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Sonntag, 25. Dezember 2011

Da hängt was schief

Mut zur Lücke hatte er. Der Baum, der etwas abseits lehnte und auch so gerne Christbaum gewesen wäre. Aber niemand wollte ihn, die Menschen entschieden sich für die dichten, stolzen Nordmanntannen. Doch, einer wollte ihn. Mein Mann. „Was ist mit dem?“, fragte er den Waldbesitzer. „Ach, den zerschneid ich“, sagte dieser. „Den nimmt doch keiner.“ „Ich schon. Wieviel kriegst du?“ „Zehn Euro. Geh, gib mir fünf, passt schon.“

„Wunder- wunderschön“, staunen wir alle, als der Baum im Wohnzimmer steht. „Das ist der hässlichste Baum, den wir je hatten.“
Wir haben in unserer Familie eine Schwäche für Außenseiter, füreinander, für alles, das ein bisschen von der Norm abweicht.
„Hängt nicht so viel auf den Baum, sonst kann man nicht mehr erkennen, dass es ein Baum ist“, sage ich üblicherweise am Vorweihnachtstag. „Hängt bitte alles auf, was wir haben“, sage ich diesmal. Die Christbaumkugeln in allen Farben, die Schokobananenkringel, die kitschigen Weihnachtsmänner, die Schokoschirmchen, die Sternspritzer, Lametta, die bunte Lichterkette, sogar die selbstgewickelten Mützenbommel.
„Vielleicht könnte man ja etwas von den unteren Ästen abschneiden und oben hineinflicken?“, schlage ich vor, weil der Mut zur Lücke ein ziemlich großer ist. Mein Vorschlag prallt an der Sturheit meiner Mitbewohner ab. „Das würde den Baum kränken“, meinen sie. „Auch er hat ein Recht auf körperliche Unversehrtheit.“ Ja, ich bin schon still.

„Schnell!“, brülle ich ins Arbeitszimmer, in dem mein Mann grad die Welt rettet. „Stille Nacht!“ Es ist drei Minuten vor fünf. Ich lege keinen besonderen Wert auf Traditionen, aber es gibt Rituale, die zu brechen würde Unglück bringen, das wäre, wie auf die Fugen zwischen den Fliesen zu treten. Um 16:57 dröhnt „Stille Nacht“ aus dem Radio, die bunte Lichterkette leuchtet, mein Mann zündet die Wunderkerzen an, von denen nur die Hälfte brennt, weil sie aus dem Vorjahr sind. Unseren vier Katzen gefällt der missratene Baum. Zum Glück ist er an der Decke angebunden, wie jedes Jahr.
„Is bald aus, das Lied?“, fragt mein Mann. „Halt durch, Papa, eine Strophe noch“, meine Tochter. „Ich hab Nasenbluten.“ „Gusch“, zische ich. „So seid doch ein bisschen besinnlich. Sie singen eh nur drei Strophen, in Wahrheit gibt es sechs.“

"Jesus der Retter ist da!"
"Jesus der Retter ist da!"
Es wird still. Eine Sekunde lang.

„Drei, zwo eins, los! Frohe Weihnachten! Yippiee!“, brüllen sie.
„Tschuldigung. Ich kann nichts für diese Familie“, schiele ich zum Baum und zwinkere ihm zu. „Aber ich liebe sie.“ Er zwinkert zurück. Eigentlich passt er ganz wunderbar zu uns.

Freitag, 9. Dezember 2011

Winterwunderweihnacht

oder

Alle Jahre wieder ;-)

Weihnachten ist Scheiße. Mama will nicht, dass ich Scheiße sage. Aber ich sag’s ja auch nicht, ich schreib’s einfach hin. Scheiße. Weihnachten ist Scheiße, und Scheiße ist Weihnachten. So einfach ist das.
Scheiße muss kursiv. Wenn man Scheiße kursiv schreibt, dann schaut’s aus, als hätte da jemand reingetreten.

