Offenes Mail an den Papst

hi – liger paps, lieber benny

ich hab ehrlich versucht, dir in den letzten tagen aus dem weg zu gehen. ich hab’s nicht geschafft. du bist nämlich ganz schön hartnäckig und verfolgst mich auf schritt und tritt. obwohl wir beide wissen, dass wir einander nicht leiden können.
ich hab wirklich vorgehabt, zu deiner unpolitischen pilgerreise in österreich zu schweigen, ich dachte, meine güte, auch andere piefkes machen hier urlaub und sich wichtig und bestellen käse-sahne-kuchen statt topfentorten und ich reg mich nicht jedesmal auf.
30.000 waren in mariazell, na ja. bei der regenbogenparade waren 100.000, glaub ich, und - das sag ich nicht ohne stolz - beim maiaufmarsch am rathausplatz 120.000. und das, obwohl gusenbauer nicht unbedingten gehorsam und demut von seinen fans fordert.

wie gesagt, ich wollte mich raushalten, ich hab sogar akzeptiert, dass meine nichte, der ich tickets für robbie williams geschenkt hab, diese gegen zählkarten für deine performance eingetauscht hat.
aber weißt du, benny, du bist zu weit gegangen. ich dachte, wir hätten da einen deal? du lässt mich in ruhe und ich dich. aber was tust du?
provozierst blöd und mischst dich in politische angelegenheiten ein. da werd ich grantig. du regier gefälligst deinen zwergstaat, aber lass uns in ruhe. schau, es nützt ja eh nix. es ist weder dem pauli dem sechsten noch dem polen gelungen, die fristenlösung in österreich zu verhindern, und dir auch nicht. zum glück.
wir wissen ja eh, dass ihr da oben frauen nicht besonders leiden könnt, und sie nur als gebärgefäße betrachtet. selbst da sind euch die am liebsten, die werfen, ohne gebumst zu haben.
glaubst du denn wirklich immer noch, dass frauen in einer notlage nicht abtreiben, nur weil du oder der staat es ihnen verbieten? sie wenden sich dann halt nicht an ärzte, sondern an engelmacherinnen (die findet man heute nicht mehr in den dunklen gassen der alstadt, sondern bei google). sogar die chance auf den himmel haben sie sich vertan.

und eigentlich find ich es ein bissl peinlich, wenn ihr so tut, als wäre die katholische kirche up to date. deinen segen verteilst du jetzt nicht mehr nur altmodisch, in dem du die leute in form von weihrauch mit feinstaub belastest, nein, du versendest ihn per sms. in der straßenbahn hab ich ständig das ave maria als jamba-klingelton gehört, grausam war das. nur ein älterer herr, der hatte wenigstens die gregorianischen choräle drauf ;-)

kürzlich hab ich mich im second life rumgetrieben, weil mein erstes mir grad ein bissl langweilig war. und weil ich neugierig war, hab ich auf holy church – the ultimative adventure geklickt. Ich bin gefragt worden, ob ich schon älter als 18 bin. eh klar bin ich das, viel älter. so wurde ich zeugin einer online-hexenverbrennung. was hat die frau denn getan, hab ich den geifernden nachbarn gefragt, dabei kannte ich die antwort ohnehin. sie hatte lust am leben.

nur so zum spaß hab ich auch auf „confessional“ (also beichtstuhl) geklickt. das war irgendwie voll super. so ein multiple-choice-test. gelogen? aber ja doch. eitel gewesen? selbstverständlich. wollüstig? ohhhh ja. neidisch? ähm. tja. leider. die sonntagszeitung geklaut? ich meine, wer klaut die nicht?
ich hatte acht von zehn punkten. *lächelt stolz*
bereust du?, wurde ich gefragt. ich habe natürlich „nein“ geklickt, weil es eh niemandem etwas nützt, wenn ich bereue. tschack, flog ich aus der kirche, direkt auf den scheiterhaufen.
puh, da wurde mir ganz schön heiß. aber ich hatte noch eine chance.
widerrufst du?, tönte eine stimme aus dem off.
ich wusste nicht, was ich schon wieder rufen sollte und hab auf „delete“ gedrückt. und siehe da. sie waren alle weg, meine sünden. meine schwarze seele war weiß gewaschen.
(galileo galilei wäre begeistert gewesen, hätte das mit der erde damals auch so einfach funktioniert. klick – und schon bewegt sie sich nicht mehr.)
vielleicht lag das ja aber auch an den ablassscheinen, die man jetzt bei ebay ersteigern kann. die sind schon ziemlich verblasst, weil es sich um original ablassscheine aus dem mittelalter handelt. dort steckt die kirche nämlich immer noch fest. trotz computerrosenkränzen und handy-segen.

