Meineid

„Madl, wennst fliagst, genieß den Flug und denk net an die Landung“, hatte ihr der Tiroler Paragleitlehrer vor dem Flug mit auf den Weg – und ins Leben gegeben.
Üblicherweise schlug sie Ratschläge in den Wind. Dieser war wohl der einzige, den sie konsequent befolgte.

Sie hob ab. Genoss den Augenblick, in dem sie den Boden unter den Füßen verlor. Flog mit den Adlern. Schwebte ihrem Alltag davon, der Sonne entgegen. Sie fühlte sich leicht und unabhängig und geborgen in der Luft. Sie hörte die Geschwindigkeit rauschen, spürte den Wind auf ihren Wangen, roch die Freiheit, bittersüß, schmeckte das Abenteuer. Sie schloss die Augen, um all das noch intensiver zu spüren, zu riechen, zu schmecken, zu hören, gab sich ganz dem Gefühl hin, zu fliegen. Stark und unbesiegbar fühlte sie sich in ihrer Zartheit und Verletzlichkeit.

Dann prallte sie auf. Einmal auf dem falschen Fußballplatz, manchmal im hohen Gras, einmal mitten unter Kühen und Stieren, manchmal gerade noch neben der Stromleitung und nicht darin. Glück im Unglück. Oder Unglück im Glück. Was auch immer. Leben halt.
Mit blutendem Herzen landete sie. Mit blauen Flecken auf der Seele. Danach leckte sie die Wunden. Sie wusste, es würden Narben bleiben. Es blieben immer Narben. Körper und Seele waren übersät von Narben. Jede einzelne erzählte eine Geschichte. Jede einzelne erinnerte an die Schönheit des Fliegens.

Sie nahm die rosarote Brille ab, raffte den bunten Schirm zusammen und weinte bitterlich. Sie schwor sich, nie wieder zu fliegen.

Nie, nie wieder.
profiler1 - 19. Aug, 12:16

recht viel präziser kann eine metapher gar nicht sein.

testsiegerin - 19. Aug, 14:54

so präzise wollte ich gar nicht sein ;-) ... mehr kryptisch.
Jossele - 19. Aug, 13:08

Ob nie wieder Fliegen eine Lösung ist?
Schutz wohl, aber um welchen Preis?
Sie wird hoffentlich wieder fliegen, denn geht es nicht darum?

Was ein geringer Trost ist, so sie sich im tiefsten Tal befindet führt jeder Weg nach oben.
Ich drück ihr die Daumen, und sie selber auch

testsiegerin - 19. Aug, 14:55

Danke. Ich werd's ausrichten.
la-mamma - 19. Aug, 17:16

... sie spannte den ersatzschirm auf und merkte, dass der eigentlich auch taugte.

... sie raffte den bunten schirm zusammen, verstaute ihn sorgfältig, genau wie die rosarote brille.

... nie, nie wieder schwor sie und wusste, dass es nicht stimmen würde. nie.

testsiegerin - 20. Aug, 10:19

ich nehme antwort d)

;-)
steppenhund - 19. Aug, 22:05

Angst vorm Fliegen?

testsiegerin - 19. Aug, 22:12

Nein, vorm Landen.
profiler1 - 19. Aug, 23:07

unter paragleitern gibts ja den spruch "es ist noch keiner oben geblieben". ich weiss das deswegen, weil ich diesen sport selber fast zwanzig jahre ziemlich intensiv betrieben habe. 2000 flüge? oder mehr? keine ahnung.
erst beim lesen ihres textes wurde mir bewußt, wie treffend die parallelen zwischen dem gemeinten und dem realen sind, deswegen auch mein erster kommentar vonwegen präzision. sie müssen wissen, vom erlebniswert her gibts kaum etwas intensiveres und schöneres als diese art von fliegerei, vom gefahrenwert her auch nicht und das witzige an der sache ist das, dass man immer selber schuld ist wenn was passiert. situationen falsch eingeschätzt, offensichtliche gefahren missachtet oder unterschätzt, einfach dem inneren drang nach dem vermeintlich schönen nachgegegeben und trotzdem gestartet usw.
die tatsächliche fliegerei habe ich an den nagel gehängt, mitunter aus dem grund, viele blaue flecken und narben (einmal fast im hallstätter see ersoffen) gesammelt zu haben.
die fliegerei die sie mit ihrem schönen text meinen, die wird mir wohl mein leben lang erhalen bleiben. ob gewollt oder nicht.

testsiegerin - 19. Aug, 23:23

oh ja. das kann ich nachvollziehen. also beides. die schönheit des paragleitens und die schönheit des anderen fliegens.
ich bin ja auch ein paar jahre lang geflogen. in salzburg, schafberg, abtenau, von der hohen munde, kitzsteinhorn (das war mein längster flug, drei stunden in der luft), hahnenkamm, nordkette,...
hmmmmm...
profiler1 - 19. Aug, 23:29

wir wissen wovon wir reden :-)
so oder so.
testsiegerin - 19. Aug, 23:31

jetzt müssen wir nur noch das mit dem saufen und philosophieren hinkriegen ;-)
profiler1 - 19. Aug, 23:43

sie wissen wo sie mich finden, der rest ist dann einteilung :-)
katiza - 21. Aug, 08:34

Doch sie wusste tief drinnen immer, dass ihr nichts und niemand die Flügel stutzen konnte....


viennacat - 11. Mrz, 20:31

....wobei das "nie, nie wieder" ein schwur war, den sie seit jahren ablegte. doch dieses mal war etwas anderes passiert. sie wußte, die letzte narbe nie wieder heilen würde und die rosarote brille weder reparabel noch wieder erworben werden konnte...

testsiegerin - 11. Mrz, 20:48

ich seh das anders.
sie hatte das gefühl, dass die narbe nie wieder heilen würde. und die rosarote brille kaputt war.
aber tief drinnen in ihrem herzen wusste sie, dass der schwur auch diesmal ein meineid sein würde. dass die narbe zwar bleiben und sie an den schmerz erinnern, aber irgendwann nicht mehr weh tun würde. und dass das leben auch ohne rosarote brille lebenswert und wunderschön war. auch wenn sie jetzt etwas anderes fühlte.
viennacat - 11. Mrz, 20:52

seufz.
ihr wort in gottes gehörgang
seufz.

Weise Worte, wahr

"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Selbstgeschrieben


Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
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