Tränen der Rührung
Meine Tochter musste als Hausaufgabe eine Personenbeschreibung abliefern. Mit ihrer freundlichen Genehmigung stelle ich das Ergebnis hier herein.
Eine Person aus meiner Verwandtschaft, die ich besonders schätze
Meine Mutter heißt Barbara und ist im Moment 44 Jahre alt (das ändert sich aber jährlich). Sie ist 162 Zentimeter groß. Ihre Haare sind kinnlang und rot gefärbt. Zwei Narben befinden sich in ihrem Gesicht. Eine über der rechten Augenbraue und die andere am Kinn. Da meine Mutter schon immer sehr tollpatschig war – und dies immer noch ist – ist auch der Rest ihres Körpers mit Narben übersät.
Ihre Kleidung ist meist schlicht, manchal takelt sie sich aber auch richtig auf, zum Beispiel, wenn sie auf Lesungen geht. Auf ihre eigenen, versteht sich. Denn meine Mama ist auch Autorin. Aber hauptsächlich arbeitet sie als Sachwalterin. Das ist eine gesetzliche Vertretung geistg behinderter Menschen. Sie übt diesen Beruf schon lange aus, mittlerweile seit 14 Jahren. Davor war sie drei Jahre lang im Gefängnis. Dort hat sie meinen Vater kennengelernt.
Ihre Haltung ist aufrecht, ihr Gesichtsausdruck meist gelassen und freundlich. Meist. Die Stimme klingt angenehm, außer wenn sie schreit. Sonst würden ihr auch nicht so viele Leute gern zuhören.
Besonders gern isst sie ihre Spaghetti in der Badewanne mit einem Gläschen Sekt. Das erste, das sie macht, wenn sie aufsteht ist, dass sie den Computer einschaltet. Ihr Computer ist ihr im Allgemeinen ziemlich wichtig, denn auf ihm schreibt sie ihre Geschichten.
Barbara ist sehr offen, auch in Bezug auf andere Personen.
Ihre Hobbies sind lesen, schreiben, ausspannen, lang schlafen und Wein oder Sekt trinken. Meine Mama ist schlagfertig und vorlaut, das habe ich wohl von ihr. Sie hört auch in etwa die gleiche Musik wie ich, wie zum Beispiel Robbie Williams oder Mika.
Am meisten verbindet mich mit ihr, dass sie meine Lieblingsmutter ist und ich ihre Lieblingstochter (auch die einzige) bin. Ihre Zukunftspläne ... ähm ... sie möchte mit ihren Geschichten berühmt werden. Und alt. Sportlich will sie auch bleiben, sie geht nämlich sehr oft walken oder laufen.
Neben mir hat sie noch ein zweites „Kind“, meinen älteren Bruder. Verheiratet ist sie mit meinem Vater.
Uns verbinden aber sehr viele Dinge und wir sind uns in den meisten Dingen einig. Wie beim Thema Gewand, Männer oder andere Leute. Ich mag ihre Freunde (von denen reichlich vorhanden sind) und sie meine.
Wenn sie sehr aufgeregt ist, sieht man ihr das meistens nicht an. Aber sie will dann nicht irgendetwas gefragt oder vollgelabert werden. Schwer bei einer Tochter wie mir.
Wie aus dem Text bereits hervorgegangen ist, habe ich ein sehr gutes Verhältnis zu meiner Mutter. Und darauf bin ich sehr stolz. Es haben nicht viele das Glück, so eine Mutter zu haben, mit der man über (fast) alles reden kann. Ich weiß, das hört sich jetzt ziemlich kitschig an, aber es ist wahr.
Ich hoffe, es bleibt noch lange so, wie es im Moment ist.
Danke, Mama.
So, und hier ist die Revanche
Eine Person aus meiner Verwandtschaft, die ICH besonders schätze
Meine Tochter ist vierzehn. Und eigentlich würde ich mir wünschen, dass sie das noch lange bleibt, weil sie einfach voll gut drauf ist. Aber das wird sie mit 15 auch noch sein und mit 18 hoffentlich auch und vielleicht sogar mit 95. So alt wird sie nämlich, das hat Lebensprognose.de für sie errechnet.
Das Fräulein hat einen coolen Haarschnitt (wir mögen nämlich nicht nur die gleichen Männer, sondern auch den gleichen Friseur) und eine Brille, die sie nie haben wollte, die ihre schleimgrünen Augen (Eigendefinition) aber noch grüner leuchten lässt. Zum Glück hat sie entdeckt, dass gut sehen und gut aussehen durchaus Hand in Hand gehen können. Die rosarote Brille hat sie längst abgelegt, sie begegnet den Leuten und dem Leben zwar offen, aber mit einer gehörigen Portion Misstrauen.