Zu meinen ersten Weihnachten war ich noch nicht mal ein Jahr alt. So geht’s den meisten Kindern, ich weiß. Niemand hat mich je gefragt, ob ich das will. Ich hasse Kerzen. Ich leide unter einer chronischen Tannenbaumallergie. Und ich bekomme Ausschläge in der Nierengegend, wenn meine Mama singt. Der Supergau, also der größte anzunehmende Unglücksfall ist, wenn sie bei Kerzenlicht unter dem Tannenbaum singt.
Meine Mama hat aber nicht mal den Anstand, mit ihrer dämlichen Singerei zu warten, bis die Kerzen am Baum brennen. Sie singt bereits Wochen vorher. Eigentlich singt sie das ganze Jahr über. Aber in der Vorweihnachtszeit begleitet sie Julio Iglesias bei seinen eigenwilligen Interpretationsversuchen deutscher Weihnachtslieder. Dieser iberische Schleimpfropfen tut so, als hätte es nie ein H in der abendländischen Kultur gegeben, singt von ’immlischen ’eeren und von ’irten. ’alleluhjah.

Ich war drei, als Oma Rotz und Wasser geheult hat, weil ich am Heiligenabend vier Stunden auf dem Klo verbracht habe. Nein, ich hatte nicht Durchfall, es war nur wegen Mama und Julio Iglesias und dem Scheiß-Baum und dem Scheiß-Weihnachten.
Ganz ein garstiges Mädchen wäre ich, schluchzte Oma, ein unflätiges undankbares Kind. Ich würde allen die Freude verderben mit meiner Destruktivität. So, als ob es konstruktiv wäre, zerbrechliche Kugeln auf einen Baum zu hängen, einander Geschenke zu überreichen und einen frierenden Säugling in einer Krippe zu bewundern, der inzwischen längst tot war.
Nicht, dass Sie mich missverstehen, ich liebe meine Eltern. Ich liebe sogar Oma. Ich hasse nur Weihnachten.

Es muss in der zweiten oder dritten Stunde auf dem Klo gewesen sein, als ich den unabänderlichen Entschluss fasste, mich fortan der transzendentalen Meditation zuzuwenden und peruanische Literatur des frühen siebzehnten Jahrhunderts zu studieren und ins Polnische zu übersetzen.
Der Kinderpsychiater hatte Verständnis für mich. Glaubte ich jedenfalls. Aber als er mir riet, Freude zu heucheln und mit meiner Familie Schlittenfahren zu gehen, feuerte ich ihn.

Ein paar Jahre später kappte ich die Stromversorgung in unserem Dorf. Die Auswirkungen waren fatal. Unerfreulich fatal einerseits, denn die Lichterketten gingen zwar aus, dafür aber noch mehr Kerzen an. Erfreulich fatal andererseits, denn Julio verstummte.
Doch Mama kompensierte das locker. Sie sang lauter und falscher als je zuvor. Oh du fröhliche ging mir durch Mark und Bein. Ihr Kinderlein kommet infiltrierte meine Großhirnrinde. Alle Jahre wieder erschütterte meinen Magen-Darm-Trakt und löste dort heftige Konvulsionen aus. Ich kotzte unter den Weihnachtsbaum. Ich kotzte auf die Geschenke. Ich kotzte in die Krippe.

Noch am selben Abend unterzeichneten meine Eltern und ich in einen Vertrag. Einen siebenseitigen Weihnachtsvertrag, mit Klauseln, mit jeder Menge Kleingedrucktem und - notariell beglaubigt. In unserer Familie wurde Weihnachten abgesagt. Das war der Teil des Deals, den ich ohne Murren akzeptierte. Aber – und jetzt kommt der andere Teil – ich musste versprechen, mich wenigstens nach außen hin in der Advents- und Weihnachtszeit wie ein halbwegs normales Kind zu benehmen. Das war auch der Grund, weshalb ich für Sie im Deutschunterricht sogar jedes Jahr wunderschöne Weihnachtsgeschichten geschrieben habe, liebe Frau Lehrerin. Geschichten, bei denen ich Tränen der Rührung in Ihren Augen gesehen hab, während Sie sie der Klasse vorgelesen haben.

