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Sonntag, 19. Juli 2009

Du kannst nicht immer siebzehn sein...

Bis zwei Uhr früh haben wir heut nacht gefeiert. 70 Leute (darunter viele Kinder) in seltsamen Kostümen sind extra angereist - zum Teil aus dem heiligen Land Tirol - und haben das Geburtstagskind hochleben lassen. Wir - also die Kinder und Kindeskinder des Geburtstagskindes haben es auch hochfliegen lassen, wir haben ihm nämlich einen Urlaub inklusive einer Fahrt im Heißluftballon geschenkt.
Er hat uns nicht nur das Leben, sondern gestern ein (be)rauschendes Fest geschenkt. Und ich ihm unter anderem diesen Text. Ich schwöre, ich habe eine Träne in seinen Augenwinkeln gesehen.

Lieber Papa,

„Das ist wirklich das Letzte“, hast du oft gesagt und nicht mich gemeint, sondern nur das Badezimmer, das du mir installiert hast. „Weißt du, dafür bin ich jetzt zu alt.“
Zum Glück kam nach dem letzten Mal immer ein allerletztes und danach ein allerallerletztes Mal. Tut mir leid, dass ich so oft übersiedelt bin, ich wollte nur nicht, dass du aus der Übung kommst, für das Allerallerallerallerletzte Badezimmer.

Wenn dich jemand fragt, wie alt du bist, sagst du seit Jahrzehnten „Siebzehn“. Deine Enkelkinder haben dich zum Teil schon überholt.
Hoffentlich versteht nicht irgendwann einmal jemand irrtümlich „siebzig“. Das wäre nämlich total peinlich.

A propos peinlich. Wenn ich ganz ehrlich bin, warst du mir in meiner Jugend manchmal ein klitzekleinesbisschen peinlich. (Damals wusste ich natürlich noch nicht, dass es zu den Hauptaufgaben von Eltern gehört, peinlich zu sein.) Zum Beispiel, als du für die Schule einen Fragebogen über Krankheiten in der Familie ausfüllen hättest sollen und quer drübergeschrieben hast: „Das geht Sie einen Scheißdreck an!“ Puh, hab ich mich geschämt. Heute finde ich ja, dass das ziemlich cool von dir war. So cool wie die rote Jeans und das Flinserl, dass du dir zu deinem 50er stechen lassen hast. Ja, so etwas trägt man mit siebzehn.

Ich hab viel geerbt von dir, Papa. Nein, ich spreche jetzt nicht von der Drittel Garage, die vielleicht einmal in meinen Besitz übergehen wird. Übrigens, hat jemand hier Verwendung für eine Drittel Garage? Na ja, mein Lupo würde vermutlich ganz ins Stüberl passen. Vermutlich sogar ganz in den Kamin.
Ich spreche nicht von irdischen Gütern, sondern von Charaktereigenschaften, Talenten, und so weiter, alles was einen halt nicht wirklich weiterbringt im Leben.
Du hast die Bühne immer geliebt und hast jahrelang das Wunschkonzert moderiert. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert, das wissen wir alle, und lässt sich manchmal nichts dreinquatschen. Jetzt unterhältst du die Menschen mit deiner Steirischen Harmonika.
Ich hab auch was von einer kleinen Rampensau in mir und genieße Scheinwerferlicht und Applaus. Das Singen überlass ich trotzdem meiner Schwester und ihrer Familie. Ich kann nämlich nicht singen, wie du weißt. Obwohl in der Schule einmal ein Lehrer gemeint hat: „Jeder kann singen.“ Also hab ich gesungen, damals. „Na ja, fast jeder“, hat der Lehrer mich unterbrochen und sich korrigiert.

Wie auch immer, was ich eigentlich sagen wollte: diese Gabe, mit dem was wir lieben und können, Menschen zu unterhalten und zu berühren, die teilen wir. Nicht nur wir beide, sondern auch ein Großteil deiner Enkelkinder. Nur dein Enkelsohn sitzt lieber im Führerhaus eines Traktors, als auf der Bühne zu stehen.