ach ja. eine schöne heimreise wünsch ich dir noch. und ein bissl sonne, denn das hast du ja nicht wirklich hingekriegt mit dem wetter, nicht mal mit seiner hilfe. geh zurück auf deinen heiligen stuhl. * und tschüs.

die barbara

* ich hab mich nicht getraut „geh ein bissl scheißen“ zu schreiben. so redet man schließlich nicht mit dem holy paps.
nömix - 8. Sep, 16:55

Dafür wirst du in der Hölle schmoren, wirst schon sehen.
(ist wahrscheinlich eh lustiger dort unten, im Himmel trifft
unsereins vermutlich eh niemand den man kennt.)

testsiegerin - 9. Sep, 12:31

oh fein.
see you in hell.
lovehunter - 10. Sep, 23:27

Außerdem gibt es eh einen Highway to hell ;-)
Die Anreise dürfte bequem sein.
rosmarin - 8. Sep, 21:21

:-))))) herr-lich.
ne echt.
nur die sache mit dem ablaßhandel die finde ich wirklich genial. ein genialeres produkt hat nie wieder eine firma erfunden.

testsiegerin - 9. Sep, 12:31

merci.
heute schon widerrufen?
hobo - 8. Sep, 21:58

genial. bravo!
habe selbstca 20mal meine mail an bennipapa geschrieben und dann wieder gelöscht.
1. kann ich mit worten nicht so umghen.
2. kam ich drauf, dass er/sie mir sowieso egal ist/sind.
danke für diesen beitrag!

testsiegerin - 9. Sep, 12:33

bitte gern. es war mir ein bedürfnis.
Köppnick - 9. Sep, 17:22

Ist schon lustig,

dass man der Kirche immer noch die Sache mit Galilei vorwirft, dabei hatte sie in der Sache damals sogar Recht. Sie haben ja nicht verlangt, er sollte behaupten, seine Theorie (die Erde dreht sich um die Sonne) sei falsch und die andere (die Sonne dreht sich um die Erde) sei richtig. Er sollte nur sagen, dass seine Theorie eine von zwei möglichen sei. Wir wissen, dass beide falsch sind. Inzwischen gibt es noch eine falsche, nämlich dass sich Sonne und Erde um ein gemeinsames Massezentrum bewegen. Aber diese ist auch falsch (oder genauer gesagt ungenauer als die beste derzeitige). Die heute beste Theorie besagt, dass sich beide Planeten geradlinig auf Trajektorien in der durch beider Massen gekrümmten Raumzeit bewegen. Aber auch das ist wiederum nur eine Theorie und nicht die Wahrheit.

Die Sache mit der Abtreibung kann man der Kirche auch nicht vorwerfen, das ist normale Lobbyistenarbeit. Jeder versucht halt anderen seine Überzeugungen aufzudrängen, so gut er vermag. Auch den "Männerverein" kann man von außen schlecht kritisieren - das ist eine innere Angelegenheit der katholischen Kirche, wenn die Katholikinnen da mitspielen!?

Die einzige wirklich berechtigte Kritik an ihr sind die an ihrem Unfehlbarkeits- und am Alleinvertretungsanspruch in Glaubensdingen, da hört die Gemütlichkeit auf. Ich will nämlich auch rein ins Paradies, wenn ich nach meinem Tode feststelle, Gott existiert und es geht weiter!

testsiegerin - 9. Sep, 22:21

danke

für deine ausführungen
Truckle - 9. Sep, 22:43

Na klar, die Kirche hatte völlig recht damit, daß sie Galilei aufgrund seiner wissenschaftlichen Theorien zu lebenslanger Kerkerhaft verurteilte, schließlich wurde dieselbe dann ja gnädigerweise in Hausarrest auf Lebenszeit uminterpretiert bzw. umgesetzt (selbst nachdem er erblindet war).

Schade nur, daß man diese Art von völlig normalem "Überzeugung aufdrängen" heute nicht mehr mit so höllisch guten, praktischen Argumenten wie früher untermauern kann, ansonsten hätte man dem Schwund an Gläubigen sicherlich schon längst "Herr werden" können.

Und nein, natürlich kann man der katholischen Kirche auch ihre Rolle bei "Hexen"verbrennungen, bei (Kinder)kreuzzügen, in der NS-Zeit usw. nicht vorwerfen, schließlich gibt es ja per Definition nur eine "einzige wirklich berechtigte Kritik", so daß alles andere ja völlig OK gewesen sein muß.

