Briefverkehr 20
Herwig,
ja, ich bin irgendwie sprachlos. Gekränkt, abgewiesen, wütend und sprachlos. Du elender Schlappschwanz! Händchenhalten im Mohnfeld, geht’s noch ein bisschen kitschiger?
Hast du dir im Café Central eigentlich auch nur eine Sekunde lang überlegt, wie die Situation für mich war? Oder ist dein Denken ausschließlich um deine Befindlichkeiten gekreist?
Da stand ich vor dem Portier und stammelte verlegen etwas von „Waldviertler Mohnrot“. Ich glaube, ich habe richtig dämlich ausgesehen dabei, denn er hat mir grinsend den Schlüssel überreicht und „Viel Vergnügen im kaiserlichen Mohnfeld“ gewünscht.
Ja, ich hab mich dann halt auf das kaiserliche Bett geworfen (stell dir vor: unter dem Leintuch befand sich eine Plastikfolie!) und gewartet. Ich hab ja die ganze Zeit gehofft, du würdest nur im Stau stecken und dich ein wenig verspäten. Zum Glück hatte ich ein Buch dabei, für alle Fälle. „Der Mann ohne Eigenschaften“, von Robert Musil, das Lieblingsbuch von Kreisky, hat er jedenfalls behauptet. Das Buch ist nicht nur dick und schwer, sondern liest sich auch ziemlich sperrig, und sehr sympathisch ist mir dieser Herr Ulrich auch nicht. Ungefähr so sympathisch wie du, nachdem du mich versetzt hast.
Ich konnte mich aber sowieso nicht aufs Lesen konzentrieren, erstens, weil ich zu aufgeregt war und zweitens, weil ich mich gefragt hab, was dieser Portier wohl von einer Frau hält, die fünfundachtzig Euro dafür ausgibt, allein im Bett zu liegen und auf den Mann ohne Eigenschaften zu warten. Wahrscheinlich wird es ihm aber egal gewesen sein.
Drittens konnte ich mich nicht auf das Buch konzentrieren, weil die im Nachbarzimmer so ekelig gestöhnt haben. Richtig peinlich war das, vor allem die Frau mit ihrem Gequietsche.
Durch die Wand hat es sich angehört, als ob sie blondbeinig gewesen wäre. Ich habe nichts gegen Blondbeinige, versteh mich nicht falsch, aber ich bilde mir ein, sie hat „Ach Herwig!“ gestöhnt. Vielleicht hab ich mich aber verhört.
Und bring mich nicht in Verlegenheit damit, dass du mir das Geld überweisen willst. Ums Geld geht es nämlich gar nicht, das wäre es mir wert gewesen. Auch das für die neue Unterwäsche. Unterwäsche von der Sorte, die man nur anzieht, um sie ausgezogen zu bekommen. Nix Baumwolle. Dieses Höschen wärmt nicht einmal. Egal, vielleicht brauch ich sie ja noch mal irgendwann.
Drei Stunden bin ich geblieben, Herwig. Ich hab schließlich auch für drei Stunden gezahlt. Die Frau nebenan, die ist in der Zeit viermal (!) gekommen.
Ja, und als ob das alles nicht genug gewesen wäre, rennt mir beim Verlassen vom Orient auch noch ausgerechnet mein Bäcker über den Weg. Nie wieder werde ich unbefangen eine Semmel mit Pariser kaufen können. Wenigstens weiß er nicht, dass ich allein im Hotel war, ich hätte mich zum Gespött aller Leute gemacht.
Danke für alles. Dafür, dass du dich so listig in mein Leben geschlichen hast. Vor allem aber für den wunderschönen Samstag Nachmittag, den ich am liebsten aus meinem Kalender streichen würde.
Ich kann es noch immer nicht fassen, dass du den Schwanz eingezogen hast. Wie gesagt, ich bin enttäuscht und sprachlos. Völlig sprachlos
Barbara
ja, ich bin irgendwie sprachlos. Gekränkt, abgewiesen, wütend und sprachlos. Du elender Schlappschwanz! Händchenhalten im Mohnfeld, geht’s noch ein bisschen kitschiger?
Hast du dir im Café Central eigentlich auch nur eine Sekunde lang überlegt, wie die Situation für mich war? Oder ist dein Denken ausschließlich um deine Befindlichkeiten gekreist?
