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Samstag, 4. Juli 2009

Ha!

Im Weinviertel wächst ja nicht nur Wein.

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Hab ich schon erwähnt, dass ich das Leben liebe?
Manchmal glaub ich sogar, dass das Leben meine Liebe erwidert.

Donnerstag, 2. Juli 2009

Nie mehr Schule und allerhand

Marilies stopfte die Hefte in die Tasche. „Schule ist scheiße. Ich geh da nicht mehr hin.“
„Ich auch nicht“, schloss Paul sich ihrer Meinung an, knüllte die Einladung fürs Schulabschlussfest zusammen und warf es Roland an den Kopf.
Der blickte erstaunt auf, fuhr sich durchs Haar und rückte seine Brille zurecht. „So ein Quatsch. Was wollt ihr denn stattdessen tun?“
„Weiß nicht“. Marilies ignorierte das Rauchverbot, das im gesamten Schulgebäude galt und zündete sich eine Gauloise an.
„Ich auch nicht.“ Paul trank Dosenbier. Hoffentlich erwischte der Direktor ihn nicht wieder dabei. Der verstand irgendwie überhaupt keinen Spaß.
Marilies waren in der Zwischenzeit ein paar Alternativen eingefallen: „Fernsehen, Chillen, Shoppen, Chatten. So Sachen halt.“
Das klang gut, fand Paul. Gut und stressfrei. „Genau. Ich auch.“
Roland zögerte etwas, doch dann fand er Gefallen an Marilies Ideen. „Wenn ich es so recht überlege, ich auch. Das klingt geil.“
„Nie mehr Schuuule“, grölten die drei in der Aula, „keine Schu-u-le-ee meeeehr“.

Der Direktor stürmte erschrocken auf sie zu. „Aber meine Herren und Dame Kollegen“, mahnte er, „ich kann Sie ja verstehen. Auch ich habe die Schule satt. Aber muss das sein, so kurz vor Ihrer Pensionierung? Denken Sie doch bitte an die Vorbildwirkung Ihren Schülern gegenüber.“


-*-


Das Leben fühlt sich irgendwie so lebendig an. Dank meiner durchgeknallten Familie. Dank M, mit der ich mehr Zeit als mit meiner Familie verbringe und die längst mehr Freundin als Kollegin ist. Dank der Katzenbabys, die die Katzenmama gestern nacht in die Schublade mit meinen Badeanzügen umgesiedelt hat. Die allerliebst und blauäugig sind. Dank C, zu der ich bald auf Urlaub fahre und mit der ich Wodka trinke, weil sie keinen Alkohol verträgt. Dank Elfriede, die mir heute ein langes Mail geschickt hat, das mich zu Tränen rührt. Dank der Vögel, die draußen zwitschern. Dank D, mit der ich die Sitzung heil überstanden habe und mit der ich ein paar doppelte Tequila gezwitschert habe, die ich nicht bezahlen konnte. Dank dem Wirten, dem ich gesagt habe, das zahlt dir mein Mann dann beim Pokern. Dank der Erdäpfel im Garten, die in den Himmel wachsen und wunderschön blühen. Dank dem Leben, das es mir nie einfach, aber auch selten langweilig macht.

Ich liebe dich, Leben. Meistens. Manchmal. Vielleicht.

Mittwoch, 1. Juli 2009

Literarisches Rätsel

Die Testsiegerin hat wieder mal gewonnen. Nämlich dieses literarische Rätsel hier. http://schmollfisch.twoday.net/stories/5795683/. Und damit das Recht (die Pflicht?), das nächste literarische Rätsel einzustellen.

Geboten wird der Anfang eines Romans. Gefragt sind Titel und Autor dieses Werkes.
Klingt leicht, war es aber nicht. Weil nämlich die ersten 30 Romananfänge, die ich ausgesucht habe, per Google zu finden waren. Dieser hier (hoffentlich) nicht.


