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Montag, 14. Juli 2014

Lu4Tz33.2 - Die Mission (2/2)

„Was ist eigentlich Ziel dieses Spiels?“, fragte Xana, nachdem sie schon ein paar Wochen gespielt und Level 3 erreicht hatten.
„Du stellst Fragen!“, stellte Kenzen fest. „Ganz einfach: Das Ziel ist es, stärker und mächtiger zu werden, Rohstoffe zu gewinnen, Burgen zu bauen, Handelsflotten zu gründen und Allianzen zu bilden. Zunächst braucht unser Lu4Tz33.2 aber Kampfpunkte.“ Er deutete auf einen kurzen, rot blinkenden Balken. „Mit seiner derzeitigen Kampfkraft erschlägt er nicht einmal ein lächerliches Bärtierchen.“
„Sind da so viele Bärtierchen auf der Erde? Wozu braucht er denn die ganze Kampfkraft?“
„Um noch stärker und noch mächtiger zu werden.“
„Aha.“ Xana verstand nicht. „Und warum? Was ist der Sinn von noch mehr Kraft?“
„42“, sagte Kenzen und Xana verstand. Wenn Kenzen etwas nicht wusste, lautete seine Antwort 42. Wenn Kenzen „42“ sagte, war die Diskussion beendet, auch wenn sie noch lange nicht aus war.

*

Seinen freien Tag verbrachte Lutz zuerst mit Olaf in der Allianz-Arena und dann bei seiner Schwester und seinen Nichten.
„Um Himmels Willen, was ist dir denn passiert“, fragte seine Schwester erschrocken, als sie Lutz’ blaues Auge sah.
„Ach nichts“, winkte er ab, „nur eine kleine Schlägerei im Stadion. Was ist, Mädels“, wandte er sich an seine Nichten, „Ritterburg?“
Er konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal mit Playmobil Burgen gebaut und Raubritter gespielt und so viel Vergnügen dabei gehabt hatte, die Zugbrücke herunterzulassen, verfeindete Ritter hinterhältig zur Falltüre zu locken und sich in einem der zahlreichen Wehrgänge zu verstecken.
Seine Nichten quietschten vor Vergnügen, denn sonst trank Lutz mit ihrer Mutter einen Kaffee oder blätterte in der Zeitung. Heute aber tollte er mit ihnen auf dem Teppich herum und spielte mit ihnen, und zwar richtig, nicht so, wie Erwachsene mit Kindern meistens spielten.

Lutz krempelte die Ärmel hoch, ballte die Fäuste und tänzelte wie ein Profiboxer von einem Bein aufs andere: „Los, wer traut sich gegen mich anzutreten?“
Die Mädels kreischten, zerrten an ihm herum, boxten mit ihm und genossen es, sich mit ihrem Onkel zu balgen.
„Was ist denn mit dir los?“, fragte seine Schwester, als sie ihm im Badezimmer das Cut auf der Wange mit einem Pflaster zuklebte. Eines der Mädchen hatte ihn im Eifer des Gefechts im Gesicht gekratzt.

„Was ist denn mit dir los?“ Diese Frage wurde ihm in den letzten Wochen immer wieder gestellt. Sein Chef hatte ihn das erst gestern gefragt, weil jeden Tag ein Sack Zitronen geliefert wurde und Lutz am liebsten Zitronenschaumsüppchen, Zitronentarte, Zitronen-Rosmarin-Sorbet, Lemoncurd und Zitronenrisotto zubereitete und sogar ein „Lemon-Menue“ auf die Speisekarte gesetzt hatte.
Olaf stellte die Was-ist-denn-mit-dir-los-Frage beinahe jeden Tag, weil Lutz ihm in einer Tour etwas verkaufen oder mit ihm tauschen wollte. Sogar in der Kneipe fing Lutz mit dem Wirten zu handeln an, fischte ein paar Steine aus der Hosentasche und bot 3 Erz für ein Bier.

„Hallo? Was ist denn mit dir los, Lutz“, fragte seine Schwester noch einmal, weil er auf ihre Frage nicht reagiert hatte. „Seit wann macht dir Raufen Spaß? Du bist doch schon als Bub jeder Rangelei aus dem Weg gegangen und ich musste für dich in die Bresche springen und die Jungs versohlen.“
„Ich brauche Kampfpunkte.“ Hatte er das eben gedacht? Oder gar laut gesagt. Er lachte er ein künstliches, verlegenes Lachen.
„So, so“, sagte seine Schwester, „Kampfpunkte. Na ja, wer braucht die nicht?“

*


MeetAWoman“ tippte Xana heimlich, während Kenzen in der Arbeit war, denn das ständige Bohren, Handeln und Kämpfen wurde ihr langweilig. Sie wollte, dass Lu4Tz33.2 endlich etwas wirklich Abenteuerliches erlebte. Also steckte sie ihn per Mausklick in enge Jeans, ein weißes Hemd und Chucks und klickte auf die „Hubble-Lounge“, einen Club in Form eines Raumschiffs. Sie lächelte versonnen und fügte ein „FallInLove“ hinzu.

