Briefverkehr 27

Liebe Barbara,

du hast mich geküsst. Du hast mich tatsächlich geküsst. Wenn auch nur brieflich und wenn auch nur im Prosecco-Fieber. Ich hab keine Ahnung, ob der Kuss dem alten Waldviertler Steiner oder mir galt, und vermutlich tut’s dir in der Zwischenzeit schon wieder leid, aber das ist mir im Moment völlig egal. Hauptsache, du hast mich geküsst.
Du zeigst Gefühl. Das Buch wirkt schon, und das, obwohl du bisher nur den Klappentext gelesen hast. Wie wird das erst sein, wenn du die Bildchen dazu anschaust und die einfachen Texte darin liest? Wird dann ein Dampfer beladen mit Vertrauen an deine stolzsturen Deiche rammen und sie niederreißen? Und werden mich dann all deine Gefühle überfluten und mit ins Meer reißen?
Ich weiß, die Metapher hinkt, ich bin kein Dampfer und du kein Deich, aber lies das Buch bitte trotzdem ganz langsam. Ich weiß nämlich noch nicht, wie ich mit der neuen, sensiblen, warmherzigen, gefühlvollen Barbara umgehen soll, mit der, die mich küsst, anstatt mich einen erbärmlichen Waschlappen zu nennen.
Barbara, ich hab dir ein Gedicht geschrieben. Du als Dichterin wirst das ja kennen: Wenn das Herz voll ist, quillt die Tinte über.

Du bist
mit einundneunzig voll in mein Leben gerast
(nach Abzug der Messtoleranz)
erst Blitze
dann Witze
und das Klopfen im Bauch

Du hast
mich umgarnt und betört und verwirrt
(nach allen Regeln der Kunst)
erst Fliegen
dann Lügen
und die Landung tat weh

Du bist
in Gummistiefeln auf meine Zehen getreten
(nach delikatem Schweigen)
erst Mohn
dann Hohn
und der Stolz war verletzt

Ich hab
Espresso getrunken anstatt deiner Lust
(nach bangen Minuten)
erst kein Mut
dann die Wut
Hörst du das Klopfen im Bauch
auch?



Titel ist mir noch keiner eingefallen.

Ahja. Würdest du mich auf einen Adventspaziergang einladen, dann täte ich sehr gerne zusagen. Ich würde dir auch gerne die Maroni schälen, wenn du mich im Gegenzug mit schokoliertem Lebkuchen fütterst.

Dein Herwig
katiza - 27. Nov, 22:22

Ge_________________________________________________spannt wie's jetzt wohl weiter geht - also ich tät mir von Herwig schon meine Maronis schälen lassen. Soll er sich ruhig die Finger ein bissl verbrennen.

steppenhund - 28. Nov, 00:45

Fortsetzungsgeschichten haben was für sich. Ob die "gut" ausgehen wird?

rosenherz - 28. Nov, 14:39

Wir werden sehen, Steppenhund, wie Barbara mit Herwig fortsetzen mag ...
Was wäre denn für dich ein "guter" Ausgang der Geschichte?
steppenhund - 28. Nov, 15:48

kalt erwischt ...

tatsächlich hervorragende Frage. Den besten Ausgang hat Herwig ja schon verpasst. Das wäre der spontane Nachmittag im Orient gewesen ohne großes Wenn und Aber.
Eine mögliche Lösung könnte ich mir so vorstellen:
sie kommen immer näher zusammen, bleiben dabei fein züchtig.
Der Ehemann von Barbara bekommt ein schweres Herzleiden und benötigt ein Austauschherz.
Herwig wird trotz seiner vorsichtigen Fahrweise von einem betrunkenen Fahrer abgeschossen.
Schwerste Verletzungen, doch das Herz ist ok. Er wird den Unfall nicht überleben. Er hat schon früher seine Organe zum Spenden freigegeben.
Noch einmal wacht er aus der Bewusstlosigkeit auf. Zwei Worte kann er sagen:
Herz, Barbara
Es ist klar, was er meint.
Transplantation funktioniert wunderbar. Barbara hat nun beide Männer in einem.
Letzte Einstellung: Barbara fährt von der Arbeit nach Hause. Da! Ein jäher Lichtblitz. Hinter der nächsten Biegung eine rot-erleuchtete Haltekelle.
"Guten Abend, Ihre Papiere bitte!" Barbara sieht den Sprecher an. Es ist um sie geschehen.
-
Ich bin aber überzeugt, dass Barbara etwas Vernünftigeres einfällt:)
testsiegerin - 28. Nov, 16:36

das ist eine wunderbare idee, steppenhund!
aber bist du sicher, dass das ganze dann nicht in einen arztroman abgleitet?
das spannende am schreiben ist ja, dass ich selbst noch keine ahnung habe, wie es weitergeht. wenn ich es schon wüsste, bräuchte ich die geschichte ja nicht schreiben.
steppenhund - 29. Nov, 00:23

@testsiegerin

kein Ärzteroman, aber vielleicht ein Polizistenroman.
-
Oder ein Werk: die Infrastruktur Niederösterreichs.


Übrigens zu deiner harschen Gedichtkritik:

Goethe hat auch mit einem "auch" geendet.

Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.

Auch wenn ich zugebe, dass Hauch poetischer als Bauch ist.
Aber was erwartest Du von einem Beamten. Dafür ist doch die Versform originell:)
Gabriele (Gast) - 28. Nov, 08:18

nur eine Woche

und ich bin schon suechtig....seit einer Woche klicke ich jeden Tag aufgeregt in meine Lesezeichen, was ich noch nie getan habe : eine neue Geschichte! Barbara, Herwig, Barbara und Herwig, herrlich!!

testsiegerin - 28. Nov, 16:34

oh. eine neue leserin!
wie schön!

Weise Worte, wahr

"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Selbstgeschrieben


Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
Jakob und der gewisse Herr Stinki


Barbara A. Lehner (Text) Eleonore Petzel (Musik)
Von Herzen und Seelen - CD

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Wie geht es unserer Testsiegerin?
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Lo - 5. Feb, 17:25
Vielen Dank! Du findest...
Vielen Dank! Du findest mehr von mir auf facebook ;-)
testsiegerin - 30. Jan, 10:40
Kurschatten ' echt keinen...
auch wenn diese deine Kur schon im Juni...xx? war,...
kontor111 - 29. Jan, 09:13
zum entspannen...Angel...meint
wenn ich das nächste Mal im Bett liege, mich verzweifelt...
kontor111 - 29. Jan, 08:44
"Pinguin"
"Pinguin"
bonanzaMARGOT - 11. Mär, 11:11
Sleepless im Weinviertel
Ich liege im Bett. Ich bin müde. Ich lese. Eine Romanbiografie...
testsiegerin - 13. Jan, 11:30
... ich könnte mal wieder...
... ich könnte mal wieder eine brasko-geschichte schreiben.
bonanzaMARGOT - 8. Jan, 07:05
OHHH!
OHHH! Hier scheint bei Twoday etwas nicht zu stimmen. Hoffentlich...
Lo - 7. Jan, 13:36

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