Was ich noch geerbt hab von dir? Deinen Stolz und deinen scharfen Verstand (wir wären ein unschlagbares Team bei der Millionenshow – allein hab ich es ja – Danke, Schneewittchen – nicht mal in die Mitte geschafft). Deine Liebe zur Natur hab ich geerbt, und deine Sturheit, die du abstreitest, da bist du stur. Danke herzlichst.
Ein paar Dinge aber haben – zum Glück für mich und zum Leidwesen für die Menschheit – mich einfach übersprungen. Dein Hang zur Perfektion, deine Ordnung und Sauberkeit. Als der liebe Gott oder wer auch immer da oben sie mir umhängen wollte, ist er gestolpert, er scheint ähnlich ungeschickt wie ich. Alles hat er daneben gekippt. Auch bei deinen Enkelkindern sind diese Talente sehr ungerecht verteilt.

Ich hab nicht nur viel von dir geerbt, sondern auch viel von dir gelernt. Schnapsen, Tarockieren, leidenschaftlich politisieren und diskutieren, und noch leidenschaftlicher fluchen. Du hast nicht „Schade, dass der Wind jetzt eine Spur zu heftig weht zum Surfen“ gesagt, nein. „Do wort ma stundenlang auf den Scheiß-Hurenwind und dann prügelt er so verdammt, dass ma eam net dablost.“

Du warst und bist nicht nur ein wunderbarer Vater, sondern ein sensationeller Berg- und Baumsteiger. Wagemutig, mit Kletterausrüstung und Motorsäge, aber ohne Sauerstoffgerät bezwingst du die höchsten Gipfel der Birnbäume vom alpinen Weinviertel bis zum hochalpinen Südburgenland.

Vor allem aber bist du ein großartiger Großvater. Ganz vernarrt hast du mir die Brut aus der Hand gerissen – zum Glück - und dich um sie gekümmert, sie gebadet und gewindelt.
Ich weiß ja noch immer nicht, was schön daran sein soll, angeschissene Kleinkinder zu wickeln, aber ich muss ja nicht alles wissen.
Von dir haben deine Enkelkinder Evergreens wie die Ennstaler-Polka und aktuelle Pop-Hits wie „Lieserl, kum her“ gelernt, sie haben vor dem Kussräuber und Popsch-Kunibert gezittert, deinen Geschichten von den Kasermandln gelauscht und du hast es damit sogar geschafft, dass sie weiter als bis zum Bäcker gehen. Wir wussten gar nicht, dass sie dazu in der Lage sind.

Es ist aber nicht so, dass nur du für deine Familie Opfer bringst. (Obwohl du uns nie das Gefühl vermittelt hast, dass du dich aufgeopfert hast). Auch ich bin deinetwegen über meinen Schatten gesprungen und habe etwas völlig Verrücktes getan, nur für dich. Etwas, das niemand von mir erwartet hat, am allerwenigsten ich. Ich hab mir dieses seltsame Kleid gekauft und mich für dich volkstümlich kostümiert. „Möchten Sie ein Dirndl?“, hat die Verkäuferin gefragt. „Nein“, hab ich gesagt, „möchten tu ich keins. Aber ich kauf trotzdem eins.“ Was tut frau nicht alles aus Liebe?
Für anständige Schuhe hat das Geld leider nicht gereicht.

Was ich neben all den aufgezählten Dingen am meisten an dir liebe? Deinen unerschütterlicher Optimismus und deine Lebensfreude, auch wenn das Leben es manchmal gar nicht gut gemeint hat mit dir. Die bedingungslose Liebe zu deinen Kindern und deinen Enkelkindern. Und zum Leben.

Herzlichen Glückwunsch zu deinem 17. Geburtstag, Papa. Und alles Gute für die nächsten 17 Jahre.


Das Bild zum seltsamen Kleid wird nachgeliefert.

Donnerstag, 16. Juli 2009

Ausverkauft

Sonntag, 12. Juli 2009

Sommerloch?

Samstag, 11. Juli 2009

Laudatio - Laudatia? - Laudationes?

Zwei meiner allerliebsten Freundinnen haben heute Geburtstag. Zwei, die entgegensätzlicher nicht sein können. Zwei, die mir total wichtig sind.



Liebe Ch., unerschöpflicher Quell meiner Inspiration,


Neunundvierzig bist du heute. 49 ist besser als 48. Nummer 48 ist nämlich auf der Speisekarte meines Lieblingschinesen: Schweinefleisch süß-sauer nach Art des Hauses, mäßig scharf.
Du bist weder Schwein, noch süß-sauer, noch nach Art irgendeines Hauses, und schon gar nicht mäßig scharf.