"Der Befund ist nicht rosig", hatte Trudes Hausärztin gesagt und die Brille abgenommen, um sie besser zu sehen.
"Rosig, rosig, was ist schon rosig?" Trudes Haut war es nicht mehr und ihre Zukunft auch nicht.



Viel Spaß beim Raten!

Blubb

„Werden wir uns immer so gern haben und umarmen, auch wenn du längst ausgezogen bist?“, frage ich meine Tochter.

„Ich zieh eh nie aus“, droht sie.

„Sicher wirst du das. Aber ich wünsch mir, dass wir einander dann trotzdem noch wichtig sind und einander drücken.“ Ich werde kitschig.

„Und wenn du tot bist?“

Puh. Wer denkt denn so was? „Na dann nicht mehr.“

„Dann umarm ich halt deine Urne.“

Schöne Aussichten.

Montag, 29. Juni 2009

Sex and the Country - Fortfortsetzung

„Du hast vergessen, den Slip anzuziehen“, sagt B. zu Ch., die sich nervös auf ein Date vorbereitet und wie ein Mantra vor sich hersagt: Ich verliebe mich nicht. Ich verliebe mich nicht. Nicht beim Ficken. Auch sonst nicht.
„Und ungeschminkt bist du auch noch.“
„Schminken brauch ich mich heute nicht, der Typ nimmt beim Küssen immer die Brille ab und da sieht er mich ohnehin nur verschwommen und verschmiert mir den billigen Lippenstift“.
„Verstehe“, versteht B. „Außerdem kannst du dann vielleicht mit dem Geld, das du bei der Unterwäsche und beim Make-up sparst, die Telefonrechnung zahlen.“
„Schau ich cool aus?“, will Ch. wissen, „cool und souverän? Wie eine Frau, die sich beim Ficken nicht verliebt?“
„Sicher. In etwa so cool wie ein tropischer Sommerregen.“

Ich empfinde nichts für ihn. Ich verliebe mich nicht. Ich fühle nichts für ihn. Ich verliebe mich nicht ihn, murmelt Ch. auf dem Weg zu seinem Mercedes. Noch weiß sie nicht, in welche Schublade sie ihn stecken soll. Bindungsängste? Eine verflochtene Mutterbeziehung? Hochstapler? Macho?
Mehrfachantworten möglich.

„Vorne oder hinten?“, fragt er vor der Kür, nachdem sie die Pflicht (ein Loblied auf den romantischen Sonnenuntergang, den schönen Ausblick – noch trägt er die Brille - und die fruchtbaren Weinreben) hinter sich gebracht haben.
„Vielleicht erst mal ganz normal von vorne“, grinst sie und klettert nach hinten.

Ich bin nicht verliebt, murmelt sie zwischen den brillenlosen Küssen. Kein bisschen bin ich verliebt. Ich will dich nicht binden.
Wilde Küsse, verschlungene und verdrehte Beine, Anfangsschwierigkeiten. Kichern. Stöhnen.
Und schließlich – weil die Drama Queen das Drama liebt - die Katastrophe.

Socken. Er hat die Socken angelassen. „Ich hasse Männer mit Socken im Bett“, kreischt sie und wird ohnmächtig.
„Das ist ein Mercedes“, korrigiert er und schüttelt den Kopf, „kein Bett.“



*

Viele feine Damen. Viele feine Cocktails. Feine Häppchen. Alles gratis. Mittendrin B., wie ein Kürbis, der sich in einem Erdbeerfeld verirrt hat. Sie stopft sich ein paar Brötchen in die Handtasche, für die Kinder.
„Caipirinha, Tequila Sunrise, Pina Colada?“
B. nimmt dem hübschen Ober das schwere Tablett ab. „Ja. Ich nehm sie alle drei.“

