Zum Abschied
Lieber Otto,
seit gestern bist du also Asche. Ich mag dir trotzdem noch ein paar Worte sagen, auch wenn du sie nicht mehr hörst, aber solche Abschiede sind ja immer mehr was für die, die bleiben als für jene, die für immer gehen.
Du sitzt vielleicht eh grad mit einem Glas Wein am Lagerfeuer, zum ersten Mal seit langem ohne Schmerzen, ohne dieses blöde Geschwür in deinem Bauch, und freust dich daran, die Ebenen gewechselt zu haben. Ich werd jetzt ein Glas auf dich trinken. Prost, Otto.
So richtig gut kannte ich dich ja gar nicht, aber muss man Menschen so richtig gut kennen, um sie gern zu haben? Gestern an deinem Sarg hätte ich gern laut „Pfiat di, Otto, danke, dass du da warst“ gesagt, aber natürlich versagte meine Stimme und ich hab nur geschwiegen und mir ein paar Tränen aus den Augen gewischt.
Man sagt ja, dass in Österreich die Steigerung von Feind „Parteifreund“ lautet, aber für dich galt das nicht. Dir ist es nie darum gegangen, in der ersten Reihe zu stehen, du hast dich nicht wichtig gemacht, obwohl du wichtig warst, nicht nur als Bezirskgeschäftsführer, sondern vor allem als Mensch.
Ich werde dich vermissen bei unseren Sitzungen, Otto. Meistens waren wir ja der gleichen Meinung, aber während mich manche Einstellungen unserer Genossen wütend und zornig gemacht haben, bist du gelassen geblieben. Das hab ich bewundert an dir, wie du zu deiner Meinung gestanden bist, aber immer auch das Andere gelten lassen hast. Weil du nicht die Menschen ändern wolltest, sondern ihre Lebensbedingungen.
Verdammt, warum musstest du schon abhauen, du warst doch noch nicht mal fünfzig. Only the good die young, sagt man, aber das ist natürlich auch ein Schwachsinn, weil erstens die Bösen oft genauso früh sterben, weil man mit 49 auch nicht mehr sooo jung ist und weil drittens eh niemand genau sagen kann, wo die Grenze zwischen Gut und Böse verläuft.
Die Welt ist voller Leiden, stand auf deinem Partezettel, aber auch voller Möglichkeiten Leiden zu überwinden. Deine eigenen hast du jetzt überwunden, indem du dich aus dem und zu Staub gemacht hast, für die Leiden der anderen Menschen hast du dich immer mit deiner ganzen Kraft und Liebe eingesetzt. Für dich waren sozialdemokratische Werte nicht nur sozialdemokratische Worte, sie waren dir ein Herzensanliegen, vor allem die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen. Vielleicht, weil du selbst immer jung geblieben bist und es in deinen Augen immer so frech geblitzt hat.
Ein paar deiner Genossen waren gestern im roten SPÖ-Shirt beim Begräbnis. Manche der anderen Gäste haben den Kopf geschüttelt, aber dir hätte das getaugt, Otto, hab ich Recht? Dir war nämlich das Innere immer wichtiger als das Äußere.
Zurzeit bin ich – wie viele ÖsterreicherInnen – ziemlich sauer auf die Partei. Den Hut aber, den hau ich nicht drauf. Den ziehe ich vor Menchen wie dir, vor Menschen, welche die sozialdemorkatische Idee jeden Tag mit Leben füllen, die zeigen, dass sich Solidarität, Toleranz und Gleichberechtigung noch lange nicht überlebt haben und wichtiger sind denn je. Menschen wie du geben mir die Kraft weiterzumachen. Und die Zuversicht, dass es sich lohnt.
Pfiat di, Otto. Danke, dass du da warst.
Freundschaft.
Barbara
seit gestern bist du also Asche. Ich mag dir trotzdem noch ein paar Worte sagen, auch wenn du sie nicht mehr hörst, aber solche Abschiede sind ja immer mehr was für die, die bleiben als für jene, die für immer gehen.
Du sitzt vielleicht eh grad mit einem Glas Wein am Lagerfeuer, zum ersten Mal seit langem ohne Schmerzen, ohne dieses blöde Geschwür in deinem Bauch, und freust dich daran, die Ebenen gewechselt zu haben. Ich werd jetzt ein Glas auf dich trinken. Prost, Otto.
So richtig gut kannte ich dich ja gar nicht, aber muss man Menschen so richtig gut kennen, um sie gern zu haben? Gestern an deinem Sarg hätte ich gern laut „Pfiat di, Otto, danke, dass du da warst“ gesagt, aber natürlich versagte meine Stimme und ich hab nur geschwiegen und mir ein paar Tränen aus den Augen gewischt.
Man sagt ja, dass in Österreich die Steigerung von Feind „Parteifreund“ lautet, aber für dich galt das nicht. Dir ist es nie darum gegangen, in der ersten Reihe zu stehen, du hast dich nicht wichtig gemacht, obwohl du wichtig warst, nicht nur als Bezirskgeschäftsführer, sondern vor allem als Mensch.