Ist schon wirklich lustig, wie schwierig es sich manche Menschen mit Glaubensdingen machen, wenn man doch auch alles so verdammt einfach und ökonomisch wie Herr Dr. P. sehen könnte!
Truckle - 9. Sep, 22:52

Ups, sorry, erst jetzt sehe ich daß der Kommentar schon mit "danke" abgehandelt wurde. Hmm... ja... stimmt! Ich habe mich schließlich auch immer für Weihnachtsgeschenke bedankt, die ich eigentlich gar nicht haben wollte!
testsiegerin - 9. Sep, 22:59

@ cold tRuckle

ich glaub, meine haltung zur katholischen kirche und ihren repräsentanten mache ich ohnehin mit meinem text deutlich, oder?


zitat: Schade nur, daß man diese Art von völlig normalem "Überzeugung aufdrängen" heute nicht mehr mit so höllisch guten, praktischen Argumenten wie früher untermauern kann, ansonsten hätte man dem Schwund an Gläubigen sicherlich schon längst "Herr werden" können.

*applaus*
Truckle - 9. Sep, 23:05

Hehe... ;-)

... natürlich machst Du Deine Haltung zur katholischen Kirche sehr deutlich durch den Text (gleichfalls: *applaus*), was ich ja auch nie bestritten habe, oder? Wollte nur (weil ich beim Lesen mancher Kommentare hier den Eindruck gewonnen habe, daß dies vielleicht für einige Leser hilfreich sein könnte) Deine Intention hinter dem "danke" noch mal ein klein wenig deutlicher herausarbeiten bzw. veranschaulichen... ;-)

Liebe Grüße,
Cold

P. S.: Wenn das "Tuckle" noch zum "Truckle" wird oder noch besser zum "Cold" ist alles perfekt! ;-)
Truckle - 9. Sep, 23:50

@Testsiegerin

Hach, wie schön: bei soviel gutem Willen und Folgsamkeit, würden selbst die Herren von der heiligen Inquisition ins Grübeln kommen, ob sie Dich, statt Dich zu verbrennen, nicht lieber zu lebenslanger Kerkerhaft begnadigen sollten (unter der Voraussetzung natürlich, daß Du Deine Schriften vorher hättest schnell genug beseitigen können! *g*)... ;-)
Köppnick - 10. Sep, 08:17

@Testsiegerin

Meiner Meinung nach muss man alle "Taten" der Katholischen Kirche in ihren historischen Kontext stellen. Galilei hat insgesamt riesengroßes Glück gehabt, weil er ein persönlicher Freund des Papstes war (quasi der Hofastrologe) und dann nur in einer Palastintrige zwischen die Fronten geraten ist und aus persönlichem Starrsinn nicht nachgeben wollte - weil er wusste, dass sein Leben nicht in Gefahr ist. Giordano Bruno hatte ein paar Jahre zuvor dieses Glück nicht.

Wenn ich mich richtig erinnere, sind der Inquisition etwa 12.000 Menschen zum Opfer gefallen. In derselben Zeit haben weltliche Herrscher etwa 30 Millionen Menschen getötet. Man kann also mit Fug und Recht sagen, dass die KK im historischen Kontext eine sehr humane Organisation war.

@Steppenhund
Ich bin konfessionslos und betrachte die verschiedenen Glaubensrichtungen mehr von außen. Für mich ist es unlogisch, warum es einen personalisierten Gott geben sollte, der ein besonderes Interesse ausgerechnet an den Menschen haben sollte. Mir liegen die Tiplerschen Ideen viel näher.

Aber offenbar gibt es evolutionäre Vorteile, Glaubensvorstellungen zu entwickeln, daraus, damit und deswegen ethische und moralische Grundsätze zu entwickeln. Die Enttäuschungen, die sich daraus entwickeln, dass in den sich bildenden Organisationen auch nur Menschen arbeiten, die teilweise ganz andere als religiöse Intentionen verfolgen, und sich zwangsläufig Widersprüche entwickeln zwischen den abstrakten Prinzipien und der Realität, sind dann umso größer.

@Testsiegerin
Noch zwei Ergänzungen, die mir wichtig sind:
1. Galilei wurde nicht wegen seiner wissenschaftlichen Theorie angeklagt und verurteilt, sondern weil er behauptet hat, seine Theorie wäre wahr und die der Kirche falsch.

