Bücher
4 Wochen Urlaub. 4 Wochen inne halten. Zeit haben. Draußen sein. Nachdenken. Schreiben. Wandern. Schmuck machen. Chinesisch lernen. Ribisel sind auch noch auf dem Strauch, vielleicht ein wenig entrümpeln... Nein, muss ich alles nicht. Nur, was ich will, muss ich. Und ich will.
Gestern hat das prallgefüllte Bücherregal mit einem Schnaufen und einem Poltern gemeint, dass seine Aufnahmekapazität erschöpft ist und meine Bücher einfach ausgekotzt. „Meine Güte“, sage ich, „stell dich nicht so an. Wir hätten doch drüber reden können, wenn dir alles zu viel ist. Wozu hast du so viele Wörter, wenn du dann nichts sagst?“
Ich will nicht mehr, flüstert es mir dann ins Ohr. Und ich kann nicht mehr. Ich will auch Urlaub. Seit Jahren schleppe ich diese Bücher mit mir herum, die ohnehin keiner mehr liest.
Ich habe Verständnis für Billy. Ich hab ihm versprochen, zu entrümpeln. Nur noch die Bücher aufzuheben, an denen mir etwas liegt, aus sentimentalen oder inhaltlichen Gründen. Und die, die mir so gut gefallen haben, dass ich sie zwar kein zweites Mal lesen werde, die ich aber für meine Tochter aufheben möchte, oder für Freundinnen. Oder die, die ich noch gar nicht gelesen habe. Das sind ganz schön viele nämlich.
Alles andere muss raus. Billy nickt zufrieden.
So weit, so einfach. Aber was tun damit? Als ich das letzte Mal Bücher entsorgen wollte, hab ich sie in ein paar Kisten vors Haus gestellt, zur freien Entnahme. Dann hat es zu regnen begonnen und ich hab sie auf den Dachboden gestellt. Dort haben sie die Mäuse gefressen. Jetzt haben wir lauter kluge, kriminalistische, verliebte, hinterlistige, spannende und lyrische Mäuse.
Zum Glück haben wir auch drei Katzen mit insgesamt elf Beinen.
An unserem Haus führt der Weinviertler Jakobsweg vorbei. „Für jeden Pilger ein Buch“, könnte ich auf das Schild auf der Kiste schreiben, oder „nur ein belesener Pilger ist ein guter Pilger“, oder „Nimm, wenn man dir gibt.“ Oder ich könnte sie gemeinsam mit den Ribiseln verkaufen und die Urlaubskasse auffetten. „1 Buch + 1 Schale Ribisel = 3 Euro“. Mit Kaffee vier Euro. Oder ich sage es mit Kafka: "Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns." Oder "Ein Buch sagt mehr als tausend Worte."
Ich könnte die Bücher auch in Kisten verpacken und im Winter einheizen und mich daran wärmen. Sofort regen sich Hand in Hand das schlechte Gewissen und die Erinnerung an alte Zeiten. Darf man Bücher verbrennen? Auch wenn es die eigenen sind? "Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen." Nein, Heinrich Heine, das will ich wirklich nicht. Aber wohin bitte damit? Ich kann sie doch nicht verschlingen!
Gern stehe ich vor den Bücherregalen anderer Menschen und versuche aus den Büchern Rückschlüsse auf die Menschen zu ziehen. Du bist, was du liest. May oder Marx, hauptsache Karl. Poesie oder Pornografie. Krimis oder Kitsch. Romantik oder Realität.
Oder das alles zusammen.
Was, wenn es keine Bücher mehr gibt? Greifen wir uns dann den E-Book Reader unserer Freunde und stöbern ungeniert darin, um etwas über sie zu erfahren? Und wenn da nur ein kleiner Computer am Regal liegt anstatt tausende Bücher in den Regalen, wird keiner unserer Gäste anerkennend nicken und sagen: "Boahh, du liest aber viel." Höchstens. "Kindle, Kobo oder Tolino?"
Ich werde mich jetzt in die Sonne setzen und ein wenig philosophieren und prokrastinieren. Vielleicht sollte ich die Bücher doch...? Hin und wieder werde ich mir einen Hugo holen, oder Kaffee. Und jedesmal, wenn ich am Bücherregal vorbeikomme, wird Billy mich warnend anschauen: Nicht einmal daran denken, wird er sagen.