Doch jetzt ist Schluss mit lustig.
Ich habe Mama erwischt, wie sie heimlich Weihnachten gefeiert hat. Nachts. In der Garage. Im August. Ganz leise sang Julio Iglesias. Mama bewegte dazu andächtig ihre Lippen. Am Baum glitzerte geschmacklos Lametta. Und in der Krippe lag ein Jesukind, das sorgfältig von jedem Kotzbröckelchen gereinigt worden war.
Deshalb fühle auch ich mich nicht verpflichtet, meinen Teil der Vereinbarung einzuhalten. Meine Mutter ist vertragsbrüchig geworden. Ich habe mit Unterstützung eines renommierten Anwaltes bereits Klage beim zuständigen Bezirksgericht eingebracht. Wie schon erwähnt, ich liebe meine Mutter. Aber Vertrag ist nun mal Vertrag.

Ich weiß, Frau Lehrerin, dass Sie jetzt – wie bei all meinen anderen Geschichten – auf eine überraschende Wendung hoffen. Eine geniale Pointe. Vielleicht darauf, dass die Protagonistin erfunden ist und in Wahrheit glänzende Augen bekommt, wenn sie Mama im Duett mit Iglesias hört. Aber so sehr ich Sie mag, ich muss Sie enttäuschen. Ich bin die Protagonistin. Es gibt weder Wendung noch Pointe. Alles ist wahr.
Und aus.

Montag, 28. November 2011

Lebenswünsche

„Guten Tag Frau Kroupka!“ Emma Rogner nahm auf dem Stuhl gegenüber ihrer Klientin Platz. Zwei Pflegebetten standen im kahlen Zimmer, daneben zwei Nachtkästchen. Keine Bilder an den Wänden, nichts, das etwas über die beiden Bewohnerinnen des Zimmers verriet. Es roch nach Urin und Desinfektionsmittel. „Schön schauen Sie heute aus. Ihre Wangen sind ganz rosig und ihre Augen strahlen heute irgendwie. So möchte ich mit 85 auch gern ausschauen. Verraten Sie mir das Geheimnis, wie man das schafft?“
Gerda Kroupka lockte sie mit dem Zeigefinger zu sich und Emma beugte sich nach vorne.
„Es sind die Erinnerungen“, flüsterte Gerda ihr ins Ohr. „Erinnerungen an ein schönes Leben und die Liebe. Davon zehrt man ein Leben lang. Haben Sie auch schöne Erinnerungen, Frau... Frau...“
„Rogner“, half Emma ihr. „Ja, ein paar solche Erinnerungen hab ich schon. Aber ich bin noch am Sammeln. Mein Album ist noch nicht voll. Zum Glück.“
Gerda Kroupka griff ihre Hand und tätschelte sie liebevoll. „Wissen Sie, wenn man anständig lebt und liebt, kann man beruhigt alt werden, Kind.“
Emma Rogner biss sich auf die Lippen. Hm. Ihre Chancen auf ein beruhigendes Altern waren soeben rapide gesunken.
„Wer waren Sie noch mal?", fuhr Gerda fort. „Ich glaub, wir zwei kennen uns irgendwoher.“
Emma Rogner nickte. Frau Kroupka hatte sie schon oft gesehen, aber meistens konnte sie sich nicht daran erinnern. „Sie schauen meiner Großmutter ähnlich, Kindchen.“
Es hatte keinen Sinn, ihrer Klientin zu erklären, welche Funktion sie hatte und warum sie hier war. Ganz konnte sie es aber nicht vermeiden, auch übers Geld zu reden, und heute schien Gerda Kroupka im Vergleich zu den letzten Besuchen im Heim wach und aufgeräumt. Emma mochte Gerda sehr, sie hatte so etwas Feines und Liebenswertes. Aus ihren Augen blitzte Humor, aus ihrer Seele Herzlichkeit. Am liebsten hätte Emma die alte Frau in den Arm genommen und an sich gedrückt, aber das wäre unprofessionell gewesen. Ein Fallen aus der Rolle, eine Grenzüberschreitung. Voller Wehmut dachte Emma an ihre Lieblingsoma, die vor mehr als dreißig Jahren gestorben war. Emma hatte sie ein paar Tage vor ihrem Tod noch besuchen wollen, aber dann war etwas dazwischengekommen. Irgendetwas Banales. Das schlechte Gewissen nagte immer noch an ihr.