2. Statt immer noch auf Galilei herumzureiten, halte ich die Untersuchung des Verhaltens der Katholischen Kirche im WkII für weitaus wichtiger. Aber auch hier ist es meiner Meinung nach sehr wichtig, sich an den Grundsatz zu halten, dass jeder Mensch nur für seine eigenen Taten die Verantwortung trägt und nicht für seine organisation in Sippenhaft genommen werden darf. Es gab innerhalb der KK sehr viele Gläubige, die zum Beispiel Juden geholfen haben, während der Papst eine eher negative Rolle gespielt hat. Obwohl sich Historiker auch da nicht sicher sind, welche anderen Möglichkeiten tatsächlich bestanden haben. Die Welt ist nicht schwarz-weiß, kein Mensch nur gut oder nur böse.
Niwi - 12. Sep, 13:36

Hallo Köppnik,
soweit ich mich erinnern kann, waren es weit, weit mehr verurteilte Menschen als nur 12.000.
Leider gibt es für ganz genaue Opferzahlen keine sichere Quelle.

30 Millionen haben die Herrscher im gleichen Zeitraum getötet? Welchen Zeitraum meinst Du?
Gabs damals überhaupt so viele Menschen in Europa?
Köppnick - 12. Sep, 19:17

@Niwi

Ich habe diese Zahlen irgendwann und irgendwo gelesen, kann also dazu keine Quelle mehr nennen. Wahrscheinlich hast du recht, es ist besser, nicht mit Zahlen zu operieren. Ich habe mir jetzt nochmals in der Wikipedia die Artikel über die Inquisition und die Hexenverfolgung durchgelesen. Ein wichtiger Aspekt ist, dass die Hexenverfolgung häufig nicht von der Kirche selbst, sondern von weltlichen Institutionen durchgeführt wurde. Natürlich kann man sich da auf den Standpunkt stellen, dass das durch die Kirche erzeugte geistige Klima schuld ist, aber in meinen Augen wäre das eine Projektion: Weil man heute mit der Kirche nicht einverstanden ist, versucht man, sie für alle möglichen Verbrechen in der Vergangenheit verantwortlich zu machen. Ein psychologischer Mechanismus, der auch beim Ende einer Liebesbeziehung häufig zu beobachten ist.

Schlüsselstellen, die im Inquisitionsartikel in der Wikipedia für meine „10.000“ sprechen:
Die spanische Inquisition
... Der Däne Gustav Henningsen hat als erster aufgrund der Daten regionaler Geschichtsforschung eine Datenbank aller Fälle der Spanischen Inquisition zwischen 1540 und 1700 vorgelegt. Danach wurden insgesamt von der spanischen Inquisition 44.647 Prozesse durchgeführt. Davon führten 1,8 Prozent zu Todesurteilen (826 Personen) und weitere 1,7 Prozent (778) Personen zur „Verbrennung in effigie“ (Verbrennung einer Strohpuppe), da der Angeklagte unbekannten Aufenthalts war.
1609 ließ König Philipp III. alle Moriscos aus Spanien vertreiben. Zwischen 1721 und 1725 wurden noch 160 Juden hingerichtet. ...
Die römische Inquisition
... ist von den drei Varianten als mildeste und vergleichsweise humane anzusehen. ... Das Strafmaß erstreckte sich vom Kirchenbesuch über Pilgerfahrten, Kreuztragen, Gefängnis (üblicherweise "lebenslänglich", was aber schon nach drei Jahren zu einer Entlassung führte, wenn der Gefangene Reue zeigte) und, wenn der Beschuldigte partout nicht abschwören wollte, bis zur Hinrichtung (Verbrennung am Pfahl) durch die weltlichen Behörden.

Es muss da auch einen Film geben, in dem aufgeputschte Dörfler eine Frau als Hexe verbrennen wollen, während Vertreter der Kirche das zu verhindern versuchen, weil von die Kirche die Hexenverfolgung als Aberglaube betrachtet wird, der nichts mit dem wahren Glauben zu tun hat. - Frag mich jetzt aber nicht nach dem Namen des Films.
Niwi - 12. Sep, 20:11

Hallo Köppnik,
das Thema der Hexenverfolgungen ist ziemlich komplex und in fast jedem Landstrich wurde anders vorgegangen.

Ich schau mir die Wikipediaseite gleich nachher an.

Die spanische Inquisition war ja komplett anders als in Deutschland oder in Österreich.
Die meisten "Hexen" wurden in Deutschland verbrannt.
Danach kommen Polen, Litauen, Schweiz, Frankreich.

Es sind ca. zwischen 100.000 und 200.000 Opfer , viele Akten sind nicht mehr auffindbar und die genaue Anzahl der getöteten Menschen kann man nicht mehr rekonstuieren.

