...

Auszug aus einem Interview, gehört und gelesen auf Ö1 (http://oe1.orf.at/highlights/107662.html)


"Manchmal wenn ich mich durch diese Weblogs klicke, wo Menschen alle Aspekte ihres intimen Lebens online veröffentlichen, kommt es mir vor, als würden sie Müll in einen Abfalleimer, in dem Fall in ihren Computer, tippen", meint Richard Sennett, der über die Gefahren dieser "Ideologie der Intimität" bereits vor mehr als 30 Jahren schrieb, als das Internet in seiner heutigen Form noch nicht einmal gedacht wurde.

"Die Dinge, die einem wirklich wichtig sind, behandelt man mit mehr Achtsamkeit. Nicht so wie dieses endlose Berichten aller Details des alltäglichen Lebens. Es ist ein unermessliches Ödland an Geständnissen und Offenbarungen, das diese Blogs ausfüllen." Die private Geschwätzigkeit gefährdet das, was bereits Jürgen Habermas eine "kritische Öffentlichkeit" nannte.
...
Was ihm besser gefalle sind Chat-Rooms, wo Leute sich gegenseitig Fragen stellen. "Von diesen gibt es natürlich nicht so viele, wie von jenen, wo man Fotos seines Hundes oder seiner Fußoperation online stellen kann."


Deshalb heute kein Foto meines nicht vorhandenen Hundes.
herold - 27. Aug, 10:51

ö1, sennet und habermas wissen offenbar nicht, dass es auch blogs mit chatfunktion gibt.

testsiegerin - 27. Aug, 11:41

Fragen Sie mich ruhig was, Herr Herold.
Meinem nicht vorhandenen Hund gehts gut. Meine Fußoperation liegt lang zurück.
herold - 27. Aug, 11:48

wollten Sie nicht erst unlängst ein bissl sudern? ;)
steppenhund - 27. Aug, 11:44

Möglicherweise eine Gefahr, aber ...

die Chat-Rooms gefallen ihm!
"Was hast Du an?", "Hast Du einen großen Busen?", "Wie sieht dein Schwanz aus?"
oder die jugendfreie Version:
"Hallo", "Hi", "Bussi", "Umarm", "Servus", "Auch wieder da"
Gerade das unermessliche Ödland zeigt ja gerade den wesentlichen Aspekt auf: das Blog als "the poor man's psychoanalyst".
Mehr Achtsamkeit!
Aha, vielleicht sollte ein Herr Sennett einmal überlegen, ob das Blog nicht die Vorstufe zu reflektivem Verhalten sein kann. Was wird nicht alles verdrängt und nie zu Ende gedacht.
Auch wenn der Müll im Blog entsorgt wird, so wird er zumindest einmal verbalisiert. Das ist schon wesentlich mehr Achtsamkeit als sich einfach unbehaglich zu fühlen und den anderen anzumotzen. Es ist ja nicht so, dass ich Sennetts Aussagen an sich verurteile.
In diesem Fall geht es aber um eine sehr spezielle Hervorhebung in einem Themenkomplex, in dem Sennett im allgemeinen viel mehr zu sagen hat, aber gerade dieses Beispiel ihm dabei nicht zu Ruhm gerät.
Denn ohne Blog wäre die von ihm angeprangerte Vereinsamung noch größer.
Es sei denn, dass er meint, dass die nachbarschaftliche Beziehung dadurch verbessert würde, wenn jeder sich zu seinem Nachbarn ausheulen ginge. Persönlich halte ich das für keine gute Alternative. Kenne ich von der Zeit, als ich für das Zuhören des nachbarschaftlichen Klatsches im Haus meiner Oma regelmäßig eine Tafel Schokolade bekam.
Ich bin stolz auf meine Hundefotos!