Du bist Nummer 49: Verrücktes Huhn, nach einziger Art, exotisch, teuflisch scharf. Ideal zum Anbraten.

Wenn es dich nicht gäbe in meinem Leben, worüber würde ich dann schreiben? Über Strickmuster für Häkeldeckchen, idyllische Familien mit idyllischen Hunden und idyllischen Picknickkörben im Grünen? Ich weiß es nicht, ich hab keine Erfahrung damit, denn mein Schreiben war und ist immer untrennbar mit dir verbunden.
Weißt du noch, die erste tollpatschige Lesung in deinem Atelier? Der CD-Player ist hängen geblieben, die Texte waren unausgefeilt, meine Stimme war zittrig. Und trotzdem. Du hast immer an mich geglaubt, hast mich ermutigt, weiterzumachen. Auch dann, wenn dir selbst – zum Glück immer nur vorübergehend - der Mut ausging.

Ich kann eine Menge von dir lernen, Ch. Zum Beispiel, ohne schlechtes Gewissen mit wehenden Haaren eine Stunde zu spät hereinzuflattern und trotzdem in aller Seelenruhe eine Zigarette zu rauchen. Mit einem lauten Lachen und der Gewissheit, dass niemand dir ernsthaft böse ist.

Aber auch deine Verlässlichkeit, wenn es wirklich darauf ankommt.

Selbst, wenn es dir selber noch so dreckig geht und du dich in deinem Schlamm aus Leid, Trauer und Selbstmitleid suhlst, hörst du den anderen zu. Bist wirklich interessiert an den Menschen und ihren Schicksalen. Was ich noch so liebe an dir ist deine Großzügigkeit. Hast selber nichts und teilst mit offenen Armen und noch offenerem Herzen aus. Aber auch die Tatsache, dass du um Hilfe bitten und diese auch annehmen kannst.


Manchmal ist es nicht auszuhalten mit dir. Aber ohne dich ist es schon gar nicht auszuhalten. Meinem Leben würde etwas fehlen. Dein Lachen. Dein Weinen. Deine Kreativität. Deine hysterischen Anrufe um Mitternacht. Deine chAOtisCHen groß-KLEIN-geSCHRIEBenen MAILs. Deine Beinahe-Freundschaft mit dem Gerichtsvollzieher. Deine Angewohnheit, nach jedem Schluck Weißwein mit Eiswürfeln den Lippenstift nachzuziehen. Der scheint dein Grundnahrungsmittel zu sein (also sowohl Lippenstift als auch Weißewein). Deine Disziplin. Deine Disziplinlosigkeit.

Du würdest meinem Leben fehlen.


Deine B.



Liebe I., treue Freundin

von all meinen Freundinnen bist du die, die mich schon am längsten aushält. Und meine beste. Und die, die am andersten ist als ich.
„Babsi, tu’s nicht“, hast du damals gesagt, Abend für Abend, bei all den verdammt gut aussehenden griechischen Göttern, die ich aufgerissen hab. Und gleichzeitig gewusst, dass das Meer deine Worte verschluckt und auf dem Meeresgrund wieder ausspuckt. All die Muscheln und Meerestiere werden sich schön gewundert haben über die vielen „Babsi-tu’s-nicht“ da unten.
Irgendwann ist es aus dem „Babsi, tu’s nicht“ ein „Babsi, tu’s wenigstens du und erzähl mir drüber“ geworden. Daran hab ich mich dann gehalten. Daran halte ich mich immer noch.
Wenn ich launig erzähle, dass ich meinen Mann im Gefängnis und meine beste Freundin auf dem Jungbläserseminar kennengelernt hab, schauen die Leute ungbläubig, dabei ist das die Wahrheit. Obwohl ich ja die Wahrheit für eine gute Geschichte oft ein bisschen zurechtbiege.
„Warum ist die I. eigentlich deine beste Freundin?“, hat meine Tochter mich kürzlich gefragt, „ihr habt doch überhaupt nichts gemeinsam.“
„Warum ist der Himmel blau?“, hab ich geantwortet, „es ist wie es ist“.