*

„Du willst ins Hubble? In diesen Schickimicki-Club, wo du doch nichts so sehr verachtest wie Schickimickies? Was ist denn mit dir los, Lutz?“, fragte Olaf ein paar Stunden später.
Das fragte Lutz sich selbst seit geraumer Zeit. Er hatte das Gefühl, dass sein Leben nicht mehr seins war, sondern fühlte sich wie eine Marionette, deren unsichtbare Fäden von jemand anderem gezogen wurde. Es fühlte sich nicht direkt schlecht an. Nur anders. Ach was, vielleicht war er nur überarbeitet und brauchte dringend Urlaub.


Sie hatte dunkles, halblanges Haar, trug Jeans und ein rotes, weites Shirt unter einer Jeansweste und lehnte allein an der Bar. Sie passt nicht hierher, dachte er, wie ich. Er beobachtete sie, wie sie mit ihren Fingern in ihrem Cocktailglas rührte, eine Zitronenscheibe herausfischte und daran lutschte. Lutz wurde bei ihrem Anblick warm. Sehr warm. Er wollte stehen bleiben, ihr zuschauen, mit welcher Hingabe sie an der Zitrone leckte, denn der Anblick erregte ihn. Eine Stimme in ihm sagte: „Geh zu ihr.“ Lutz glaubte nicht an Liebe auf den ersten Blick, um ehrlich zu sein, glaubte er überhaupt nicht an die Liebe. Trotzdem gehorchte er seiner Stimme und ging so lässig wie möglich zur Bar.
Lutz hatte keine Ahnung mehr, wie man auf souveräne Art Frauen anbaggerte, das alles war schon so lange her. Und nicht einmal früher war er in dieser Disziplin besonders effizient gewesen.
Linkisch zog er einen Stapel aus der hinteren Hosentasche, schob das Gummiband, das ihn zusammenhielt, herunter und fragte: „Magst du tauschen? Ich brauche 278 und 129. Du kannst dir dafür zehn von meinen aussuchen.“
Sie funkelte ihn mit olivfarbenen Augen an und stellte ihr Glas ab. Dann griff sie in die Tasche ihrer Jeansweste und fächerte ihren Stapel auf. „Da! Suarez kannst du gern haben, den hab ich drei Mal, Jasper Cillesen brauch ich selber.“ Sie lächelte und biss in die Zitrone. „Das griechische Team, 204, das fehlt mir auch noch.“
Sein Mund blieb offen stehen.


Als sie später am Fluss entlangspazierten, fragte er: „Bist du öfter im Hubble?“
„Ich war da noch nie“, Sophie kickte mit ihrem Fuß eine leere Bierdose zur Seite. „Du musst wissen, ich hasse solche Schickimickiclubs. Keine Ahnung, was mich heute Abend geritten hat. Was ich jetzt sage, klingt wahrscheinlich total bescheuert für dich, aber es hat mich heute dahin gezogen. Ich konnte nicht anders. Es war irgendwie nicht meine Entscheidung, verstehst du?“
Das klang keineswegs bescheuert. Das klang sehr vertraut. Und Sophie fühlte sich sehr vertraut an, als er einfach ihre Hand in die seine nahm. Sie redeten über Fußball (sie war 1860-Fan, wie er) und exotische Zitronensorten und tauschten nicht nur Panini-Sticker, sondern auch Zitronenrezepte aus.
„Lebst du allein, Lutz?“, wollte sie wissen.
„Ja“, sagte er. „Nein“, korrigierte er. „Nun ja, fast allein. Ich habe eine Miss Jon.“ Blöder konnte man sich vermutlich nicht anstellen.
„Was für eine Mission denn?“
„Eine weiche, warme, schnurrende Mission.“ Er nahm ihr Gesicht in beide Hände und küsste sie. „Komm mit, dann stell ich sie dir vor. Außerdem hab ich noch französische Zitronentarte.“


„Glaubst du an Gott?“, fragte Sophie nach dem Sex, der berauschend gewesen war. Miss Jon hatte es sich zu ihren Füßen bequem gemacht und Lutz nieste.
„Warum fragst du?“
„Das kann doch kein Zufall sein, dass wir uns heute in einer Bar, die wir beide noch nie zuvor betreten haben, getroffen haben. Und dass du auf Frauen stehst, die nach Zitronen duften und ich auf Männer mit großen Füßen. Und wir beide auf Fußball.“
„Hm...“, er dachte nach, „nein, an Gott glaube ich nicht. Aber ich glaube, dass da irgendetwas im Universum existiert, das größer ist als wir und unser Schicksal bestimmt. Etwas, das uns mit unsichtbaren Fäden lenkt.“ Waren das wirklich seine Worte? Verließ so ein Esoterikgeschwurbel tatsächlich seine Lippen? Vielleicht hatte Olaf Recht und er war tatsächlich übergeschnappt.
„Seh ich genauso“, sagte Sophie nur und kuschelte sich an ihn. „Kann ich bei dir schlafen?“