Lo - 27. Aug, 14:03

Der ist ja überhaupt nicht niedlich,
der nicht vorhandene Hund.
Spielen will er auch nicht?
Ist schon kein komischer Hund.

lilliorsini (Gast) - 27. Aug, 14:23

tja, liebe barbara, nicht jeder nützt wie du ein weblog, um seine wohlgeschriebenen texte zu veröffentlichen.

aber es war schon interessant, was die beiden herren von sich gaben, denn was sich da so anbietet, wenn man manchmal durch die weblogs klickt...

andererseits: solange es den schreibern ein bissl hilft, wenn sie ihren mist entladen...
kann ja durchaus therapeutische wirkung haben ;-)

liebe grüße

david ramirer - 27. Aug, 15:29

so unterscheiden sich eben leute vom schlage eines richard sennet von den einfachen (die fpö würde sagen "kleinen") menschen - die einen kippen den müll in die blogs, die anderen entladen sich regelmäßig in interviews für ö1 oder dicke schwarten, die keiner liest.

ent-sorgung, wie schon anno dazumal, at its best :-)

walküre - 27. Aug, 18:32

Und noch

einer, der einem ähnlichen Irrtum erliegt wie Herr Boie, den ich hier schon unrühmlich erwähnt habe:

http://walkuere.twoday.net/stories/4157976/

PS: Demnächst werde ich keine Fotos von unseren nicht nicht vorhandenen Katzen einstellen - damit Sies nur wissen !!!

Mamü (Gast) - 27. Aug, 19:05

Wie schön, dass Herr Sennett seinen Müll über Weblogs in der Öffentlichkeit loswerden konnte. Es scheint ihn arg bedrückt zu haben...

Liebe Grüße von

Martina,

die demnächst ein Foto von ihrem real vorhandenen Hund, auf den sie sehr stolz ist und der kein geheimes Detail ihres Lebens ist, der sogar draußen in aller Öffentlichkeit herumläuft, in ihrem Weblog veröffentlichen wird. :-) Jetzt weiß ich endlich, was meinem Weblog gefehlt hat.

datja (Gast) - 27. Aug, 23:03

ICH
WÜNSCHE MIR
ABER
SEHNLICHST
EIN FOTO
VON NOCH
VORHANDENEN
ENTEN !

testsiegerin - 28. Aug, 20:17

Ich finde natürlich auch ein bisschen übertrieben, wie dieser Herr auf Blogs reagiert, aber ich muss gestehen, wenn ich mich manchmal so zufällig durchklicke, dann kann ich seine Kritik schon auch verstehen.

Für mich ist dieses Interview auch Anlass, wieder zu überlegen, was ich hier von mir preisgebe oder nicht. Schließlich habe ich keine Ahnung, wer hier liest und ich teile ja auch den Menschen beim Bäcker und auf der Straße nicht alles mit, was ich so mache, denke und fühle.
Ich glaube, ein wenig Auslese in Blogs tut gut, weil das hier ja nicht Tagebuchcharakter hat, sondern öffentlich ist.

Und wenn ich wie gesagt so durchklicke, dann wünsche ich mir auch ein Mindestmaß an Qualität und Gehalt. Aber das ist natürlich etwas sehr subjektives, das ist mir schon klar.

Mamü (Gast) - 29. Aug, 15:59

Wie du schon sagst bzw. schreibst, ist das was gefällt etwas Subjektives. Ich halte es so, dass ich Weblogs oder Beiträge, die mir nicht gefallen oder mich nicht interessieren, einfach nicht lese. Zwingt mich ja keiner.
Wer will schon bestimmen, was an die Öffentlichkeit gehört oder nicht. Auch hier gibt es sicher viele Meinungen. Außerdem werden wir auch ohne Weblogs mit so vielen Dingen konfrontiert, die ich z.B. nicht unbedingt wissen will. Da müsste man so Vieles verbieten... Na ja, aber verkehrt ist es sicher nicht, den einen oder anderen Beitrag, den man einstellt zu hinterfragen.

Was aber an Fotos von Haustieren oder ähnlichem so schlimm sein soll, kann ich nicht nachvollziehen. Dem einen gefällts, dem anderen nicht. Beides ist okay. Ein bisschen Toleranz ist da gefragt, finde ich.

Nachdenkliche Grüße,
Martina
testsiegerin - 29. Aug, 16:51

Um der Göttinnen Willen! Um verbieten ging es mir überhaupt nicht.