Und nein, du bist nicht deshalb meine beste Freundin, weil du mir nie die Show stiehlst wie viele meiner anderen Freundinnen, ganz bestimmt nicht.
Vielleicht, weil du genau das hast, was mir im Leben fehlt. Ernsthaftigkeit, Disziplin (niemals hätte ich es je geschafft, auf einen Cocktail mit dir zu verzichten, weil ich noch etwas vorbereiten muss), ein Gewissen, das zur richtigen (oder falschen?) Zeit STOPP schreit, Rüschenblusen und knielange Röcke mit Blümchen drauf.
Vielleicht, weil du bist, ohne scheinen zu müssen, weil dir dieser Drang, aufzufallen, im Mittelpunkt zu stehen, bewundert zu werden, fast völlig fehlt. Wie schaffst du das eigentlich, verdammt noch mal?
Als Gott, an den ich seit unserem gemeinsamen dornenreichen Jahr im Opus-Dei-Studentinnenheim für höhere Töchter ohnehin nicht mehr glaube, diesen Drang verteilt hat, ist er gestolpert (er ist ähnlich ungeschickt wie ich) und hat irrtümlich alles über mich gekippt. Vielleicht bist du meine beste Freundin, weil du nie meinen Geburtstag vergisst, ich deinen aber ständig. Ha! Diesmal nicht.

Du hast die Lust niemals zu deinem Lebensprinzip erhoben, die Cocktails trinkst du am liebsten alkoholfrei, beim Essen schlägst du nicht über die Stränge, und du würdest dir nie teuren Schmuck oder geile Klamotten kaufen, wenn dein Konto überzogen ist. Deshalb ist ja immer nur meins überzogen. Ach, hätte ich doch ein bisschen von deiner Bescheidenheit. „Bitte kein Geburtstagsgeschenk“, sagst du, „ich hab eh viel zu viel und versuche, die Dinge loszuwerden“, während mir am liebsten Gäste sind, die meine Eingangstür eintreten, weil sie beide Hände voller Geschenke haben. Ich beneide dich auch um deine Vernunft. Niemals wirst du am Morgen fluchend in die Tomatenstauden kotzen, weil du dich am Abend sinnlos besoffen und überfressen hast, weil es halt so lustig war.

Aber solltest du mal in die Verlegeheit kommen, etwas völlig Verrücktes zu tun in deinem Leben, zum Beispiel zehn Minuten zu spät zur Arbeit zu kommen, weil im Fernsehen deine Lieblingsserie läuft, oder in der Cocktail-Bar einen Long Island Iced Tea zu bestellen, ich werde sagen: „I., tu’s“. Aber ich weiß schon jetzt, dass du niemals in Verlegenheit kommen wirst.

Ja, viel haben wir nicht gemeinsam. Nur unsere Freundschaft. Und die ist mehr wert als alles andere.


Deine B.

Samstag, 4. Juli 2009

Ha!

Im Weinviertel wächst ja nicht nur Wein.



Hab ich schon erwähnt, dass ich das Leben liebe?
Manchmal glaub ich sogar, dass das Leben meine Liebe erwidert.

Donnerstag, 2. Juli 2009

Nie mehr Schule und allerhand

Marilies stopfte die Hefte in die Tasche. „Schule ist scheiße. Ich geh da nicht mehr hin.“
„Ich auch nicht“, schloss Paul sich ihrer Meinung an, knüllte die Einladung fürs Schulabschlussfest zusammen und warf es Roland an den Kopf.
Der blickte erstaunt auf, fuhr sich durchs Haar und rückte seine Brille zurecht. „So ein Quatsch. Was wollt ihr denn stattdessen tun?“
„Weiß nicht“. Marilies ignorierte das Rauchverbot, das im gesamten Schulgebäude galt und zündete sich eine Gauloise an.
„Ich auch nicht.“ Paul trank Dosenbier. Hoffentlich erwischte der Direktor ihn nicht wieder dabei. Der verstand irgendwie überhaupt keinen Spaß.
Marilies waren in der Zwischenzeit ein paar Alternativen eingefallen: „Fernsehen, Chillen, Shoppen, Chatten. So Sachen halt.“
Das klang gut, fand Paul. Gut und stressfrei. „Genau. Ich auch.“
Roland zögerte etwas, doch dann fand er Gefallen an Marilies Ideen. „Wenn ich es so recht überlege, ich auch. Das klingt geil.“
„Nie mehr Schuuule“, grölten die drei in der Aula, „keine Schu-u-le-ee meeeehr“.