Die kirchlichen Gerichte durften meines Wissens keine Todesurteile aussprechen, daher haben sie die Verurteilten den weltlichen Gerichten zum Urteilsspruch und zur Vollstreckung übergeben.
Meist baten sie um ein mildes Urteil, das war aber nur eine Farce, denn die Todesstrafe war den meisten gewiss.

Die Todesurteile waren sehr praktisch, denn so konnte man sich das Vermögen und den Grundbesitz der hingerichteten Personen aneignen.

Natürlich gab es überall so wie immer solche und solche.
Es gab Pfarrer, denen die Hexenjagten ein Greul waren und es gab auch welche, die anscheinend ihre sexuelle Perversionen währed der Hexenjagten auslebten.

Zu dem Schlusssatz von Dir:
Anfangs war es ja so, daß man nicht an Hexen glauben durfte, das war verboten!
Später dann war es verboten zu glauben, daß es keine Hexen gäbe.
Also total verdreht.

Ich hab mal einen langen Aufsatz über die Inquisiton geschrieben, wenn Du magst, such ich ihn heraus.
Köppnick - 12. Sep, 20:36

@Niwi

Ja, ich würde das gern lesen. Ich hatte vorhin mal kurz in deinen Blog geschaut und mir schon gedacht, dass du dich mit ähnlichen Themen beschäftigst. Was Gesellschaft, Kirche, Inquisition und Mittelalter betrifft und auch mein oben genanntes Zahlenverhältnis begründet, ist folgende These, von der ich gern wüsste, was du davon hältst:

Die weltlichen Herrscher im Mittelalter waren meist ungebildete Analphabeten, im Zweifelsfall wurden Untertanen schon mal ohne jede Gerichtsbarkeit umgebracht. Im Gegensatz dazu hat die Kirche feste Regeln eingehalten und die meisten ihrer Taten schriftlich dokumentiert. Deshalb erscheinen uns Heutigen die Grausamkeiten des Mittelalters überwiegend kirchlich geprägt - aber nur weil darüber die meisten schriftlichen Belege existieren.
Niwi - 13. Sep, 12:21

Hi Köppnick,

gerne sag ich Dir, was ich davon halte.
Der obige Absatz ist eine Pauschalierung.

Man kann nicht alle Herrscher in einen Topf werfen.
Ausserdem glaube ich, daß es auch für die weltliche Gerichtbarkeit Regeln gab, die eingehalten werden mussten.

Erstens:
Das erschreckende bei der Inquisition war ja, daß es gerade die Vertrauenspersonen (Seelsorger) waren, die einem schlimmstenfalls auf den Scheiterhaufen bringen konnten.
Gerade die Kirche, die Leben schützen sollte, hat damals viele Leben vernichten lassen.
Wie gesagt, es gab hingegen auch viele Pfarrer, die sich gegen die Hexenjagden stellten.

Zweitens:
Die Inquisition war länderübergreifend organisiert.
Ein Geheimdienst sozusagen.
Es handelte sich nicht um einen irren Herrscher, der sein Land ausblutete, den man aber stürzen konnte.
Die Kirche war damals unvorstellbar mächtig und damit quasi unantastbar.

Ich weiß schon, worauf Du hinauswillst.
Das es eben im Mittelalter und in der Renaissance überhaupt grausam zuging.
Ja, möglich!
Trotzdem, so finde ich, ist es etwas anderes, wenn eine einzelne Person (Herrscher) grausam ist, als eine ganze Organisation (Kirche) die ja eigentlich das Gegenteil als Totschlag und Mord auf die Welt bringen sollte.

Link zu dem versprochenen Aufsatz kommt gleich
Niwi - 13. Sep, 12:29

Da der Text einfach zu lang ist um ihn hier hereinzukopieren, hab ich den Link zu meiner alten Webseite angegeben.
Hier ist der Direktlink zu der Seite:

http://free.pages.at/niwi/3mial/03_dominikaner.html
(Link öffnet sich in neuem Fenster)

Da ist aber der Hintergrund mit der Schrift etwas verrutscht.
Eine andere Möglichkeit:
www.niwi.at
und dann im Menue "Inquisition" suchen.
Da passt es auch mit dem Hintergrund!

Ich hoffe, daß es auch für die Hausherrin *zwinker* ok ist, daß ich zwei Links eingestellt hab.

Köppnick - 13. Sep, 20:42

@Niwi

Danke für den Link, ich habe ihn aber erst "angelesen", weil zuwenig Zeit.

