Der Alte

Vor ein paar Wochen hab ich mit ihm Schluss gemacht. „Es tut mir leid", hab ich gelogen, "aber wir passen einfach nicht mehr zusammen."
Das wollte er nicht hören. An all die schönen Zeiten hat er mich erinnert, an die Spaziergänge im Schnee und das Glitzern in Natur und Augen und gefleht, dass er bleiben darf. „Ich liebe dich nicht mehr“, hab ich gesagt und gewusst, es muss ziemlich hart geklungen haben. Die Wahrheit wäre noch viel härter gewesen. Ich habe ihn nie geliebt. Ich habe ihn akzeptiert, wir haben uns arrangiert, aber geliebt, nein, geliebt hab ich ihn nie.
Beleidigt, wütend und schluchzend ist er abgezogen. „Du wirst noch von mir hören“, hat er gedroht. Und sollte recht behalten.

Heute früh war er wieder da. Mit Gepäck. Ich hätte besser durch den Spion schauen sollen, aber vertrauensselig wie ich nun mal bin, habe ich ihm ahnungslos geöffnet. Es hätte ja auch sein können, dass es der Mann von der Lottogesellschaft ist oder wenigstens der Hausverstand, mit einem Blumenstrauß.
Ich wollte schnell zumachen, aber er war wieder einmal schneller und hatte schon einen Fuß in der Tür. „Hier bin ich wieder, Liebes“, hat er gegrinst und seine schweren Taschen abgestellt. „Schau, ich hab dir was mitgebracht.“
„Hau ab. Ich will deine Geschenke nicht. Ich brauche dich nicht mehr. Und ich liebe dich auch nicht mehr, das hab ich doch schon mal gesagt. Was willst du also hier?“
„Aber ich liebe dich.“ Als würde das reichen, um wieder hier einzuziehen. „Ich habe dich immer geliebt.“
Es kostet mich viel Kraft, die Tür zuzudrücken, aber ich werde es nicht zulassen, dass er sich wieder hier breit macht.
„Neue Schuhe?“ Er blickt auf meine Sandalen und grinst.
„Das geht dich gar nichts an.“
„Komm schon, Süße“, säuselt er jetzt, „lass mich rein, es ist kalt.“
„Ich weiß. Selber Schuld. Außerdem… außerdem geht das nicht…“
„Und warum nicht, wenn ich fragen darf.“
„Es gibt da einen Neuen.“
„Du konntest es wohl gar nicht erwarten, wie? Ist er wenigstens gut im… du weißt schon…?“
Am liebsten würde ich ihm ins Gesicht spucken, aber ich weiß aus Erfahrung, dass er dann erst recht bockig und trotzig wird. „Er ist zärtlicher als du“, sage ich deshalb nur, „und wärmer.“
„Und wo ist der Neue?“
„Er schläft noch. Aber er wird bald aufstehen. Besser du verziehst dich, sonst wird er sauer.“
„Und wie heißt er, der Neue?“
„Frühling.“

"Hohoho, der war gut!"
Der Winter ist ein zynisches Arschloch.
david ramirer - 19. Mrz, 09:16

...ein zynisches, sterbendes, altes arschloch, um präzise zu sein.

:-)

testsiegerin - 20. Mrz, 08:02

...ein widerliches, zynisches, sterbendes, altes arschloch, um noch präziser zu sein.
gerda (Gast) - 19. Mrz, 10:04

gut, dass du dir einen neuen geholt hast. *grins*
ich konnte deinen alten auch noch nie leiden. er wird sich schnell verziehen, wenn er erst merkt wie hartnäckig und lebensfroh der neue ist.
ich fürchte nur, wenn er lange genug geschmollt hat, steht er irgendwann wieder vor der türe.