Der Direktor stürmte erschrocken auf sie zu. „Aber meine Herren und Dame Kollegen“, mahnte er, „ich kann Sie ja verstehen. Auch ich habe die Schule satt. Aber muss das sein, so kurz vor Ihrer Pensionierung? Denken Sie doch bitte an die Vorbildwirkung Ihren Schülern gegenüber.“


-*-


Das Leben fühlt sich irgendwie so lebendig an. Dank meiner durchgeknallten Familie. Dank M, mit der ich mehr Zeit als mit meiner Familie verbringe und die längst mehr Freundin als Kollegin ist. Dank der Katzenbabys, die die Katzenmama gestern nacht in die Schublade mit meinen Badeanzügen umgesiedelt hat. Die allerliebst und blauäugig sind. Dank C, zu der ich bald auf Urlaub fahre und mit der ich Wodka trinke, weil sie keinen Alkohol verträgt. Dank Elfriede, die mir heute ein langes Mail geschickt hat, das mich zu Tränen rührt. Dank der Vögel, die draußen zwitschern. Dank D, mit der ich die Sitzung heil überstanden habe und mit der ich ein paar doppelte Tequila gezwitschert habe, die ich nicht bezahlen konnte. Dank dem Wirten, dem ich gesagt habe, das zahlt dir mein Mann dann beim Pokern. Dank der Erdäpfel im Garten, die in den Himmel wachsen und wunderschön blühen. Dank dem Leben, das es mir nie einfach, aber auch selten langweilig macht.

Ich liebe dich, Leben. Meistens. Manchmal. Vielleicht.

Montag, 29. Juni 2009

Sex and the Country 3

„Du hast vergessen, den Slip anzuziehen“, sagt B. zu Ch., die sich nervös auf ein Date vorbereitet und wie ein Mantra vor sich hersagt: Ich verliebe mich nicht. Ich verliebe mich nicht. Nicht beim Ficken. Auch sonst nicht.
„Und ungeschminkt bist du auch noch.“
„Schminken brauch ich mich heute nicht, der Typ nimmt beim Küssen immer die Brille ab und da sieht er mich ohnehin nur verschwommen und verschmiert mir den billigen Lippenstift“.
„Verstehe“, versteht B. „Außerdem kannst du dann vielleicht mit dem Geld, das du bei der Unterwäsche und beim Make-up sparst, die Telefonrechnung zahlen.“
„Schau ich cool aus?“, will Ch. wissen, „cool und souverän? Wie eine Frau, die sich beim Ficken nicht verliebt?“
„Sicher. In etwa so cool wie ein tropischer Sommerregen.“

Ich empfinde nichts für ihn. Ich verliebe mich nicht. Ich fühle nichts für ihn. Ich verliebe mich nicht ihn, murmelt Ch. auf dem Weg zu seinem Mercedes. Noch weiß sie nicht, in welche Schublade sie ihn stecken soll. Bindungsängste? Eine verflochtene Mutterbeziehung? Hochstapler? Macho?
Mehrfachantworten möglich.

„Vorne oder hinten?“, fragt er vor der Kür, nachdem sie die Pflicht (ein Loblied auf den romantischen Sonnenuntergang, den schönen Ausblick – noch trägt er die Brille - und die fruchtbaren Weinreben) hinter sich gebracht haben.
„Vielleicht erst mal ganz normal von vorne“, grinst sie und klettert nach hinten.

Ich bin nicht verliebt, murmelt sie zwischen den brillenlosen Küssen. Kein bisschen bin ich verliebt. Ich will dich nicht binden.
Wilde Küsse, verschlungene und verdrehte Beine, Anfangsschwierigkeiten. Kichern. Stöhnen.
Und schließlich – weil die Drama Queen das Drama liebt - die Katastrophe.