„Kennen wir uns nicht von der Golf-Charity“, beginnt eine der seidenen Damen das schmale Gespräch. Die Damen sind nicht nur fein, sie sind auch gut.
B. sieht zwar den aufgelegten Elfmeter, zielt aber absichtlich und aus Diskretion am Tor vorbei und verkneift sich die Antwort „sicher nicht, ich habe noch Sex“. Stattdessen sagt sie: „Ich fürchte nicht, ich fahre zwar einen VW, aber keinen Golf, sondern einen Lupo.“

B. stellt sich mal an den einen, mal an den anderen Stehtisch und versucht, sich in die Unterhaltungen zu verwickeln. Sie verwickelt sich wie immer nur in Widersprüche.
„Mein Mann und ich haben uns beim Schilaufen in der Schweiz kennengelernt“, erzählt eine feine Dame und auch B. schildert aus ihrem Liebesleben. „Mein Mann und ich haben uns im Gefängnis kennengelernt“, erzählt sie die Wahrheit, die niemand hören will. Leise zählt B. mit. Das war das fünfzehnte Fettnäpfchen. Bei dreiundzwanzig wird sie nach Hause gehen.

„Netzwerken“ nennt man diese inhaltsleeren Gespräche hier, und weil B. gern eine berühmte Schriftstellerin werden möchte, versucht sie anzuknüpfen. Aber ihre zusammengestückelten, verfilzten Fäden passen nicht zu dem feinen Garn der anderen Knüpferinnen. Sie sehnt sich nach C., nach den D’s, nach Ch., nach ihren White-Trash-Freundinnen der Lower Class. Die wissen, wie es sich anfühlt, wenn man Angst haben muss, dass einem der Strom abgedreht wird.

Es ist schwül hier drin, die teuren Parfums der teuren Damen vermischen sich mit dem Duft von Lavendel und Rosen.
B. will ein Papiertaschentuch aus der recycelten Handtasche ziehen, um sich kultiviert die Stirn abzutupfen und erwischt irrtümlich die Serviette mit den Lachs-Ei-Brötchen.
Dreiundzwanzig. Und tschüs.


„Scheiß dich nicht an“, sagt D1 später zu B. „Wenn ich in ein reinliches Haus komm, hab ich auch Angst, ich könnte es allein mit meinem Lachen verschmutzen.“
Dazu lacht sie dreckig, und ein paar Sonnenstrahlen schwindeln sich in B’s Küche.

Donnerstag, 25. Juni 2009

Ohne Worte

aus dem Film "Baraka"

3+4=7

Als ich am Montag abreiste, um TeamleiterInnen zu schulen, hatten wir drei Kätzchen. Als ich gerade nach Hause gekommen bin, waren es sieben.

Für mich ist so etwas jedesmal ein kleines - nein, ein großes - Wunder.

kaetzchen

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Samstag, 20. Juni 2009

Sex and the Country - Fortsetzung

Nach der Nacht in der Bar beschließen B. und C. fortan nicht mehr den Cocktails, sondern der Kultur zu frönen und besuchen das Nitsch-Museum.
"Ich wusste gar nicht, dass Nietzsche malt", murmelt C. und schluckt eine Kopfschmerz-Tablette.
"Nietzsche ist tot", sagen B. und Gott aus einem Mund. B. schluckt eine Tablette gegen Übelkeit. Gott schluckt nichts.

Viel Blut. Gedärme. Taschentücher. Sie stehen für das Reine, sagt die Raumpflegerin des Museums begeistert über die Unwissenheit von B. und C. und putzt weiter. B. starrt auf ein Foto des Orgien-Mysterien-Theaters, auf dem ein männlicher Schwanz abgebildet ist (Anm. d. Red.: Natürlich gibt es keine weiblichen Schwänze, ausgenommen bei Katzen und anderen Echsen). Es ist nicht das Geschlechtsorgan an sich, welches die B. verstört, es ist das Gehirn, das rundherum drapiert ist. "In welchem Zusammenhang stehen Schwanz und Gehirn bitte?", fragt die B. sich.
"Dem ist wahrscheinlich das Hirn in die Hose gerutscht?", kichert C., dabei hat der Schwanz auf dem Bild gar keine Hose an.

