Briefverkehr 12
Lieber Herwig,
was hast du dir eigentlich von dem Abend erwartet? Dass ich dir als Dank für die Einladung die Füße küsse? Dass ich für dich meine unbequemen roten Lackstiefelchen trage und an deinen Lippen hänge, wenn du mir Geschichten aus deinem aufregenden Beamtenalltag erzählst? Weiß ich denn, ob die nicht auch nur ausgedacht sind?
Wer bist du in Wahrheit, Herr Herwig Steiner? Ich kenne dich ja nicht. Ich glaubte, eine Ahnung von diesem liebenswerten älteren Mann zu haben, der mir Lippenstift geschenkt und von seinen Träumen erzählt hat. Aber du, hast du überhaupt Träume? Was ist dir wichtig im Leben, außer dich auf Kosten von – wie nennt ihr uns eigentlich? Kunden? Klienten? lästigen Bürgern? zu amüsieren? Und was willst du von mir?
Der will dich nur ins Bett kriegen, hat mich ein Freund nach einem deiner ersten Briefe gewarnt. Der tut nur so lieb und will dich mit seiner Waldviertler Poesie um den Finger wickeln. Ich fürchte, er hat recht gehabt. Und ich war naiv und vertrauensselig wie eh und je und wäre beinahe drauf reingefallen.
Meine Freundin wollte mir sogar für den Abend im Donna Rosa’s ihren Schäferhund borgen, aus Sorge um meine körperliche Unversehrtheit. Wie du weißt, hab ich ihn nicht gebraucht, den Hund.
Also, was hast du erwartet? Dass du mich mit einem läppischen Abendessen kaufen kannst? Dass ich so viel trinke, dass ich nicht nur laut rülpse und dir den Wein ins Gesicht schütte, sondern in deinen Armen völlig widerstands- und hemmungslos werde? Dass ich auf die Knie sinke, meine Augen demütig und dankbar ob deiner Aufmerksamkeit erst auf- und dann niederschlage, deine Jeans aufknöpfe und dir mit mohnrot verschmierten Lippen einen ...
Aufwachen! Man kann nicht immer gewinnen.
Um deine Fragen zu beantworten. Ja, das Essen hat mir geschmeckt. Und ja, das war der Lippenstift, den du mir geschenkt hast. Willst du mir nicht auch dafür noch die Rechnung schicken?
Barbara
P.S. Die Kosten für die Putzerei hab ich bezahlt. Obwohl das Hemd wirklich nicht so teuer ausgesehen hat, dass du es nicht auch selber hättest waschen können. Oder deine Tante, oder was weiß ich. Deine erfundene Waldviertler Mama mit dem einsamen Bauernhaus vielleicht. Ein Bekannter von mir fand das übrigens ausgesprochen kleinlich von dir, die Sache mit der Rechnung. Aber bitte.
was hast du dir eigentlich von dem Abend erwartet? Dass ich dir als Dank für die Einladung die Füße küsse? Dass ich für dich meine unbequemen roten Lackstiefelchen trage und an deinen Lippen hänge, wenn du mir Geschichten aus deinem aufregenden Beamtenalltag erzählst? Weiß ich denn, ob die nicht auch nur ausgedacht sind?
Wer bist du in Wahrheit, Herr Herwig Steiner? Ich kenne dich ja nicht. Ich glaubte, eine Ahnung von diesem liebenswerten älteren Mann zu haben, der mir Lippenstift geschenkt und von seinen Träumen erzählt hat. Aber du, hast du überhaupt Träume? Was ist dir wichtig im Leben, außer dich auf Kosten von – wie nennt ihr uns eigentlich? Kunden? Klienten? lästigen Bürgern? zu amüsieren? Und was willst du von mir?
Der will dich nur ins Bett kriegen, hat mich ein Freund nach einem deiner ersten Briefe gewarnt. Der tut nur so lieb und will dich mit seiner Waldviertler Poesie um den Finger wickeln. Ich fürchte, er hat recht gehabt. Und ich war naiv und vertrauensselig wie eh und je und wäre beinahe drauf reingefallen.
Meine Freundin wollte mir sogar für den Abend im Donna Rosa’s ihren Schäferhund borgen, aus Sorge um meine körperliche Unversehrtheit. Wie du weißt, hab ich ihn nicht gebraucht, den Hund.
Also, was hast du erwartet? Dass du mich mit einem läppischen Abendessen kaufen kannst? Dass ich so viel trinke, dass ich nicht nur laut rülpse und dir den Wein ins Gesicht schütte, sondern in deinen Armen völlig widerstands- und hemmungslos werde? Dass ich auf die Knie sinke, meine Augen demütig und dankbar ob deiner Aufmerksamkeit erst auf- und dann niederschlage, deine Jeans aufknöpfe und dir mit mohnrot verschmierten Lippen einen ...
Aufwachen! Man kann nicht immer gewinnen.
Um deine Fragen zu beantworten. Ja, das Essen hat mir geschmeckt. Und ja, das war der Lippenstift, den du mir geschenkt hast. Willst du mir nicht auch dafür noch die Rechnung schicken?
Barbara
P.S. Die Kosten für die Putzerei hab ich bezahlt. Obwohl das Hemd wirklich nicht so teuer ausgesehen hat, dass du es nicht auch selber hättest waschen können. Oder deine Tante, oder was weiß ich. Deine erfundene Waldviertler Mama mit dem einsamen Bauernhaus vielleicht. Ein Bekannter von mir fand das übrigens ausgesprochen kleinlich von dir, die Sache mit der Rechnung. Aber bitte.
testsiegerin - 10. Nov, 17:06