„Frau Kroupka, Sie haben ganz viel Geld von Ihrem Mann geerbt. Sie können aus dem Pflegeheim ausziehen und wieder nach Hause zurückkehren. Ich organisiere das für Sie, wenn Sie möchten. Mit einer 24-Stunden-Pflege, einem Besuchsdienst, lieben Menschen, die sich um sie kümmern und ihnen alle Wünsche erfüllen... alles ist möglich.“
„Papperlapapp. Ich hab mein ganzes Leben gearbeitet und mich ums Haus gekümmert. Ich mag nimmer. Ich will nur noch meine Ruhe haben. Ich bleib hier, hier hab ich alles, was ich brauche, und basta.“
„Basta“, wiederholte Emma Rogner. „Gibt es wenigstens irgendetwas, das ich für Sie tun kann? Etwas, dass Sie sich wünschen? Noch einmal das Meer sehen, hübsche Kleider, eine gute Matratze, gutes Essen, bequeme Schuhe, Schmuck, junge Männer...“ Emma Rogner fielen viele Dinge ein, die sie gerne gehabt hätte, aber sie hatte keine halbe Million Euro auf Sparbüchern, sondern ein dickes Minus am Konto.
„Papperlapapp.“ Gerda Kroupka lachte. „Ich brauch so ein Zeugs nicht.“
„Na gut. Aber wenn Ihnen etwas einfällt, dann sagen Sie das bitte der Schwester, die ruft mich dann an.“
„Welche Schwester denn? Ich hab gar keine Schwester. Nur eine Mutter und eine Großmutter. Ich muss dann noch zu ihr, die Hühner füttern." Ihr Blick schlich aus dem Fenster. „Mit den Eiern macht sie einen wunderbaren Guglhupf. Mögen Sie ein Stück, Kind?" Plötzlich ging ein Ruck durch ihren Körper und sie wandte den Blick vom Fenster ab und Emma zu. „Grüß Gott. Was wollen Sie überhaupt von mir?“
Jetzt war Gerda Kroupka wieder in eine andere Zeit und eine andere Welt eingetaucht. Eine, in der sie wichtig war und geliebt wurde. Emma strich ihr zärtlich über die Stirn. „Ich muss los. Auf Wiedersehen. Bis bald.“

Sie war schon bei der Tür, als ihre Klientin ganz leise sagte: „Ja, da gibt es etwas, das ich mir wünsche.“
Emma kehrte um, ging in die Knie und schaute Gerda in die Augen. „Ja?“
Tränen liefen über die Wangen der alten Frau. Emma wischte sie behutsam mit dem Zeigefinger weg. „Möchten Sie mir sagen, was Sie sich wünschen?“
„Ich hätte so gern ein Packerl Manner Schnitten .“ Sie weinte.
Jetzt liefen auch über Emmas Wangen Tränen. Emmas Oma hatte ihr immer Manner Schnitten mitgebracht, wenn sie auf Besuch kam. Manner Schnitten und gezuckerte Kondensmilch aus der Tube. Emma warf ihre Professionalität über Bord und drückte die zarte, alte Frau an sich. „Ich bring Ihnen welche mit, Frau Kroupka. Die schmecken nach Geborgenheit, oder?“

Sonntag, 27. November 2011

I love my life

Hach, wie schön ist das Leben doch.
Feuer im Wohnzimmerofen. Feuer im Küchenofen. Chili auf dem Ofen. Brot im Ofen. Leckereien auf dem Tisch. Ich im neuen, schönen Kleid, dass eine meiner liebsten Freundinnen mir zum Geburtstag geschenkt hat.