Während sich B. und C. bilden, denkt D1 nur an die Karriere und transferiert große Summen Geld von einem Konto auf ein anderes. "Guck doch", murmelt sie, "Mädesüß", oder wahlweise "Schau, schau, Mädesüß." Nun gut, D1 ist nicht mehr die Jüngste und das sind mögliche Zeichen einer beginnenden Demenz.


D2 versöhnt sich derweil mit ihrem Mann und bereitet geistig die nächste Krise vor, weil Versöhnungen so schön sind.

C. fliegt zurück in die Heimat. Im Parkhaus kramt sie nach ihrer Tasche und in der Tasche nach ihrem Handy, um dem Ex zu sagen, dass sie wieder da ist und sie ihn überhaupt nicht vermisst hat.
Während sie kramt, rammt sie ein Auto. In spätestens zehn Minuten sollte sie draußen sein, denn ihr letztes Bares hat sie für Klamotten verjuxt. Sie hat nicht nur kein Bares, sie hat auch keinen Stift. Sie fragt einen Typen im BMW nach einem Kugelschreiber. "Kann ich den behalten?"
Nein. Kann sie nicht. Sein Bic ist ihm heilig.
Nun hat C. zwar einen Stift, aber keinen Zettel. Kurzerhand reißt sie die Seite 13 aus ihrem Buch (Murphy's Law) und kritzelt ihre Nummer drauf.
Raus aus dem Parkhaus. Rein in den Stau. Sicherheitshalber ruft sie die Polizei an und beichtet ihr Missgeschick. "Um welches Auto es sich gehandelt hat?", brüllt sie in den Hörer, "woher soll ich denn das wissen? Es war rot und groß und sah unglaublich scheiße neu aus!"


Ch. trinkt Weißwein mit Eiswürfeln und zählt Rechnungen und Geld. Wieder haben die Rechnungen gewonnen.
"Aber irgendwann werden wir reich", telefoniert sie mit B. und heizt die Rechnungen ein, denn es ist ein kühler Abend. "Und dann kaufen wir der C. ein großes, rotes, scheißneues Auto, der D1 ein gutmütiges Pferd und der D2 bezahlen wir den Killer für ihre Schwiegermutter."

Mittwoch, 17. Juni 2009

Sex and the Country

Die Protagonistinnen sind fünf Frauen (vier davon aus dem Weinviertel, eine Deutsche übernimmt in dieser Folge eine Gastrolle), deren amouröse Erlebnisse und Freundschaft ebenso wie ihre Auseinandersetzungen, Diskussionen und Gedanken zu fast allen Fragen menschlicher Beziehungen dargestellt werden.

Was die Frauen verbindet:

Deichmanns statt Manolo Blahniks
Ein dickes Minus auf dem Kontoauszug
Ihre Affinität zu den Außenseitern der Gesellschaft
Cocktails zum After-Work-Preis
Die Fähigkeit sich nicht allzu ernst zu nehmen
Zehenringe
Ihre unbändige Lust aufs Leben


Die Protagonistinnen:

C
Sie macht grad eine Ausbildung und ist grad übersiedelt. C. macht immer grad eine Ausbildung und ist immer grad übersiedelt.
Von ihrem um 15-Jahren jüngeren Freund ist sie grad verlassen worden. Wegen einer jüngeren, humorlosen Schnepfe. Damit sie den Schmerz noch ein bisschen tiefer fühlt, ruft sie ihn ständig an.
Wenn sie betrunken ist, verliert sie ihre Tasche. Und ihre Tasche ist ihr Leben. Darin ist nämlich unter anderem das Handy, mit dem sie den Verflossenen anruft. C. ist allergisch auf alkoholische Getränke wie Sekt und Rotwein, weswegen sie nur harte Getränke konsumiert, manchmal vermischt mit etwas Cola. „Da ist überhaupt kein Alkohol drin“, raunt sie dem Barkeeper zu und fällt vom Hocker.
Sie steht auf coole Männer mit Bindungsängsten.