Am liebsten trägt sie Jeans. Eine eigentlich nur, und wenn die in der Wäsche ist, haben wir eine unserer wenigen Krisen, weil die Waschmaschine nicht schneller wäscht und die Sonne nicht schneller trocknet und die Mutter daran schuld ist. Sie hätte gern eine zweite Jeans, aber sie hat keine Lust, einkaufen zu gehen.
Da sie seit Jahren tanzt, bewegt sie sich sicher und geschmeidig und scheint sich in ihrem Körper – zumindst für eine pubertierende 14-jährige – wohl zu fühlen.
Mein Mäuschen (so nenne ich sie aber nur, wenn wir privat sind) ist ein bisschen wie ich. Witzig, klug, sensibel, frech, vorlaut, kritisch, faul, schlampig und unwahrscheinlich cool. Ihr Verstand ist so scharf wie frisch geschliffene Messer aus Solingen. Sie lässt sich nichts gefallen und hasst Ungerechtigkeit. Sie weiß zwar nicht genau, wie man Zivilcourage schreibt, aber wie man sie lebt, das weiß sie. Für Politik interessiert sie sich nicht, aber sie wird wütend, wenn homosexuelle Menschen verspottet, schwächere SchülerInnen gemobbt, Kinder geschlagen und Frauen benachteiligt werden. Sie weiß noch nicht, dass genau das Politik ist.
Aber sie weiß, was sie will. Ihren Kindheitstraum, Kinderärztin zu werden, hat sie nicht aufgegeben, sondern nur leicht variiert. Frau Doktor Kinder- und Jugendpsychiaterin.
Sie kann aber auch verträumt und verspielt sein, vor allem gemeinsam mit ihrer besten Freundin, die wir längst adoptiert haben, im Herzen.
Mäuschen verschlingt tonnenweise Milchreis, und sie verschlingt Bücher. Die muss ich aber nicht kochen.
Es ist wunderschön zu sehen, wie mein kleines Mädchen langsam aber sicher zur Frau wird. Oft findet sie mich peinlich, aber mindestens genauso oft genießt sie es mittlerweile, wenn ich sie auf Lesungen, Frauenfeste oder ins Kino mitnehme.
Es klingt kitschig, ich weiß, aber ich liebe diese Göre.
Danke, Mäuschen. Bleib wie du bist und werde jeden Tag ein bisschen anders. Denn es ist normal, anders zu sein.
Eine Person aus meiner Verwandtschaft, die ich besonders schätze
Meine Mutter heißt Barbara und ist im Moment 44 Jahre alt (das ändert sich aber jährlich). Sie ist 162 Zentimeter groß. Ihre Haare sind kinnlang und rot gefärbt. Zwei Narben befinden sich in ihrem Gesicht. Eine über der rechten Augenbraue und die andere am Kinn. Da meine Mutter schon immer sehr tollpatschig war – und dies immer noch ist – ist auch der Rest ihres Körpers mit Narben übersät.
Ihre Kleidung ist meist schlicht, manchal takelt sie sich aber auch richtig auf, zum Beispiel, wenn sie auf Lesungen geht. Auf ihre eigenen, versteht sich. Denn meine Mama ist auch Autorin. Aber hauptsächlich arbeitet sie als Sachwalterin. Das ist eine gesetzliche Vertretung geistg behinderter Menschen. Sie übt diesen Beruf schon lange aus, mittlerweile seit 14 Jahren. Davor war sie drei Jahre lang im Gefängnis. Dort hat sie meinen Vater kennengelernt.
Ihre Haltung ist aufrecht, ihr Gesichtsausdruck meist gelassen und freundlich. Meist. Die Stimme klingt angenehm, außer wenn sie schreit. Sonst würden ihr auch nicht so viele Leute gern zuhören.
Besonders gern isst sie ihre Spaghetti in der Badewanne mit einem Gläschen Sekt. Das erste, das sie macht, wenn sie aufsteht ist, dass sie den Computer einschaltet. Ihr Computer ist ihr im Allgemeinen ziemlich wichtig, denn auf ihm schreibt sie ihre Geschichten.
Barbara ist sehr offen, auch in Bezug auf andere Personen.
Ihre Hobbies sind lesen, schreiben, ausspannen, lang schlafen und Wein oder Sekt trinken. Meine Mama ist schlagfertig und vorlaut, das habe ich wohl von ihr. Sie hört auch in etwa die gleiche Musik wie ich, wie zum Beispiel Robbie Williams oder Mika.
Am meisten verbindet mich mit ihr, dass sie meine Lieblingsmutter ist und ich ihre Lieblingstochter (auch die einzige) bin. Ihre Zukunftspläne ... ähm ... sie möchte mit ihren Geschichten berühmt werden. Und alt. Sportlich will sie auch bleiben, sie geht nämlich sehr oft walken oder laufen.
