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Samstag, 20. März 2010

Zwei tolle Autorinnen lesen

am Freitag in Gänserndorf.



Ich lese unter anderem Gedichte von A.M.See und Briefe und Geschichten an und über Frauen.

Und ich tät mich irre freuen, wenn ich den/die eine/n oder andere dort sehe.

Sonntag, 7. März 2010

Illusionist

Manchmal passen Texte auch noch Jahre nachdem man sie geschrieben hat. Fast auf den Tag genau.


Unter der warmen, feuchten Traurigkeit sprießt Johanniskraut. Doch es kommt nicht an gegen die Depressionen, die der Winter - im Schnee versteckt – als Geschenk bringt. Ich will deine Geschenke nicht mehr, brülle ich den Winter an, behalte das eisige Eis und den flockigen Schnee. Du bist ein verdammter Lügner, denn du hast versprochen, du ziehst bald weiter. Noch immer aber hockst du vor meinem Haus und schenkst mir trojanische Pferde. Der Schnee glitzert in der klirrenden Sonne und fast möchte man ihn lieben, doch wenn er schmilzt, quillt Dreck und Trauer hervor. Alles ist eine große Täuschung. Du ein Illusionist.
Er schmilzt nicht, der Schnee. Am Frauentag baue ich Schneefrauen mit üppigen Brüsten und dicken Bäuchen. Ihre Füße stecke ich in warme Lammfellstiefel, damit sie nicht frieren. Sie haben den Auftrag, den Winter in den Arsch zu treten. Aber die Weiber sind ungehorsam. Und das ist gut so. Sie wirken stark und unsterblich, aber auch das ist Illusion.

Ihr schreit und schreibt den Frühling herbei, so als hätte er Erbarmen und ließe sich locken mit Texten über Schneeglöckchen und Primeln. Merkt ihr nicht, dass er flieht, wenn ihr Herz auf Schmerz reimt und Sonne auf Wonne? Der Frühling hat eure Gedichte satt, er liegt im Gras, irgendwo, wo er ein Stückchen Wiese gefunden hat, malt Lyrik aus Zwölftonmusik und wartet auf ein Echo.

Irgendwann der große Showdown. Im Teich singt die Seekanne ein unsinkbares Lied. Detektive liegen Rücken an Rücken mit Heckenschützen auf der Lauer. Niemand weiß, wonach sie suchen, worauf sie zielen, wonach wir suchen, was unsere Ziele sind.
Der Eisenbahnräuber setzt alles auf rot und verliert. Josef Schrammel erschlägt mit seiner ersten Geige die Walzerseligkeit und sagt: Genug getanzt, jetzt wird gelebt und geliebt.
Wie lebt man, frage ich, denn das habe ich in dem langen Winter verlernt. Wer zeigt mir, wie man lebt?

Die Schneefrauen schütteln vorsichtig den Kopf. Wir nicht, sagen sie mit Tränen in den Augen, denn wir werden bald sterben. Wir haben große Angst vor dem Tod. Wer aber den Tod so fürchtet, der kann nicht leben.
Nicht richtig.

Freitag, 5. März 2010

Sippenhaftung?

Die Kandidatur von Frau Rosenkranz für die Wahl zur Bundespräsidentin macht mir Angst. Sie macht mich wütend. Ich halte es für empörend, dass jemand mit ihrer Geschichtsauffassung, mit dem „Wissen, das ein Österreicher, der zwischen 1964 und 1976 in österreichischen Schulen war, hat“ (O-Ton) für das höchste Amt im Staate kandidieren darf. Vor allem jemand, der das Verbotsgesetz in Frage stellt.

Ich finde es ein katastrophales Zeichen, dass die Bundespräsidentenwahl zu einer inoffiziellen "Volks"zählung der Rechten im Land wird.
(Bedenklich finde ich aber auch, dass neben der erwarteten direkten Wahlempfehlung der rechtsextremen NVP auch der Klubobmann der Niederösterreichischen ÖVP eine – wenn auch indirekte - Wahlempfehlung für Frau Rosenkranz abgibt. Was hoffentlich für einige WählerInnen die ÖVP für die Landtagswahlen nächste Woche unwählbar macht.)