*

„Ich muss mit dir reden“, sagte Xana viele Lichtjahre von Lutz und Sophie entfernt.
Kenzen rieb sich sein Höhrrohr. Oh je. Wenn Frauen – egal auf welchem Planeten - diese Worte sagten, noch dazu in dem Tonfall, in dem seine Frau sie gerade ausgesprochen hatte, bedeutete das nichts Gutes. Er ließ sich auf seinen Pytagoniumessel fallen.
„Also“, begann Xana, „seit Monaten sitzen wir in unserer Freizeit nur noch am Computer und spielen. Lu4Tz33.2 Hauptquartier ist verschönert, er hat reichlich Rohstoffe und Allianzen und bewegt sich mittlerweile in Level 7+. Unser Raumschiff dagegen ist immer noch nicht repariert und die heißen Quellen sprudeln in dieser Episode nicht mehr. Merkst du das denn gar nicht? Wir machen uns mehr Gedanken um Lu4Tz33.2 Leben als um einander. So kann das nicht weitergehen, Kenzen. Du musst dich entscheiden, was dir wichtiger ist. Das Spiel oder ich.“
„Aber...“
„Kein Aber. Entweder oder.“ Xanas Stimme schnitt mitten in Kenzens blaues Herz.
„Nagut“, sagte er kleinlaut, „dann eben entweder." Er schluckte, und Xana spürte, wie schwer ihm diese Entscheidung fiel. "Mach’s gut, Lu4Tz33.2", sagte er. "Hoffentlich bist du jetzt alleine lebensfähig.“
Gemeinsam zogen sie den Stecker. Ein heller Blitz erschien am Firmament.

*

„Neiiiiiiin!!!!“, schreit Lutz markerschütternd, als er fühlt, wie ein elektrischer Schlag durch seinen Körper jagt.
Sophie legt ihm die Hand auf die Stirn. „Hast du Fieber?“
„Ich lebe doch noch, oder?“ stammelt Lutz. „Sag mir bitte, dass ich nicht tot bin. Ich will nicht sterben. Nicht jetzt!“
„Sicher lebst du. Miss Jon hat nur ins Computerkabel gebissen und es gab einen Kurzschluss. Der Fehlerstromschutzschalter ist gefallen.“ Sophie massiert zärtlich seine großen Füße und ihre Hände wanderten nach oben. „Soll ich dir beweisen, wie lebendig du dich gleich wieder fühlen wirst?“


Ende

Sonntag, 13. Juli 2014

Lu4Tz33.2 - Die Mission (1/2)

„Spielst du schon wieder?“ Xana zog die grünen Mundwinkel nach unten.
„Stör bitte nicht!“, antwortete Kemzen patzig und starrte gebannt auf das Funkeln auf den Bildschirmen, „ich hab Großes vor.“
„Du könntest mal das Raumschiff reparieren, das wäre was Großes. Wir haben schon ewig keinen Ausflug auf den Nachbarplaneten gemacht. Oder zu den heißen Quellen. Immer sitzt du am Computer und spielst!“
„Ach komm“, sein Tonfall wurde versöhnlicher, „so gönn mir doch meinen Spaß. Ganzen Tag bau ich Pytagonium und Aspirium ab, um uns zu ernähren. Schau, ich bin auf einem blauen Planeten gelandet. Erde heißt er.“
„Erde? Komischer Name für einen Planeten. Der schaut aber mickrig aus. Glaubst du, es gibt dort intelligentes Leben?“ Xana setzte sich zu ihrem Mann und starrte auf den Bildschirm.
„Leben angeblich schon, aber es gibt Zweifel, ob es intelligent ist“, Kenzen drückte ein paar Knöpfe. „Wir suchen uns jetzt einen Avatar aus, so nennt man das.“
„Wir machen uns ein Baby?“ Xana strahlte ihn an.
„Wenn man sich für ein Baby entscheidet, muss man es alle zwei Stunden füttern und streicheln. Babys schreien. Nehmen wir uns doch lieber eines Erwachsenen an, die sind pflegeleichter, ja?“
Da Xana gerne schlief und nicht durch Babygeschrei geweckt werden wollte, stimmte sie zu.
„Hier...“ Kenzen klickte auf eine blinkende Figur und es erschienen Avatare, die frei waren, also solche, die gerade keinen Gamemaster hatten. „Such dir einen aus.“
„Den hier“, sagte Xana wie aus der Laserpistole geschossen und deutete auf einen schlanken, blonden Mann mit einem riesigen Knochenhöcker mitten im Gesicht und großen Füßen. „Große Füße sind extrem sexy.“
Kenzen bewegte den Cursor auf die Figur und las vor:

Name: Lu4Tz33.2
Alter: 38
Lebensform: Single
Beruf: Meister der Kochkunst
Aufgabe: Zubereitung von charakterstärkender Nahrung
Fähigkeiten: Tretball
Level: 1