Zu Beginn hatte ich wirklich etwas Schwierigkeiten mit dem Layout, weil ein Feuerstreifen von oben nach unten mitten durch die Schrift gelaufen ist. Dann habe ich mir den Quelltext angesehen und mir kam die Erleuchtung: Du verwendest eine Hintergrundgrafik mit 996 Pixel Breite. Auf sehr großen Bildschirmen (ich habe 1600 Pixel) wird diese wiederholt, das erklärt den zweiten Feuerstreifen. Keine Ahnung, wie man dieses Problem allgemein löst - ich habe einfach mein Browserfenster verkleinert, dann war der Text gut zu erkennen. - Bei deinem zweiten Link wird der Inhalt in einen Frame eingeblendet, dadurch wird die Breite des eigentlichen Textes etwas kleiner. Wenn du dort keine Probleme mehr mit dem Feuerstreifen gehabt hast, dann hast du vermutlich zu Hause einen Bildschirm mit 1280 Pixel Breite.
Köppnick - 14. Sep, 06:45

@Truckle

Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, auf Ihren Kommentar nicht zu antworten, aber manchmal kann auch ich nicht anders. Ich empfehle Ihnen, dem folgenden Link zu folgen: Fallacy files. Möglicher Einstieg für Ihr Studium ist das Stichwort: Ad hominem.
Niwi - 14. Sep, 13:17

Hi Köppnick,

kann gut nachvollziehen, daß Du den Text nur angelesen hast. Es sind ja sehr viele Seiten und das braucht einige Zeit.
Kürzer hab ich diese Zusammenfassung nicht machen wollen, sonst wären wichtige Inhalte nicht zur Sprache gekommen.

Danke für die Info über die Hintergrundgrafik!
Dies ist meine alte Homepage und sozusagen relativ inaktiv. Werde nichts mehr ändern dort und einfach so lassen.
steppenhund - 9. Sep, 19:37

Fein

Mein Kommentar bei David Ramirer war ja noch ein bisschen härter, dafür habe ich jetzt bei dir mehr schmunzeln müssen.
Ich selbst bin ein bisschen hin- und hergerissen. Ich habe oft die Kirche verteidigt, weil ich einsehe, dass man manchmal übertreiben muss (in Aktionen und Worten), um die Leute wenigstens ein bisschen in die richtige Richtung zu bringen.
Doch Benny erscheint mir als der typische Hardliner, noch dazu mit deutscher Gründlichkeit, von dem ich nur annehmen kann, dass sich in 500 Jahren die katholische Kirche davon distanzieren wird.
"Ja wir Christen sind auch nur Menschen und machen Fehler!"
Benedikt XVI ist die beste Erklärung dafür, warum uns der islamische Fundamentalismus so auf die Nerven geht. Ein absoluter Anspruch, der alles in die Hölle schicken will, was nicht die "katholische Kirche" anbetet. Mit Christentum hat das nichts zu tun.
Mich regt ja wirklich am meisten die Frauenfeindlichkeit auf. Da kann mir niemand vorwerfen, dass ich parteiisch bin. Aber ich vermute, dass auch der heutige Papst in Wirklichkeit den Frauen die Seele absprechen will.
Dabei gibt es kaum etwas seelenloseres als manche Vertreter der Kirche.
Mir tun nur alle die Priester leid, die im Zuge ihres Lebens von ihrer eigenen Gläubigkeit immer mehr in das Korsett eines totalitären Regimes gepresst werden. Denn diesen Anspruch kann die katholische Kirche wohl nie mehr loswerden.
Und wie bezeichnet man den Anführer eines totalitären Regimes? Das darf sich jeder selbst beantworten.

Köppnick - 9. Sep, 20:32

Lies mal:

Joseph Kardinal Ratzinger: "Werte in Zeiten des Umbruchs". Mein Eindruck nach dem Lesen: Die katholischen Positionen sind in sich konsistent, wenn man die Hauptpostulate akzeptiert: Jesus ist Gottes Sohn und die Katholische Kirche ist die Institution, die dessen (oder beider?) Intentionen im Interesse der Menschen auf der Erde vertritt.

