Think (pink) orange

Einfach abstreifen, denkt sie, diese verletzte und verletzliche, durchscheinende Haut. Abstreifen und in die Elefantenhaut schlüpfen, die sie in vielen, langen, dunkeln Träumen angemessen, zugeschnitten und genäht hat. Da ein paar Abnäher, dort Stulpen, hier dicke Schulterpolster und da einen Reißverschluss, damit sie keine Zeit verliert, wenn die alte spannt und nahe am Zerreißen ist. Noch ist er nicht fertig, der neue Anzug, die Nähte noch nicht fest genug.

Es gibt ein paar Stellen auf ihrer Haut, die hat es besonders schlimm erwischt in den letzten Jahren, die sind abgenützt und zerschrunden. Anstatt sie unter dicken Pullovern zu verstecken, trägt sie sie offen zur Schau, ihre Verletzlichkeit. Lädt ein zum Hineinstechen, weil sie hofft, dass jemand liebe Worte und ein sanftes Lächeln daraufstreicht, aber in Wahrheit streuen sie Salz hinein. Dabei lächeln sie und murmeln: Wir meinen es nur gut.
Wahrscheinlich glauben sie das sogar.

In den dunkelsten der dunklen Nächte sagt sie sich, wahrscheinlich haben sie Recht, wenn sie dich verletzen und wie sie über dich urteilen. Wahrscheinlich bist du tatsächlich eine lausige Mutter, eine, der die falschen Dinge wichtig sind. Andere Mütter können das bestimmt, denkt sie sich in einer von diesen Nächten, die kein Ende nehmen wollen, die kriegen alles unter einen Hut. Andere Mütter opfern sich auf, sind gerecht, sie sind berufstätig, haben keine Schuld und keine Schulden und vereinbaren trotzdem rechtzeitig Zahnarzttermine. Sie gehen mit den Kindern schwimmen, obwohl sie Schwimmbäder hassen. Andere Frauen sind nicht solche Versagerinnen, denkt sie, die kommen nicht nur mit ihrem Leben klar, sondern auch mit den Leben ihrer Lieben. Alle können das, nur sie selbst nicht. So denkt sie, wenn der Morgen graut und das Kissen kein Salzwasser mehr aufsaugen kann.

Dann setzt sie sich an ihre alte Singer-Traumnähmaschine und lässt die Nadel rattern. Als die Sonne aufgeht, sind die Elefantenhautellbogenschoner fast fertig. Sie schlüpft hinein. Ich weiß nicht, denkt sie, ich fürchte, die stehen mir nicht.

„Sieh es positiv“, sagt eine Stimme zu ihr.
„Und wie?“
„In diesem Haus verkehren ausschließlich Versager. Du bist nicht allein.“
la-mamma - 9. Mär, 23:13

sie haben nicht recht. und du natürlich mit dem text auch nicht. wollt ich nur mal gesagt haben, so rein theoretisch;-)
und praktisch: orange ist einfach schöner als rosa.

testsiegerin - 10. Mär, 08:58

ich hab aus dem rosa ein orange gemacht. der rest ist nicht so leicht zu ändern.
drblubb (Gast) - 10. Mär, 12:44

stimmt nicht! orange = bäääh!, rosa = ur cool! *g*
rosenherz - 9. Mär, 23:18

Autsch! Salz auf der offenen Haut, das brennt wie Feuer. Ich ahne, dass diese Schmerzen möglicherweise von meinem Kommentar zum Frauentag ausgelöst worden sind.

Vielleicht mag die verletzte Persönlichkeit ein Stückchen von Nathaniel Brandens Gedankengang nehmen, wie er in seinem Buch schreibt: "Ich opfere nicht mein eigenes Urteilsvermögen und gebe vor, meine Überzeugungen wären andere, als sie tatsächlich sind, um mich beliebt zu machen oder um Beifall zu finden. Entscheidend ist nicht, was "sie" denken, sondern was ich weiß."

Edit: Oder die Verletzte schätzt Rosa Mayreder (in ihrem Buch Geschlecht und Kultur):" Im Tun und Handeln eines Menschen tritt seine reale Person hervor; in dem der über sich selbst denkt und aussagt."

testsiegerin - 10. Mär, 08:57

Liebe Rosenherz,

nein, dein Kommentar war nicht der Auslöser für den Text. Aber jetzt wo du es sagst: Ich bin - pardon, SIE IST - noch mehr Versagerin als ich dachte. Sie backt in ihrer Freizeit weder Biobrot noch hat sie es geschafft, dem damals 13jährigen einzureden, dass die GEA-Schuhe cool sind.