Ich finde Fotos von Haustieren auch nicht weiter schlimm oder gar bedrohlich. Es sei denn, es handelt sich um ein Bild eines gefährlichen Hundes ;-)

Ich glaube nur, dass Weblogs dazu verleiten, dass manche Menschen auf ihre Intimsphäre nicht gut aufzupassen. und darum, dass das Konsequenzen haben kann, wenn zu viele Menschen zu viel über einen wissen.
weil wir ja nicht wissen, wer hier mitliest und was diese MitleserInnen mit diesen Informationen, die sie über uns gewinnen, tun.

Um mehr Achtsamkeit ging es mir, nichts anderes.
Wobei ich mir natürlich auch mehr Achtsamkeit, was Sprache, Ausdruck und Orthografie betrifft, wünsche.
Wünschen wird man ja wohl noch dürfen.
Mamü (Gast) - 29. Aug, 20:48

Wünschen ist definitiv erlaubt. Sogar wünschenswert. ;-)
walküre - 29. Aug, 21:25

"Ich glaube nur, dass Weblogs dazu verleiten, dass manche Menschen auf ihre Intimsphäre nicht gut aufzupassen. und darum, dass das Konsequenzen haben kann, wenn zu viele Menschen zu viel über einen wissen.
weil wir ja nicht wissen, wer hier mitliest und was diese MitleserInnen mit diesen Informationen, die sie über uns gewinnen, tun."

So anonym wie sie gerne wären sind aber auch jene nicht, die versuchen, einen auszuspionieren, und da brauchts nicht einmal spezielle Software, um Zugriffe, die einem nicht geheuer sind, auszuforschen. Wissen SIE, wen Sie in der beruflichen und privaten Umgebung jenseits des Internet als Feinde haben ? Wissen SIE, ob ein verschmähter Liebhaber, eine eifersüchtige Bekannte, ein neidischer Arbeitskollege nicht auf die Gelegenheit warten, Sie auszubooten ? Wenns darauf ankommt, bin ich im "echten" Leben vorsichtiger mit meinen Äußerungen als hier (nicht aus Angst, sondern weil mich Unverständnis auf Dauer nervt), aber das ist natürlich meine Meinung, und zwar ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Sie, Frau Lehner, gehören allerdings auch zu den wenigen Menschen in der Blogszene, die unter eigenem Namen schreiben und darüber hinaus sich schon schriftstellerisch einen Namen gemacht haben, was Sie natürlich angreifbarer macht als mich, die in der Pampa lebende Walküre. Und eigentlich finde ich überhaupt, dass es nicht gut tut, zu sehr den Kopf vor imaginären Feinden einzuziehen. So.
testsiegerin - 30. Aug, 18:33

@ walküre

Wissen SIE, wen Sie in der beruflichen und privaten Umgebung jenseits des Internet als Feinde haben?

Oh ja. Das kann ich mir ungefähr ausmalen. Da passe ich gut auf, was ich sage und was nicht. Und da ich nicht weiß, ob die nicht auch heimlich hier mitlesen, passe ich hier auch auf. Obwohl es mich natürlich manchmal reizt, mehr von mir preiszugeben.

Wissen SIE, ob ein verschmähter Liebhaber, eine eifersüchtige Bekannte, ein neidischer Arbeitskollege nicht auf die Gelegenheit warten, Sie auszubooten ?

Ich könnte jetzt natürlich sagen: Ich habe keine verschmähten Liebhaber. Aber das ist natürlich nicht richtig. Und eben weil ich nicht weiß, ob die nicht nur auf eine Gelegenheit warten, reiche ich ihnen die Gelegenheiten hier nicht auf dem Silbertablett.

Für mich gehts nicht um Kopf einziehen, sondern um Selbstschutz.
Natürlich ist es etwas anderes, wenn man hier unter dem richtigen Namen schreibt und ganz leicht zu "ergoogeln" ist (und das, obwohl mein Name nicht ungewöhnlich ist), oder ob ich unter dem Pseudonym "Testsiegerin" schreibe. Meine Erfahrung in diversen Literaturforen sagt mir aber, dass die Leute mich selbst unter einem neuen Nick sofort wieder erkannt haben.