Weil ich nicht nur im selben Bundesland wie die „heimattreue“ Frau Rosenkranz wohne, sondern auch im selben Bezirk, sind mir ihre krausen Theorien und Ansichten nicht erst seit gestern, sondern seit vielen Jahren vertraut. Sie und ihr rechtsextremer Mann, der sich gern mal drei Bier bestellt, sind hier keine Unbekannten. Natürlich, es gibt keine Sippenhaftung, man kann sich seine Verwandten nicht aussuchen. Seinen Ehemann aber schon. Und sie findet ja an seinen Aussagen "nichts Ehrenrühriges."

Gerne hätte ich jetzt einen bissigen Artikel geschrieben, vielleicht mit einer flapsigen Anspielung auf die Ähnlichkeit zu Familien, die die FPÖ am liebsten des Landes verweisen würde. Nämlich Familien mit arbeitslosen, vorbestraften Männern und einer riesigen Kinderschar. Ich ertappe mich sogar dabei, wie ich in die zynischen Mutterkreuz-Sager einstimme.

Wie geht’s jetzt wohl den Kindern von Frau Rosenkranz, fragt meine Tochter mich. Sie geht mit einigen von ihnen in die selbe Schule und kennt sie persönlich. Das muss doch schlimm sein, wenn die solche Sachen in der Zeitung lesen und alle über ihre Mutter schimpfen und sich ständig über ihre Namen lustig machen. Die können doch nichts dafür. Die, die ich kenne, teilen die politische Einstellung ihrer Eltern überhaupt nicht, aber es sind halt trotzdem ihre Eltern. Die werden sie wohl auch liebhaben wie ich dich. Wir haben ja auch nicht immer die selbe Meinung, oder? Ich kann mir vorstellen, dass denen das total weh tut, sagt mein Kind. Die können ja nicht mal auf Facebook surfen, ohne blöd angemacht zu werden.

Ich schlucke. Halte inne und werde ganz kleinlaut. Meine politische Meinung über diese Frau und ihren Mann und meine Überzeugung, dass Widerstand hier Pflicht ist, die ändere ich nicht. Aber ich denke nach. In meinem Hirn formen sich viele Fragen.
Wenn ich Antworten gefunden habe, melde ich mich wieder.
Wenn nicht, auch.

Mittwoch, 10. Februar 2010

Hansi Maier ist frei!

Der 35jährige mehrfache Raubmörder Hansi Maier (für ihn gilt die Unschuldsvermutung) ist frei. Wie sein Anwalt bestätigt, ist sein Mandant am Freitagabend aus der Haft entlassen worden, das Verfahren wurde eingestellt. Grund hierfür ist ein weiterer Raubmord. Hansi Maier (für ihn gilt die Unschuldsvermutung) erwürgte den zuständigen Staatsanwalt, nachdem er aus der Garage dessen Villa einen italienischen Sportwagen gestohlen hatte. Der Untersuchungsrichter und sein Toyota kamen mit dem Schrecken davon. Als Folge des Verbrechens wurden sämtliche gegen Hansi Maier (für ihn gilt die Unschuldsvermutung) laufende Verfahren eingestellt.
Die Ermittlungen gegen Hansi Maier (für ihn gilt die Unschuldsvermutung) hatten bereits vor einigen Jahren begonnen, zunächst wegen Diebstahls, Einbruch und versuchter Geiselnahme. Später weitete die Behörde die Ermittlungen wegen mehrerer bewaffneter Raubüberfälle aus. 2007 wurden die Ermittlungen eingestellt. Hintergrund war die Drohung von Hansi Maier (für ihn gilt die Unschuldsvermutung) nicht zu kooperieren und weitere Menschen umzubringen.

