Die Liste - 6

Er starrte das Wort an. Und je länger er das tat und überlegte, was noch auf die neue Liste gehörte, desto stärker hatte er das Gefühl, das Wort starrte ihn an. Mutter.

„Verfluchte, alte Hexe. Kannst du mich nicht mal im Tod in Ruhe lassen?“ Die Worte zischten aus seinem Mund und hinterließen ein paar Speicheltropfen auf dem Monitor. Er wischte sie sorgfältig mit einem Taschentuch weg und entschuldigte sich stumm bei der im Keller verwesenden Leiche, die in seiner Vorstellung noch immer entrüstet eine Augenbraue nach oben zog.

Nach einer weiteren Tasse Tee erkannte er, dass er die Liste unmöglich weiterführen konnte, solange er den ersten Punkt nicht erledigt hatte. Alles stand und fiel mit einem Mutterersatz. Um die Maske würde er sich höchstpersönlich kümmern. Jede Falte ihres Gesichts hatte sich tief in sein Hirn eingegraben. Und was den Mund anging, da hatte er Glück gehabt: Für das Foto auf ihrem Personalausweis hatte Mama dick Lippenstift aufgetragen. Andernfalls wäre er hübsch in die Bredouille gekommen, ihre schmalen, blassen Lippen und die nach unten gezogenen Mundwinkel auf ein anders Gesicht zu kopieren. Der Rest waren farbige Kontaktlinsen, eine Brille mit dicken Gläsern, viel Schminke, ein Halstuch, um dem faltigen Hals aus dem Weg zu gehen und natürlich die schrecklich teure Echthaar-Perücke, die er hatte anfertigen lassen.

Mit Gerda war alles so einfach gewesen. Sie hatte nie Fragen gestellt, mit einem schüchternen Lächeln das Geld genommen und war nach ihrem Auftritt wie ein Phantom wieder verschwunden. Sie war klasse; hatte sich penibel an jede seiner Regieanweisungen gehalten, übertrieb ihre Rolle nicht, beherrschte die Unterschrift seiner Mutter nach nur drei Tagen in Vollendung und überzeugte den Mann von der Bank bei der Ausstellung einer Kontovollmacht für ihren Sohn genauso wie den Notar, als sie Fränkiboy die Drei-Zimmer-Wohnung übertrug. Aber Madame Gerda weilte auf Mallorca. Unwahrscheinlich, dass sie so etwas Schönes wie Mallorca im Frühling hätte sausen lassen, wenn er sie rechtzeitig gefragt hätte, und dieses Konjunktiv-Denken brachte ihn auch nicht vorwärts – er ärgerte sich nur so maßlos, dass er den Arztbesuch und all die damit einhergehenden Planungen nicht in eine Liste eingetragen hatte. Wie herrlich wäre es, noch zwei oder drei Wochen Zeit zu haben… Da! Schon wieder ein Konjunktiv! Er stand auf, schüttelte den Kopf, als würden so all die Wäre und Wenn’s von ihm abfallen, trat vors Küchenfenster und putzte seine Brille. In diesem Augenblick erglühten zwei Lampen. Eine im Wohnzimmer seiner wohlbelisteten Nachbarin gegenüber; und zeitgleich eine andere in seinem Kopf.

Fortsetzung folgt

Weise Worte, wahr

"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Selbstgeschrieben


Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
Jakob und der gewisse Herr Stinki


Barbara A. Lehner (Text) Eleonore Petzel (Musik)
Von Herzen und Seelen - CD

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Wie geht es unserer Testsiegerin?
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Lo - 5. Feb, 17:25
Vielen Dank! Du findest...
Vielen Dank! Du findest mehr von mir auf facebook ;-)
testsiegerin - 30. Jan, 10:40
Kurschatten ' echt keinen...
auch wenn diese deine Kur schon im Juni...xx? war,...
kontor111 - 29. Jan, 09:13
zum entspannen...Angel...meint
wenn ich das nächste Mal im Bett liege, mich verzweifelt...
kontor111 - 29. Jan, 08:44
"Pinguin"
"Pinguin"
bonanzaMARGOT - 11. Mär, 11:11
Sleepless im Weinviertel
Ich liege im Bett. Ich bin müde. Ich lese. Eine Romanbiografie...
testsiegerin - 13. Jan, 11:30
... ich könnte mal wieder...
... ich könnte mal wieder eine brasko-geschichte schreiben.
bonanzaMARGOT - 8. Jan, 07:05
OHHH!
OHHH! Hier scheint bei Twoday etwas nicht zu stimmen. Hoffentlich...
Lo - 7. Jan, 13:36

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