Gestern hat das prallgefüllte Bücherregal mit einem Schnaufen und einem Poltern gemeint, dass seine Aufnahmekapazität erschöpft ist und meine Bücher einfach ausgekotzt. „Meine Güte“, sage ich, „stell dich nicht so an. Wir hätten doch drüber reden können, wenn dir alles zu viel ist. Wozu hast du so viele Wörter, wenn du dann nichts sagst?“
Ich will nicht mehr, flüstert es mir dann ins Ohr. Und ich kann nicht mehr. Ich will auch Urlaub. Seit Jahren schleppe ich diese Bücher mit mir herum, die ohnehin keiner mehr liest.
Ich habe Verständnis für Billy. Ich hab ihm versprochen, zu entrümpeln. Nur noch die Bücher aufzuheben, an denen mir etwas liegt, aus sentimentalen oder inhaltlichen Gründen. Und die, die mir so gut gefallen haben, dass ich sie zwar kein zweites Mal lesen werde, die ich aber für meine Tochter aufheben möchte, oder für Freundinnen. Oder die, die ich noch gar nicht gelesen habe. Das sind ganz schön viele nämlich.
Alles andere muss raus. Billy nickt zufrieden.
So weit, so einfach. Aber was tun damit? Als ich das letzte Mal Bücher entsorgen wollte, hab ich sie in ein paar Kisten vors Haus gestellt, zur freien Entnahme. Dann hat es zu regnen begonnen und ich hab sie auf den Dachboden gestellt. Dort haben sie die Mäuse gefressen. Jetzt haben wir lauter kluge, kriminalistische, verliebte, hinterlistige, spannende und lyrische Mäuse.
Zum Glück haben wir auch drei Katzen mit insgesamt elf Beinen.
An unserem Haus führt der Weinviertler Jakobsweg vorbei. „Für jeden Pilger ein Buch“, könnte ich auf das Schild auf der Kiste schreiben, oder „nur ein belesener Pilger ist ein guter Pilger“, oder „Nimm, wenn man dir gibt.“ Oder ich könnte sie gemeinsam mit den Ribiseln verkaufen und die Urlaubskasse auffetten. „1 Buch + 1 Schale Ribisel = 3 Euro“. Mit Kaffee vier Euro. Oder ich sage es mit Kafka: "Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns." Oder "Ein Buch sagt mehr als tausend Worte."
Ich könnte die Bücher auch in Kisten verpacken und im Winter einheizen und mich daran wärmen. Sofort regen sich Hand in Hand das schlechte Gewissen und die Erinnerung an alte Zeiten. Darf man Bücher verbrennen? Auch wenn es die eigenen sind? "Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen." Nein, Heinrich Heine, das will ich wirklich nicht. Aber wohin bitte damit? Ich kann sie doch nicht verschlingen!
Gern stehe ich vor den Bücherregalen anderer Menschen und versuche aus den Büchern Rückschlüsse auf die Menschen zu ziehen. Du bist, was du liest. May oder Marx, hauptsache Karl. Poesie oder Pornografie. Krimis oder Kitsch. Romantik oder Realität.
Oder das alles zusammen.
Was, wenn es keine Bücher mehr gibt? Greifen wir uns dann den E-Book Reader unserer Freunde und stöbern ungeniert darin, um etwas über sie zu erfahren? Und wenn da nur ein kleiner Computer am Regal liegt anstatt tausende Bücher in den Regalen, wird keiner unserer Gäste anerkennend nicken und sagen: "Boahh, du liest aber viel." Höchstens. "Kindle, Kobo oder Tolino?"
Ich werde mich jetzt in die Sonne setzen und ein wenig philosophieren und prokrastinieren. Vielleicht sollte ich die Bücher doch...? Hin und wieder werde ich mir einen Hugo holen, oder Kaffee. Und jedesmal, wenn ich am Bücherregal vorbeikomme, wird Billy mich warnend anschauen: Nicht einmal daran denken, wird er sagen.
testsiegerin - 14. Jul, 10:39