"Nicht länger im öffentlichen Interesse"

Die Staatsanwaltschaft bestätigt unterdessen die Einstellung des Verfahrens gegen Hansi Maier (f.i.g.d.Uv.). Unter Verweis auf den Deal habe man entschieden, "dass es nicht länger im öffentlichen Interesse ist, die Erhebungen gegenüber diese Einzelperson fortzusetzen." Die Anschuldigungen gegen Hansi Maier (f.i.g.d.Uv.) "im Bezug auf bestimmte weitere strafbare Handlungen" würden daher zurückgezogen, teilte die Behörde auf ihrer Homepage mit. Maiers Anwalt habe bereits mit Hansi Maier telefoniert, dieser sei ein freier Mann und müsse auch keine Fußfessel tragen, berichtete der Anwalt.

Als Willkommensgeschenk in der Freiheit wurde Hansi Maier (für ihn gilt immer noch die Unschuldsvermutung, im Gegensatz zu asylsuchenden Kindern, für die kollektiv die Schuldsvermutung gilt) von seinen Society-Freunden aus der Halbwelt eine weiße Weste überreicht. „Die war sehr schwer zu bekommen“, bestätigte der Anwalt, „die gesamte österreichische Politprominenz trägt diese Dinger im Moment.

Wie kann es sein, dass ein Verbrecher aufgrund eines weiteren Verbrechens freikommt?, fragt sich die empörte Öffentlichkeit.
„Ach, das ist durchaus üblich“, lächelt Hansi Maier, schlüpft in die Weste und schießt.


http://derstandard.at/1263706820933/Mensdorff-Pouilly-frei-Verfahren-eingestellt

Samstag, 6. Februar 2010

(In) Frage gestellt

„Was macht die Arbeit? Was die Familie? Und was die Kunst?“
Ein Jahr hatten die beiden Frauen einander nicht getroffen, was eine ziemliche Leistung war, wenn man bedachte, dass sie im selben Dorf lebten und in derselben Branche arbeiteten.
„Geht so.“ Zwei Wörter für drei Fragen. Nichtssagend. Die Fragen wie die Antworten. Keine stellte die Frage, die wirklich wichtig gewesen wäre: Was ist eigentlich mit unserer Freundschaft passiert? Was mit den vertrauten Waldläufen, was mit den versauten Witzen, was mit den versoffenen Abenden? Was mit den hitzigen Diskussionen, dem Trösten, dem stundenlangen Reden während der Wanderungen, was mit den spätsommerlichen Nachmittagen am Teich? Wo waren sie?

Anna-Lena nippte am Kaffee. Du verklärst die Vergangenheit, ermahnte sie sich. In Wahrheit war Verena nur da, wenn sie dich gebraucht hat. Saß am Sonntagmorgen plötzlich am Rande des Ehebetts, weil sie gerade wieder mal Liebeskummer hatte. Sprach sich ihr Leid von der Seele.
Wir sind erwachsene Frauen, dachte Anna-Lena, wir haben immer über alles geredet, über unsere Beziehungen, unsere Sehnsüchte, Affären, Verstrickungen. Nur über unsere Freundschaft nicht. „Weißt du, „begann sie mutig „ich muss dir etwas...“
„Ey, Jürgen, schön dich zu sehen. Nein, du störst nicht. Komm, setz dich her zu uns. Es stört dich doch nicht, Anna-Lena, oder?“
Sie schüttelte den Kopf. „Natürlich nicht“, sagte sie höflich und rückte näher zum Heizkörper. Dabei hätte sie schreien können: „Verdammt, natürlich stört es mich! Ich will dich nicht verlieren, du bist mir wichtig, ich brauche dich als meine Freundin!“
Aber sie saß nur still da und tat so, als hörte sie Verena und Jürgen beim Smalltalken zu.
Aus den Lautsprechern drang sanfte Musik. „Smile, if your heart is aching...Smile, even if it’s breaking...“
„Ich geh mal mit Hans-Jürgen an die Bar, ja? Weißt du, wir haben uns seit Wochen nicht gesehen. Bis gleich.“
Abserviert.
„Einen doppelten Tequila“, bestellte Anna-Lena, „nur mit Zitrone. Das Salz hab ich dabei.“ Ungehemmt flossen jetzt die Tränen über ihre Wangen, manche davon trafen zufällig in das Schnapsglas. Es war nicht die Tatsache, dass der Weg, den sie gemeinsam gegangen waren, in unterschiedliche Richtungen führte. Die Erkenntnis, dass die Freundschaft in Wahrheit gar keine war, bohrte sich spitz in ihre Seele.