Die Gedankengänge von Branden und Myreder geb ich gerne an die Protagonistin weiter.
drblubb (Gast) - 10. Mär, 12:46

*schnupper* riecht's hier irgendwie nach Sarkasmus? ;)
Uta-Traveller - 10. Mär, 09:08

warum nur ist immer das Urteil der anderen so wichtig?
warum vertrauen wir so selten unserem eigenen?

in diese Welt braucht es - leider - immer wieder Elefantenhaut

lieben Gruß
Uta

testsiegerin - 10. Mär, 12:09

vielleicht weil es uns orientierung bietet?
weil es uns ständig aus dem lot wirft und wir dadurch beweglich bleiben?

ich weiß es nicht.
rosenherz - 10. Mär, 12:40

vielleicht hat es auch damit zu tun, dass wir in einer zeit aufgewachsen sind, in der wir uns angelernt gelernt haben, uns um zustimmung anderen zu bemühen.
jane bluestein hat einmal eine aufstellung gemacht, die mir gefällt, und die zwischen dem verhalten von schülern unterscheidet, das sie mit den begriffen gehorsam und verantwortlich bezeichnet. - also schüler, die zu verantwortlichen schülern oder zu gehorsamen schülern erzogen wurden.
in dieser aufstellung stellt sie die beiden gruppen mit dem jeweiligen verhaltensweisen gegenüber:

a) gehorsamer schüler:
wird durch außere faktoren motiviert. etwa dem bedürfnis, autoritäten zu gefallen oder von außen zustimmung zu gewinnen.
b) verantwortlicher schüler:
wird durch innere faktoren motiviert; etwa dem bedürfnis, wahlmöglichkeiten gegeneinandner abzuwägen und persönlich die konsequenz zu tragen.

aa) gehorsamer schüler:
selbstwertgefühl wird als etwas von außen kommendes definiert; empfindet seinen wert nur, wenn er zustimmung findet.
bb) verantwortlicher schüler:
selbstwertgefühl wird als etwas von innen kommendes definiert, empfindet seinen wert mit oder ohne zustimmung (und selbst wenn er auf kritik stößt)

aaa) gehorsamer schüler:
gehorcht; denkt möglicherweise.
bbb) verantwortlicher schüler:
Denkt; gehorcht möglicherweise.

aaaa) gehorsamer schüler:
handelt nach einem äußeren wertesystem (für gewöhnlich, dem einer anderen person, die ihm wichtig ist), das persönlich unangemessen und sogar schädlich sein kann.
bbbb) verantwortlicher schüler:
handelt nach einem inneren wertesystem (danach, was am besten oder sichersten für ihn ist), wobei er die bedürfnisse und werte anderer mitberücksichtigt.
testsiegerin - 10. Mär, 12:59

Ich denke, bei meiner Protagonistin handelt es sich um einen Mischtypen bestehend aus abaabbaaabbbaaaabbbxxy
rosenherz - 10. Mär, 13:13

ja, und nicht zu vergessen die lerntypen, hauttypen, blutgruppen- und rhesusfaktortypen, venustypen und autotypen.
Uta-Traveller - 11. Mär, 14:58

beweglich bleiben ist gut, solange dass nicht dazu führt, sein Mäntelchen nach jedem Wind zu wenden

ich denke, die Elefantenhaut braucht es vor allem, wenn man anders als der "Durchschnitt" ist

früher reichte es in der Schule schon, wenn man eine Brille hatte, als Brillenschlange tituliert zu werden
oder du warst die Streberin, wenn du gute Noten geschrieben hast (egal, wie viel du dafür tun musstest)

auch wenn die Haut von Zeit zu Zeit dünn wird, man sie flicken muss oder erneuern
auf jeden Fall besser als ein so dickes Fell, ein so unkaputtbares, dass du gar nichts mehr spürst von der Welt
david ramirer - 10. Mär, 09:23

haus = welt...

testsiegerin - 10. Mär, 12:09

du meinst, überhaupt alle?
david ramirer - 10. Mär, 12:26

ja, mein ich.

versagen ist ein universell allgegenwärtiges phänomen, das den glauben an den erfolg nicht schmälern sollte.
bonanzaMARGOT - 17. Mär, 16:45

mein gott, was mir alles als nicht-mutter und nicht-vater entgeht!

bin ganz ganz allein als versager.

testsiegerin - 17. Mär, 19:32

auch nicht einfacher, oder?
bonanzaMARGOT - 17. Mär, 22:49

jeder scheiß hat seinen eigenen geruch.

Weise Worte, wahr

"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

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