Ch
die Drama Queen. Sie kommt nicht, sie erscheint.
Sie ist dem Singleleben keineswegs abgeneigt, doch wenn sie sich verliebt, und sie verliebt sich ständig, wird sie regelrecht besessen davon, über den Mann und die gemeinsamen Probleme zu sprechen, womit sie ihre Freundinnen manchmal in den Wahnsinn treibt. Trotz allem sucht Ch. die große Liebe und wird sich immer wieder schmerzlich bewusst, wie weit sie davon entfernt ist.
Sie hat ein Händchen für Machos, Hochstapler und Männer mit starken Mütterbeziehungen.
Besonders in der Depression ist sie für ihre Freundinnen nur schwer auszuhalten. In der Manie ist es noch ein wenig schlimmer. Trotzdem muss man sie und ihr großes Herz lieben.
Sie sucht einen Mann mit viel Geld und wenig Mama.


D1
Die älteste in der Runde. Sie ist zweimal geschieden. In beiden Ehen musste sie schwere Rückschläge hinnehmen und wäre einmal beinahe durch einen Schuss in die Vagina getötet worden. Ihren jüngeren Freund hat sie nach mehr als zwanzig Jahren Beziehung verlassen und sich mit der übrigen Energie ein Haus gekauft. Sie starrt nicht auf ihr Handy, sondern lieber in ihren Drink.
Sie grenzt sich durch ihren Zynismus deutlich von allen romantischen Vorstellungen ab. D. ist stolz darauf, Männer nicht als Mittelpunkt ihres Universums anzusehen. „Rosen sind um so vieles schöner“, sagt sie. „Und sie riechen auch noch gut.“ Sie lebt laut, lacht schrill und ist allen Menschen peinlich, außer denen, die sie mögen. Ihr selbst ist gar nichts peinlich.


D2
Expertin des Streits, denn sie liebt romantische Versöhnungen. Halbfrisch verheiratet (zum zweiten Mal), schwingt sie sich von Krise zu Krise.
Schuld an der Krise ist meistens die Mama des Mannes, die ihr zum Hochzeitstag Geschenke macht.
Sie hasst „nette“ Männer mit „netten Mamas“, verliebt sich aber immer wieder in sie und wundert sich, wie schnell sie ihr langweilig werden. Damit das nicht geschieht, inszeniert sie Streit und Krisen.


B
(das geht nicht, darüber schreiben später Freundinnen C und D1 was) ;-)



Die Frauen in Sex and the Country wissen, dass Männer ihre Probleme nicht lösen können (beziehungsweise sie erst schaffen).


Das Geheimnis des großen Erfolgs liegt zum einen in der gelungenen Mischung aus Horror und Humor, Spaß und Schrecken, Leid und Leidenschaft. Zum Anderen in der exquisiten Besetzung und Rollenverteilung – mit einer der Frauen will sich jede Zuschauerin identifizieren. (SPIEGEL)

Montag, 15. Juni 2009

Elfriede

„Haben Sie die WM verfolgt? War das geil, nicht wahr?“
Es war der Sommer 2006, es war in Berlin. Und es waren die ersten Worte, die Elfriede an mich gerichtet hat.
Die Worte an und für sich fand ich ja nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich fand ich nur, dass sie aus dem Mund einer damals 84-jährigen kamen.

