In seinen Armen
Früher war alles viel früher. Früher hat er sich – sobald ich das Buch aus der Hand gelegt habe – sanft an mich geschmiegt, hat mich in seine Arme genommen und mir schöne Wörter ins Ohr geflüstert. Bis zum Sonnenaufgang hat er mich im Arm gehalten und in Sicherheit gewogen, mich zärtlich auf den Mund geküsst, mir einen wunderbaren Tag gewünscht und ist unter die Dusche gegangen. Jeden Tag hat er das gemacht, nur am Sonntag hat er nicht geduscht, sondern hat noch eine Weile verschwitzt mit mir im Bett gekuschelt und nach Wärme und Lust gerochen. Wenn er aufgestanden ist, bin ich noch ein paar Minuten liegengeblieben, hab über den kommenden Tag nachgedacht, ein bisschen im Forschertagebuch geschrieben und mich gut gefühlt.
Und jetzt? Nach so vielen gemeinsamen Nächten? Wenn ich das Buch weglege, ist er immer noch da und ich strecke meine kalten Füße unter seine warme Decke. Aber immer öfter nervt es ihn, wenn ich noch lese und er sagt: „Hör auf zu lesen. Dreh das Licht ab.“
Er hat sich verändert. Ich habe mich verändert. Unsere Beziehung hat sich verändert. Das Selbstverständliche, die Leichtigkeit, die unsere Beziehung früher ausgemacht hat, die ist verflogen. Wir führen eine Vernunftehe. „Das ist ganz normal“, sagen meine Freundinnen, „das sind die Hormone“. Es ist mir scheißegal, was es ist, ich will, dass es wieder so ist wie früher.
Ja, ich sollte zufrieden sein, andere haben nicht einmal das. Er presst sich wenigstens immer noch an mich, wenn ich das Licht ausmache. (Früher haben wir uns oft auch bei Licht geliebt, oder während der Fernseher gelaufen ist, das war uns völlig egal, wir sind hemmungslos übereinander hergefallen.) Nein, alles war nicht besser früher. Nur früher halt. Und manches war ein bisschen leichter.
Ich bin ein bisschen beunruhigt, wenn er sich beinahe jede Nacht aus dem Schlafzimmer schleicht. Meistens nur kurz, wahrscheinlich glaubt er, ich merke es gar nicht. Natürlich merke ich das. Ob er eine Geliebte hat, die er Nacht für Nacht anruft? Wahrscheinlich eine jüngere. Ich weiß es nicht. Ich will es auch nicht wissen. Ich liebe ihn nämlich immer noch.
Morgens, wenn das Cello aus dem Wecker tönt und ich aufstehen sollte, legt er sich einfach auf mich und drückt mich mit aller Kraft in die Matratze, vor allem jetzt im Winter. „Ich könnte schon wieder“, stöhnt er. Ich will nicht wirklich, ich will aufstehen, arbeiten, frühstücken, Forschertagebuch schreiben, meinen Alltag leben. Aber ich kann mich nicht zur Wehr setzen, er nimmt mir einfach den Kugelschreiber aus der Hand und presst sich fester an mich.
„Na gut, von mir aus.“ Wir einigen uns auf einen Quickie. Er dringt tief in mich ein und fickt mich.
Manchmal schaffe ich es, ihn abzuschütteln. „Geh duschen“, sage ich dann, „du stinkst.“
Wie gesagt, ich liebe ihn immer noch, und wir leben immer noch ganz gut miteinander. Wahrscheinlich ist unsere Beziehung besser als die der meisten, und trotzdem sehne ich mich nach unserer gemeinsamen Vergangenheit. Und ich muss zugeben, er ist nie eine ganze Nacht weggeblieben. Er weiß anscheinend auch, dass wir zusammengehören und ich bedeute ihm immer noch viel. Aber er ist unverlässlicher geworden, egoistischer. Er kommt und geht, wann er will.
Wenn es einmal länger dauert, lese ich ein bisschen, trinke heiße Milch mit Honig und warte, bis er wieder kommt und sich trunken an mich schmiegt. Kein Wunder, dass ich ihn in der Früh oft gewaltsam aus dem Bett werfen muss.