„Na?“, fragte der Wirt, „Liebeskummer?“
Sie dachte kurz nach und kippte den Tequila hinunter. „Noch mal dasselbe, bitte.“ Liebeskummer tat an der gleichen Stelle weh wie der Schmerz, den sie jetzt fühlte. Aber Liebeskummer hatte für gewöhnlich einen süßen Abgang, trotz der Bitterkeit. Liebeskummer schmeckte nach dunkler Schokolade. Er zerging mollig warm auf der Zunge.
Jetzt war nichts süß. Sie biss in die Zitrone und leckte über ihre tränennasse Wange. „Nein. Schlimmer. Viel schlimmer.“

Donnerstag, 21. Januar 2010

Einschüchterungsversuche

Heute flatterte ein Schreiben vom Blog-Betreiber in meine Mailbox, ich möge einen bestimmten Beitrag vom Blog nehmen und mich mit der Rechtsanwaltskanzlei direkt in der Verbindung setzen.

Hoppla, dachte ich, ich nehme es mit dem Urheberrecht sehr genau und fast alle Texte hier stammen auch aus meiner Feder oder ich zitiere sie unter Anführung der Quelle.

Hoppla, dachte ich noch einmal, als ich das beiligende Fax las, denn es ging nicht um eine Urheberrechtsverletzung, sondern um eine "schwerwiegende Verletzung des Persönlichkeitsrechts" der Mandantin. Vielleicht erinnert ihr euch ja. Es ging um einen offenen Brief, den ich an eine Buchautorin geschrieben habe, die ein Buch über Familienpolitik der jüngeren Vergangenheit geschrieben hat und der ich meine ganz persönliche Meinung gesagt habe.
Sie hätte ja auch zurückschreiben und mir erklären können, warum ich mit meiner Meinung falsch liege. Wir hätten streiten und reden können und hätten vielleicht Verständnis gehabt. Diskussionskultur nennt man sowas.

Aber sie hat natürlich nicht geantwortet, sondern durch ihre Anwälte antworten lassen.

Angehängt wird dem Schreiben auch ein Urteil, in dem eine Autorin, die ähnliches wie ich geschrieben hat, unter anderem dazu verurteilt wird, der Klägerin einen Betrag von €250.000,- zu zahlen.

Ey, ich hab das Geld nicht. Ich kann mir nicht mal die Reparatur vom Lupo leisten. Ich sehe schon vor mir, wie mein altes Häuschen versteigert und mein Sparschweinchen mit den Cent-Münzen gepfändet wird. Ich sehe schon, wie ich mit meiner Familie unter einer Brücke lebe und Essensreste aus den Mistkübeln suche.

Ehrlich gesagt, das macht mir Angst. Mindestens genauso viel Angst macht mir aber, dass es offensichtlich schon wieder so weit ist. Dass Meinungsfreiheit nichts mehr zählt und kleine, österreichische Autorinnen geklagt werden, weil sie in ihrem Blog nicht nur übers Wetter und Menstruationsbeschwerden, sondern auch über ihre Wut auf herrschende Verhältnisse schreiben. Dass man Leute, die anderer Meinung sind, mundtot machen will. Das macht mir richtig Angst.

P.S. Ihr könnt schon mal anfangen, für mich zu sammeln. Kann ja sein, dass auch in diesem Beitrag irgendwas steht, was die Persönlichkeitsrechte von jemandem verletzt. Danke.