Ich glaube, Nichtkatholiken machen unisono denselben Fehler, wenn sie Reformen innerhalb der KK fordern (die aus deren Sicht alle in Richtung Nihilismus weisen). Wenn man sich nämlich die Entwicklung "lockerer" Kirchen ansieht (z.B. der Protestanten) und mit den Katholiken vergleicht, dann laufen den Protestanten in der Summe die Gläubigen weg, während die Katholiken gewinnen. Die KK unterliegt derselben Logik wie ein Unternehmen, es will wachsen. Die dazu notwendige Geschäftspolitik stößt in Europa Menschen ab ("baut Arbeitsplätze ab"), während sie in anderen Gegenden der Welt einen stärkeren Zulauf hat. In dieser Beziehung ist die KK dem Islamismus ähnlich: In unsicheren Zeiten gewinnen diejenigen Organisationen, die klare Regeln von ihren Mitgliedern einfordern.

Das alles hat mit dem zufälligen Aufenthalt dieses Mannes auf dem Stuhl Petri wenig zu tun. Wie heißt es doch so schön: Ein Volk hat die Regierung (oder den Führer), die es verdient.
steppenhund - 9. Sep, 22:13

@Köppnick

Da möchte ich doch recht entschieden widersprechen. (Ich bin übrigens noch Katholik und war in dem Sinn ein Befürworter einer Aufbruchsstimmung gemäß dem Vorgehen von Johannes XXIII.)
Die Hauptpostulate sind klar. Als Postulate werden sie nicht bewiesen sondern angenommen. Während man aber in der Mathematik durchaus auch ein Postulat hinterfragen darf, (sonst gäbe es weder die nicht-euklidische Geometrie noch eine vernünftige Darstellung der Relativitätslehre) stellt sich die katholische Kirche noch das Testat der Richtigkeit der Postulate auf der Basis des Glaubens aus.
Alle abgeleiteten Aktionen des Katholizismus unterscheiden sich dann aber in keiner Weise von der Vorgehensweise eines beispielsweise fundamentalistischen Islams.
Es ist vermutlich der Irrtum von Leuten wie mir, die daran glauben, dass sich die ethischen Anschauunen der Menschen über die Jahrtausende hinaus verbessern könnten. Ich halte die Lehren von Christus für revolutionär, weil er dem rachsüchtigen Gott des Judentums das Prinzip der Nächstenliebe entgegengestellt hat.
Die Christen im alten Rom haben letztlich überleben können, weil sie für den anderen da waren.
In der modernen Forschung hat Nash zB den Vorteil von kooperativem Verhalten nachweisen können. Ich selbst glaube an einen möglichen Zuwachs menschlichen Verständnisses, wenn ich in guter Stimmung bin. Wenn ich angefressen bin, frage ich mich höchstens, warum ich nicht bei einer kriminellen Organisation anheuern sollte. Die hat ebenfalls klare Verhältnisse in ihren Führungsstrukturen. Doch sie verletzt das Kooperationsbedürfnis.
Ein Papst, der sich wieder so aufführt wie die Befürworter der Hexenverbrennung und der Inquisition, ist mir daher unsympathisch.
Wenn die klaren Verhältnisse im übertragenen Sinn zu einem Kreuzzug gegen Andersgläubige aufrufen, so halte ich das für ein Verbrechen, egal wen es betrifft. Und in diesem Sinn halte ich den Papst auch für verdammt als Folge der Sünde wider den Heiligen Geist: ich bin überzeugt, dass er eine bessere Wahrheit kennt, sich aber in den Dienst einer politischen Organisation stellt, welche genau die Werte verrät, welche er predigt.
Köppnick - 10. Sep, 08:31

Noch etwas:

Der Papst ist Wissenschaftler, soweit ich das beurteilen kann, folgen seine Anschauungen stringent und logisch aus seinen Postulaten. Wenn du seine Schlussfolgerungen nicht akzeptierst, darfst du seinen Postulaten nicht zustimmen. Die einzig mögliche Konsequenz daraus ist dein Austritt aus der Katholischen Kirche. Dann musst du wenigstens nicht mehr vorwerfen, dass mit deinen Geldern Positionen vertreten werden, die du nicht billigst. Viel glücklicher wirst du dann aber auch nicht sein, denn deine (unsere) personale Identität hängt in unserem Kulturkreis viel zu stark am Christentum.
steppenhund - 10. Sep, 13:14

Da muss ich dir leider in beiden Punkten vollkommen recht geben. Wegen Punkt 2 bin ich bisher nicht ausgetreten, wegen Punkt 1 werde ich es vermutlich jetzt doch schaffen.
Denn ich behaupte ja nicht, dass der Papst dumm ist, ganz im Gegenteil. Was mir zu schaffen macht, ist seine demagogische Art ganz im Sinne der Vorgabe erzkonservativer Richtlinien.
Niwi - 13. Sep, 12:39