Da schaut er mich beleidigt und vorwurfsvoll an, während ich ins Kleid und die Strumpfhose schlüpfe.
„Geh noch nicht“, sagt er dann kleinlaut, „ich bin noch nicht fertig mit dir.“
Er ist ein Arsch. Aber ich liebe ihn. Und ich hätte so gern, dass er wieder ganz zu mir zurückkommt. Mein Mann, der Schlaf.
Und jetzt? Nach so vielen gemeinsamen Nächten? Wenn ich das Buch weglege, ist er immer noch da und ich strecke meine kalten Füße unter seine warme Decke. Aber immer öfter nervt es ihn, wenn ich noch lese und er sagt: „Hör auf zu lesen. Dreh das Licht ab.“
Er hat sich verändert. Ich habe mich verändert. Unsere Beziehung hat sich verändert. Das Selbstverständliche, die Leichtigkeit, die unsere Beziehung früher ausgemacht hat, die ist verflogen. Wir führen eine Vernunftehe. „Das ist ganz normal“, sagen meine Freundinnen, „das sind die Hormone“. Es ist mir scheißegal, was es ist, ich will, dass es wieder so ist wie früher.
Ja, ich sollte zufrieden sein, andere haben nicht einmal das. Er presst sich wenigstens immer noch an mich, wenn ich das Licht ausmache. (Früher haben wir uns oft auch bei Licht geliebt, oder während der Fernseher gelaufen ist, das war uns völlig egal, wir sind hemmungslos übereinander hergefallen.) Nein, alles war nicht besser früher. Nur früher halt. Und manches war ein bisschen leichter.
Ich bin ein bisschen beunruhigt, wenn er sich beinahe jede Nacht aus dem Schlafzimmer schleicht. Meistens nur kurz, wahrscheinlich glaubt er, ich merke es gar nicht. Natürlich merke ich das. Ob er eine Geliebte hat, die er Nacht für Nacht anruft? Wahrscheinlich eine jüngere. Ich weiß es nicht. Ich will es auch nicht wissen. Ich liebe ihn nämlich immer noch.
Morgens, wenn das Cello aus dem Wecker tönt und ich aufstehen sollte, legt er sich einfach auf mich und drückt mich mit aller Kraft in die Matratze, vor allem jetzt im Winter. „Ich könnte schon wieder“, stöhnt er. Ich will nicht wirklich, ich will aufstehen, arbeiten, frühstücken, Forschertagebuch schreiben, meinen Alltag leben. Aber ich kann mich nicht zur Wehr setzen, er nimmt mir einfach den Kugelschreiber aus der Hand und presst sich fester an mich.
„Na gut, von mir aus.“ Wir einigen uns auf einen Quickie. Er dringt tief in mich ein und fickt mich.
Manchmal schaffe ich es, ihn abzuschütteln. „Geh duschen“, sage ich dann, „du stinkst.“
Wie gesagt, ich liebe ihn immer noch, und wir leben immer noch ganz gut miteinander. Wahrscheinlich ist unsere Beziehung besser als die der meisten, und trotzdem sehne ich mich nach unserer gemeinsamen Vergangenheit. Und ich muss zugeben, er ist nie eine ganze Nacht weggeblieben. Er weiß anscheinend auch, dass wir zusammengehören und ich bedeute ihm immer noch viel. Aber er ist unverlässlicher geworden, egoistischer. Er kommt und geht, wann er will.
Wenn es einmal länger dauert, lese ich ein bisschen, trinke heiße Milch mit Honig und warte, bis er wieder kommt und sich trunken an mich schmiegt. Kein Wunder, dass ich ihn in der Früh oft gewaltsam aus dem Bett werfen muss.
Da schaut er mich beleidigt und vorwurfsvoll an, während ich ins Kleid und die Strumpfhose schlüpfe.
„Geh noch nicht“, sagt er dann kleinlaut, „ich bin noch nicht fertig mit dir.“
Er ist ein Arsch. Aber ich liebe ihn. Und ich hätte so gern, dass er wieder ganz zu mir zurückkommt. Mein Mann, der Schlaf.
testsiegerin - 5. Dez, 21:13