Mittwoch, 20. Januar 2010

Beschiss(en)

Mein Auto ist krank. Erst leuchtete hin und wieder ein Lämpchen, so ein niedliches Ölkännchen blinkte und piepste. Also hab ich halt Öl (nein, nicht ins Feuer, sondern) ins Auto gegossen, aber es hart hartnäckig weitergepiepst. Und zuletzt hat auch noch so ein gelbes Licht geleuchtet, da stand „check“. Ich hab aber nicht gecheckt, was das ist, auf jeden Fall war es richtig schön, wenn ich nachts fuhr, in der Kurve leuchtete das Cockpit in allen Farben, rot, grün, blau, gelb und orange. Wie eine Lichterkette zu Weihnachten.

Weil aber Weihnachten schon vorbei war, brachte ich meinen Kleinen zum Arzt. Ich parkte ihn vor der Tür, betrat das Wartezimmer und fragte: „Wer war der Letzte?“
Ich war der Letzte, eh klar.
Ich klagte der Sprechstundenhilfe mein Leid. „Wir werden uns das anschauen“, tröstete sie mich und hielt mir einen Aufklärungsbogen vor die Nase, „der Herr Doktor kommt gleich.“
Mir ging es wie bei der Blinddarmoperation meiner Tochter, ich konnte das Kleingedruckte nicht lesen, ich hatte meine Lesebrille nicht dabei und außerdem war ich viel zu aufgeregt, also unterschrieb ich einfach vertrauensselig und schilderte die Symptome.

Im Wartezimmer tat ich, was man in Wartezimmern so tut. Ich wartete. Ich schmökerte in der Wein4tlerin, dem Lifestylemagazin des Weinviertels und ärgerte mich, dass Weinviertlerinnen auf Weinviertler Aromatherapie, Modeschmuck, Weinviertler Klangschalenmassage und fettarme Weinviertler Margarine reduziert wurden. Lieber ein Leben ohne Style und Klangschalen. Noch lieber ein Leben mit gesundem Auto.
Ich wartete also gespannt darauf, dass der Herr Doktor mir gleich sagen würde, dass es überhaupt nichts Schlimmes ist, eine leichte Verkühlung aufgrund des kalten Klimas, und dass ihn einfach ein bisschen schonen sollte.

War wohl nichts. Unregelmäßige Herztöne und ein Rasseln in der Lunge hätte er gehört, und deshalb habe er die Zündkerzen gewechselt, und einen Schlauch ausgetauscht und noch ein paar Kleinigkeiten. Sicherheitshalber. Ey, die Zündkerzen waren erst ein paar Wochen alt, Doc. Na ja, aber sie waren nicht original. Er schaut mich streng an. Weil ich selbst keine Ahnung von interner Automedizin habe, zahlte ich zähneknirschend und hoffte, dass mein Gynäkologe mir nicht sicherheitshalber die Eierstöcke entfernt, weil ich Nasenbluten habe.

Auf dem Heimweg leuchteten die Lichter wieder. Ich fand das gar nicht schön. Bei meinem nächsten Arztbesuch ein paar Tage später beklage ich mich bei der Sprechstundenhilfe, die mich beruhigt wie eine hysterische Patientin. Der Oberarzt wird sich den kleinen Patienten anschauen, schickt sie mich in die Arbeit, und er wird mich anrufen, sobald er etwas Näheres sagen kann. „Nur schauen“, sage ich, „nicht einfach operieren, ok?“
Wieder Warten und Zittern.
Dann der Anruf. Der Kleine ist schwerer krank als zunächst vermutet. Es ist die Pumpe, die nicht genug Blut in den Kreislauf pumpt. „Er sollte jetzt nicht mehr fahren“, meint er, „sonst wird er sterben. Wir müssen sofort operieren“, sagt er leise. Als er mir den Preis nennt, reagiere ich wie betäubt. Weinend gestehe ich, dass ich nur Kassenpatientin bin und mir die OP gar nicht leisten kann.
Der Bruder meines Mannes ist Krankenpfleger, lüge ich, denn mein Mann hat nur eine Schwester und die kennt sich nur mit Schildkröten, nicht aber mit Lupos aus. Der macht das schon irgendwie.
Ich nehme den Schlüssel und will mit dem Patienten abhauen. „Wenn Sie sich noch an die Sprechstundenhilfe wenden“, sagt der Arzt, „wegen der Rechnung.“
Rechnung? Sie müssen mich falsch verstanden haben, denke ich, ich lasse ihn nicht hier.
„Aber die Untersuchungen müssen Sie bezahlen, das werden Sie doch verstehen?“ Nichts ist umsonst, nicht mal eine Diagnose.