ganz lieben gruß dir

gerda

testsiegerin - 20. Mrz, 08:02

ja. das fürchte ich auch. er kapiert es einfach nicht, dass er hier nicht so willkommen ist.
wahrscheinlich muss ich auswandern, um ihn ganz los zu werden.
irishwolfhound - 19. Mrz, 10:21

und warum …

… hast du deinen ex-alten zu mir geschickt? jetzt reicht es - jetzt raunz ich auch über unveränderliches, dieses wetter nämlich. *schmoll* dabei, als techtel-mechtel für ein paar wochen im dezember/jänner liebe ich ihn sogar. aber jetzt soll er sich endlich schleichen, der winter …

testsiegerin - 20. Mrz, 08:03

tschuldigung. ich dachte, im waldviertel fühlt er sich ein bissl wohler als hier.
walküre - 19. Mrz, 10:58

Ist dir noch nie aufgefallen, dass sich Männer, die man in die Wüste schickt, dann, wenn man glaubt, sie endgültig los zu sein, noch ein letztes Mal so richtig, richtig aufpudeln ?

Wenn du mich fragst: Das war heute sein letzter Auftritt (zumindest für die kommenden Monate).

testsiegerin - 20. Mrz, 08:03

dein wort in der göttin ohr
rosmarin (Gast) - 19. Mrz, 11:33

:-)
das erinnert mich an was....

testsiegerin - 20. Mrz, 08:03

an was?
datja (Gast) - 19. Mrz, 21:03

und heute früh ist er auf meinem auto gehockt.
hab ihn einfach ignoriert.
wenn er mich fad findet - vielleicht bleibt er dann nicht.
mal sehen!

testsiegerin - 20. Mrz, 08:04

ja. ich hab ihn wütend von meinem auto geschmissen und gesagt: versuch es doch bei der datja! (ich hab ja gewusst, dass er bei dir noch weniger chancen hat)
Tirilli (Gast) - 19. Mrz, 22:51

Puh

Jetzt mache ich mir aber Gedanken, wie grausam du den Neuen abfertigen wirst, wenn dann Herr S. kommt.
Das Leben ist ja ganz schön hart für manche.
Ich hoffe, der Alte hat jetzt nicht etwa einen seelischen Schaden der sich dann später auf alle auswirkt!

Danke für die amüsante Geschichte.
Liebe Grüße,
Tirilli

testsiegerin - 20. Mrz, 08:05

Nein, so böse werde ich zum F. nicht sein, keine Sorge. Es sei denn, er bringt nur nasse, kühle Geschenke. Aber wenn er sich zusammenreißt, werd ich mich liebevoll von ihm verabschieden und sagen, dass er nächstes Jahr herzlich willkommen ist.
FrannyGlass - 20. Mrz, 09:45

eine feine kleine geschichte!

testsiegerin - 21. Mrz, 00:09

dankeschön.
Nachtexpress - 20. Mrz, 15:09

Du bist wunderbar,

so zu schreiben ist mir so nah . . . ich habe so herzlich gelacht und war immer gespannter zum ende hin. Danke dafür.
Vielleicht . . . ach ich schreibe auf meine Art. Danke für die Inspiration.

Nachtexpress

testsiegerin - 21. Mrz, 00:09

das ist balsam auf meine seele ;-)

und ich glaub, dass es ganz wichtig ist, auf seine eigene art zu schreiben. nur dann ist das geschriebene authentisch und hat eine eigene seele.
la-mamma - 20. Mrz, 17:51

lach;-)

und fremdgehen tut der typ auch noch wie nur. oder kennt ihn irgendeine von uns nicht?;-)

testsiegerin - 21. Mrz, 00:10

das hab ich gar nicht bedacht, weil es mir wurscht war, hauptsache, ich bin ihn los. aber jetzt, wo du es sagst...

er ist ein widerliches, dreckiges, zynisches, herumfickendes, sterbendes arschloch, das arschloch.
wortmeer - 20. Mrz, 18:52

Herrlich schön! Ein toller Text!

Frühlingsgrüße
vom wortmeer

testsiegerin - 21. Mrz, 00:11

danke auch dir.
ich finds immer witzig, wenn manche texte, die beim autofahren entstehen und dann in fünf minuten in den computer geklopft werden, anklang finden.
Jossele - 24. Mrz, 09:43

Aaah, das wärmt!
Du hast es drauf! Danke.

Weise Worte, wahr

"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Selbstgeschrieben


Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
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