Sonntag, 22. November 2015

P... P... Poetry-Slam!

Nein, das ist nichts für mich, hast du nach deinem ersten Poetry-Slam gesagt. Zu schnell, zu wenig Zeit. Noch dazu im Stehen. Du würdest auch so einen Text nicht auswendig lernen können, schon gar nicht, wenn er sich nicht reimt. Das letzte, das du auswendig gelernt hast, war die Bürgschaft.

Zu Dionys dem Tyrannen schlich Damon,
den Dolch im Gewande
Ihn schlugen die Häscher in Bande

Und überhaupt: Literatur kann man nicht vergleichen und benoten.

5 Slams später müssen sie dich von der Bühne zerren, denn du bist süchtig geworden. Immer noch fühlst du dich unter den jungen, schönen Poetinnen und den nicht immer jungen, aber von sich überzeugt wirkenden Poeten wie bei einem Auswärtsspiel. So ähnlich wie beim Elternabend, als du dich auf den Kindergartensessel gequetscht hast, aus dem du nicht mehr hochgekommen bist.

Und irgendwann ist es so weit. „Holen sie wir auf die Bühne, mit Liebe, mit Leidenschaft, mit tosendem Applaus!“

Ich bin, spricht jene, zu sterben bereit,
und bitte nicht um mein Leben


Du stehst auf der Bühne, genießt das Scheinwerferlicht und hoffst, dass die Türe geschlossen ist und dein Text nicht abhauen kann. Du kämpfst mit dem Mikroständer, der zu hoch ist oder deine Beine zu kurz. Dann liest du diesen unheimlich pathetischen und berührenden und sanften Text, in dem der arme Lagerhausmitarbeiter durch den Häcksler gejagt wird. Von dir (Er hat es sich aber verdient, das muss ich zu meiner Verteidigung sagen). Du liest auswendig, weil du die letzten beiden Wochen bei deinen Außendiensten – zirka 3.000 Kilometer – den Text gehaucht, geflüstert und gelebt hast. „Tschakataschkatatschakata!“, hast du bei der roten Ampel aus dem Auto gebrüllt, als die messerscharfen Klingen das Herz des Lagerhausmitarbeiters in winzige Stücke gerissen haben. Der Fahrer im Golf hat dich mitleidig und ein wenig ängstlich angelächelt.

Du fühlst dich wie ein Rockstar im ausverkauften Praterstadion.

Und horch! da sprudelt es silberhell,
Ganz nahe, wie rieselndes Rauschen
Und stille halten sie, zu lauschen


Du genießt den Applaus. Verbeugst dich.

Und willst du Gnade mir geben, ich flehe dich an...
wartest du auf die Bewertung, obwohl man Literatur natürlich nicht bewerten kann.
In Wahrheit wartest du nur auf das erlösende „Z... Z... Z... Zehn!

„Wir haben eine Sechs“, sagt die Moderatorin und du musst dein Lächeln mit der Sicherheitsnadel festpinnen. Du schaust nicht, aus welcher Richtung die Bewertung kommt, denn obwohl du so überhaupt nicht zu Gewalt neigst, hast du Angst, du könntest dem Typen in die Fresse schlagen. Slam wie Zuschlagen. P... P... P... Poetry Slam. Tschack.
„Wir haben eine 8“, fährt die Moderatorin fort und du entfernst die Sicherheitsnadel. Danke vielmals.

O hast du mich gnädig aus Räubershand,
Aus dem Strom gerettet ans heilige Land


„Wir haben eine Vier!“
Das hat nichts mit mir zu tun, redest du dir ein, wahrscheinlich hat der Kerl, der die Jurykarten in der Hand hat, schlecht geschlafen oder seine Frau mit dem Briefträger im Bett erwischt. Vielleicht hat sein Arzt ihm heute gesagt, dass er Prostatakrebs hat. Vielleicht steht er nicht auf rothaarige ältere Frauen mit bunten Strumpfhosen, sondern auf Blondbeinige mit schwarzen Strapsen. Möglicherweise hat seine Mama das Gulasch versalzen. Oder er arbeitet im Lagerhaus. Es gibt so viele Gründe, die nichts mit mir zu tun haben.

Vielleicht findet er mich aber auch einfach Scheiße, denkst du, und es tut weh.
„Wir haben eine Z... Z... Zehn!“
Die Frau hat die Eins bestimmt irrtümlich in die Höhe gehalten, in Wahrheit hält sie dich für eine Null. Oder sie meint nicht dich, sondern ist ein bisschen langsam und die Zehn gilt dem grandiosen Poeten mit der schönsten Stimme der Welt vor dir. Als du kapierst, dass sie doch dich meint, denkst du: Und warum keine Zehn komma fünf?
War ich nicht gut genug?

Was wollt ihr? rufst du vor Schrecken bleich,
Ich habe nichts als mein Leben


Du gehst von der Bühne, mit dem festgepinnten Lächeln. Es geht doch nur ums dabei sein, sagst du.
Ich schreibe nie nie nie nie wieder auch nur ein Wort, denkst du.

Und schweigend umarmt dich der treue Freund

Vielleicht solltest du dich auf das konzentrieren, was du kannst. Schlafen, Krautfleckerl kochen - mit karamellisiertem Zucker - und unter versifften Matratzen von versifften Klienten versiffte Sparbücher suchen. Nie wieder betrete ich eine Bühne!, sagst du dir.
Als du wieder sitzt, kramst du in der Tasche nach dem Merkheft und schreibst deine Gedanken auf. Für den nächsten Slam.

Zu Hause sinkst du in die tröstenden Arme deines Mannes, der dich an sich zieht und noch nie von einem Poetry-Slam gehört hat.

„Und? Wie war ich?“, fragst du danach in den verschwitzten Laken und wartest auf die erlösende: „Z... Z... Z... Zehn!“

Plötzlich steht jemand in der Schlafzimmertür.
„Ich sei, gewährt mir die Bitte“,
so der Poet mit der schönsten Stimme der Welt
„in eurem Bunde der Dritte.“

Weise Worte, wahr

"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Selbstgeschrieben


Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
Jakob und der gewisse Herr Stinki


Barbara A. Lehner (Text) Eleonore Petzel (Musik)
Von Herzen und Seelen - CD

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