Irgendwie fühl ich mich beschissen (worden).

Dienstag, 19. Januar 2010

Nichts wird leichter

In meiner Illusion wird das Leben ja leichter, wenn man älter wird. Also nicht wirklich leichter, aber irgendwie halt schon. Ja, ich weiß, die körperlichen Leiden nehmen wahrscheinlich zu und die geistigen Fähigkeiten ab und die Freunde sterben einem weg. Aber bestimmt weiß man dann, wer man ist, wohin man gehört, was man will. Bestimmt blickt man dann ruhig und gelassen auf ein erfülltes Leben zurück, sitzt im Lehnstuhl und strickt zufrieden an den Socken für die Urenkel.

Dachte ich mir. Bis ich dieses Mail bekam:

In meiner eigenen Zerrissenheit zeigen mir Deine Gedanken vielleicht einen Weg, den ich zu finden hoffe!
Selber noch weit weg von dem wo ich sein möchte! Höhen und Tiefen, auch im fortgeschrittenen Alter nicht ausweichen können und die eigene Unzulänglichkeit erkennend und immer noch suchend! Wem das begreiflich machen können, dadurch immer allein! Unsicherheit in Entscheidungen und Mitleid mit denen, die man in Sicherheit wähnen möchte!
Dann die Ungewißheit des neuen Jahres und ein Bangen um viele Dinge des Lebens, obgleich man sicher sein könnte!


Vielleicht erinnert ihr euch noch an Elfriede http://barbaralehner.twoday.net/stories/5762806/, die mir dieses Mail geschrieben hat. Elfriede ist 87 (und hat neulich Frau Dr. Blubb auf Facebook geaddet ;-)

Ich weiß nicht, ob ich wirklich traurig bin darüber, dass sich die Zweifel nicht in Luft auflösen. Dass das Leben nicht wirklich leichter wird. Vielleicht hat sie auch etwas Tröstliches, die Tatsache, dass das Leben lebendig bleibt.
Vielleicht ist es gut so. Vielleicht auch nicht.
Es ist, wie es ist.

Weise Worte, wahr

"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Selbstgeschrieben


Barbara A. Fallnbügl (mein Mädchenname) Monika Pellkofer- Grießhammer
Jakob und der gewisse Herr Stinki


Barbara A. Lehner (Text) Eleonore Petzel (Musik)
Von Herzen und Seelen - CD

Neu

Wie geht es unserer Testsiegerin?
Wie geht es unserer Testsiegerin?
Lo - 5. Feb, 17:25
Vielen Dank! Du findest...
Vielen Dank! Du findest mehr von mir auf facebook ;-)
testsiegerin - 30. Jan, 10:40
Kurschatten ' echt keinen...
auch wenn diese deine Kur schon im Juni...xx? war,...
kontor111 - 29. Jan, 09:13
zum entspannen...Angel...meint
wenn ich das nächste Mal im Bett liege, mich verzweifelt...
kontor111 - 29. Jan, 08:44
"Pinguin"
"Pinguin"
bonanzaMARGOT - 11. Mär, 11:11
Sleepless im Weinviertel
Ich liege im Bett. Ich bin müde. Ich lese. Eine Romanbiografie...
testsiegerin - 13. Jan, 11:30
... ich könnte mal wieder...
... ich könnte mal wieder eine brasko-geschichte schreiben.
bonanzaMARGOT - 8. Jan, 07:05
OHHH!
OHHH! Hier scheint bei Twoday etwas nicht zu stimmen. Hoffentlich...
Lo - 7. Jan, 13:36

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