„Wir können ihm noch einen Nebenberuf geben“, schlug Kenzen vor, „was hältst du von Pytagonist?“ Kenzen war nicht sehr fantasievoll, denn Pytagonist war er selbst auch. Xana, die klügere der beiden, fragte: „Und wenn es auf der Erde kein Pytagonium- und Aspiriumvorkommen gibt?“
„Ach so... dann eben kein Nebenberuf. Wir können seinen Charakter um zwei Chips erweitern und uns selbst etwas einfallen lassen. Eine Mission.“ Da ihm selbst nichts einfiel, überließ er diesen Part seiner Frau.
„Er hat einen Mitbewohner von der Rasse der Feliden“, sagte Xana, die als Kind wahnsinnig gern ein Haustier gehabt hätte, „und er hat eine Vorliebe für... wie nennt man die sauren Gelbfrüchte, die auf den südlichen Planeten wachsen?“
„Zitronen.“
„Genau, er liebt Zitronen. Und Frauen, die nach Zitronen riechen.“
Kenzen schüttelte seinen kantigen Kopf, tippte aber brav ein, was seine Frau ihm diktierte.
Xana knabberte dafür zärtlich an seinem Höhrrohr. „Groß und hübsch ist er, unser Lu4Tz33.2. Und morgen reparierst du unser Raumschiff, ja?“

*

Lutz schlüpfte aus seinen Schuhen, Größe 48, und ließ sich aufs Bett fallen. Sein Kopf dröhnte. Also stand er wieder auf, holte sich ein Bier aus dem Kühl- und ein Aspirin aus dem Küchenschrank. Was für ein Scheißtag das gewesen war! Am Morgen war statt der bestellten Goldbrasse Bachsaibling geliefert worden und er musste sich mit dem Lieferanten herumstreiten.
Am Vormittag schnitt sich der Lehrling zum dritten Mal in diesem Monat in den Finger und er musste ihn ins Krankenhaus bringen, wo der Finger genäht und der Lehrling in den Krankenstand geschickt wurde. Der Gardemanger - also der Mitarbeiter für die kalten Speisen – sonnte sich auf einer griechischen Insel, was Lutz an und für sich nicht störte, denn der war ein affektierter Schnösel und konnte nicht kochen, sondern nur Lebensmittel hübsch drapieren. Ein paar Stunden später störte ihn das allerdings sehr, denn um eins fielen 53 rüstige Rentner-Radfahrer ein und verlangten nach kalten Speisen und Salat, wegen der Hitze und wegen der Fitness. Als ob Mayonnaisesalat einen jünger und schlanker machen würde!
Am Abend dann diese elende, steife Schickimickihochzeit. Lutz war seit acht Jahren Single. Sein Beruf war mit einer Beziehung nicht kompatibel, redete er sich ein, er musste an den Wochenende arbeiten und oft bis spät in die Nacht. Vielleicht war aber er einfach nicht beziehungskompatibel. Just als bei der Schickimicki-Hochzeit die Hauptspeise – gedämpfte Fischroulade (von der Goldbrasse, die in Wahrheit ein Bachsaibling war) mit Bärlauchfülle und Rote Rüben-Pürree – servierfertig war, rückte der Schickimickifotograf an, der sich um eine Stunde verspätet hatte und machte Schickimickifotos von den Schickimickigästen. Lutz und sein Team mussten die Speisen dann aufwärmen und neu anrichten. Mit mir kann man das ja machen, hatte er gedacht.

Lutz glitt gerade in die Dämmerung zwischen Wachheit und Schlaf, in der Gedanken und Eindrücke sich nicht entscheiden konnten, ob sie zu einem Traum oder zur Wirklichkeit gehörten.
Er nahm ein Miauen wahr. Es kam aus dem Flur. Ich muss mich verhört haben, dachte Lutz, denn er lebte im zweiten Stock und sowohl Fenster als auch die Eingangstüre waren geschlossen. Das Miauen wurde lauter. Lutz setzte sich im Bett auf und war plötzlich hellwach. Er schlich auf Zehenspitzen in den Flur und schaute nach. Nichts. „Miau!“ Es kam aus seiner Jackentasche. Er griff hinein und zuckte zunächst wieder zurück, als der Tascheninhalt seine Krallen ausfuhr. Sekunden später hielt er ein kleines, flauschiges Fellbündel in der Hand.

Ein dreifärbiges Glückskätzchen schaute ihn mit großen Augen an. Irgendjemand musste ihm dieses Vieh in die Jackentasche geschmuggelt haben, vielleicht in der Bahn. Er würde es morgen zur Polizei bringen. Oder ins Tierheim. Lutz hatte keine Ahnung, wohin und mit welcher Erklärung man ein Tier brachte, das man in seiner Jackentasche gefunden hatte. Er ging mit dem Fellbündel in die Küche und schnitt sein Abendessen, ein argentinischen Steak vom Angus-Rind in kleine Stücke. Das Kätzchen fiel gierig darüber her. In Lutz’ Augenwinkel schlichen sich Tränen.

Mit mir kann man das ja machen, dachte Lutz wieder und versank in Matratze und Selbstmitleid. Mit mir kann man ja alles machen. Wie so oft verdammte er sein Leben und wünschte sich ein anderes, oder gar keins. Als ihm das Comicheft aus der Hand und die Augen zufielen, ahnte er nicht, wie sehr sich sein Leben schon bald verändern würde. In seiner Halsbeuge fühlt er etwas Weiches, Warmes.