Ich werde dich vermissen bei unseren Sitzungen, Otto. Meistens waren wir ja der gleichen Meinung, aber während mich manche Einstellungen unserer Genossen wütend und zornig gemacht haben, bist du gelassen geblieben. Das hab ich bewundert an dir, wie du zu deiner Meinung gestanden bist, aber immer auch das Andere gelten lassen hast. Weil du nicht die Menschen ändern wolltest, sondern ihre Lebensbedingungen.
Verdammt, warum musstest du schon abhauen, du warst doch noch nicht mal fünfzig. Only the good die young, sagt man, aber das ist natürlich auch ein Schwachsinn, weil erstens die Bösen oft genauso früh sterben, weil man mit 49 auch nicht mehr sooo jung ist und weil drittens eh niemand genau sagen kann, wo die Grenze zwischen Gut und Böse verläuft.
Die Welt ist voller Leiden, stand auf deinem Partezettel, aber auch voller Möglichkeiten Leiden zu überwinden. Deine eigenen hast du jetzt überwunden, indem du dich aus dem und zu Staub gemacht hast, für die Leiden der anderen Menschen hast du dich immer mit deiner ganzen Kraft und Liebe eingesetzt. Für dich waren sozialdemokratische Werte nicht nur sozialdemokratische Worte, sie waren dir ein Herzensanliegen, vor allem die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen. Vielleicht, weil du selbst immer jung geblieben bist und es in deinen Augen immer so frech geblitzt hat.
Ein paar deiner Genossen waren gestern im roten SPÖ-Shirt beim Begräbnis. Manche der anderen Gäste haben den Kopf geschüttelt, aber dir hätte das getaugt, Otto, hab ich Recht? Dir war nämlich das Innere immer wichtiger als das Äußere.
Zurzeit bin ich – wie viele ÖsterreicherInnen – ziemlich sauer auf die Partei. Den Hut aber, den hau ich nicht drauf. Den ziehe ich vor Menchen wie dir, vor Menschen, welche die sozialdemorkatische Idee jeden Tag mit Leben füllen, die zeigen, dass sich Solidarität, Toleranz und Gleichberechtigung noch lange nicht überlebt haben und wichtiger sind denn je. Menschen wie du geben mir die Kraft weiterzumachen. Und die Zuversicht, dass es sich lohnt.
Pfiat di, Otto. Danke, dass du da warst.
Freundschaft.
Barbara
testsiegerin - 15. Aug, 15:58
Könnte es sein, dass sich die SPÖ spalten müsste? Oder dass sich überhaupt eine neue sozialdemokratische Partei bildet, die aus den Leuten besteht, denen es um die Sache und nicht um Ämter geht.
Das gleiche gilt vermutlich genauso für die ÖVP. Vielleicht ist dort bereits der Beweis erbracht worden, dass es auch keine Lösung darstellt.
Dinkhauser hat sich in der Wahl bewiesen. Die Tiroler haben ihm Vertrauen ausgesprochen, welches damit desavouiert wird, dass er jetzt in den Bund tendiert. Wäre ich ein Tiroler, würde ich ihm nie mehr meine Stimme geben, denn was habe ich von einem Landespolitiker, der in Wirklichkeit in der Bundespolitik reüssieren möchte, die teilweise ja gegen die Länder gerichtet sein muss.
Aber um zur SPÖ zurück zu kommen. Diese lebt nicht mehr die Sozialdemokratie - ist vermutlich auch schwierig nach so langen Jahren des Regierens. Das heißt allerdings nicht, dass die Ursprungsideen nicht mehr gelten.
Es heißt nur, dass die Politiker nicht mehr mit der "verlautbarten" Politik konsistent sind. Bis auf ganz wenige.
Und der Otto wäre wahrscheinlich ein guter Proponent einer solchen neuen SDÖ gewesen.
Und ich glaub, aber einer gewissen Größe einer Partei gibt es das immer, dass es eine breite Basis gibt, die an die Ideale und Werte glaubt, und sich dafür (unentgeltlich und ehrenamtlich und mit oft beträchtlichem Zeit- und Energieaufwand) einsetzt, und dass es immer auch welche gibt, denen es um Ämter, Funktionen und Macht geht.
Prinzipiell halte ich nicht mal Macht für etwas schlechtes, denn das Gegenteil ist Ohnmacht, und wer will schon ohnmächtig sein. Außerdem braucht auch jede Partei Leute, die sie nach außen repräsentieren, die gern in der Öffentlichkeit stehen und sich feiern (aber auch schlagen) lassen.
JA!
> dass die Fetzen fliegen, aber trotzdem ist das total viel
> Wertschätzung. Ich glaube, dass eine Partei das braucht.
ja, ja und nochmal ja! aber was auf bundesebene passiert, ist ein kuschelkurs, den ich zum erbrechen finde! alle wollen "lieb sein". im internet funktionieren foren mit verordneter liebhaberei nicht. es muss gestritten werden. und - man muss achtung vor anderen meinungen und respekt vor leuten haben, die ihre - andere meinung - verteidigen. politik muss der gemeinsame nenner sein.
ich vermisse seit langem konturen. menschen, die für etwas (ein)stehen und dafür auch kämpfen.
tja - die "mir reichts"- und "genug gestritten"-typen sollen von der politischen bühne abtreten, wenn sie nicht mehr wollen. und sollen jungen, engagierten kämpfenden menschen den platz überlassen!