Hi Steppenhund,
und wie wärs mit Altkatholisch?
datja (Gast) - 9. Sep, 21:47

danke,
barbara.

schmelzpunkt - 10. Sep, 00:03

Für eine Opportunistin recht gut, Barbara. Aber für ein opportinistisches Denken zu BILDhaft.
testsiegerin - 10. Sep, 08:00

@ schmelzpunkt

wieso nennst du mich eine opportunistin?
hast du hier in meinem blog irgendwann mal einen artikel darüber gefunden, wie sehr ich die katholische kirche als emanzipatorische kraft schätze?

glossen sind nun mal bildhaft und keine wissenschaftliche auseinandersetzung mit einem thema. aber dafür haben wir ja köppnick und steppenhund ;-)
flashlink - 10. Sep, 00:03

Gehts dem Papst um Zahlen? Um Massen? Was würde der Papst tun und sagen, wenn nur 1000 oder 500 Leute gekommen wären?

testsiegerin - 10. Sep, 08:01

das müssen sie den papst fragen.
ginge es der katholischen kirche nicht AUCH um zahlen, würden sie nicht so ein bramburium veranstalten.
saoirse - 10. Sep, 01:15

dass ein zölibatärer bayer frauen zu gebärmaschinen degradiert, gehört zu seinem job. was ich viel skandalöser und gemeingefährlicher finde, ist das, was eva herman gerade fabriziert. leider mache ich gerade etwas wirklich wichtiges (tennis schauen), sonst würde ich richtig abkotzen über diese schande für das weibliche geschlecht.

testsiegerin - 10. Sep, 07:59

keine sorge, ich kotz schon noch darüber ab. ich kann ja schließlich nicht über alles gleichzeitig kotzen.
saoirse - 10. Sep, 12:37

stimmt. so viel verdorbenes essen gibt es in ganz österreich-ungarn nicht (ihr habt schließlich einfach die bessere küche!) wieviel man kotzen müsste heutzutage.
steppenhund - 10. Sep, 13:15

Ach so, jetzt habe ich die Erklärung. Liege heute mit einem Brechdurchfall zu Hause, den ich mir absolut nicht erklären konnte.
Dabei liegt die Begründung auf der Hand.
Jack1fS - 10. Sep, 08:19

Das schlimmste...

ist eigentlich, daß die Kirchen voll sind mit älteren Damen und diese sich ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit offenbar bis zur "Kiste" nicht mehr bewusst werden.
Noch schlimmer finde ich eigentlich, nein - es macht mir fast Angst - dass ich Jugendliche, Männlein und Weiblein, bei diesen Veranstaltungen sehe die absolut euphorisiert sind.
Meine Hoffnung: sie nehmen es nur als Event?

Allerdings kann ich Deine Hardcore-Kritik an Benny nicht so ganz teilen. Wie einer meiner Vor"redner" bereits verkündete: er ist Lobbyist, Feudalherrscher und aufgrund seines - angenommenen - Auftrags alleinvertretungsberechtigt auf Erden.

sokrates2005 - 10. Sep, 11:17

Hier wäre dann ...

seine emailaddy:
benedictxvi@vatican.va

testsiegerin - 11. Sep, 11:30

danke.

Weise Worte, wahr

"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Selbstgeschrieben


Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
Jakob und der gewisse Herr Stinki


Barbara A. Lehner (Text) Eleonore Petzel (Musik)
Von Herzen und Seelen - CD

Neu

Wie geht es unserer Testsiegerin?
Wie geht es unserer Testsiegerin?
Lo - 5. Feb, 17:25
Vielen Dank! Du findest...
Vielen Dank! Du findest mehr von mir auf facebook ;-)
testsiegerin - 30. Jan, 10:40
Kurschatten ' echt keinen...
auch wenn diese deine Kur schon im Juni...xx? war,...
kontor111 - 29. Jan, 09:13
zum entspannen...Angel...meint
wenn ich das nächste Mal im Bett liege, mich verzweifelt...
kontor111 - 29. Jan, 08:44
"Pinguin"
"Pinguin"
bonanzaMARGOT - 11. Mär, 11:11
Sleepless im Weinviertel
Ich liege im Bett. Ich bin müde. Ich lese. Eine Romanbiografie...
testsiegerin - 13. Jan, 11:30
... ich könnte mal wieder...
... ich könnte mal wieder eine brasko-geschichte schreiben.
bonanzaMARGOT - 8. Jan, 07:05
OHHH!
OHHH! Hier scheint bei Twoday etwas nicht zu stimmen. Hoffentlich...
Lo - 7. Jan, 13:36

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