Am Wochenende hab ich Elfriede wieder gesehen. Sie ist jetzt – bingo! – siebenundachtzig. Ihren Freund von damals hat sie immer noch. Aber vom Zusammenziehen hält sie nichts. „Da geht man sich nur auf die Nerven", sagt sie aus Erfahrung, und: "Ich brauch meine Freiheit, weißt du?" Ich weiß. Mittlerweile sind wir natürlich längst per Du, denn ich hab die Frau – und ich glaub, auch sie ein bisschen mich – ins Herz geschlossen. Sie lacht verschmitzt, sie weint, weil sie so gerührt ist über die Hochzeit ihres Enkelkindes, sie wirkt lebendiger als manch 20-jährige auf dem Fest.

Im Alter von siebzig hat sie den Führerschein gemacht, weil die Freiheit - Elfriede ist aus Thüringen, in der ehemaligen DDR - ihr so wichtig ist.
Nicht nur mit mir ist sie auf Du und Du, sondern auch mit der Technik. Digitalkamera? Aber natürlich. Mit Fotos auf Papier kann ja heutzutage keiner mehr was anfangen. Nur über die winzige Schrift in der Bedienungsanleitung hat sie sich geärgert.
Internet? Selbstverständlich. Dort hat sie ja ihren Freund kennengelernt, im Chat. Elfriede hat ein bisschen geschummelt und sich im Chatraum „70+“ registriert, dabei war sie damals schon über achtzig. Aber auch der „junge Mann“, den sie dort aufgerissen hat, hat geschummelt, er ist zwei Jahre älter als sie.

Für die Hochzeit ihres Enkelkindes, der ihr beinahe wie ein eigenes Kind war und bei ihr aufgewachsen ist, hat sie Fotos aus seiner Kindheit auf eine CD gebrannt und die CD schön bedruckt. „Da hab ich mir extra einen Brenner gekauft, der das kann“, erzählt sie, „weil wenn man die beklebt, das ist ja nicht so gut für die Scheiben. Und die alten Bilder hab ich eingescannt und im Photoshop bearbeitet.“

Es ist schon weit nach Mitternacht, als Elfriede sagt: „Weißt du, es ist ja nicht so, dass mir nix weh tut. Manchmal ist es ganz schön schlimm, wenn der Körper nicht mehr so will wie der Geist. Vor ein paar Wochen war ich in Polen, an der Ostsee, das war ziemlich anstrengend. Es gibt Momente, da wünsche ich mir, ich würde den körperlichen Verfall geistig nicht mehr so mitkriegen.“ Ich möchte Elfriede an mich drücken, und ich tu es auch. Sie hält meine Hand. „Andererseits würde ich auch nicht tauschen wollen. Und das Jammern, das bringt einen sowieso nicht weiter. Das macht alles nur noch schlimmer.“ (Elfriede, könntest du das bitte unserer Sekretärin erzählen?)

„Gibst du mir noch deine E-Mail-Adresse?“, fragt Elfriede zum Abschied und ich drücke sie noch mal an mich. Hoffentlich nicht das letzte Mal.

Weise Worte, wahr

"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Selbstgeschrieben


Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
Jakob und der gewisse Herr Stinki


Barbara A. Lehner (Text) Eleonore Petzel (Musik)
Von Herzen und Seelen - CD

Neu

Schwammerl drüber!
Schwammerl drüber!
Lo - 5. Jul, 14:41
Halluzinogene ... ? ;-) Das...
Halluzinogene ... ? ;-) Das ist der Vorteil bei dem...
walküre - 5. Jul, 13:28
Kein Nagelpilz dabei?
Kein Nagelpilz dabei?
Lo - 5. Jul, 11:57
aber gerne!
aber gerne!
testsiegerin - 5. Jul, 11:49
dann musst du schneller...
dann musst du schneller laufen als sie! bei mir stehen...
testsiegerin - 5. Jul, 11:49
Sieht ganz danach aus!
Sieht ganz danach aus!
katiza - 5. Jul, 09:06
Nimmst mich nächste...
Nimmst mich nächste Woche einmal mit???
M (anonym) - 5. Jul, 09:05
wahnsinn!
vor mir laufen pilze davon. :(
irishwolfhound - 4. Jul, 22:55

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