Die Liste - 11

„Wenn Sie Ihrer Mutter einen für sie typischen Satz in den Mund legen müssten, welcher wäre das?“
„Hm.“ Frank dachte nach. Er schwankte zwischen Was hab ich da bloß für einen Versager auf die Welt gebracht? und Das Leben hat es nicht gut gemeint mit mir. Er entschied sich für Letzteres.
„Das Leben hat es nicht gut gemeint mit mir“, Frau Leitner nahm eines der Halstüchter von der Garderobe und legte es sich um die Schultern. Dann umrundete sie mit hängenden Schultern den Tisch. „Das Leben hat es gar nicht gut gemeint mit mir.“ Über ihre Wangen liefen Tränen.
„Ja, Mama, das Leben hat es nicht gut gemeint mit dir“, sagte Frank automatisch und war fasziniert von der Ähnlichkeit im Klang der Stimme von Frau Leitner und seiner Mutter.

Sie war jetzt seit drei Stunden da. Ihren Kaffee hatte sie mit Milch und Zucker getrunken, wie Mama, und sich dann sofort auf ihren Job konzentriert. Sie hatte in alten Fotoalben geblättert, vergilbte Briefe gelesen und Frank über das Leben seiner Mutter ausgefragt. „Das Leben hat es tatsächlich nicht gut gemeint mit mir“, seufzte sie.
Sie notierte sich die Ernährungsgewohnheiten seiner Mutter, sah sich in derem Kleiderschrank um, fühlte die Stoffe zwischen ihren Fingern, probierte einen geschmacklosen grauen Wollrock und eine gestärkte Bluse und legte Rudi Schuricke auf den Plattenteller. Als Florentinische Nächte erklangen, zuckte Frank vor Schmerz zusammen. Das Lied hatte seine Mutter auf der Fahrt zum Gardasee permament und penetrant gesungen.

„Ist das denn wirklich notwendig?“ fragte er ein klein wenig gereizt. Die Schauspielerin, die er sonst immer engagiert hatte, hatte sich weit weniger kompliziert angestellt. „Sie brauchen sich doch nur ins Bett zu legen, wie meine Mutter auszusehen, sich untersuchen zu lassen, und hin und wieder mit dem Kopf zu nicken oder zu schütteln.“
„Frankieboy“, jetzt tätschelte sie ihm den Kopf, „du musst deine alte Mutter nicht siezen. Mich auch nicht, ich heiße übrigens Marianne.“ Sie hielt ihm die Hand hin und er schüttelte sie.
„Frank“, sagte er, „Frank Fodor.“
„Außerdem scheinst du du keine Ahnung von Schauspiel zu haben“, sie setzte sich die Perücke auf den Kopf und trug Lippenstift auf. Sie wurde ihr immer ähnlicher, und da war es wieder, dieses vertraute, enge Gefühl in seinem Hals. „Method Acting nennt man diese Methode“, fuhr sie fort, „ich muss deine Mutter spüren, um sie spielen zu können, verstehst du? Spüren, fühlen, schmecken, hören. Sie mit allen Sinnen erfassen. Wonach hat sie gerochen?“
„Ich weiß nicht genau.“ Er hatte keine Lust, Marianne Leitner über seine Anosmie zu erzählen, aber er brauchte sie. „Vermutlich nach Mottenkugeln und Lavendelsäckchen.“

Fortsetzung folgt

Weise Worte, wahr

"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Selbstgeschrieben


Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
Jakob und der gewisse Herr Stinki


Barbara A. Lehner (Text) Eleonore Petzel (Musik)
Von Herzen und Seelen - CD

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Wie geht es unserer Testsiegerin?
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Lo - 5. Feb, 17:25
Vielen Dank! Du findest...
Vielen Dank! Du findest mehr von mir auf facebook ;-)
testsiegerin - 30. Jan, 10:40
Kurschatten ' echt keinen...
auch wenn diese deine Kur schon im Juni...xx? war,...
kontor111 - 29. Jan, 09:13
zum entspannen...Angel...meint
wenn ich das nächste Mal im Bett liege, mich verzweifelt...
kontor111 - 29. Jan, 08:44
"Pinguin"
"Pinguin"
bonanzaMARGOT - 11. Mär, 11:11
Sleepless im Weinviertel
Ich liege im Bett. Ich bin müde. Ich lese. Eine Romanbiografie...
testsiegerin - 13. Jan, 11:30
... ich könnte mal wieder...
... ich könnte mal wieder eine brasko-geschichte schreiben.
bonanzaMARGOT - 8. Jan, 07:05
OHHH!
OHHH! Hier scheint bei Twoday etwas nicht zu stimmen. Hoffentlich...
Lo - 7. Jan, 13:36

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