*

„Das hier ist seine Siedlung!“ Kenzen zeigte auf einen kleinen, grauen Quader, direkt an der Straße. „Von hier aus startet Lu4Tz33.2 seine Mission.“
„Das ist aber unscheinbar und langweilig“, fand Xana, die ihre Wohnkugel mit ein paar Metallrohren, verknoteten Pflanzenfasern und seltenen Gesteinsformationen, vor allem aber mit viel Liebe und Geschick in ein behagliches Heim verwandelt hatte. „Kannst du ihm nicht ein schöneres Zuhause machen?“
„So hab doch Geduld. Das ist ein Bunker, und den müssen wir zu einem Hauptquartier upgraden, aber dazu brauchen wir Rohstoffe. Rohstoffe besitzen wir allerdings in Level 1 noch nicht. Noch ist Lu4Tz33.2 ein simpler Siedler ohne Aktions- und Kampfpunkte. Um Rohstoffe zu gewinnen, braucht er zunächst einen Bohrturm.“ Kemzen gefiel sich in der Rolle des Lehrers und fühlte sich geschmeichelt, weil seine Frau sich nach 13 Jahren Beziehung plötzlich dafür interessierte, womit er seine Freizeit verbrachte.
„Wozu braucht er einen Bohrturm, wenn er doch Meister der Kochkunst ist? Soll er nach Sonnenblumenöl bohren?“ Sie kicherte.
„Jedes Lebewesen, egal mit welchem Beruf, muss nach Wasser bohren, dem wichtigsten aller Rohstoffe. Ein Bohrturm produziert 100 Wasser pro Sekunde. Ich weiß nicht, ob es auf der Erde überirdische Wasserreservoirs gibt. Ohne Wasser kein Leben, das ist auf allen Planeten gleich.“

*

„Scheiße, scheiße, scheiße“, fluchte Lutz, die schwere Bohrmaschine in der rechten Hand, als eine dunkelbraune Brühe aus der Wand schoss. Mit der linken Hand versuchte er, die stinkende Flüssigkeit daran zu hindern, sich ihren Weg in den Flur zu bahnen, scheiterte aber kläglich, der Schlamm quoll zwischen seinen Fingern durch und spritzte ihm ins Gesicht.
„Bohrst du neuerdings nach Öl?“, fragte Olaf, sein bester, weil einziger Freund, der gerade bei der Tür hereingekommen war.
„Red keinen Scheiß, sondern hol mir Lappen und Kübel!“. Olaf war zwar gekommen, um sich ein Bier aus dem Kühlschrank zu nehmen und mit Lutz abzuhängen, leistete aber den Anordnungen seines Freundes Folge.
„Ich wollte nur ein Bild aufhängen“, erklärte Lutz, während der letzte Reste der schmierigen Brühe in den Kübel tröpfelte und die beiden Männer die Aufreibfetzen auswanden und die Fliesen schrubbten. „Verfluchte Scheiße, ich hab irrtümlich das Heizungsrohr angebohrt!“
„Willst du damit sagen, du hast gar nicht nach Öl, sondern nach Wasser gebohrt“, grinste Olaf. „Welches Bild überhaupt? Seit wann hast du ein Faible für die schönen Künste?“
„1860 hat gegen die Fortuna gewonnen, schon gehört?“, startete Lutz ein Ablenkmanöver, aber Olaf hatte das Bild, das an der gegenüberliegenden Wand lehnte, bereits entdeckt. „Du hängst dir Zitronenbäumchen an die Wand?“ Er knuffte seinen Freund in den Oberarm. „Seit wann stehst du auf Zitronenbäumchen, Alter?“, prustete er.
Lutz riss ihm das Bild aus der Hand. „Das geht dich einen Dreck an! Zitronenbäumchen sind besser als nackte Weiber auf glänzenden Maschinen.“
„Ich denke, ich bin nicht der Einzige, der das anders sieht als du. Sicher, dass es dir gut geht?“
„Ach lass mich, ich hatte einfach einen Scheißtag.“
„Du hast jeden Tag einen Scheißtag, Alter. Hast du wenigstens Bier im Haus oder müssen wir danach auch bohren?“ Als Olaf sich auf den weichen Sessel fallen ließ, quietschte das Kätzchen auf, auf dessen Schwanz er sich gesetzt hatte. „Was zum Teufel ist das?“
„Hat vier Beine, ein Fell, einen Schwanz und Schnurrhaare. Ich nehme also einmal an, eine Katze?“
„Seit wann hast du eine Katze, Alter? Ich dachte, du hast eine Katzenallergie und hasst diese Viecher?“ Er kraulte versöhnlich den Kopf des Kätzchens: „Wie heißt sie?“
Darüber hatte Lutz sich noch keine Gedanken gemacht. „Miss Jon“, sagte er und nieste.

Fortsetzung folgt...

Donnerstag, 12. Juni 2014

Die Türen sind das Wichtigste

Die Testsiegerin in der Qualitätszeitung!

http://derstandard.at/2000001379103/Die-Tueren-sind-das-Wichtigste

Der Pokal geht an...

freitagstexter1

rechtzeitig, bevor es um einen anderen wichtigen Pokal geht, der meine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen wird, verleihe ich den Pokal für den originellsten, besten, witzigsten Freitagstextertext.