Die weltbesten Frauen (eine schöner als die andere) in meinem Leben waren heute bei mir zu Gast (ein paar der weltbesten Frauen in meinem Leben haben zwar gefehlt, aber in meinem Herzen waren sie trotzdem, also irgendwie waren sie auch dabei). Sie sind nicht nur schön, sondern klug, witzig, kreativ, liebenswert, schräg und stark. Wir haben geschlemmert, gelacht, geredet, Pläne geschmiedet ("Die toll3sten so richtig dreist" ... als Location kommen in Frage: das Hotel Orient, ein Puff, das Demel oder eine Kirche"), Gstanzl gesungen und uns geöffnet. Ich hab sie bekocht und verwöhnt, image1
auch wenn ich immer auf den Kaffee vergessen hab, sie kamen mit vollen Herzen und vollen Händen, haben mich reich beschenkt, mit wunderschönen Geschenken zum Riechen, Lippen und Nägel bemalen, Hände, Hals und Füße wärmen, mich noch schöner machen, zum schreiben, zum hören, zum schmecken, zum genießen. (Puh, ich weiß grad nicht, wann man diese Verben groß oder klein schreibt. Kann mir jemand helfen?) Mit ihrer Zeit haben sie mich beschenkt und vor allem mit ihrer Liebe.

image_1Frau Dr. Blubb und Fräulein Rosi haben die Muffins gebacken)
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Ja, das ist einfach ein Gefühl von Geborgenheit, wenn ich sie alle um mich hab, die so wichtig sind für mein Leben, ohne die mein Leben einfach nicht mein Leben wäre, die mir zuhören, mich auffangen, wenn ich schwanke, mit mir Theater spielen, auftreten, spielen, frühstücken, reden, mir Geheimnisse anvertrauen, sich meine Geheimnisse anhören. Da bin ich daheim, und unendlich glücklich.

Dieses Geschenk hier kam ebenfalls von der allerwichtigsten Frau in meinem Leben:
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DANKE. ICH LIEBE EUCH!

Sonntag, 20. November 2011

Sieben Dinge, die ich über mich verrate



The versatile Blogger, soll das heißen. Ich hab "der versaute Blogger" gelesen und gedacht, na und warum krieg ich das umgehängt?

Sieben Dinge von mir soll ich erzählen, die ich hier noch nicht erzählt habe. (Danke, LaMamma, was hab ich gestern angestellt, um diese Strafe zu verdienen?) Schwierig ist das, weil ich nämlich eh fast alles von mir preisgegeben habe. Ich werde mich trotzdem bemühen.

Also erstens: Nein, das wisst ihr schon. Meine Blasmusikvergangenheit. Mein Jahr im Opus Dei-Heim. Und dass ich im Gefängnis war. Meine panische Angst vor Banken und Kontoauszügen. Meine Liebe zu Lippenstiften und Strumpfhosen? O.k., auch nicht wirklich neu für euch. Das wird ganz, ganz schwierig, bei so einer Quasselstrippe wie mir.
Weil man ja Geheimnisse nicht veröffentlicht.

1) Ich habe mit blauen Haaren geheiratet. Als meine Oma das gesehen hat, hat sie entsetzt aufgeschrien: „Blaue Hoa! I geh glei wieda ham!“

2) Ich veröffentliche anderswo heimlich Geschichten, die für dieses Blog viel zu versaut sind. Das verbindet mich mit einer anderen Bloggerin, die ebenfalls eine blühende weibliche Fantasie hat ;-)

3) Ich habe mit mehr Aus- als Inländern geschlafen. Und das, obwohl die Sprache für mich das wichtigste Sexualorgan ist.

4) Im Nähen (ich besuchte ja eine höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe) bekam ich eine Vier, weil ich an der Nähmaschine in Trance gefallen bin und das Kinderkleidchen rundherum zugenäht habe. Und weil meine Tante die Knopflöcher schlecht genäht hat.

5) Mein erster Diebstahl geschah in London. Das Objekt meiner Begierde: Ein Lippenstift. Als ich an der Kasse stand, begann die Kassiererin wie wild zu bimmeln. Mein Herz rutschte in die Strumpfhose. Dabei wollte sie nur von der Kollegin Geld gewechselt bekommen.

6) Ich hab zugelassen, dass ein Freund mich auf einem Autobahnparkplatz aus dem Auto geworfen hat, weil ich ihn kritisiert habe. Ich hab zugelassen, dass genau dieser Freund eines Tages beschlossen hat, dass sein Bett für uns zu schmal ist und die Luftmatratze aufgeblasen, anstatt ihn zu verlassen. Dafür schäme ich mich noch heute.