Im Übrigen glaube ich auch, dass jedeR das halten soll, wie er/sie mag.
rauch - 29. Aug, 17:13

da teile ich seine meinung zwar nicht in dieser radikalität, aber nachdenken darüber, was sich verändert, durch das was ist: immer.
ich selber ziehe regelmässig um die blogs (copyright by testsiegerin), besuche aber nie chat-rooms. die halte ich nämlich überhaupt nicht aus.
hingegen bin ich fast versucht, ein absolut jenseitiges foto meines fusses online zu stellen... ;-)

testsiegerin - 30. Aug, 18:35

Ich hab mich auch eine Zeitlang in der Chat-Welt herumgetrieben, und da gab es wie hier die ganze Palette der Charaktere. Auch intelligente, witzige, sprachgewandte Männer, die cybersexmäßig so richtig was drauf hatten ;-)

Haben Sie einen schönen Fuß, Herr Rauch? Sonst nehmen Sie doch einfach einen Hühnerknochen.
schmelzpunkt - 29. Aug, 18:37

Sennetts Äußerungen sind unverschämt. Tagesblogbeiträge sind schließlich Leserdenkaufgaben, von Blogdenkern erdacht, deren Denken sicher nicht darauf beruht, stets aufs Neue irgend etwas zu erdenken, nur, um den Denkern neues Denken zu ermöglichen. Nein, es geht um Erfahrungen, Erlebnisse, Erinnerungen.

Wie hier zum Beispiel:

Ein Vogel ...
... sitzt auf der Strasse

sitzt immer noch
wo das Auto angefahren kommt

sitzt immer noch
und das Auto faehrt drueber

sitzt immer noch
waehrend man in den Rueckspiegel guckt

vllt sitzt s immer noch an genau der Stelle ...


Mich fröstelt, wenn ich so etwas lese. Also schwenke ich zu:

Ich habe ein kurzes Kleidchen an welches nur die Oberschenkel bedeckt und ein winziges Höschen drunter. Da ich nur ein kleines Einzelbettzimmer habe, machen wir es uns auf meinem Bett bequem. Ich sitze in der Mitte zwischen euch beiden auf dem Bett. Ihr sitzt ganz eng neben mir und unsere Schenkel berühren sich beim dasitzen. Max sitzt links von mir und streichelt meinen linken Oberschenkel und fährt etwas unter mein Kleid. Du machst es ihm gleich und nimmst meinen rechten Oberschenkel. Da Max mich so zärtlich streichelt bekommt er einen Schmatzer auf den Mund von mir. Ich gebe jetzt auch dir einen leichten Kuss. Durch das dasitzen rutscht mein dünnes Kleidchen hoch. Meine Spaghettiträger rutschen leicht hinab und ihr könnt auch sehen das ich kein Höschen anhabe.

Nach diesem Wechselbad der Gefühle kehre ich ein in die geständige Realität:

heute nach dem arbeiten bin ich noch einkaufen gegangen.

Ein "unermessliches Ödland an ... Offenbarungen"? Ich sagte es bereits: Unverschämt!

testsiegerin - 30. Aug, 18:35

Wie im Leben, oder?
Da reden die Leute auch oft Blödsinn.

Weise Worte, wahr

"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Selbstgeschrieben


Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
Jakob und der gewisse Herr Stinki


Barbara A. Lehner (Text) Eleonore Petzel (Musik)
Von Herzen und Seelen - CD

Neu

Wie geht es unserer Testsiegerin?
Wie geht es unserer Testsiegerin?
Lo - 5. Feb, 17:25
Vielen Dank! Du findest...
Vielen Dank! Du findest mehr von mir auf facebook ;-)
testsiegerin - 30. Jan, 10:40
Kurschatten ' echt keinen...
auch wenn diese deine Kur schon im Juni...xx? war,...
kontor111 - 29. Jan, 09:13
zum entspannen...Angel...meint
wenn ich das nächste Mal im Bett liege, mich verzweifelt...
kontor111 - 29. Jan, 08:44
"Pinguin"
"Pinguin"
bonanzaMARGOT - 11. Mär, 11:11
Sleepless im Weinviertel
Ich liege im Bett. Ich bin müde. Ich lese. Eine Romanbiografie...
testsiegerin - 13. Jan, 11:30
... ich könnte mal wieder...
... ich könnte mal wieder eine brasko-geschichte schreiben.
bonanzaMARGOT - 8. Jan, 07:05
OHHH!
OHHH! Hier scheint bei Twoday etwas nicht zu stimmen. Hoffentlich...
Lo - 7. Jan, 13:36

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