist, wie du bist. Und dass du die Freundin meiner Frau Dr. Blubb bist. Und ein bisschen auch meine.
testsiegerin - 16. Apr, 21:20