7) Mein erster Sex begann mit den Worten: „Ich nehm den links.“ Meine Freundin nahm den rechts. Links war schon damals die bessere Wahl.


Jetzt sollte ich noch 15 Blogger dazu auffordern, diese Kette nicht zu unterbrechen, weil sonst in Afrika ein Kind verhungert oder die Pest oder eine konservative Regierung in Spanien über uns hereinbricht. Aber das riskiere ich.

Freitag, 11. November 2011

Plasti-scene aus Zwielicht

Während HerrWu, der Ehemann der Testsiegerin kocht und danach am Computer schnell die Welt rettet, und während Traktorfan, der Sohn von Frau Testsiegerin und HerrWu, die Buntwäsche aufhängt, und während die Testsiegerin mit den Toll3sten das nächste Projekt in Angriff nimmt und probt, ist auch Frau Doktor Blubb, die Tochter von HerrWu und Frau Testsiegerin, kreativ.

Für ein Gewinnspiel drehte sie gemeinsam mit ihren Freundinnen ein Fan-Video der Zwielicht-Saga. Das Ergebnis ist hier zu sehen:

Mittwoch, 9. November 2011

Kunstflug

Wer morgen noch nichts vorhat:

Kunstflug

Ausstellung mit Claudia Heiden, Renate Fahrnik, Gerda Müller, Wolfgang Peterl und Karl Hiesinger

Eröffnung: 10. November 2011, 19.30 Uhr, Belvedereschlössl Stockerau

Lesung: Barbara A. Lehner

Sonntag, 9. Oktober 2011

Die Grenze

Das war die allererste Geschichte, die ich geschrieben hab. Mit der mein Schreiben den Anfang genommen hat.
Gestern hat eine Frau sie bei einer Veranstaltung gelesen. Ganz leise wurde es im Saal. Und für mich war es aufregend, mal eine Geschichte von mir zu hören, die nicht ich lese.



„She walks softly and carries a big gun...“ tönte es aus dem Autoradio.

Da war sie wieder, die Grenze. Wie jeden ersten Freitag im Monat machte der Schlagbaum ihr die eigenen Grenzen bewusst. Da war die Versuchung, diese Grenzen zu überschreiten. Gleichzeitig die Angst davor.
Sie stand im Stau. Es staute sich vor ihr. Hinter ihr. In ihr.
Auch die Mittagssonne ließ das nicht kalt. Mit voller Wucht durchdrang sie die Windschutzscheibe und prallte ungebremst aufs Lenkrad, auf dem zwei Hände den Rhythmus der Musik mittrommelten.
Vorne bei der Passkontrolle marschierte eine Zollwachbeamtin allein im Gleichschritt auf und ab. Ihr Anblick hatte etwas Einsames. „She walks softly and carries a big gun.“

Bald würde sie fallen, die Grenze. Die Grenze, die nicht nur Angst machte, sondern auch Schutz bot.
Sie kramte in ihrer Handtasche. Suchte den Lippenstift. Der ihre blassen Lippen schützte und Sicherheit und Stolz vortäuschte. Der ihre Angst blutrot übermalte.

Die Tasche war ein Spiegel ihrer Seele. Sie dachte an die Sonntagsbeilage der Zeitung, die sie sowieso nur sonntags las. Prominente zeichneten ihren Tascheninhalt und gaben so ihr Leben der Leserschaft preis. Lieferten die Innenwelt der Außenwelt aus. Oder bewahrten ihr Innerstes vor der Auslieferung, indem sie zum Schein Erfrischungstücher, Feuerzeuge und Organspenderausweise herausholten.

Sie täuschte in erster Linie sich selbst. In ihrer Tasche war nichts, das andere Menschen spannend finden können hätten. Mit o.b., Slipeinlagen, Nagelfeile, Parkscheinen, Handy, dem Kalender und den Schlüsseln würde es ihr vermutlich nicht gelingen, jemanden zu beeindrucken. Ein paar Kugelschreiber, ein Bleistiftspitzer, aber kein Bleistift. Ein Bild, das ihre Tochter für sie gemalt hatte. Sie selbst in roten Stiefeln, mit Leopardenstrumpfhose und Lippen im selben knallrot wie die Stiefeln. So sah ihre Tochter sie also. Zwei Taschenbücher, obwohl sie nie las, wenn sie ihre „Ausflüge“ über die Grenze machte. Taschenbücher und Taschentücher. Für überschüssige Lippenstiftspuren. Für die Tränen, die sich später ihren Weg über ihre Wangen bahnen würde.
Aber wen interessierte das schon? Sie war nicht prominent. Sie war eine ganz normale Frau, ständig auf der Suche nach ihren Grenzen. Ständig konfrontiert mit ihren Ängsten. Ihren Unzulänglichkeiten. Ihrem Mangel an Makellosigkeit.