Danke für eure Liedtexte, Reime und pointierte Pointen. Marie (die Dame auf dem Bild) und ich waren eine gestrenge und vielleicht ungerechte Jury, aber was im Leben ist schon gerecht?


Hier die ersten drei:

3. Platz and Winner of the Bronze Medal:
Olaf , weil er gelernt hat, dass man - wenn man den Schlüssel zum Glück nicht findet, einfach den Schlüsseldienst rufen kann

2. Platz and Winner of the Silver Medal:
David Ramirer für die absolut gelungene und eigenwillige und kunstsinnige Interpretation, die mich auch dazu inspiriert hat, die dame auf dem bild eventuell als cover für einen band mit kurzgeschichten zu verwenden.

Knapp geschlagen von Kulturflaneur für den märchenhaften Grafen mit Sonnenallergie, der hiermit den Championstitel geholt hat und den nächsten Freitagstexter ausrichten darf.

Applaus!

Freitag, 6. Juni 2014

FreitagstexterInnen

Ich bin ja mehr so der Siegerinnentyp, müsst ihr wissen. Manchmal verlier ich aber. Wurscht. Endlich hab ich wieder einmal gewonnen.
Deshalb darf ich den aktuellen Freitagstexter ausrichten:

freitagstexter2

Ich geh davon aus, dass ihr die Regeln kennt. Dichtet, textet, reimt, konfabuliert... zu dem Bild hier. Ich hab das extra für euch hier in Freiburg gemacht. Bis Dienstag um Mitternacht habt ihr Zeit.

mariebearbeitet

Der Sieger/die Siegerin gewinnt das schönste, das es zu gewinnen (und manchmal zu verlieren) gibt. Die Ehre. Die Ehre, den nächsten Freitagstexter ausrichten zu dürfen.

Samstag, 31. Mai 2014

Freitag am Finanzamt

„Ja?“, fragte die rothaarige Schalterbeamtin.
„Ja“, sagte der Mann, der keine Haare hatte, obwohl er noch keine vierzig war. „Ja, also, ich habe eine Beschwerde.“
„Sie sind hier nicht am Salzamt.“
„Sehr witzig. Schauen Sie sich das mal an.“ Er hielt der Rothaarigen eine aschgraue Pappendeckelschachtel vor die Nase.
„Herzlich gern. Am Montag. Wir sperren in zwei Minuten zu.“
„Zwei Minuten reichen. Bitte.“ Er wedelte mit einem Zwanzig-Euro-Schein vor ihrem Gesicht.
„Ich bin Beamtin, nicht Nutte.“
„Ich verstehe.“ Er steckte den blauen Schein ein und tauschte ihn durch einen grünen aus. „Ich hab’s geahnt“, murmelte er.
„Na ja. Ein Unmensch bin ich nun auch nicht.“ Sie schaute sich um, stellte fest, dass sie die Letzte im Amt war und schnappte sich den Hunderter.
Der Haarlose grinste und verkniff sich die Bemerkung, dass sie wohl doch eine Nutte war. „Nun machen Sie schon auf. Zwei Minuten sind kurz.“
Sie stand auf, öffnete die Glastür und ließ ihn herein. „Nur blasen und nur mit Gummi. Ohne kostet extra. Nur dass das klar ist.“
„Aber ich wollte doch nur...“ Seine Hände umklammerten die Schachtel ein wenig fester.
„War nur Spaß. Setzen Sie sich.“

Er ließ sich in einen billigen 80er-Jahre-Stuhl mit Aluminiumgestell und grüner Plastiksitzschale fallen. „Da bin ich aber froh. Blasen mit Gummi stelle ich mir auch für Sie nicht so schön vor. Außerdem meinte ich nur, dass Sie die Schachtel aufmachen sollen.“
Die Rothaarige zögerte. „Wer sagt mir, dass da keine Bombe drin ist. Es gibt so viele Terroristen und Perverse auf der Welt.“
„Ich sage das. Sie haben übrigens schönes Haar.“
„Sie nicht.“ Vorsichtig löste sie den Spagat von der Schachtel und hob den Deckel hoch. „Woooow!“, entfuhr es ihr. „Der ist wunderschön!“
„Sie auch“, hätte er jetzt sagen können, aber er begnügte sich damit sie zu beobachten. Und er sah, wie ihre Wangen leicht erröteten. Er sah, wie sie lächelte und tiefer und schneller atmete. Er sah, wie ihre Nippel sich unter ihrem Shirt abzeichneten. Er sah, wie ihre Hand in die Schachtel fasste und den purpurroten Stoff herausholte.
„Soll ich den für Sie probieren?“, lächelte sie und ließ den Slip durch ihre Finger gleiten. „Ist es das, was Sie möchten?“ Sie leckte ihre Lippen, deren Farbe genau zum Slip passte. „Sie sind mir ja einer!“
„Nein... schon..., also... er war in der Schachtel.“
„Das sehe ich. Ich hab ihn ja soeben herausgenommen.“
„Aber in der Schachtel sollten meine Belege sein, die das Finanzamt mir hätte zurückschicken müssen.“
„Oh. So was darf natürlich nicht passieren. Sonst denken die Bürger noch, dass hier nur Schlampen arbeiten.“ Sie bewegte sich langsam auf ihn zu und blieb breitbeinig vor ihm stehen. „Sie haben natürlich Anspruch auf Wiedergutmachung.“ Dann fasste sie seine Hand und führte sie zwischen ihre Schenkel. „Darf ich den Slip behalten? Ich hab heute früh vergessen einen anzuziehen.“