Da stand ich vor dem Portier und stammelte verlegen etwas von „Waldviertler Mohnrot“. Ich glaube, ich habe richtig dämlich ausgesehen dabei, denn er hat mir grinsend den Schlüssel überreicht und „Viel Vergnügen im kaiserlichen Mohnfeld“ gewünscht.
Ja, ich hab mich dann halt auf das kaiserliche Bett geworfen (stell dir vor: unter dem Leintuch befand sich eine Plastikfolie!) und gewartet. Ich hab ja die ganze Zeit gehofft, du würdest nur im Stau stecken und dich ein wenig verspäten. Zum Glück hatte ich ein Buch dabei, für alle Fälle. „Der Mann ohne Eigenschaften“, von Robert Musil, das Lieblingsbuch von Kreisky, hat er jedenfalls behauptet. Das Buch ist nicht nur dick und schwer, sondern liest sich auch ziemlich sperrig, und sehr sympathisch ist mir dieser Herr Ulrich auch nicht. Ungefähr so sympathisch wie du, nachdem du mich versetzt hast.
Ich konnte mich aber sowieso nicht aufs Lesen konzentrieren, erstens, weil ich zu aufgeregt war und zweitens, weil ich mich gefragt hab, was dieser Portier wohl von einer Frau hält, die fünfundachtzig Euro dafür ausgibt, allein im Bett zu liegen und auf den Mann ohne Eigenschaften zu warten. Wahrscheinlich wird es ihm aber egal gewesen sein.
Drittens konnte ich mich nicht auf das Buch konzentrieren, weil die im Nachbarzimmer so ekelig gestöhnt haben. Richtig peinlich war das, vor allem die Frau mit ihrem Gequietsche.
Durch die Wand hat es sich angehört, als ob sie blondbeinig gewesen wäre. Ich habe nichts gegen Blondbeinige, versteh mich nicht falsch, aber ich bilde mir ein, sie hat „Ach Herwig!“ gestöhnt. Vielleicht hab ich mich aber verhört.
Und bring mich nicht in Verlegenheit damit, dass du mir das Geld überweisen willst. Ums Geld geht es nämlich gar nicht, das wäre es mir wert gewesen. Auch das für die neue Unterwäsche. Unterwäsche von der Sorte, die man nur anzieht, um sie ausgezogen zu bekommen. Nix Baumwolle. Dieses Höschen wärmt nicht einmal. Egal, vielleicht brauch ich sie ja noch mal irgendwann.
Drei Stunden bin ich geblieben, Herwig. Ich hab schließlich auch für drei Stunden gezahlt. Die Frau nebenan, die ist in der Zeit viermal (!) gekommen.
Ja, und als ob das alles nicht genug gewesen wäre, rennt mir beim Verlassen vom Orient auch noch ausgerechnet mein Bäcker über den Weg. Nie wieder werde ich unbefangen eine Semmel mit Pariser kaufen können. Wenigstens weiß er nicht, dass ich allein im Hotel war, ich hätte mich zum Gespött aller Leute gemacht.
Danke für alles. Dafür, dass du dich so listig in mein Leben geschlichen hast. Vor allem aber für den wunderschönen Samstag Nachmittag, den ich am liebsten aus meinem Kalender streichen würde.
Ich kann es noch immer nicht fassen, dass du den Schwanz eingezogen hast. Wie gesagt, ich bin enttäuscht und sprachlos. Völlig sprachlos
Barbara
testsiegerin - 19. Nov, 12:31
ich bin auch schon neugierig, was der steiner jetzt schreibt.
Aber ich war überzeugt, dass der eine Herr, - eigentlich war es nur ein Mann - der ca. 5 Minuten nach dir ebenfalls solo hineinging, der Steiner hätte sein können. Ich könnte mich jetzt noch in den Hintern beißen, wenn ich denke, wie günstig die Gelegenheit gewesen wäre, dich ein bisschen über den Steinerschen Verlust trösten zu können.
Übrigens fällt mir da eine neue Doppeldeutigkeit des Wortes Anstechen auf.
Ananschieben, Anantauchen, Anbumsen, AnBürsten usw. lassen sich nicht so gut als An-formen bilden wie Anficken oder Anstechen.
Die Wörter sollten in der Phrasierung "dagegen anficken" oder "dagegen anstechen" verwendet werden. Gegen mitgehörte vierfache Orgasmen hilft nämlich nur eines: kräftig dagegen Anstechen.
und gegen etwas anficken ist wirklich ganz wunderbar.
"was machen sie in ihrer freizeit?"
"ich ficke gegen den welthunger an."