Endlich. Mit einem Blick in den Rückspiegel zog sie die Lippen nach und presste sie auf das Taschentuch mit den Herzen. Das hatte Stil.

Sie trat auf die Bremse. Der Mann im BMW vor ihr tippte mit dem Zeigefinger an die Stirn. Sie antwortete mit dem Mittelfinger. „He, du alter Wichser, reg dich ab. Uns trennen drei Zentimeter.“ Das Gefühl der Befreiung währte nur kurz. Was sind schon drei Zentimeter gegen die Ewigkeit? Was waren schon drei Zentimeter gegen fünfundsechzig Kilo Angst?

Sie kramte weiter. Suchte, ohne zu wissen, wonach. Nach dem Sinn vielleicht, doch der war da nicht. Ein paar CDs. Die Knef. Aber es regnete keine roten Rosen. Es regnete nicht einmal ein paar Gewittertropfen, die das flaue Gefühl in ihr wegwaschen könnten.

Plötzlich kamen die Zweifel. Zweifle an denen, die sagen, sie kennen keine Angst. Aber hab Angst vor denen, die sagen, sie kennen keine Zweifel. Erich Fried. Es musste demnach keiner Angst vor ihr haben, und niemand an ihr zweifeln.

Er würde ihr weh tun. Er tat ihr immer weh. Seit Monaten tat er ihr weh. Jeden Monat. Jeden ersten Freitag. Und trotzdem stand sie immer wieder hier. An der Grenze, die es bald nicht mehr geben würde. Bald würde sie neue Grenzen suchen müssen.

Sie betrachtete ihr Foto im Reisepass und erinnerte sich an den Tag, an dem es entstanden war. Draußen war es kalt gewesen und in ihr warm, satt und zufrieden. Es schien Ewigkeiten her zu sein. Damals hatte sie sich nichts beweisen müssen. Heute war es draußen heiß und in ihr kalt.

Der Schmerz würde sich in sie bohren und sie sich in ihm spüren. Wie sagte William Faulkner? Wenn ich die Wahl habe zwischen dem Nichts und dem Schmerz, dann wähle ich den Schmerz.
Lust und Schmerz waren Nachbarn, die war versuchten, sich aus dem Weg zu gehen, aber doch immer wieder aufeinander prallten. Mitten in ihrem Körper. Mitten in ihrer Seele.

Sie mochte ihn nicht. Trotzdem. Er war gut. Er tat, was unausweichlich war. Sie fuhr freiwillig zu ihm, und doch musste sie sich jedes Mal dazu zwingen. Sie dachte an das Danach. Danach würde sie sich besser fühlen. Leichter. Schöner. Begehrenswerter. Hoffentlich.

Seine Gesichtszüge waren ernst, beinahe streng. Sie konnte sich nicht erinnern, ihn jemals lächeln gesehen zu haben. Es war nicht seine Aufgabe, zu lächeln.
Er war Mitte Vierzig, sein Körper athletisch, seine Hände kräftig. Hände, die ihr weh tun würden. Grob waren und eindrangen in sie. Die ihre Grenzen überschritten und sie bluten ließen.

Hier war sie wieder, die Grenze. Die Angst drückte sich ihr in den Bauch, nahm ihr die Luft zum Atmen.
„Was führen Sie ein“?
Nichts. Jedenfalls nichts, was sie vorzeigen konnte. Sie führte Verwundbarkeit ein. Angst. Aber auch Mut. Überwindung. Und Lust. Er würde auch etwas einführen. Gegen ihren Willen. Und doch auch wieder nicht.