Seine Finger wurden feucht. „Natürlich dürfen Sie den behalten“, sagte er zu seiner Frau und fügte sicherheitshalber hinzu „aber die hundert Euro gibst du mir zurück, ja? Die hab ich mir bei unseren Kindern geborgt.“

Donnerstag, 29. Mai 2014

Gertrude

„Gestern hatte die Pflegerin einen Praktikanten mit. Ich hab nichts gegen Praktikanten, natürlich müssen die das auch lernen, aber warum ausgerechnet beim Hugo?“
Ich höre der alten, wohlhabenden Frau mir gegenüber zu, versuche zu verstehen, was sie zu der gemacht hat, die sie ist. Kalt. Ablehnend. Kontrollierend. Da ist viel Angst, denke ich und versuche ihr die Angst zu nehmen, indem ich sie bestätige, ihr zuhöre, mir Zeit nehme. Aber immer wieder watscht sie mich verbal ab. „Sie haben Glück, dass ich Sie hereingelassen habe“, sagt sie, „ich umgebe mich normalerweise mit gebildeten und distinguierten Menschen“, sagt sie. Ich wandere durch mein Lavendelfeld und spüre die Wärme, sage ich mir. Das mache ich immer, wenn ich davor bin, meine Gelassenheit zu verlieren. Schließlich bin ich nicht ihretwegen hier, sondern wegen ihres Mannes.

„Der Praktikant saß hier und hat mich die ganze Zeit angestarrt“, fährt Gertrude fort, „und alles an ihm war Sex. Einen Bart von hier bis hier.“ Sie deutet mit der Hand von einem Ohr zum anderen. „Die Beine hatte er von sich gestreckt. Das ist doch ein unmögliches Benehmen, finden Sie nicht?“
„Ach, ein junger Mann halt“, beruhige ich, „die sitzen heutzutage eben so“. Gertrude sitzt im Damensitz auf dem antiken Sofa, die Knie eng aneinander, die Beine schräg abgewinkelt. „Sie haben ja keine Ahnung“, sagt sie, „es bleibt Ihnen natürlich unvoreingenommen, das so zu sehen, aber wissen Sie, mein Empfinden ist noch normal.“ Ich nicke. Selbstverständlich. „Ich bin es ja gewöhnt, dass die Männer aufdringlich sind“, erklärt sie mir, „aber dieser Praktikant - das war zu viel des Guten. Aus jeder Pore strahlte er Sex aus, absichtlich. Ein Bart ist ein Signal von Sex und Männlichkeit, durch und durch. Letztens sah ich auf der Straße einen Türken – ich hab nichts gegen Türken – aber überall Haare auf den Armen und an der Brust. Unglaublich, denen geht es nur um Sex.“
Ich verdränge den undistinguierten Gedanken, dass Gertrude vermutlich nie richtig gut durchgefickt wurde und jetzt im Alter ihre ein Leben lang unterdrückte Sexualität an die Oberfläche kommt. Ich denke an mein Lavendelfeld.
Gertrude ist beunruhigt. Nicht nur wegen des jungen Mannes. Auch wegen der gar nicht mehr so jungen Damen des ambulanten Dienstes. „Stellen Sie sich vor“, erzählt sie mir, aber ich stelle mir das lieber nicht vor, sondern gehe in Gedanken durch mein Lavendelfeld und spüre die Wärme „die waschen ihn auch da untenrum, in seinem Intimbereich. Eine hat letztens seine Vorhaut zurückgeschoben. Das ist würdelos. Das ist doch die empfindlichste Stelle des Mannes. Was das bei ihm auslösen kann! Kein Wunder, dass die so gern Pflegerinnen sind, wenn sie den Männern dahin fassen.“
Ein ganzes Leben lang habe sie gekämpft, erzählt Gertrude, und sie wird erst aufhören zu kämpfen, wenn sie die Augen für immer zumacht. „Die eine Pflegerin ist ja ganz nett, die Erika“, sagt sie, „aber was soll ich sagen? Ein Nilpferd kann man nicht dazu bringen, wie eine Gazelle zu tanzen.“
Ich unterdrücke mein Lachen, das sich mit Ärger mischt und wage mich aufs Glatteis. Ob sie schon mal an eine 24-Stunden-Betreuung für den Hugo gedacht habe, frage ich, das würde ihr das Leben vielleicht auch ein bisschen leichter machen. Dabei kenne ich die Antwort ohnehin. „Also das darf jetzt nicht wahr sein!“, stößt sie empört hervor, „das sind ja alles Slowakinnen, ich mein, ich hab nichts gegen Slowakinnen, aber oben in dem Zimmer sind wertvolle Bücher und Gegenstände, die würde uns ja alles klauen. Ich könnte die ja nicht mit Hugo allein lassen. Möchten Sie das, dass ja ständig jemand Fremder in ihrem Haus ist und sie vielleicht beklaut?“

