Dienstag, 17. August 2010

Die verkaufte Haut

Auf besonderen Wunsch noch einmal:

„Vielleicht die hier?“ Die Verkäuferin nimmt den nächsten Hautballen aus dem Regal. „Die schützt vor Verletzungen und Kritik. Fühlen Sie mal, absolut undurchlässig, wie Regenhaut. Vor allem bei Politikern sehr beliebt.“
Ich streiche darüber und schüttle den Kopf. „Nein, die ist mir zu dick. Ich fürchte, durch die spüre ich das Leben nicht mehr. Und um Kritik geht’s nicht. Die halte ich ja aus. Es geht um ...“ Ach, wie soll ich erklären, was ich selbst nicht verstehe?

Ich will eine Haut, die weich ist und warm. Wie meine eigene. Wenn möglich, ohne Cellulite. Aber das wichtigste: eine, an der abprallt, was mir nicht gehört. Eine, die alles aufnimmt, Berührungen, Gerüche, Wärme, Kälte, aber eine, die von selbst die Poren verschließt, wenn sie aufgrund ihrer Sensoren merkt, jemand beleidigt mich nur, um mir weh zu tun. Oder um selbst besser dazustehen.

„Die Haut heißt Haut, weil man drauf haut, hat mein Onkel immer gesagt.“ Die Verkäuferin greift unter den Ladentisch. „Hier, das habe ich ganz neu hereinbekommen, eigentlich nur für meine Stammkunden, aber bei Ihnen will ich eine Ausnahme machen. Semipermeabel. Halbdurchlässig. Mit einer hauchzarten Teflonschicht überzogen. Aber die ist teuer, das sag ich Ihnen gleich.“
Meine Finger gleiten darüber. Sie fühlt sich perfekt an. Hauchdünn, aber doch stark und schützend. Zu perfekt, sie passt nicht zu mir.
„Nein, das ist es auch nicht. Ich fürchte, Sie haben nicht, was ich brauche.“
Mürrisch räumt die Verkäuferin auch diesen Ballen weg. „Ich glaub, Sie wissen gar nicht, was Sie wollen“, grantelt sie. „In Ihrer Haut möcht ich nicht stecken."
"Ich ja auch nicht."
"Hören Sie mir mal gut zu: Viele Leute kommen zu mir, weil Sie sich nicht wohl fühlen in ihrer Haut und mal in eine andere schlüpfen wollen und noch alle haben hier was gefunden. Dann schauen Sie halt woanders hin.“
Sie sieht meine Tränen und legt ihre Hand auf meinen Unterarm. "Tschuldigung", murmelt sie, "ich kann ja auch nicht aus meiner Haut heraus."
Mit den Fingern berühre ich vorsichtig ihre Hand. Die Haut ist zerfurcht und ledrig, an manchen Stellen schimmern die Adern durch, und sie ist voller Einschnitte und Narben. Ich streiche darüber, immer wieder, und werde langsam ruhiger. Sie schweigt, aber sie zieht die Hand nicht weg.
„Und die, die Sie selbst haben?“, sage ich voller Hoffnung. „Die wirkt verletzlich und stark. Die weiß sich zu wehren, denke ich. Sie ist zwar nicht so schön und neu wie die aus dem Lager, aber sie fühlt sich irgendwie so richtig an. So lebendig. So eine hätte ich gern.“
Sie antwortet, was ich ohnehin erwartet habe. „Die gibt es nicht zu kaufen. Die hat mir das Leben gegerbt.“
„Danke“, sage ich leise und verlasse den Laden. „Sie haben mir sehr geholfen.“
Es hat zu regnen begonnen. Aber ich klappe den Schirm nicht auf. Nachdenklich bin ich, und entschlossen. Ich werde mich dem Regen stellen. Und dem Leben.

Weise Worte, wahr

"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Selbstgeschrieben


Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
Jakob und der gewisse Herr Stinki


Barbara A. Lehner (Text) Eleonore Petzel (Musik)
Von Herzen und Seelen - CD

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Wie geht es unserer Testsiegerin?
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Lo - 5. Feb, 17:25
Vielen Dank! Du findest...
Vielen Dank! Du findest mehr von mir auf facebook ;-)
testsiegerin - 30. Jan, 10:40
Kurschatten ' echt keinen...
auch wenn diese deine Kur schon im Juni...xx? war,...
kontor111 - 29. Jan, 09:13
zum entspannen...Angel...meint
wenn ich das nächste Mal im Bett liege, mich verzweifelt...
kontor111 - 29. Jan, 08:44
"Pinguin"
"Pinguin"
bonanzaMARGOT - 11. Mär, 11:11
Sleepless im Weinviertel
Ich liege im Bett. Ich bin müde. Ich lese. Eine Romanbiografie...
testsiegerin - 13. Jan, 11:30
... ich könnte mal wieder...
... ich könnte mal wieder eine brasko-geschichte schreiben.
bonanzaMARGOT - 8. Jan, 07:05
OHHH!
OHHH! Hier scheint bei Twoday etwas nicht zu stimmen. Hoffentlich...
Lo - 7. Jan, 13:36

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