Er stopfte Dinge in ihren Körper. Harte und weiche. Ihr Schreien würde ihn auch heute nicht abschrecken. Das Unbehagen kroch ihr den Nacken hoch und setzte sich im Kopf fest. Sie klammerte sich an das Lenkrad und die Hoffnung auf Erleichterung, die sie empfinden würde, wenn es vorbei war. Wenn der Schmerz langsam nachließ und ihr Körper sich entspannte.

Was er wohl heute mit ihr vorhatte? Sie ertappte sich bei dem Gedanken umzukehren. Nein, das war feige. Sie würde sich dafür verachten. Was, wenn sie sich wehrte? Wenn sie sich aus seinem Griff löste und ihm zornig ins Gesicht spuckte, wenn er sich ihr näherte. Was, wenn sie einfach zubiss oder ihm ihre Knie in seinen Unterleib rammte?
In Wahrheit wusste sie, dass sie alles mit sich machen lassen würde. Nicht nur aus Angst, weil Gegenwehr ihn wütend machen und er ihr dann noch mehr Schmerz zufügen würde. Besser sich ausliefern. Bewegungslos dort liegen und geschehen lassen. Benutzt werden. Nur noch Objekt sein. Die Augen ängstlich aufgerissen im grellen Schein der Lampe. Oder fest geschlossen.

Nur noch wenige Kilometer. Die Grenze war überschritten. Es gab kein Zurück mehr. Die Entscheidung war längst gefallen.

Sie parkte vor der ehemals prachtvollen, jetzt heruntergekommenen Villa. Bemühte sich, das Unbehagen zu verdrängen, und versagte dabei kläglich. Durch einen Blick in den Rückspiegel versicherte sie sich, dass sie schön war. Sie fuhr sich mit den Fingern durchs Haar. Zupfte an ihrem schwarzen Top, damit ihre vollen Brüste besser zur Geltung kamen.

Bis in die Fingerspitzen klopfte ihr Herz, als sie die Klingel drückte. Mutig stieß sie die Tür zur Hölle auf, als sie das gequälte Summen des Türöffners hörte. Er stand schon im Flur. Er hatte auf sie gewartet.
„Sie kommen spät, meine Liebe“, sagte er streng und schlüpfte in die Latex-Handschuhe.
„Ich weiß. Es tut mir Leid.“

„Nehmen Sie Platz.“ Der Tonfall war befehlend, nicht einladend. Sie gehorchte. Wie sie diesen Stuhl hasste. Wie sie ihn hasste.

Sie legte sich hin und wartete. Eine große, dunkelhaarige Frau betrat den Raum. Vom Flur hörte sie seine Stimme: „Heute machen wir den Dreier“, sagte er mit ungarischem Akzent. „Rechts unten. Eine Krone.“

Weise Worte, wahr

"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Selbstgeschrieben


Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
Jakob und der gewisse Herr Stinki


Barbara A. Lehner (Text) Eleonore Petzel (Musik)
Von Herzen und Seelen - CD

Neu

Wie geht es unserer Testsiegerin?
Wie geht es unserer Testsiegerin?
Lo - 5. Feb, 17:25
Vielen Dank! Du findest...
Vielen Dank! Du findest mehr von mir auf facebook ;-)
testsiegerin - 30. Jan, 10:40
Kurschatten ' echt keinen...
auch wenn diese deine Kur schon im Juni...xx? war,...
kontor111 - 29. Jan, 09:13
zum entspannen...Angel...meint
wenn ich das nächste Mal im Bett liege, mich verzweifelt...
kontor111 - 29. Jan, 08:44
"Pinguin"
"Pinguin"
bonanzaMARGOT - 11. Mär, 11:11
Sleepless im Weinviertel
Ich liege im Bett. Ich bin müde. Ich lese. Eine Romanbiografie...
testsiegerin - 13. Jan, 11:30
... ich könnte mal wieder...
... ich könnte mal wieder eine brasko-geschichte schreiben.
bonanzaMARGOT - 8. Jan, 07:05
OHHH!
OHHH! Hier scheint bei Twoday etwas nicht zu stimmen. Hoffentlich...
Lo - 7. Jan, 13:36

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