Die Betreuerinnen von der ambulanten Pflege lässt sie auch nicht mit ihrem Gatten allein. Sie zwängt sich sogar in das winzige Badezimmer, wenn die Pflegerinnen ihn duschen. „Aber ich hab die jetzt sowieso abbestellt, was das kostet!“
Es schleicht sich so etwas wie Mitleid mit der Frau, die immer kämpfen muss, in mein Herz, aber noch mehr Mitleid habe ich mit Hugo, ihrem 94-jährigen Mann, der nebenan im verdunkelten Zimmer sitzt und nicht ausreichend ernährt und gepflegt wird.
Was denn die Hausärztin zu der Situation sage, frage ich. Die wurde gewechselt, die Ärztin. Weil sie dem Hugo eine Infusion angehängt habe. „Hier an der Wandleuchte hat sie die angehängt. Was sagen Sie dazu? Man kann doch an diese wertvolle Wandleuchte nicht einfach eine Infusion anhängen. Und dann wollte sie den Hugo ins Heim stecken. Der hat doch alles bei mir!“

Ich glaube, es ist ohnehin sinnlos, mit ihr zu diskutieren. Ich wandere durch mein Lavendelfeld und spüre die Wärme.
„Mein Leben lang habe ich gekämpft“, sagt Gertrude, „und jetzt scheren Sie sich zum Teufel!“

Freitag, 16. Mai 2014

Nachts im Spiegel

Nachts im Traum im Spiegel war ich wunderschön. Der Spiegel war auf einem Auge blind. Nachts sind alle Spiegel blind.
Am Morgen vor dem Spiegel bin ich blind. Mein Blick in den Spiegel ist ein liebender, annehmender, einer, der Makel verschluckt und nicht die Oberfläche spiegelt, sondern in die Tiefe geht. Der Blick ist einer, der die Erfahrung und Schönheit hinter der älterwerdenden Fassade sieht. Wenn der gleiche Blick aber Fotografien von mir sieht, oder Videos, wird er kritisch und grantig; hat an allem etwas auszusetzen und motzt blöd herum.

Wer hat Recht? Der Blick in den Spiegel, der verklärt und liebt oder der Blick auf das Foto, das für die Dauer eines Wimpernschlags das abgebildet hat, was die Kamera für Realität hält. Oder der Fotograf, der seinen Finger auf den Abzug legt. Die Kamera als Waffe. „Hände hoch, oder ich schieße ein Bild.“ Der Schuss trifft mitten ins Herz und tut weh. Weil das Selbst- und das Fremdbild immer weiter auseinanderdriften.

Gott ist es wie mir gegangen.
Vor langer Zeit musste man von ihm auch 1000 Fotos schießen, bis er sich auf einem halbwegs attraktiv fühlte, bis der Bart richtig fiel, die Schultern nicht hochgezogen waren, der Blick in die Kamera gelassen und gütig wirkte; sinnbildlich natürlich nur. Damals, als es noch Götter gab, waren weder Kameras noch Photoshop erfunden, weshalb Gott - ein Narziss vor dem Herrn– sich malen ließ. „Auf dem hier hab ich die Augen zu“, beklagte er sich, als der Maler ihm das fertige Bild zeigte, „und hier sieht man das Muttermal am Ohrläppchen, du Stümper!“ Gott wütete, zerfetzte das Bild und schickte dem Maler eine Heuschreckenplage. Er ließ einen neuen, noch besseren Maler kommen und malen. Aber auch mit dessen Bildern war er nicht zufrieden. Die Augenbrauen waren zu dicht, das Lächeln zu gewollt. Er bestrafte den Schöpfer der Bilder mit dreitägiger Finsternis. So gingen die Maler bei ihm ein und aus. So lange, bis alle biblischen Plagen erschöpft waren – und Er auch.
Er hatte es nämlich satt, Stunden, Tage und Monate lang Modell zu sitzen, liegen oder zu hängen, wenn von tausend Bildern dann doch nur eines dabei war, auf dem er sich gefiel.

Gott hat im Gegensatz zu mir aber die Konsequenzen gezogen und einfach ein Gebot in Stein gemeißelt, das den Menschen verbat, ihn zu zeichnen, fotografieren oder zu filmen. „Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.“

Nachts im Traum im Spiegel war ich wunderschön.

Sonntag, 27. April 2014

5 Minuten Ruhm

(... oder 5 Minuten Schande und danach viel Rum statt viel Ruhm?)

Das wird sich erst vor Ort herausstellen. Gehen wir vom besten Fall aus, hoffen wir, dass ich nicht falle.

http://derstandard.at/1363706840966/Ueber-uns

Solltet ihr am Mittwochabend noch nichts vorhaben, seht und hört ihr mich im Odeon Theater in Wien. Ohne Text, an dem ich mich festhalten kann.

Weise Worte, wahr

"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Selbstgeschrieben


Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
Jakob und der gewisse Herr Stinki


Barbara A. Lehner (Text) Eleonore Petzel (Musik)
Von Herzen und Seelen - CD

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wolfman (Gast) - 29. Jun, 19:37
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Lutz (Gast) - 25. Jun, 17:45

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