Neben mir hat sie noch ein zweites „Kind“, meinen älteren Bruder. Verheiratet ist sie mit meinem Vater.
Uns verbinden aber sehr viele Dinge und wir sind uns in den meisten Dingen einig. Wie beim Thema Gewand, Männer oder andere Leute. Ich mag ihre Freunde (von denen reichlich vorhanden sind) und sie meine.
Wenn sie sehr aufgeregt ist, sieht man ihr das meistens nicht an. Aber sie will dann nicht irgendetwas gefragt oder vollgelabert werden. Schwer bei einer Tochter wie mir.
Wie aus dem Text bereits hervorgegangen ist, habe ich ein sehr gutes Verhältnis zu meiner Mutter. Und darauf bin ich sehr stolz. Es haben nicht viele das Glück, so eine Mutter zu haben, mit der man über (fast) alles reden kann. Ich weiß, das hört sich jetzt ziemlich kitschig an, aber es ist wahr.
Ich hoffe, es bleibt noch lange so, wie es im Moment ist.
Danke, Mama.
So, und hier ist die Revanche
Eine Person aus meiner Verwandtschaft, die ICH besonders schätze
Meine Tochter ist vierzehn. Und eigentlich würde ich mir wünschen, dass sie das noch lange bleibt, weil sie einfach voll gut drauf ist. Aber das wird sie mit 15 auch noch sein und mit 18 hoffentlich auch und vielleicht sogar mit 95. So alt wird sie nämlich, das hat Lebensprognose.de für sie errechnet.
Das Fräulein hat einen coolen Haarschnitt (wir mögen nämlich nicht nur die gleichen Männer, sondern auch den gleichen Friseur) und eine Brille, die sie nie haben wollte, die ihre schleimgrünen Augen (Eigendefinition) aber noch grüner leuchten lässt. Zum Glück hat sie entdeckt, dass gut sehen und gut aussehen durchaus Hand in Hand gehen können. Die rosarote Brille hat sie längst abgelegt, sie begegnet den Leuten und dem Leben zwar offen, aber mit einer gehörigen Portion Misstrauen.
Am liebsten trägt sie Jeans. Eine eigentlich nur, und wenn die in der Wäsche ist, haben wir eine unserer wenigen Krisen, weil die Waschmaschine nicht schneller wäscht und die Sonne nicht schneller trocknet und die Mutter daran schuld ist. Sie hätte gern eine zweite Jeans, aber sie hat keine Lust, einkaufen zu gehen.
Da sie seit Jahren tanzt, bewegt sie sich sicher und geschmeidig und scheint sich in ihrem Körper – zumindst für eine pubertierende 14-jährige – wohl zu fühlen.
Mein Mäuschen (so nenne ich sie aber nur, wenn wir privat sind) ist ein bisschen wie ich. Witzig, klug, sensibel, frech, vorlaut, kritisch, faul, schlampig und unwahrscheinlich cool. Ihr Verstand ist so scharf wie frisch geschliffene Messer aus Solingen. Sie lässt sich nichts gefallen und hasst Ungerechtigkeit. Sie weiß zwar nicht genau, wie man Zivilcourage schreibt, aber wie man sie lebt, das weiß sie. Für Politik interessiert sie sich nicht, aber sie wird wütend, wenn homosexuelle Menschen verspottet, schwächere SchülerInnen gemobbt, Kinder geschlagen und Frauen benachteiligt werden. Sie weiß noch nicht, dass genau das Politik ist.
Aber sie weiß, was sie will. Ihren Kindheitstraum, Kinderärztin zu werden, hat sie nicht aufgegeben, sondern nur leicht variiert. Frau Doktor Kinder- und Jugendpsychiaterin.
Sie kann aber auch verträumt und verspielt sein, vor allem gemeinsam mit ihrer besten Freundin, die wir längst adoptiert haben, im Herzen.
Mäuschen verschlingt tonnenweise Milchreis, und sie verschlingt Bücher. Die muss ich aber nicht kochen.
Es ist wunderschön zu sehen, wie mein kleines Mädchen langsam aber sicher zur Frau wird. Oft findet sie mich peinlich, aber mindestens genauso oft genießt sie es mittlerweile, wenn ich sie auf Lesungen, Frauenfeste oder ins Kino mitnehme.
Es klingt kitschig, ich weiß, aber ich liebe diese Göre.
Danke, Mäuschen. Bleib wie du bist und werde jeden Tag ein bisschen anders. Denn es ist normal, anders zu sein.
testsiegerin - 22. Apr, 18:14
*schnüff*
und ich glaub es bleibt auch so.