Socken. Er hat die Socken angelassen. „Ich hasse Männer mit Socken im Bett“, kreischt sie und wird ohnmächtig.
„Das ist ein Mercedes“, korrigiert er und schüttelt den Kopf, „kein Bett.“



*

Viele feine Damen. Viele feine Cocktails. Feine Häppchen. Alles gratis. Mittendrin B., wie ein Kürbis, der sich in einem Erdbeerfeld verirrt hat. Sie stopft sich ein paar Brötchen in die Handtasche, für die Kinder.
„Caipirinha, Tequila Sunrise, Pina Colada?“
B. nimmt dem hübschen Ober das schwere Tablett ab. „Ja. Ich nehm sie alle drei.“

„Kennen wir uns nicht von der Golf-Charity“, beginnt eine der seidenen Damen das schmale Gespräch. Die Damen sind nicht nur fein, sie sind auch gut.
B. sieht zwar den aufgelegten Elfmeter, zielt aber absichtlich und aus Diskretion am Tor vorbei und verkneift sich die Antwort „sicher nicht, ich habe noch Sex“. Stattdessen sagt sie: „Ich fürchte nicht, ich fahre zwar einen VW, aber keinen Golf, sondern einen Lupo.“

B. stellt sich mal an den einen, mal an den anderen Stehtisch und versucht, sich in die Unterhaltungen zu verwickeln. Sie verwickelt sich wie immer nur in Widersprüche.
„Mein Mann und ich haben uns beim Schilaufen in der Schweiz kennengelernt“, erzählt eine feine Dame und auch B. schildert aus ihrem Liebesleben. „Mein Mann und ich haben uns im Gefängnis kennengelernt“, erzählt sie die Wahrheit, die niemand hören will. Leise zählt B. mit. Das war das fünfzehnte Fettnäpfchen. Bei dreiundzwanzig wird sie nach Hause gehen.

„Netzwerken“ nennt man diese inhaltsleeren Gespräche hier, und weil B. gern eine berühmte Schriftstellerin werden möchte, versucht sie anzuknüpfen. Aber ihre zusammengestückelten, verfilzten Fäden passen nicht zu dem feinen Garn der anderen Knüpferinnen. Sie sehnt sich nach C., nach den D’s, nach Ch., nach ihren White-Trash-Freundinnen der Lower Class. Die wissen, wie es sich anfühlt, wenn man Angst haben muss, dass einem der Strom abgedreht wird.

Es ist schwül hier drin, die teuren Parfums der teuren Damen vermischen sich mit dem Duft von Lavendel und Rosen.
B. will ein Papiertaschentuch aus der recycelten Handtasche ziehen, um sich kultiviert die Stirn abzutupfen und erwischt irrtümlich die Serviette mit den Lachs-Ei-Brötchen.
Dreiundzwanzig. Und tschüs.


„Scheiß dich nicht an“, sagt D1 später zu B. „Wenn ich in ein reinliches Haus komm, hab ich auch Angst, ich könnte es allein mit meinem Lachen verschmutzen.“
Dazu lacht sie dreckig, und ein paar Sonnenstrahlen schwindeln sich in B’s Küche.

Donnerstag, 25. Juni 2009

3+4=7

Als ich am Montag abreiste, um TeamleiterInnen zu schulen, hatten wir drei Kätzchen. Als ich gerade nach Hause gekommen bin, waren es sieben.

Für mich ist so etwas jedesmal ein kleines - nein, ein großes - Wunder.



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Weise Worte, wahr

"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Selbstgeschrieben


Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
Jakob und der gewisse Herr Stinki


Barbara A. Lehner (Text) Eleonore Petzel (Musik)
Von Herzen und Seelen - CD

Neu

Wie geht es unserer Testsiegerin?
Wie geht es unserer Testsiegerin?
Lo - 5. Feb, 17:25
Vielen Dank! Du findest...
Vielen Dank! Du findest mehr von mir auf facebook ;-)
testsiegerin - 30. Jan, 10:40
Kurschatten ' echt keinen...
auch wenn diese deine Kur schon im Juni...xx? war,...
kontor111 - 29. Jan, 09:13
zum entspannen...Angel...meint
wenn ich das nächste Mal im Bett liege, mich verzweifelt...
kontor111 - 29. Jan, 08:44
"Pinguin"
"Pinguin"
bonanzaMARGOT - 11. Mär, 11:11
Sleepless im Weinviertel
Ich liege im Bett. Ich bin müde. Ich lese. Eine Romanbiografie...
testsiegerin - 13. Jan, 11:30
... ich könnte mal wieder...
... ich könnte mal wieder eine brasko-geschichte schreiben.
bonanzaMARGOT - 8. Jan, 07:05
OHHH!
OHHH! Hier scheint bei Twoday etwas nicht zu stimmen. Hoffentlich...
Lo - 7. Jan, 13:36

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